Was lest ihr gerade?

  • Fange später mit "der Kreutzersonate" an und direkt im Anschluss die Antwort von seiner Gattin "Eine Frage der Schuld" von Sofja Tolstaja :smile:


    LG
    Anita

    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

  • Ich lese gerade die Wilhelm-Busch-Biographie "Ich wollt, ich wär ein Eskimo" von Gudrun Schury. Sehr interessant und gut geschrieben. Endlich wieder eine Wissenslücke, die aufgefüllt wird.


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    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)


  • Gelesen:
    * David Safier: "Mieses Karma" – Nichts dolles, aber ganz unterhaltsam zwischendurch


    Fand die Ideen auch ganz nett. Beim Querlesen der Kommentare auf Amazon stieß ich auf den Vorwurf, hier würde das klassische Geschlechterbild propagiert. Für mich war es leichte Unterhaltung


    *Gottfried Keller: "Spiegel, das Kätzchen"
    Wunderschöne Sprache. Ich muss unbedingt mehr von Keller lesen.


    * Frank Wedekind: "Frühlings Erwachen"
    Schöne Tragödie, die einen froh darüber macht, nicht zu dieser Zeit Jugendlicher gewesen zu sein.


    * Walter Moers: "Wilde Reise durch die Nacht"
    Die Fantasie von Moers ist beeindruckend. Und er kann schreiben.

  • Neben meinen beiden Leserunden zu Goethes Italienischer Reise und Utopia von Thomas Morus, lese ich momentan Wolf Hall von Hilary Mantel (Gewinnerin des Booker Prize 2009). Ein historischer Roman über Thomas Cromwell, der zunächst in den Diensten von Kardinal Wolsey stand und später dann hohe Ämter unter Heinrich VIII. innehatte.


    Das Buch ist ganz gut geschrieben; einziges Manko: Mantel verwendet sehr häufig einfach nur das Pronomen "er", sodaß man immer wieder überlegen muß, von wem gerade die Rede ist...

  • Ich lese gerade "Der Prozess" von Kafka. Bin ungefähr in der Hälfte angelangt und es fällt mir immer schwerer, mich auf dieses Buch zu konzentrieren... Einerseits nichtssagend, da immer wieder das Gleiche erzählt wird und andererseits lässt es mich aber doch nicht los und ich bin gespannt, wie es weitergeht... Schade nur, dass ich durch das Lesen diverser Rezensionen und Ähnliches das Ende bereits weiß... Werde also weiterlesen und mir weiterhin Gedanken darüber machen, was das Buch mir sagen will... :rollen: Dieser Prozess, in dem es gar keine konkrete Anklage gibt, wessen Vergehen wird er angeklagt?


  • Ich lese gerade "Der Prozess" von Kafka. Bin ungefähr in der Hälfte angelangt und es fällt mir immer schwerer, mich auf dieses Buch zu konzentrieren... Einerseits nichtssagend, da immer wieder das Gleiche erzählt wird und andererseits lässt es mich aber doch nicht los und ich bin gespannt, wie es weitergeht... Schade nur, dass ich durch das Lesen diverser Rezensionen und Ähnliches das Ende bereits weiß... Werde also weiterlesen und mir weiterhin Gedanken darüber machen, was das Buch mir sagen will... :rollen: Dieser Prozess, in dem es gar keine konkrete Anklage gibt, wessen Vergehen wird er angeklagt?


    Den Prozess habe ich als Satire auf die Praxis christlicher Religion gelesen.
    Wir sind alle Sünder thebi und wer weiß schon, für was er sich alles ein Mal verantworten muss. Lies weiter und geh zur Beichte.

  • Den Prozess habe ich als Satire auf die Praxis christlicher Religion gelesen.
    Wir sind alle Sünder thebi und wer weiß schon, für was er sich alles ein Mal verantworten muss. Lies weiter und geh zur Beichte.


    Tja, da hast Du wohl recht :zwinker:, ich denke, dass es wohl eine Anklage gegenüber seinem eigenen Gewissen ist. Und K. könnte ja auch die Abk. für Kafka sein, oder? :rollen: Aber Herr K. kann wohl auch für jeden anderen stehen... Mir gefällt der nüchterne und klare Schreibstil... .LG

  • Meinst Du das im Ernst?


    Ich meine das ernst!



    Gerade im 7. und 8. Kapitel finden sich viele Anspielungen auf die vielbeschworene himmlische Gerichtsbarkeit.
    Z.B.


    Zitat

    Das Verfahren vor den Gerichtshöfen sei aber im allgemeinen auch für die unteren Beamten geheim, sie können daher die Angelegenheiten, die sie bearbeiten, in ihrem ferneren Weitergang kaum jemals vollständig verfolgen, die Gerichtssache erscheint also in ihrem Gesichtskreis, ohne daß sie oft wissen, woher sie kommt, und sie geht weiter, ohne daß sie erfahren, wohin


    Wenn ich dann noch dem Kommentar entnehme, dass Kafka beim vorlesen manchmal schallend gelacht haben soll, mache ich mir so einen Reim daraus.

  • Hm ... weshalb sollte der Jude Kafka eine Satire über den Jüngsten Tag christlicher Prägung verfassen?


    Nun, ich hätte auch von einer Satire auf die Jüdisch-Christliche Religionstradition schreiben können(sollen).


    Lässt sich nicht schon der Anfang des Romans so lesen, dass Herr K. vom Tod (wie es sich ja am Ende herausstellt) aus dem Bett geholt und, vereinfacht gesprochen, zum Zweikampf gefordert wird, und findet sich dieses Ringen Mensch gegen Sensemann nicht in beiden Traditionen wieder?
    Was Kafka und das Judentum betrifft: da wird ja viel gedeutelt, hin und her und her und hin. Da ich Kafkas Biografie kaum kenne, kann ich dazu auch nichts beitragen. Jedenfalls ist es eine Verkürzung seine Werke nur auf das Düstere und Hintergründige zu komprimieren. Kafka hat auch eine Schalksnatur.

    Ich nehme nur den einzigen Satz, den ich mir aus dem Prozess gemerkt habe, weil er einen hohen Gebrauchswert hat.
    In der ersten Gerichtsszene wird Herr K. getadelt, weil er zu spät kommt. Die Antwort lautet:


    "Es mag sein, dass ich zu spät bin. Aber jetzt bin ich da"


    Dieser prägnant formulierte Widerstand könnte doch auch aus einem "Monty Python" Sketch stammen.

  • Hallo. Gab es hier schon einmal eine Leserunde zu "Der Prozess"? Wäre ja vielleicht einmal eine Idee...
    Ich habe "Der Prozess" jetzt beendet und habe meine eigene Interpretation... Meine ganz persönliche Meinung ist die, dass Kafka in diesem Prozess seine Krankheit verarbeitet, das Gericht und die Advokaten sind die Ärzte, die Medizin. Das Ende konnte er gar nicht selber schreiben, oder :rollen: (wobei ich nicht weiß, welche "Kapitel" er nicht mehr selbst geschrieben hat - weiß das jemand?
    Meint Ihr, das sei so seehr abwegig? Und außerdem setzt er sich natürlich im Laufe seiner Krankheit u.a. auch mit Religion, dem Sinn des Lebens, immer neuen Behandlungsmethoden usw. auseinander. Und wenn man bedenkt, dass er diesen "Roman" selbst nicht beendet hat... Kann sein, dass ich ganz falsch liege, es gibt ja schließlich feste Interpretationen, die in eine ganz andere Richtung geben, aber dennoch...


    Vielleicht ist hier der falsche Posting-Ort für dieses Thema...?? :rollen:

  • Nun, ich hätte auch von einer Satire auf die Jüdisch-Christliche Religionstradition schreiben können(sollen).


    Ich habe ganz große Lust "Den Prozeß" diesbezüglich erneut zu lesen, ich finde einfach diese Idee extrem reizvoll und möchte das unbedingt ausprobieren :winken:


    LG
    Anita

    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"


  • Hallo. Gab es hier schon einmal eine Leserunde zu "Der Prozess"? Wäre ja vielleicht einmal eine Idee...
    Ich habe "Der Prozess" jetzt beendet und habe meine eigene Interpretation... Meine ganz persönliche Meinung ist die, dass Kafka in diesem Prozess seine Krankheit verarbeitet, das Gericht und die Advokaten sind die Ärzte, die Medizin. Das Ende konnte er gar nicht selber schreiben, oder :rollen: (wobei ich nicht weiß, welche "Kapitel" er nicht mehr selbst geschrieben hat - weiß das jemand?


    Das Universum Kafka :zwinker:


    Wenn es allerdings so ist, und Kafka hat das Eingangs- und Schlusskapitel zusammen am Anfang geschrieben, dann ist das nicht plausibel. Mir kommt Herr K. auch in weiten Teilen des Textes zu lebendig und gelassen vor. Es müsste eher ein unklares Krankheitsbild sein, dass sich in den Romanassoziationen, beispielsweise im Labyrint des Gerichts finden könnte.


    Man müsste Kafka wieder lebendig machen und so lange durchprügeln, bis er seine Motive klarstellt. Aber auch darauf würde ich mich nicht verlassen :breitgrins:


  • Meine ganz persönliche Meinung ist die, dass Kafka in diesem Prozess seine Krankheit verarbeitet, das Gericht und die Advokaten sind die Ärzte, die Medizin. Das Ende konnte er gar nicht selber schreiben, oder :rollen: (wobei ich nicht weiß, welche "Kapitel" er nicht mehr selbst geschrieben hat - weiß das jemand?
    Meint Ihr, das sei so seehr abwegig?


    Ehrlich gesagt, ja:
    Niederschrift von Der Process :1914/15
    Ausbruch der Lungentuberkulose :1917


    Sorry, genauso abwegig wie:



    Satire auf die Jüdisch-Christliche Religionstradition.


    Ich glaube, Kafka hatte Vordringlicheres, worunter er litt und was er schreibend zu ergründen und zu verarbeiten suchte. Wie wär's einfach mit der conditio humana?


    Kafka hat auch eine Schalksnatur.


    Da stimme ich zu! Manche seiner Texte haben ja nachgerade die Struktur eines Witzes. Die Kleine Fabel z.B.:


    Zitat

    "Ach", sagte die Maus, " ... und da vorne steht die Falle." "Du musst nur die Laufrichtung ändern", sagte die Katze und fraß sie.

  • Ehrlich gesagt, ja:
    Niederschrift von Der Process :1914/15
    Ausbruch der Lungentuberkulose :1917



    Stimmt... Trotzdem: Kafka ist 1924 gestorben, da war er 40, hat 1914 mit "Der Prozess" begonnen, da war er 30 (am 30. Geb. war die Verhaftung von K.
    Außerdem war Kafka 1914 im Sanatorium, ich weiß nur nicht warum - weiß das jemand von Euch?
    Und seine Krankheit war zur damaligen Zeit unheilbar ("es gibt keinen Freispruch").
    Naja, war ja auch nur einen Idee, die mir während des Lesens so kam - mir sceitn er nicht ganz so abwegig...