• Hier hat zwar mal eine Leserunde zu diesem Epos stattgefunden; einen allgemeinen Diskussionsthread dazu haben wir aber noch nicht eröffnet.


    Ich habe nun - im Zuge meiner Leselückenbereinigungen - auch den Beowulf gelesen. Zum (kleineren) Teil bin ich den originalen Stabreimen gefogt, zum Teil habe ich ein alte deutsche Übersetzung verfolgt, die ebenfalls in Stabreimen verfasst war, zum Teil eine moderne Prosaübersetzung.


    In nordischer Geschichte kenne ich mich - trotz Lektüre von Saxo Grammaticus - kaum aus. Dieser altnordische Held kann aber auch interessieren, wenn man die geschichtlichen Hintergründe der einzelnen Reiche nicht kennt und nicht weiss, was denn nun der Unterschied von einem Göten zu einem Gothen sein könnte ;). Vor allem den Schluss - Beowulfs Tod - habe ich als sehr gelungen empfunden: der Greis, der noch einmal ausrückt, um ein Untier zu bekämpfen, obwohl er spürt, dass dies seine letzte Fahrt sein wird und auch sein Volk nach seinem Tod nur Ungemach leiden wird.


    Interessant auch, wie schon in diesem früh niedergeschriebenen Epos die alte germanische Welt mit einem recht dicken christlichen Firnis überzogen wird.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo sandhofer,


    meine Beowulf-Lektüre liegt schon einige Zeit zurück, aber ich hatte schon lange mal vor, ihn nochmal zu lesen. Im Studium war ich in einem Seminar, wo wir einige Teile des Beowulf aus dem Altenglischen übersetzt haben. Das war recht interessant, aber für die normale Lektüre ist mir das dann doch wieder zu anstrengend. Ich habe überlegt, ob ich mir die Übersetzung von Seamus Heaney zulegen soll. Zuhause habe ich nur eine Prosaübersetzung in einer Anthologie (abgesehen vom altenglischen Text).




    In nordischer Geschichte kenne ich mich - trotz Lektüre von Saxo Grammaticus - kaum aus. Dieser altnordische Held kann aber auch interessieren, wenn man die geschichtlichen Hintergründe der einzelnen Reiche nicht kennt und nicht weiss, was denn nun der Unterschied von einem Göten zu einem Gothen sein könnte ;).


    Es handelt sich wohl um ein ausgestorbenes Volk, das "Gauten" (engl. geats) genannt wird. Da muß ich allerdings nochmal nachlesen, wo die genau angesiedelt waren; ich merke gerade, daß ich doch schon einiges vergessen habe :redface:


    EDIT: war gerade im Keller und habe meine Studienunterlagen wieder hervorgekramt: sie haben im schwedischen Götaland gelebt. Daher vermutlich auch die von dir erwähnte Bezeichnung "Göten".


    Auf jeden Fall steht die Beschäftigung mit Beowulf demnächst mal wieder auf meinem Leseprogramm :smile:


    Viele Grüße
    thopas

  • Hallo!



    Ich habe nun - im Zuge meiner Leselückenbereinigungen - auch den Beowulf gelesen. Zum (kleineren) Teil bin ich den originalen Stabreimen gefogt, zum Teil habe ich ein alte deutsche Übersetzung verfolgt, die ebenfalls in Stabreimen verfasst war, zum Teil eine moderne Prosaübersetzung.


    Bitte um genauere Angaben zu den Ausgaben, dann schließe ich diese Leselücke auch gelegentlich.


    CK


  • Hallo CK
    ich habe "Beowulf" vom Marixverlag. ISBN: 3865390129


    "Neue Prosaübersetzung, Originaltext, versgetreue Stabreimfassung" in einem Band.
    "Übersetzt, kommentiert und mit Anmerkungen versehen von Hans-Jürgen Hube."


    Die gabs kürzlich bei Jokers.


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Bitte um genauere Angaben zu den Ausgaben, dann schließe ich diese Leselücke auch gelegentlich.


    Klang ich nach "mehreren" Ausgaben :redface: ? Um ehrlich zu sein, habe ich nur eine gelesen. (Bei Leselücken, die ich einfach mal so, en passant, schliesse, begnüge ich mich meist mit einer nächstbesten Ausgabe, um ehrlich zu sein ...)


    Es handelt sich um die im Marix-Verlag erschienene zweisprachige Ausgabe "umfangreich kommentiert und mit Anmerkungen versehen von Hans-Jürgen Hube". Er hat auch die Prosaübersetzung gemacht. Den Kommentar habe ich oft als ... öhm ... zwiespältig, da mit einer werkwürdigen Rhetorik geformt, empfunden. Die ebenfalls beigefügte Stabreimübersetzung stammt ursprünglich von Hugo Gering aus dem Jahre 1906.


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    Edit: Da war JMaria schneller ... :winken:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo!



    ich habe "Beowulf" vom Marixverlag. ISBN: 3865390129


    "Neue Prosaübersetzung, Originaltext, versgetreue Stabreimfassung" in einem Band.
    "Übersetzt, kommentiert und mit Anmerkungen versehen von Hans-Jürgen Hube."


    Die gabs kürzlich bei Jokers.


    Danke, schon bestellt. Jokers vertreibt übrigens einfach das normale Marixprogramm, weshalb diese Bücher auch alle regulär beim Buchhandel bestellen kann.


    CK

  • Hallo,


    ich habe neulich in einem Weltbild-Laden die Übersetzung von Gisbert Haefs (hier im Weltbild-Verlag) angeschaut, war aber nicht so überzeugt, wobei ich fairer weise sagen muß, daß ich nicht viel Zeit hatte, um längere Stellen anzuschauen. Werde ich noch nachholen.
    Was mich etwas irritiert hat ist, daß der Beowulf dort bei den Fantasy-Büchern untergebracht war (direkt neben Hohlbein!) :rollen:
    Gut, wahrscheinlich gehen sie davon aus, daß der Beowulf-Film-Fan vermutlich bei den Fantasy-Büchern suchen wird, wenn er das "Buch zum Film" haben möchte. Und zugegebenermaßen: es kommen ein Drache und zwei Monster drin vor... :breitgrins:


    Viele Grüße
    thopas

  • Hallo zusammen,


    inzwischen hab ich die zweisprachige Ausgabe (altenglisch - neuenglisch) mit der Versübertragung von Seamus Heaney gelesen:


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    Heaney berichtet im Vorwort darüber, wie lange er an dieser Übersetzung gearbeitet hat und was für Überlegungen er dazu angestellt hat. Er sieht immer wieder Parallelen zum Irischen und benutzt auch einige anglo-irische Wörter in der Übersetzung. Er ahmt, soweit es ihm möglich ist, die Alliterationen nach, doch kann er dabei nicht den sehr strengen Regeln des Altenglischen folgen, da das Ergebnis ja auch lesbar sein soll. Alles in allem ist ihm eine gut lesbare und auch sehr bildhafte Übertragung gelungen.


    Hier eine kleine Kostprobe (Beowulf und seine Männer begeben sich zum See, um Grendels Mutter zu suchen, die den Krieger Aeschere entführt hat):



    Diese Übersetzung ist durchaus zu empfehlen, wenn jemand Beowulf auf (Neu-)Englisch lesen möchte.


    Soweit ich das jetzt übrigens nachgelesen habe, sind die Gauten nicht ausgestorben, sondern einfach von den Schweden geschluckt worden. Am Ende des Beowulf wird ja auch eine sehr düstere Zukunft für das Volk der Gauten prophezeit.


    Viele Grüße
    thopas

  • Hallo thopas,


    danke für die Schilderung Deiner Eindrücke zu Semus Heaneys Beowulf-Übertragung und für die Übersetzungprobe, sehr interessant. Zum Vergleich hier einmal die gleiche Stelle in der deutschen Versübersetzung von Martin Lehnert (aktuell lieferbar bei Reclam, es gibt sie aber auch antiquarisch in einer sehr schönen gebundenen Ausgabe, die 1986 im Leipziger Insel-Verlag erschienen ist):



    Die Übersetzung von Lehnert enthält eine recht ausführliche Einführung und einen hilfreichen Stellenkommentar, und das ist wohl die Standardübersetzung, um die man nicht herumkommt, wenn man den Beowulf in deutschen Versen lesen will.


    Die Übersetzung von Felix Genzmer aus den 50er Jahren gefällt mir eigentlich auch ganz gut, obwohl sie stellenweise ziemlich schrullig ist, aber das gibt dem ganzen einen archaischen Klang, der mir viel Spaß macht. Genzmer verwendet manchmal recht entlegene Wörter, die er in einem Anhang erklärt, wie beispielsweise das unten vorkommendene "Neck", das er mit "Im Wasser hausendes Fremdwesen" erklärt. Übersetzung von Felix Genzmer (Leipzig: Reclam, 1950):



    Schöne Grüße,
    Wolf

  • Hallo Wolf,


    vielen Dank für den Vergleich mit den beiden deutschsprachigen Varianten, das ist sehr interessant. Beide Übersetzer haben auch die Alliterationen nachgeahmt, was aber wohl nicht so kompliziert sein dürfte.
    Ich finde es ganz interessant, Beowulf auch einmal auf deutsch zu lesen. Mir ist jetzt erst aufgefallen, daß Beowulf ja reitet und gar nicht zu Fuß unterwegs ist (im Englischen steht da oft nur "he went" und das kann ja alles bedeuten). Ich habe gerade kurz nachgeschaut, und festgestellt, daß auch in meiner englischen Fassung kurz vor dieser zitierten Stelle von einem Pferd mit geflochtener Mähne die Rede ist. Hmmm. Ich sehe schon, ich werde den Beowulf noch öfter lesen müssen, um wirklich alles zu erfassen :smile:.


    Viele Grüße
    thopas



    edit: ich habe gerade nochmal das altenglische Original angeschaut, und dabei fällt auf, daß sich Genzmer ziemlich stark daran orientiert, auch diesen etwas "abgehackten" Stil nachahmt. Insofern eine sehr interessante Übersetzung.

  • Hallo Wolf,


    weißt du, ob die von dir genannte Übersetzung folgende ist?


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    Wäre ja erschwinglich und was für die Fahrt zur Arbeit...


    Danke, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10