Narziß und Goldmund - Hermann Hesse

  • Ich habe nach anderen Büchern von Hermann Hesse vor ein paar Wochen "Narziß und Goldmund" gelesen. Ich war wirklich fasziniert, denn Hermann Hesse gelingt es in diesem Buch wirklich sehr gut eine Atmosphäre zu schaffen, in der man sich einfach gut einfühlen kann. Seine Sprache harmoniert so stark mit dem Inhalt, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.
    Man könnte noch so viel über dieses Buch schreiben, aber ich habe ein anderes Anliegen.


    Gibt es einen Autor, der neben Hermann Hesse ähnlich schreibt, und gibt ein Buch, dass einen ähnlichen Inhalt thematisiert? ich suche schon lange nach einem Roman, der im Kloster spielt (Allerdings nicht "Der Name der Rose" oder die "Päpstin", ...).


    Hat irgendjemand einen Buchvorschlag für mich???


    [size=9px]Edit: Hallo Nanna, ich habe Dein Posting mal ins Allgemeine Diskussionsforum verschoben, weil es sich hier ja nicht um einen Vorschlag für eine Leserunde handelt. LG nimue[/size]

  • Roman im Kloster (zumindest teilweise):
    E.T.A. Hoffmann, "Die Elixiere des Teufels"

  • Beides tolle Bücher!


    Aber: die Goldmundfigur hat mich viel mehr bewegt, als die Narzißfigur!


    FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hallo Nanna


    Thomas Mann, Doktor Faustus. Es entstand zur gleichen Zeit und Thomas Mann fast erschüttert, als er sah, dass Hesse zur selben Zeit eine BIographie schireb und die auch nach gleichem Konzept wie er. Vom Stil her dürften sich die beiden aber doch sehr unterscheiden.


    Wenn wir grad so einen Strang offen haben: ICh wollte das Buch eigentlich im Mai lesen... wäre noch jemand dabei?


    LIebe Grüsse
    Aisha

  • Ich denke, ich werde beide Bücher lesen. Ich bin so froh, dass ich endlich mal wieder etwas gescheites gefunden habe. Leider muss das ganze aber noch ein paar Wochen/Monate warten, nach dem Abitur!


    Nanna

  • Lieber Friedrich-Arthur,


    ja Narziss ist ein bisschen schwierig zu unterhalten (lächel) ... er ist zu ernst. Ich kann lieber mit Goldmund unterhalten.
    Lieber möchte ich auch Knulp oder Demian spazierengehen.
    Aber Josef Knecht, er ist auch ein guter Kerl, das habe ich gedacht nach dem ich "das Glasperlenspiel" gelesen habe. Ja Josef ist ein bisschen ähnlich wie Knulp, nähmlich wenn er Kastalien weggeht.


    Aber ich auch mag die Alten Leute bei der "Alten Sonne".


    LG
    :winken: :eis:

  • Liebe papagena,


    mit der Goldmundfigur kann ich mir wirklich auch identifizieren, zumindest, was ihre Offenheit dem Leben und der Kunst gegenüber betrifft. Seine freie Liebe, seine Unfähigkeit Bindungen einzugehen, dagegen nicht. Das war aber wohl auch nicht von Hesse gewollt. Ihm kam es auf extreme Gegensätze an, diesen Eindruck hatte ich immer. Die eigene Zerissenheit zwischen Familie und Kunst wollte er wohl bearbeiten. Möglichst überzeichnete Charaktere gegenüberstellen. Ich denke, ein echter Narziss und ein echter Goldmund sind eher selten. Wir sind immer beides, schwanken zwischen den Polen. Dieses zwischen den Polen schwanken war ja immer ein Thema Hesses. Vielleicht kommt das aus seiner asiatischen Beeinflussung. Ich denke an seine Aussagen über Ying und Yang, muss aber das Zitat erst suchen...


    Ich habe mir von meinen Eltern "Die Früchte des Ginkgo" gewünscht, du erinnerst dich sicher noch, deine Buchempfehlung. Vor dem Hause meiner Eltern wächst ein riesengroßer, über einhundert Jahre alter Ginkgo-Baum und zwei ebenso alte japanische Kirschen, die gerade in voller Blüte stehen. Eine schöner Brückenschlag. Ich werde mich aber sicher noch zu Kanji Miyazawa melden. Hesse schrieb ja auch Märchen, und Kenji Miyazawa Hätte ihm sicher zugesagt...


    Noch einen schönen Sonntag und Grüße nach Japan und Deutschland!


    FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Lieber Friedrich-Arthur,


    Gestern habe ich Hermann Hesse Verein in Japan gegangen, und das erste Übersetzung auf Japanisch war da! Mein Maulbronn Foto war auch da mit meinen Namen! Das zweite Buch wird in Juni (mit meine "Der Dichter" und "Flötentraum") erscheinen!
    Ich bin riesenfroh aber mein Deutsch ist not nicht gut.
    Eigentlich habe ich ein Test für dieses Projekt nicht bestanden, aber Herr Professor ließ mich diese kleine Stücke machen! Ein guter Mann!


    Ich muss mehr lernen, weil mit Deutsch möchte ich eigentlich mein Leben verändern!


    Liebe, herzliche Grüße nach Ginkos und Kirsche in Deutschland!


    Nur Schritt für Schritt,
    weil ich kein Genie bin!
    LG
    Papagena :blume:

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    Ich habe selten ein Buch gelesen, das die Widersprüche, Konflikte und Schönheiten des Lebens auf solch überzeugende Art und Weise zu einem Ganzen, Sinngebenden formen konnte.
    Der junge hübsche Goldmund verkörpert die Seele eines Sinnesmenschen, der genießt und verschwendet, verführt und liebt, träumt und leidet, ganz und gar die Schöpfung eines Gottes in sich aufnimmt, an den er nicht glaubt.
    Der stets beherrschte und streng gläubige Narziß hingegen steht für den Denker, dem sich die Welt in Form von Texten, Sprachen, Gebeten und Formeln erschließt. Alle Lebendigkeit, die sich den Trieben und Sinnen eines Menschen erschließt, verkörpert für ihn die Sünde.


    Zwischen den beiden Figuren entsteht trotz oder gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit im Wesen eine tiefe Freundschaft und Liebe füreinander, in der jeder der beiden in der Bewunderung für den jeweils anderen aufgeht.


    Goldmund zieht schließlich als Landfahrer in die Welt hinaus, während Narziß seiner Laufbahn im Kloster folgt und es bis zum Stand des Abtes bringt. Es vergehen viele Jahre bis die zwei auf unerwartete Weise und in einer verzwickten Situation wieder aufeinandertreffen und sich eine Menge zu erzählen haben.
    Unter den vielen Fragen, die beiden auf der Seele brennen ist auch die alles Entscheidene Frage nach dem Sinn des Lebens, der hier vielmehr in der Überwindung des Vergänglichen gesehen wird. Diese Frage wiederum ist v.a. für den rastlosen Goldmund nur unter Beachtung des Konflikts zwischen dem Denker und dem Künstler zu beantworten, da es dieser Widerspruch ist, der ein ganzes Leben lang in ihm lodert. Er wäre gern beides, der Sinnesmensch, der das Leben in vollen Zügen mit aller Leidenschaft genießt und zugleich der Denker, der sich auf die gesammelten Eindrücke der Wanderschaft in aller Ruhe besinnen kann, um sie der Vergänglichkeit zu entreißen. Goldmund bedient sich hierbei der Bildhauerei und erschafft etliche Figuren, die verschiedenen bewegten Etappen seines Lebens entspringen und somit noch viele Jahre, mindestens sein Leben überdauern werden. Aber mit der Arbeit an seinen Figuren erschöpft sich auch sein Vorrat an Kraft, seine Eindrücke des Lebens und er wird von Neuem in die Welt hinausgezogen.
    Narziß hingegen verbringt sein gesamtes Leben im Kloster, widmet es dem Lernen und Lehren von Schülern und entreißt der Vergänglichkeit somit auf ganz andere Art und Weise seinen Geist.
    Als Narziß und Goldmund schließlich wieder zusammentreffen, beneidet einer den jeweils anderen, denn beiden wurden Opfer abverlangt. Narziß hat nie die Lebendigkeit der Welt und seiner selbst , Goldmund hingegen nie die Wärme einer Heimat, Sicherheit und Geborgenheit spüren dürfen und doch muss man den beiden zugestehen die jeweils richtige Entscheidung getroffen zu haben. Am Ende steht die Erkenntnis, dass jeder sich entsprechend seines Gemüts und Geistes im Leben und auf Erden verwirklicht hat und es ihnen einzig dadurch gegeben war, ein Stück ihrer selbst und des Lebens der Vergänglichkeit, dem Tod zu entreißen und die Nachwelt mit sinnlicher und wissender Erfüllung zu bereichern.


    Dieses Buch ist auch sprachlich meisterhaft geschrieben und ein wirklicher Genuss. Ich kann es nur jedem empfehlen, der nach einem Werk sucht, welches den Geist nicht mit dem Zeigefinger sondern auf liebevolle Art und Weise bereichert und gleichzeitig unterhaltsam ist.


    5ratten


    Liebe Grüße
    Trevor

    Bedenke, daß die menschlichen Verhältnisse insgesamt unbeständig sind, dann wirst Du im Glück nicht zu fröhlich und im Unglück nicht zu traurig sein.<br />Sokrates