Umberto Eco

  • Hallo allerseits
    Hallo Maria


    "Ist es dein Favorit, weil du schreibst du möchtest es dir nochmal vornehmen, oder hattest du begonnen und nicht zuende gelesen? "


    Neenee, zu Ende gelesen habe ich es schon. Ich lese eigentlich alles zu Ende.
    Es war (in der Erinnerung) einfach genial. Behandelt eine Reise mit einem Schiff an einen bestimmten Punkt der Erde (Insel des vorigen Tages) zu einer bestimmten Art von Forschungszwecken.
    Beim Lesen natürlich lang und der Schreiber ergeht sich in genauen Beschreibungen. Insgesamt verwirrend und vielleicht deshalb fesselnd (mich jedenfalls :)) ), da es um Gesetze der Zeit geht.


    einen schönen tachnoch


    Daniela

    "Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde." - John Irving

  • Da ich gerade "Die Insel des vorigen Tages" lese, möchte ich hier auch kurz meine Meinung zu Eco kundtun.
    Wenn ich dieses Buch nicht in einer Leserunde lesen würde, hätte ich es schon lange in die Ecke geschmissen.


    Ich habe dieses Buch begonnen in der Hoffnung zu erfahren, wie Roberto auf das verlassene Schiff kommt und ob dort wirklich noch ein zweiter herumgeistert. Stattdessen wird kapitellang über Robertos Kindheit und den 30-jährigen Krieg berichtet. Nachdem ich mich endlich damit abgefunden habe, dass wir wohl nie etwas über dieses Schiff erfahren werden, sind wir plötzlich auf dem Schiff und Eco läuft zur Hochform auf.


    Er erläutert wie man die Längengrade berechnen wollte, wie das Weltbild damals war und überhaupt sehr viel über die damalige Zeit - einfach nur herrlich.


    Und dann ganz plötzlich flacht alles wieder ab - die Story dreht sich nur mehr um Robertos Bruder Ferrante (der nur in seiner Fantasie besteht), dem er in Gedanken zum Spion und zum Liebhaber seiner Angebeteten macht. Ich bin echt froh, wenn das Buch endlich aus ist.


    Wobei mir "Der Name der Rose" sehr gut gefallen hat - ich bin also nicht ein Eco-Hasser oder so, falls das jetzt einer denken mag, aber wir beide können eben nicht wirklich miteinander :breitgrins:


    Katrin

  • Mir ging es auch ganz ähnlich wie oben schon mehrfach angedeutet; die Romane öden irgendwann nur noch an, aber der Theoretiker Eco hat durchaus Gewicht - sowohl als Literaturtheoretiker als auch als "Philosoph" (z.B. in "Kant und das Schnabeltier"); Romane werde ich jedenfalls von Eco keine mehr lesen...

  • Hallo zusammen


    Die Logik Ecos finde ich schon in Ordnung, denn eine unlogische Handlung würde den Leser stören, sofern es ungewollt ist. Außerdem verärgert es diejenigen Leser, welche versuchen, das Rätsel zu lösen und zu sehr von Unlogik und Desinformation irregeführt nie und nimmer in der Lage sein können, dieses zu enträtseln, weil es aufgrund der Informationen nicht möglich ist und in eine ganz andere Richtung führt. Es muss zumindest am Ende alles seine Logik finden im Rückblick, sonst hat der Autor einfach Müll geschrieben. Auch bei einem poetischen Werk muss die im Werk aufgebaute Logik eingelöst werden, es sei denn, es wird bewusst auf Unlogik gesetzt, dann wäre jedoch wiederum Unlogik das Prinzip der Logik und müsste ebenso erfüllt werden im Kontext.

  • Hallo. Wollte bloß den Eco Ordner einmal wieder ausgraben. Immerhin befand ich seiner Zeit das Pendel als eines der schlimmsten Bücher überhaupt. Insbesondere was die schwarze Messe zum Ende hin anbelangt. Als einzig normalen Menschen in dieser Geschichte empfand ich die Freundin des Protagonisten, welche diesen bekloppten Zettel, der zeitweilig eine Hauptrolle einnimmt, als schnöde Einkaufsliste oder etwas derartiges desavouiert.


    troll

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  • Hallo,


    im Oktober 2011 erscheint ein neuer Roman von Eco:


    Der Friedhof in Prag:

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    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Ist zwar schon lange her, dass ich Eco gelesen haben, aber ich finde die Rose, das Pendel und die Insel hervorragend, vor allem, was die erkenntnistheoretischen Bezüge angeht. Ich habe die drei Romane als Trilogie gelesen, die - auf sehr unterhaltsame Weise - drei erkenntnistheoretische Positionen beschreibt. Die Rose handelt von der von den Aristotelikern vertretenen Ansicht, dass es dem Verstand möglich ist, durch Abstraktion zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen, und die angemessene literarische Umsetzung dieses Ansatzes ist, selbstverständlich, der klassische Whodunnit-Krimi, in dem der Detektiv durch das Sammeln, Bewerten und Verarbeiten von Informationen zur Wahrheit gelangt. In der Insel, die zur Zeit der Aufklärung spielt, lebt ein Mensch vollkommen isoliert auf einem Schiff und findet außerhalb seiner selbst keinen festen Maßstab, um seine Erkenntnis zu validieren. Als das Schiff die Datumsgrenze passiert, merkt er gar nichts davon und lebt fortan nach seinem eigenen Kalender, der nur noch subjektiv gültig ist. Zeit ist, um es mal mit Kant zu sagen, für ihn nur noch eine Kategorie der Anschauung. Und im Pendel schließlich, das in der Zeit der postmoderne Theorienvielfalt spielt, gibt es überhaupt keine verbindlichen Wahrheiten mehr. Jeder ist von einer anderen abstrusen Theorie besessen, alles könnte wahr sein oder auch nicht und für jede noch so abseitige Idee lassen sich je nach Erkenntnisinteresse sowohl Beweise als auch Gegenbeweise finden. Ich halte diese drei Romane tatsächlich für nobelpreiswürdig. Vom Baudolino war ich dagegen ziemlich enttäuscht, der kam mir wie ein ziemlich konventioneller Historienschinken vor. Andere Sachen von Eco habe ich dann nicht mehr gelesen, was sicher ein Versäumnis war.

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  • Ich habe die drei Romane als Trilogie gelesen, die - auf sehr unterhaltsame Weise - drei erkenntnistheoretische Positionen beschreibt.


    Interessanter Ansatz, den ich nachvollziehen kann.



    Andere Sachen von Eco habe ich dann nicht mehr gelesen, was sicher ein Versäumnis war.


    Versäumnis? Nachdem ich mich an "Baudolino" versucht habe, war der Autor für mich erledigt. Was für ein Schrott!


    LG


    Tom

  • Versäumnis? Nachdem ich mich an "Baudolino" versucht habe, war der Autor für mich erledigt. Was für ein Schrott!


    Ach naja, verglichen mit dem, was sonst so in den Historikregalen rumsteht, wars eigentlich ganz ok. Nur fand ich Epoche und Genre des Romans etwas unglücklich gewählt und kombiniert - der Schelmenroman ist gottlob doch ziemlich aus der Mode und byzantinische Geschichte auch nicht grade allseits beliebt. Und ein byzantinischer Schelmenroman hat zumindest nach meinem Empfinden was entschieden Anachronistisches und damit Unauthentisches. Dass man es im Mittelalter mit dieser Literaturgattung nicht so hatte, und im byzantinischen Mittelalter schon gar nicht, wird ja sicher irgendwelche Gründe gehabt haben, vermutlich entsprach sie nicht so recht der damaligen Mentalität.

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  • Von Eco habe ich einst "Der Name der Rose" gelesen, ich fand es nicht schlecht, allerdings zu konstruiert, zu trocken, zu "perfekt". Ich hatte den Eindruck, Eco hat da viel zu viel gewollt.


    Hat jemand schon sein neues Werk, "Der Friedhof in Prag", gelesen? Mich persönlich reizt es, nachdem ich diverse Rezensionen und Kurzbeschreibungen gelesen habe, nicht sehr.


  • Hat jemand schon sein neues Werk, "Der Friedhof in Prag", gelesen? Mich persönlich reizt es, nachdem ich diverse Rezensionen und Kurzbeschreibungen gelesen habe, nicht sehr.


    Hi Shirley,


    Eco hat seine große Zeit gehabt. Was den "Friedhof ..." betrifft, werde ich abstinent bleiben. Der Baudolino-Schock sitzt zu tief ... :breitgrins:


    LG


    Tom

  • Sowohl den Baudolino als auch "Die Insel des vorigen Tages" betrachte ich als intelligente Unterhaltungsromane. Meine Schwierigkeiten hatte ich mit "Das Faucaultsche Pendel"
    Der neue Eco steht schon auf meiner Liste bereit für nächstes Jahr und als Buch bei mir im Schrank. Das Thema ist für mich hochinteressant.


  • Sowohl den Baudolino als auch "Die Insel des vorigen Tages" betrachte ich als intelligente Unterhaltungsromane. Meine Schwierigkeiten hatte ich mit "Das Faucaultsche Pendel"


    Wer hatte diese Schwierigkeiten nicht? Im "Pendel" hat Eco des Guten eindeutig zu viel getan, obwohl ich schon irgendwie fasziniert war. "Die Insel ..." zähle ich, so wie Du, zu den intelligenteren Unterhaltungsromanen. Vielleicht berichtet hier mal jemand über den "Friedhof in Prag".


    LG


    Tom


  • Vielleicht berichtet hier mal jemand über den "Friedhof in Prag".


    War ich damit gemeint? :breitgrins:


    Also ich habe erst 200 Seiten gelesen, viel kann ich also noch nicht sagen. Mein erster Eindruck ist, die ersten hundert Seiten lasen sich vergnügt, spannend und mysteriös, dann kam wieder der typische Eco "ich versteh gar nix mehr", aber wenn man sich dann den Artikel bei wiki durchliest "Protokolle der Weisen von Zion" ist man auf der Höhe und kann die Kritik ganz unten eigentlich nur unterstreichen - das Werk ist reine Recherche. Ob es den Antisemitismus fördert, dazu möchte ich mich noch nicht äußern, aber ich könnte es mir nach 200 Seiten gut vorstellen :zwinker:


    LG
    Anita

    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"