Das amerikanische Nature-Writing

  • Hallo zusammen,


    in der NZZ gibt es einen interessanten Artikel über das Genre "Nature-Writing", das wohl typisch amerikanisch sein soll und beinhaltet sowohl naturwissenschaftliche Abhandlung sowie auch philosophische Essay über Mensch und Natur; beginnend von Ralph Waldo Emerson über Henry David Thoreau bis in die Neuzeit, diverse Autoren wie Wallace Stegner werden genannt.


    Das amerikanische Nature-Writing – ein unbekanntes literarisches Genre



    Zitat:
    In der englisch-amerikanischen Literatur hat sich im Laufe der letzten rund zweihundert Jahre ein Genre entwickelt, für das es im deutschsprachigen Raum weder eine Entsprechung noch einen Namen gibt: das nature writing .


    so wird behauptet.


    Alexander von Humboldt könnte doch in deutschen Landen dazugehören (? - ich habe ihn noch nicht gelesen und vermute es nur).
    vielleicht tritt diese Art zu schreiben wirklich nur vermehrt in Amerika auf, wenn ich mir im obigen Artikel die genannte Literatur durchsehe.
     
    Gruß
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Zitat:
    In der englisch-amerikanischen Literatur hat sich im Laufe der letzten rund zweihundert Jahre ein Genre entwickelt, für das es im deutschsprachigen Raum weder eine Entsprechung noch einen Namen gibt: das nature writing .


    so wird behauptet.


    Alexander von Humboldt könnte doch in deutschen Landen dazugehören (? - ich habe ihn noch nicht gelesen und vermute es nur).


    Eher nein. Mit Thoreau, Emerson, Whitman hat Humboldt nichts zu tun. Eher - die Verbindung von Naturbeobachtung, philosophisch verbrämter Mystik und Poesie betreffend - noch Alfred Brehm. Jedenfalls für das erste und das letzte. Allerdings ist die Verbindung von halbmystischem Naturdenken und -beobachten, das die drei genannten US-Amerikaner auszeichnet, im Deutschen wohl wirklich nicht zu Hause. Da ist man eher auf der einen oder auf der andern Seite. Da ich die übrigen genannten Autoren nicht kenne, bin ich mir aber nicht sicher, wie weit der Artikel nicht Entdecker, Naturwissenschafter und Dichter in einen Topf wirft, in dem sie nicht zusammen gehören.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Eher nein. Mit Thoreau, Emerson, Whitman hat Humboldt nichts zu tun. Eher - die Verbindung von Naturbeobachtung, philosophisch verbrämter Mystik und Poesie betreffend - noch Alfred Brehm. Jedenfalls für das erste und das letzte. Allerdings ist die Verbindung von halbmystischem Naturdenken und -beobachten, das die drei genannten US-Amerikaner auszeichnet, im Deutschen wohl wirklich nicht zu Hause. Da ist man eher auf der einen oder auf der andern Seite. Da ich die übrigen genannten Autoren nicht kenne, bin ich mir aber nicht sicher, wie weit der Artikel nicht Entdecker, Naturwissenschafter und Dichter in einen Topf wirft, in dem sie nicht zusammen gehören.



    ich kenne noch weniger von den genannten Schriftsteller. Whitman habe ich zum Teil gelesen. Aber sonst .... :rollen:
    Thoreaus "Walden..." habe ich mir letztes Jahr gekauft und wartet noch auf Lesezeit.


    das Land hat natürlich auch eine Weite, von dem Deutschland nur träumen kann, vielleicht ist das auch ein Grund für diese Art zu schreiben. Beeindruckende Landschaften, viel zu Entdecken oder auch zu retten und zu bewahren.


    LG
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Aber sonst .... :rollen:
    Thoreaus "Walden..." habe ich mir letztes Jahr gekauft und wartet noch auf Lesezeit.


    das Land hat natürlich auch eine Weite, von dem Deutschland nur träumen kann, vielleicht ist das auch ein Grund für diese Art zu schreiben. Beeindruckende Landschaften, viel zu Entdecken oder auch zu retten und zu bewahren.


    Hm ... gerade "Walden" ist ein kleiner Teich, im Grunde genommen Vorstadt, schon zur Zeit Thoreaus ... ;)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hmmm, "Walden" habe ich mir 2007 im Ramsch bei Zweitausendeins zugelegt. Aber irgendwie finde ich nicht den richtigen Anreiz, mich mit dem Werk zu beschäftigen, wobei auch dein Vergleich mit dem Vorstadtteich nicht wirklich hilft, sandhofer :breitgrins:


    finsbury

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)


  • Hmmm, "Walden" habe ich mir 2007 im Ramsch bei Zweitausendeins zugelegt. Aber irgendwie finde ich nicht den richtigen Anreiz, mich mit dem Werk zu beschäftigen, wobei auch dein Vergleich mit dem Vorstadtteich nicht wirklich hilft, sandhofer :breitgrins:


    finsbury


    Das ist schnell gelesen und mit Google Earth kannst du dir selbst ein Bild von der Gegend machen.

  • Danke, dass du dagegenhältst, Lost!


    Ich möchte deine Erwartungen aber nicht zu hoch schrauben, es ist ein interessanter selbstreflektierende Bericht von einem Selbstversuch, aber die Wildnis ist eher Schrebergarten. Ich frage mich gegenwärtig ob T. jetzt Anhänger der Teeparty-Bewegung wäre.


    Hier die geographischen Koordinaten des Sees: N71° 20' 19", W42° 26' 21" (um diese Jahreszeit wurde früher dort Eis gesägt, also keine Badehose einpacken)


  • Thoreaus "Walden..." habe ich mir letztes Jahr gekauft und wartet noch auf Lesezeit.



    Hmmm, "Walden" habe ich mir 2007 im Ramsch bei Zweitausendeins zugelegt. Aber irgendwie finde ich nicht den richtigen Anreiz, mich mit dem Werk zu beschäftigen ...


    Dieses Buch umschleiche ich seit Jahren. Vom Kauf hält mich meine Erinnerung an Emerson ab. Dieses esoterische Schwärmen hat mir die Bewegung der amerikanischen "Transzendentalisten" ziemlich verdächtig gemacht. Whitmans "Leaves of grass" bilden, so weit ich sie gelesen habe, eine Ausnahme, weil dort neben aller Naturverehrung auch das Individuum gefeiert wird und immer wieder die amerikanische Realität durchscheint.

  • Auf Thoreau war ich bei Hawthorne gestoßen, hauptsächlich im literarischen Umfeld der "Blithedale Romance". Die Neugierde brachte mir dann "Walden" ein, und das hätte ich besser bleiben lassen sollen. Ich fand das Buch unsäglich verschroben, die fromme Naturverklärung ging mir einfach gegen den Strich.


    Ich glaube, irgend jemand hat einen ähnlichen Eindruck auch zu Rousseau geäußert: er ärgert sich über jeden Tag, an dem er nicht auf allen Vieren geht.


  • Die Neugierde brachte mir dann "Walden" ein, und das hätte ich besser bleiben lassen sollen. Ich fand das Buch unsäglich verschroben, die fromme Naturverklärung ging mir einfach gegen den Strich.


    Tausend Dank für diese Einschätzung! Ich spare mir den Buchkauf.



    Ich glaube, irgend jemand hat einen ähnlichen Eindruck auch zu Rousseau geäußert: er ärgert sich über jeden Tag, an dem er nicht auf allen Vieren geht.


    :breitgrins:


    LG


    Tom

  • Tausend Dank für diese Einschätzung! Ich spare mir den Buchkauf.


     
    Thoreau hat auch den "Ungehorsam gegenüber dem Staat" erfunden und so Ghandi und Martin Luther King inspiriert. Es ist schon mehr als fromme Naturverklärung bei ihm (auch wenn die viel Raum einnimmt), es ist auch Rebellion gegen den Staat und seine Institutionen hinter Thoreaus Rückzug aus der Zivilisation.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Zitat

    Thoreau hat auch den "Ungehorsam gegenüber dem Staat" erfunden und so Ghandi und Martin Luther King inspiriert. Es ist schon mehr als fromme Naturverklärung bei ihm (auch wenn die viel Raum einnimmt), es ist auch Rebellion gegen den Staat und seine Institutionen hinter Thoreaus Rückzug aus der Zivilisation.


    Angesichts des Organisationsgrades, den die USA zu Thoreaus Zeiten hatten, trägt so eine Rebellion neurotische Züge. Ja, jetzt fällt sie mir auch auf: die Nähe zur Teaparty.

    Einmal editiert, zuletzt von Gronauer ()

  • Weshalb ich damals auf die Frage, ob es deutsche Pendants zu Thoreau & Co. nicht an Brockes gedacht habe, weiss ich allerdings nicht. Der hat vieles von Thoreau, inkl. dem religiösen Hintergrund, auch wenn der Deutsche mehr Physikotheologe war denn Schwärmer...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • Weshalb ich damals auf die Frage, ob es deutsche Pendants zu Thoreau & Co. nicht an Brockes gedacht habe, weiss ich allerdings nicht. Der hat vieles von Thoreau, inkl. dem religiösen Hintergrund, auch wenn der Deutsche mehr Physikotheologe war denn Schwärmer...


    Kenne ich nicht. Gutenberg-DE hat grad mal vier Gedichte veröffentlicht, die sind allerdings sehr schön, besonders "Kirschblüte bei der Nacht"


    http://gutenberg.spiegel.de/buch/317/1


    Auf deiner Seite finde ich schon mehr Infos ...
    http://litteratur.ch/SMF/index.php?topic=608.msg7645#msg7645


    Ich schau mir deinen Blog demnächst an, interessiert mich nun doch.


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Moin, Moin!



    Auf Zeno fand ich mehr über Brockes, der Anfang von "Irdisches Vergnügen in Gott" ist wunderschön und stimmt nachdenklich.


    http://www.zeno.org/Literatur/…nuegen+in+Gott/Einleitung


    Für die Umwandlung von PG- und Zeno-Texten in das epub-Format gibt es das Programm "Ebola". Leider funktioniert es bei mir nur mit den Quellen vom Projekt Gutenberg. Kennt einer dieses Problem?


    BTW ist der Link kaputt. Geht <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Brockes,+Barthold+Heinrich/Gedichte/Irdisches+Vergn%C3%BCgen+in+Gott?hl=brockes+irdisches">der hier</a>?



  • Danke für den verbesserten Link.
    Ich empfehle mal in die "Einleitung" reinzulesen. Ein wunderschöner Text.


    Wegen "Ebola":
    für die Umwandlung der Texte bei Zeno benötigt man das Tool "Cextra" das ist nicht mehr kostenlos oder überhaupt erhältlich ist. Hab's auch schon vergeblich gesucht. Nur über eine unsichere Seite hätte ich es downloaden können, was ich gemieden habe.


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)