writers's writer

  • Hallo zusammen,


    vielleicht könnt ihr mir helfen. Ich komme mit dem Begriff "writer's writer" nicht klar.
    Mir kam der Begriff unter, als er im Faulkner Thread fiel, (ein Schriftsteller für Schriftsteller) und im Doderer-ABC wird Doderer als ein writer's writer bezeichnet.


    Woran erkenne ich, dass ein Autor ein writer's writer ist?


    Wie macht ihr das in einem Roman aus? Was kennzeichnet ein Werk, daß man sagen kann hier schreibt der Schriftsteller für Schriftsteller?


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()

  • Woran erkenne ich, dass ein Autor ein writer's writer ist?


    Wie macht ihr das in einem Roman aus? Was kennzeichnet ein Werk, daß man sagen kann hier schreibt der Schriftsteller für Schriftsteller?


    Ich habe den Begriff zwar noch nie bewusst wahrgenommen, aber ich vermute, dass das keine werkimmanente Spezifikation ist. Sprich: In einem Roman kann ich das nicht erkennen. Es ist wohl eher die Rezeption, die den Begriff ausmacht: Wenn ein Autor v.a. unter Kollegen einen Namen hat, Kollegen sich an ihm messen oder sich als von ihm beeinflusst bekennen, ohne dass er im weiteren Publikum bekannt wäre.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Kann es sein, dass es einem Autor gar nicht bewusst wird "writers's writer" zu sein, beziehungsweise erst die die Zeit und die Umstände ihn dazu machen. So schreibt im Nachwort zu Jean Pauls Schulmeisterlein Wutz Gregor Delin, Jean Paul wäre nie von einem breiten Publikum gelesen worden, aber immer intensiv von anderen Schriftstellern.

  • Jean Paul wäre nie von einem breiten Publikum gelesen worden, aber immer intensiv von anderen Schriftstellern.


    M.W. war Jean Paul im frühen Zenit seiner Karriere (Hesperus, Siebenkäs, Quintus Fixlein) so was wie ein Bestsellerautor. Und Goethe und Schiller mochten ihn gar nicht. Und umgekehrt. Und wer ist Gregor Delin? Meinst Du Martin Gregor-Dellin?

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • M.W. war Jean Paul im frühen Zenit seiner Karriere (Hesperus, Siebenkäs, Quintus Fixlein) so was wie ein Bestsellerautor. Und Goethe und Schiller mochten ihn gar nicht. Und umgekehrt. Und wer ist Gregor Delin? Meinst Du Martin Gregor-Dellin?


    Und die Frauen lagen ihm zu Füßen, natürlich nur wegen seiner Romane! Aber es ist trotzdem schon komisch, dass auch diese vergleichsweise einfachen frühen Romane, die dennoch heute bei vielen Leuten auf große Lesewiderstände stoßen, damals so weggeschlungen wurden.
    Die späten Romane JPs sind aber sicher i.W. Vorbilder für Kollegen. Das gilt ja auch für solche Werke in der Nachfolge Richters, wie z.B. "Zettels Traum".
    Für den Ulysses kann man - denke ich - in eingeschränktem Maße Ähnliches und erst recht für Finnegans Wake annehmen.



    finsbury

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)


  • ? Meinst Du Martin Gregor-Dellin?


    So ist es. Hatte nicht nachgeschaut und war wohl noch etwas verschlafen.


    Zitat

    M.W. war Jean Paul im frühen Zenit seiner Karriere (Hesperus, Siebenkäs, Quintus Fixlein) so was wie ein Bestsellerautor. Und Goethe und Schiller mochten ihn gar nicht. Und umgekehrt.


    Gab zu Lebzeiten von Jean Paul überhaupt ein "breites Publikum" für die Literatur? Wenn Schiller und Goethe Jean Paul ablehnten, dann hat das nicht viel zu sagen, es sind höchstens abstrakt ästhetische Gründe und Eifersucht. Die beiden waren ja auch ziemlich aufgeblasen, allerdings nicht gerade zu Unrecht.

  • Selbstverständlich gibt es das heute, bei einer Alphabetisierungsrate von nahe 100% in Deutschland und den, im Vergleich zu früher, niedrigen Buchpreisen.


    Definiere: Literatur. Ich verstehe darunter nicht die Bild-Zeitung oder Uta Danella ... :zwinker:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Definiere: Literatur. Ich verstehe darunter nicht die Bild-Zeitung oder Uta Danella ... :zwinker:


    Wie wäre es mit: Literatur ist die Menge schriftlich fixierter Erzählungen mit ganz oder teilweise fiktiven Inhalten, die nicht alleine zur Erlangung von Information und Wissen gedacht sind.


    Dabei meine ich, es muss nicht eine eindeutige, vollständig abgegrenzte Definition geben. Die Bildzeitung sollte nicht dazu gehören (ich lese sei nicht), aber Uta Danella auf jeden Fall, so wie Mankell oder Sue.

  • Wie wäre es mit: Literatur ist die Menge schriftlich fixierter Erzählungen mit ganz oder teilweise fiktiven Inhalten, die nicht alleine zur Erlangung von Information und Wissen gedacht sind.


    Dabei meine ich, es muss nicht eine eindeutige, vollständig abgegrenzte Definition geben. Die Bildzeitung sollte nicht dazu gehören (ich lese sei nicht), aber Uta Danella auf jeden Fall, so wie Mankell oder Sue.


    Selbst dann: "breites Publikum" gemäss Deiner Auffassung ist wohl auch das nicht. "Breites Publikum": Das ist Fussball-WM (wenn wir mal USA und Kanada aussen vor lassen). Das ist Tokyo Hotel.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Ich habe den Begriff zwar noch nie bewusst wahrgenommen, aber ich vermute, dass das keine werkimmanente Spezifikation ist. Sprich: In einem Roman kann ich das nicht erkennen. Es ist wohl eher die Rezeption, die den Begriff ausmacht: Wenn ein Autor v.a. unter Kollegen einen Namen hat, Kollegen sich an ihm messen oder sich als von ihm beeinflusst bekennen, ohne dass er im weiteren Publikum bekannt wäre.


    Zitat von "Lost"

    Kann es sein, dass es einem Autor gar nicht bewusst wird "writers's writer" zu sein, beziehungsweise erst die die Zeit und die Umstände ihn dazu machen.


    Hallo,


    ich danke euch, dass ihr es mir so gut und logisch erklärt habt und dass es im Werk selbst nicht zu erkennen ist. Das war mir wichtig zu wissen.


    ich finds auch interessant zu erfahren, welche Autoren als writer's writer gelten. So bewußt ist mir das bisher nicht gewesen:


    Faulkner,
    Doderer
    Jean Paul (Richter)


    .... (?)


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Selbst dann: "breites Publikum" gemäss Deiner Auffassung ist wohl auch das nicht. "Breites Publikum": Das ist Fussball-WM (wenn wir mal USA und Kanada aussen vor lassen). Das ist Tokyo Hotel.


    Ich bin nicht sicher, ob es nicht mehr Menschen in Deutschland gibt, die während einer Fußballübertragung ein Buch lesen. Aber es mag sein, dass du, bezogen auf die Gegenwart Recht hast, wer hat jedoch, im 19. Jahrhunderts und in der ersten des 20.igsten, vor der Klotze gesessen?
    Die Volksbildung , das billige Papier und die Erhöhung des Einkommens haben das breite Publikum für die Literatur geschaffen und die Literatur für das breite Publikum. Wenn im Zeitalter der Technik andere Medien, dieser demokratischsten aller Künste, Publikum wegnehmen, so ist es ein ähnlicher Vorgang wie früher das Lesen das mündlichen Erzählen verdrängte, was jetzt übrigens durch die Hörbücher wieder rückgängig gemacht wird und das Publikum für die Literatur noch breiter macht (was auch daran liegt, dass man beim und lesen und hören ähnlich gut essen kann wie beim fernsehen).

  • Moin, Moin!


    ich finds auch interessant zu erfahren, welche Autoren als writer's writer gelten. So bewußt ist mir das bisher nicht gewesen:


    Ich stieß erstmalig auf den Begriff, als Richard Yates so bezeichnet worden ist. Inzwischen hat er sich, sicher auch dank der Verfilmung, doch noch zu einem "ordentlichen" Autoren entwickelt. ;-)

  • Writer’s-Writer’s Writer
    Offenbar geht es bei dem Begriff um Schriftsteller, die besonders von der eigenen Zunft geschätzt werden, weniger aber (oder gar nicht) vom Publikum. Hier ein Beispiel, dass ganz Berühmte Henry Green den besten Romanschreiber seiner Generation nannten, - aber Erfolge bei den Lesern hatte er nicht.
    *
    Henry Green occupies a special but somewhat puzzling place in the history of modern English fiction. That his real name was Henry Yorke is symbolic of the general elusiveness of his literary identity. He seems to stand to one side of his fictional oeuvre, smiling enigmatically and challenging us to put a label, and a value, on it. He has been called a “writer’s writer,” and even, according to Terry Southern, “a writer’s-writer’s writer.” W. H. Auden, Eudora Welty, V. S. Pritchett, Rebecca West, and John Updike have all described him, at various times, and in various ways, as the finest novelist of his generation, yet he never enjoyed either the commercial success or the literary fame of contemporaries such as Evelyn Waugh, Graham Greene, and Christopher Isherwood.

    Eine Folge konsequenter Augenblicke ist immer eine Art von Ewigkeit selbst.

  • im heutigen Kalenderblatt findet sich die Aussage, daß auch Cormac McCarthy ein Schriftsteller für Schriftsteller ist, zumindest durch seine frühen Romanen. Geändert hat das sich mit "All die schönen Pferden" das 1993 herauskam und verfilmt wurde. Ein romantisches Buch, das sehr vom eher nüchternen Ton der früheren Werke McCarthys abweicht. Zitat, Harenberg Kalender 19. Juli 2013.


    Morgen, am 20. Juli 2013 wird der Autor 80 Jahre alt !


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • im heutigen Kalenderblatt findet sich die Aussage, daß auch Cormac McCarthy ein Schriftsteller für Schriftsteller ist, zumindest durch seine frühen Romanen. Geändert hat das sich mit "All die schönen Pferden" das 1993 herauskam und verfilmt wurde. Ein romantisches Buch, das sehr vom eher nüchternen Ton der früheren Werke McCarthys abweicht. Zitat, Harenberg Kalender 19. Juli 2013.


    Morgen, am 20. Juli 2013 wird der Autor 80 Jahre alt !


    Gruß,
    Maria


    Hallo Maria,


    das ist ja interessant. Ich habe von McCarthy nur Die Straße gelesen (sehr gut!), kenne aber von seinen frühen Romanen gar nichts. Weiß hier jemand was dazu?


    Aber ich musste gleich an John Banville denken: Vor Jahren - ich glaube, es war als Die See erschien - wurde er auch als a writer's writer bezeichnet. Nun, ich bin kein "Writer", lese Banville aber gerne, er ist ein "Sprachkünstler" (so nenne ich ihn jetzt einfach mal :zwinker:).


    Gruß, Gina

  • Hallo Gina,


    Zu "Draußen im Dunkeln" und "die Abendröte im Westen" fand ich keinen Zugang, soviel Düsternis und Gewalt war mir zu heftig. Obwohl ich es mit der " Abendröte..." nochmals versuchen möchte, irgendwann.


    Die Straße" und "No Place for Old Men" fand ich zugänglicher.


    Kürzlich hab ich mir die Border-Trilogie gekauft, aber noch nicht gelesen:


    Kaufen* bei

    Amazon

    * Werbe/Affiliate-Links


    Beinhaltet :
    Die Border-Trilogie: All die schönen Pferde. Grenzgänger. Land der Freien. Drei Romane [Broschiert]
    Cormac McCarthy (Autor), Hans Wolf (Übersetzer), Nikolaus Stingl (Übersetzer)



    Sir Thomas kennt sich gut mit seinen Romanen aus. Hier in diesem Thread kannst du mal nachschauen:
    http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2541.0.html


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Vielen Dank für die Info! Auf die Idee, im Forum danach zu suchen, hätte ich dussel ja auch kommen können :rollen:


    Aktuell steht McCarthy zwar nicht auf meiner Leseliste, aber ich werde ihn auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, zumal mir Die Straße so gut gefallen hat.


    Gruß, Gina


  • Vielen Dank für die Info! Auf die Idee, im Forum danach zu suchen, hätte ich dussel ja auch kommen können :rollen:


    Aktuell steht McCarthy zwar nicht auf meiner Leseliste, aber ich werde ihn auf jeden Fall im Hinterkopf behalten, zumal mir Die Straße so gut gefallen hat.


    Gruß, Gina



    War kein Umstand, das herauszusuchen und belebt vielleicht einen alten Thread :winken:


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)