Luzius Keller - Marcel Proust Enzyklopädie. Handbuch zu Leben, Werk, Wirkung ...


  • Tadìé:
    ... so sind es doch die Beethoven-Quartette, besonders die letzten, die Proust sich unablässig anhört, bis es ihm gelungen sein wird, ihre Substanz in Sprache zu verwandeln: dafür wird er noch drei Jahre brauchen (in deren Verlauf er das Capet- und das Poulet-Streichquartett zu sich nach Hause einlädt)....


    Hallo Maria,


    dazu passend, fand ich eine Fußnote Luzius Kellers im dritten Band der "Recherche ..." (Guermantes). Dort heißt es, Proust habe das Spätwerk eines Künstlers eindeutig dessen frühen Erzeugnissen vorgezogen. Als Beispiele werden die zitierten letzten Beethoven-Streichquartette sowie die späten Hugo-Gedichte genannt (z.B. Legend des sieclès). Ich kann ihn verstehen, denn sein eigenes Spätwerk, die genannte "A la Recherche du temps perdu", ziehe ich den frühen Schriften (soweit sie mir bekannt sind, wie "Les plaisirs et les jours") vor. Mit ein wenig Anstrengung ließen sich sicher weitere Belege für die "überlegene Reife" des Spätwerks finden (Dostojewski, T. Mann, Kafka, ...).


    @ Thomas: Sagt Deine Proust-Enzyklopädie mehr zu dieser Thematik?


    Viele Grüße


    Tom

  • Hallo,


    ich habe nun mal ein wenig recherchiert.


    Benutzte Literatur:
    1. Michel-Thiriet: Das Marcel Proust Lexikon (abgekürzt: MPL)
    2. Keller: Marcel Proust Enzyklopädie (abgekürzt: MPE)


    1. Sonate von Vinteuil


    1.1. Proust hat gegenüber Bibesco folgende Vorlagen benannt (MPL S. 371):
    a) Vorspiel 1. Akt Lohengrin von Wagner
    b) Ballade von Fauré (für Klavier und Orchester, op. 19)


    1.2. Proust hat in einer Widmung folgende Vorlagen benannt (MPL S. 371, MPE S. 808f):
    a) Sonate für Violine und Klavier von Saint-Saens
    b) Karfreitagszauber
    c) Sonate von Franck
    d) Vorspiel zu Lohengrin
    e) etwas von Schubert
    f) Klavierstück von Fauré


    2. Septett


    Hier spielt Franck eine große Rolle. Zunächst hier eine Auflistung wichtiger Stücke zur leichteren Identifizierung:


    - Klavierquintett 1878/79
    - Sinfonische Variation 1895
    - Geigensonate 1886 (von Proust am 19.03.1913 gehört)
    - Sinfonie in d-moll 1886/87
    - Streichquartett 1890 (wurde Proust zu Hause vorgespielt)


    2.1 Proust weist selber (in verschiedenen Cahiers) auf folgende Vorlagen hin (MPE S. 791):
    a) Steichquartett von Franck
    b) Sinfonie von Franck
    c) Klavierquintett von Franck
    d) Präludium, Fugen und Variationen für Orgel von Franck


    zahlreiche weitere Modelle werden angenommen:
    Wagner
    Fauré
    Chabrier (Prousts Familie verkehrte mit den Chabriers, MPE S. 153)
    Debussy
    Ravel


    2.2. Im Eintrag "Musik I" in MPE S. 593 wird erwähnt:
    a) La Mer von Debussy (auch nach MPL S. 371: 1. Satz von La Mer für den Anfang des Septetts)
    b) Sinfonie in D-Dur von Franck
    c) "Kinderszenen" von Schumann


    2.3 nach Painter (MPL S. 371) sind folgende Stücke relevant:
    a) Quartett in D-Dur von Franck
    b) Quintett in f-Moll von Franck


    Schöne Grüße,
    Thomas

  • Kleiner Zwischenruf: Schumanns "Kinderszenen" werden wohl kaum als Vorbild für ein (fiktives) Septett genannt werden können, da es sich um einen reinen Klavierzyklus handelt und es mWn. keine Übertragungen für andere Instrumente oder Instrumentgruppen gibt.


    Das aber nur am Rande.


    Viele Grüße


    Tom


  • Kleiner Zwischenruf: Schumanns "Kinderszenen" werden wohl kaum als Vorbild für ein (fiktives) Septett genannt werden können, da es sich um einen reinen Klavierzyklus handelt und es mWn. keine Übertragungen für andere Instrumente oder Instrumentgruppen gibt.


    Im Artikel sind sogar die Stücke/Lieder (?) aus den Kinderszenen genannt, die relevant sein sollen. Bin überhaupt kein Fachmann auf dem Gebiet, kann nur die Literatur wiedergeben.


    Gruß, Thomas

  • Hallo Thomas,


    so langsam aber sicher müssen wir aufpassen, hier nicht vollständig an den Interessen des Forums vorbeizuschreiben. Trotzdem noch einige letzte Bemerkungen zu Schumann: Die "Kinderszenen op.15", diesen wohl bekanntesten romantischen Klavierzyklus, habe ich als Amateur-Klimperer vollständig vorliegen (Klaviernoten und CD-Aufnahme). Die berühmte "Träumerei" (Stück No. 11) habe ich sogar schon einmal "gegriffen". Deshalb kann ich mir nur schwer vorstellen, aus diesen reinen Klavierstücken ein Septett mit Streichern bzw. mit Steichern und sonstigen Instrumenten zu phantasieren. Andererseits bedeutet der Einsatz von sieben Instrumenten natürlich nicht, dass das Stück von sieben Stimmen getragen wird. Very complicated ...


    Überlassen wir das weitere Fachsimpeln ruhig den Profimusikern (von denen es hier evtl. einige gibt).


    Es grüßt


    Tom

  • Ich habe das Wort "Nietzsche" noch nicht gelesen ... :breitgrins: :breitgrins: :breitgrins:


    Kannste haben: NIETZSCHE war auch sehr musikalisch und an Musik interessiert ... :zwinker: Mit Proust hatte er allerdings nichts zu tun (oder etwa doch?).


    So long


    Tom

  • Kannste haben: NIETZSCHE war auch sehr musikalisch und an Musik interessiert ... :zwinker: Mit Proust hatte er allerdings nichts zu tun (oder etwa doch?).


    So long


    Tom



    Hatte er nicht, Beethoven sollten wir aber noch erwähnen, er gehörte neben Wagner zu den Lieblingsmusikern Prousts. Er ist mehrfach in der Recherche erwähnt und es gibt auch eine längere Szene (Details müsste ich nachschlagen).


    Gruß, Thomas

  • Hallo zusammen,


    nun habe ich mir vor der Preisanhebung doch noch die Enzyklopädie bestellt!


    Nachdem ich in der NZZ Sonntagsbeilage von Januar 10 auf weitere positive Aspekt der Enzyklopädie gestossen bin, komme ich einfach nicht an diesem Werk vorbei. Ich freu mich :klatschen:


    wer sich für den Proust-Artikel interessiert -
    "Ansichten eines stubenhockerischen Proustianers (S.12):
    http://static.nzz.ch/files/1/9…Januar_2010_1.4660193.pdf



    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo zusammen,


    Buecher.de hat den Preis noch nicht auf 128 Euro angehoben, wer also doch noch kaufen möchte, sollte sich beeilen....


    seit 2 Tagen habe ich mein Exemplar und ich bin wirklich sehr begeistert. Was bereits die Stichpunkte "Mittelalter" und "Oper" ergaben.... fabelhaft.


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)



  • Du kannst jetzt als Expertin Auskunft geben, kostenlos aber nicht umsonst :breitgrins: