Nathaniel Hawthorne

  • Moin, Moin!


    Weil ich derzeit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nathaniel_Hawthorne">Nathaniel Hawthornes</a> <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3458327436/">Der Mamorfaun</a> lese, bleibt es nicht aus, daß man nebenbei, in den Pausen, allerhand ergooglet oder es zumindest versucht. Und was erblicken meine trüben Augen? Neben den mir bekannten Romanen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_scharlachrote_Buchstabe">Der scharlachrote Buchstabe</a> und <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3717520482/">Das Haus der sieben Giebel</a>, anläßlich der Neuausgabe bei Manesse die ZEIT <a href="http://www.zeit.de/2004/28/L-Hawthorne?page=all">darüber schrieb</a>, existiert noch ein vierter Roman: Die Blithedale-Maskerade, der, abgesehen von einer uralten Ausgabe aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts unter dem Titel "Ein tragischer Sommer", nie als eigenständiges Buch erschienen ist. Den kannte ich bisher also nicht. Wie auch, wenn er so versteckt wird. Er ist in <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3538052549/">der Winkler-Ausgabe</a> von 1975 enthalten sowie in der der Winkler-Edition folgenden Lizenzausgabe beim Deutschen Bücherbund (wahrscheinlich 1976). Langweilig wird die Bücherwelt nie, so daß noch die eine oder andere Entdeckung auf einen wartet.


  • Der Mamorfaun


    Hallo Dostoevskij,


    ich beschäftige mich derzeit mit Herman Melvilles "Pierre" (vorzüglich!) und bin dabei auf Hawthorne gestoßen, der einen Briefwechsel mit Melville pflegte. Bislang war mir lediglich Hawthornes "Der scharlachrote Buchstabe" ein Begriff. In einer Fußnote des "Pierre" stieß ich jetzt erstmals auf den "Marmorfaun", konnte aber auf die Schnelle bislang nicht viel über dieses Buch in Erfahrung bringen. Hast Du noch genügend Erinnerungsvermögen an diese Lektüre? Kannst Du es empfehlen?


    Viele Grüße


    Tom


  • ...existiert noch ein vierter Roman: Die Blithedale-Maskerade, der, abgesehen von einer uralten Ausgabe aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts unter dem Titel "Ein tragischer Sommer", nie als eigenständiges Buch erschienen ist. Den kannte ich bisher also nicht. Wie auch, wenn er so versteckt wird. Er ist in <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3538052549/">der Winkler-Ausgabe</a> von 1975 enthalten sowie in der der Winkler-Edition folgenden Lizenzausgabe beim Deutschen Bücherbund (wahrscheinlich 1976). Langweilig wird die Bücherwelt nie, so daß noch die eine oder andere Entdeckung auf einen wartet.


    Das Buch gibt es auch gerade als Billig-Ausgabe für 10 Euro im zur selben Verlagsgruppe gehörenden Patmos-Verlag

  • Kein Roman, sondern eine kurze Geschichte, aber ein Muss-man-UNBEDINGT-kennen:


    Nathaniel Hawthorn: Wakefield
    http://www.online-literature.com/hawthorne/156/


    Zitat

    Amid the seeming confusion of our mysterious world, individuals are so nicely adjusted to a system, and systems to one another and to a whole, that, by stepping aside for a moment, a man exposes himself to a fearful risk of losing his place forever. Like Wakefield, he may become, as it were, the Outcast of the Universe.

  • Hallo,


    lt. FAZ gibt es zwei Schätze von Nathaniel Hawthorne zu entdecken:



    Nathaniel Hawthorne: „Zwanzig Tage mit Julian und Little Bunny“. Nachwort von Paul Auster. Aus dem Englischen übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Alexander Pechmann. Jung und Jung Verlag, Salzburg und Wien 2011. 123 S., geb., 18,- Euro.


    Nathaniel Hawthorne: „Das alte Pfarrhaus“. Übersetzt und mit einem Nachwort von Karl-Heinz Ott. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2011. 96 S., geb., 10,- Euro.




    Paradiesäpfel aus Neuengland


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Nathaniel Hawthorne: „Das alte Pfarrhaus“. Übersetzt und mit einem Nachwort von Karl-Heinz Ott. Verlag Hoffmann und Campe, Hamburg 2011. 96 S., geb., 10,- Euro.


    Da ich mich derzeit mit Melville beschäftige, laufe ich Hawthorne dauernd über den Weg. Anstelle des berühmten "Scharlachroten Buchstabens" wird aber wohl "Das alte Pfarrhaus" herhalten müssen. Die FAZ-Rezension klingt verlockend. Auch "Das Haus mit den sieben Giebeln" steht auf der Wunschliste.


    LG


    Tom

  • "Das alte Pfarrhaus" hat Hawthorne 1846 als Vorwort zu einer Sammlung eigener Geschichten geschrieben. Der Text ist allerdings kein gewöhnliches Vorwort, sondern eine der ungewöhnlichsten und schönsten Einleitungen, die ich seit langem gelesen habe.


    Hawthorne lässt seine Gedanken schweifen, die sich rund um ein ehrwürdiges Pfarrhaus im Städtchen Concord drehen, das er drei Jahre lang mit seiner Frau bewohnen durfte. Es geht um die Gegensätze Natur und Kultur, Stadt und Land, Freiheit und Notwendigkeit, um Stille, Musse und derlei die Dinge, die auch der Mensch des 19. Jahrhunderts offensichtlich vermisste. Hawthorne schlägt einen angenehm lyrisch-poetischen Plauderton an, der niemals langweilt oder strapaziert wie die hymnischen Essays Ralph Waldo Emersons, der dieses Pfarrhaus vor Hawthorne bewohnte und dort sein Hauptwerk "Nature" verfasste.


    "Das alte Pfarrhaus" ist ein kleines Juwel, ein wunderbares Fundstück zu Beginn des noch jungen Lesejahrs 2012.


    LG


    Tom

  • Das alte Pfarrhaus ist eigentlich nur eine schöne Studie über Hawthornes Stil. Wer wissen will, wofür er ansonsten stand, kommt um die zwei bekanntesten Romane, "Der scharlachrote Buchstabe" und "Das Haus mit den sieben Giebeln" nicht herum. Mein Eindruck: Hawthorne schreibt formal viel moderner als etwa Melville in seinen Romanen; gerade "Das Haus..." hat da einige frappierende Momente; und nicht zu verachten: die beiden Varianten, in denen im "Scharlachroten Buchstaben" ein alternatives Ende geboten wird. Alles sehr empfehlenswert.


    Hawthorne hat sich mit einem kühlen Skeptizismus von seinem belastenden puritanischen Erbe freigeschrieben - einer seiner direkten Vorfahren war als Richter an den Salemer Hexenprozessen anno 1692 beteiligt. Das sollte man bei den Romanen in Hinterkopf behalten.


  • Das alte Pfarrhaus ist eigentlich nur eine schöne Studie über Hawthornes Stil. ... Hawthorne schreibt formal viel moderner als etwa Melville in seinen Romanen ...


    Hallo Gronauer,


    "Das alte Pfarrhaus" als Stilprobe oder -studie? Meinetwegen. Mir gefällt die Art und Weise, wie Hawthorne sein Thema umkreist - unaufgeregt, aber (wie bereits erwähnt) sehr poetisch. Das klingt moderner als Melville, weil dieser häufig einen archaischen, biblisch anmutenden Stil pflegt.


    "Das Haus mit den sieben Giebeln" befindet sich auf dem Weg zu mir. Den "Scharlachroten Buchstaben" kenne ich als Film - und finde ihn ziemlich öde. Möglicherweise ist das Buch um Längen besser.


    LG


    Tom

  • Hallo,


    ich interessiere mich für Hawthornes "scharlachroten Buchstaben". Da gibt es ja verschiedene Ausgaben (Manesse, Reclam, dtv, Insel). Ich konnte nicht richtig rausfinden, ob das unterschiedliche Übersetzungen sind oder nicht, beim Reclam Verlag fehlt diese Info. Kann jemand was zu den Ausgaben sagen? Und will noch jemand was über das Buch erzählen?


    Gruß, Thomas


  • Hallo,


    ich interessiere mich für Hawthornes "scharlachroten Buchstaben". Da gibt es ja verschiedene Ausgaben (Manesse, Reclam, dtv, Insel). Ich konnte nicht richtig rausfinden, ob das unterschiedliche Übersetzungen sind oder nicht, beim Reclam Verlag fehlt diese Info. Kann jemand was zu den Ausgaben sagen? Und will noch jemand was über das Buch erzählen?


    Gruß, Thomas



    Hallo Thomas,


    ich habe das Buch noch nicht gelesen, kann dir jedoch Angaben zur Reclam-Ausgabe machen :
    die Übersetzung ist von Paula Saatmann und mit einem Nachwort von Brigitte Scheer-Schätzler


    LG
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Vor sieben Jahren las ich "Der scharlachrote Buchstabe" in einer Ausgabe der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, übersetzt von Franz Blei. Ich war sowoehl mitdem Roman als auch mit der Übersetzung sehr zufrieden. Die Ausgabe umfasst auch "Blithedale-Maskerade".

    finsbury

  • Der Scharlachrote Buchstabe, das Haus der sieben Giebel und eine Menge Erzählungen kannte ich schon, ebenso die Blithedale Romance im Original als Penguin Classic, und war eigentlich immer recht angetan. Mit dem Marmorfaun habe ich, nach der halben Strecke, offen gesagt meine Probleme. Da ist diese aufgesetzt altertümelnde Sprache; da ist eine Fabel, die immer noch nicht weiß, wo sie hinwill. Ein Kunstmärchen, das über die Frage der Existenz von Faunen und ihre spitzen Ohren im mittleren 19. Jahrhundert spekuliert, hat ein Glaubhaftigkeitsproblem. Dieses Problem stellt sich umso ernster, als die Stärken der Geschichte bisher ganz eindeutig in der psychologischen Tiefe der Charakterzeichnungen liegen - aber was will man ernstlich über die Psyche eines Mischwesens aus Mensch und Tier sagen? Die Staffage des jungen Künstlertrios, insbesondere der beiden Frauen Miriam und Hilda mit den ihnen zugewiesenen archaischen Rollenbildern, wirkt auf mich auch etwas mühsam zusammengetragen. Vielleicht ändert sich das ja noch, aber zur Zeit lese ich mich durch Fragmente, die irgendwie kein Ganzes ergeben.

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  • So, jetzt bin ich durch mit dem Marmorfaun.


    Immerhin zeigt sich ein roter Faden: das von H. schon fast obsessiv besetzte Thema der Sünde, diesesmal von einer anderen Seite beleuchtet. Leider schimmert es erst gegen Ende richtig durch, worauf er hier hinauswill: ist die Sünde nicht einfach nur ein Übel, das es auszutilgen gilt, oder wird sie gebraucht, um den Menschen die Gelegenheit zu geben, sich an ihr ab- und hinaufzuarbeiten, zu einer Ebene höherwertigen Lebens? Ich gestehe, dass das ein richtig gewichtiger Brocken ist; aber ich bestehe auch darauf, dass die Einkleidung in diesem Roman ziemlich missglückt ist. Die Schauplätze, die Personen, die Sprache, das alles erscheint mir überdeutlich konstruiert. Die Psychologie, das Gespür für Gefühlsregungen, ist manchmal wirklich erstaunlich stark, hat aber andererseits auch kuriose Brüche. Ich habe selten eine Person erlebt, die unbeabsichtigt so viel über einen Autor aussagt, wie Miriam. Es kommt mir so vor, als habe Hawthorne in dieses Weib alles hineinprojeziert, was ihn am Ewig-Weiblichen ängstigt.


    Ein etwas zwiespältiges Vergnügen also.

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