Beiträge von Sir Thomas


    Bei mir ist es wirklich nur eine Terminfrage. Ich habe sowieso vor, die ganze Reihe nach und nach zu lesen. Aber bis Ende April bin ich bereits mit Leserunden komplett eingedeckt. Und bei Klassikern lese ich lieber kein zweites Buch daneben, da ich mich ganz auf das Buch konzentrieren will. Terminmäßig richte ich mich dann ganz nach euch. :winken:



    Beim "Leviathan" wäre ich auch dabei.
    Ich weiß leider auch noch nicht, wie es dann zeitlich bei mir aussieht..aber es sollte wohl kein Problem darstellen, sich dann auf einen groben Termin zu einigen. ;)


    Ihr Lieben,


    dann laßt uns doch Anfang Mai starten. Wenn ich dann auf Reisen sein sollte, steige ich etwas später ein. Einverstanden, liebe Mitleserinnen?


    Es grüßt


    Sir Thomas

    Hallo Katrin,


    grundsätzlich bin ich für Deinen Vorschlag offen, auch wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt noch immer nicht genau weiß, ob ich Ende April / Anfang Mai ein wenig Urlaub machen kann (und dann keinen Internet-Zugriff habe).


    Wenn es nur eine Terminfrage ist, sollten wir uns sicher einig werden, oder?


    Liebe Grüße aus dem Westen


    Sir Thomas

    Hallo Dionne,


    wie wäre es mit "Leviathan" von Julien Green? Ich habe keinen Ordner im Forum gefunden, der sich damit schon einmal beschäftigt hat.


    Mal sehen ob es genügend Mitleser gibt ...


    Aus der zweiten SZ-Staffel (die ja mittlerweile auch fast komplett ist) fände ich "Memento mori" von Muriel Spark oder "Der schwedische Reiter" von Leo Perutz interessant. Beide Autoren kamen hier meines Wissens nach noch nicht vor.


    Es grüßt


    Sir Thomas

    Liebes Forum,


    ich weiß nicht, ob es Euch ähnlich geht, aber als in dieser Woche der Finanzskandal bei der französischen Großbank Société Générale bekannt wurde (4,9 Milliarden Euro Verlust durch hochriskante Spekulationsgeschäfte eines einzelnen kleinen Angestellten), fiel mir sofort der Autor Michel Houellebecq ein, der in den 90er Jahren in seinen Romanen "Ausweitung der Kampfzone" und "Elementarteilchen" eine Spezies Mensch beschrieben hat, die von Selbstekel, Selbstmitleid, existentieller Langeweile und aufgestauter sexueller Frustration gesteuert wird. Sie sind äußerlich angepasst, quasi funktionierende Autisten, und die typischen Produkte einer Gesellschaft, die auf sinnentleerten Konsum, Smalltalk und oberflächliche Beziehungen fixiert ist.


    Nun möchte ich natürlich dem jungen Pariser Bankangestellten nicht zu nahe treten, aber irgendwie erinnert mich seine Geschichte, die zur Zeit überall ausgebreitet wird (wahrscheinlich mit den üblichen Übertreibungen und Halbwahrheiten), ein wenig an die traurigen Figuren Houellebecqs, für die ich keinerlei Mitleid, geschweige denn Sympathie empfinden konnte.


    Ich las Houellebecq damals trotzdem mit steigender Faszination, vergaß ihn aber auch schnell wieder, als ich mir zur Lektüre den Roman "Plattform" vornahm, den ich nach der Hälfte angewidert zur "Bückware" ins Regal stellen musste.


    Ob die Bankdirektoren der Société Générale Houellebecq gelesen haben? Keine Ahnung, aber spätestens jetzt werden sie sich die Frage stellen, wie viele "Zombies" sie in den Großraumbüros von La Défense beschäftigt haben ...


    Einen schönen Sonntag wünscht


    Sir Thomas


    Nun ja: Ist der Deutsche stolz auf seinen Heinrich Heine? Der Österreicher auf seinen Thomas Bernhard? Der Schweizer auf seinen Max Frisch? Nestbeschmutzer haben es immer schwer im Nest ...


    Einverstanden, obwohl Heine meines Wissens nach offiziell nicht mehr als "Nestbeschmutzer" gewertet wird. Zola wird in Frankreich auch nicht öffentlich geschmäht. Unterhalb der Ebene offizieller Stellungnahmen soll es allerdings ganz anders aussehen ...


    Es gibt halt manchmal quasi amtlich festgelegte Meinungen, die mit "Volkes Stimme" nicht übereinstimmen.


    Liebe Grüße


    Sir Thomas


    ... hoffe aber es sind meine hierzulande wenig bekannten oder vergessenen "Lieblinge" Georges Bernanos, Michel Butor, Paul Claudel und Jean Giono.


    Liebe Leserin,


    von Deinen "Lieblingen" sind mir Michel Butor und Jean Giono vollkommen unbekannt. Auch mit Paul Claudel kann ich wenig anfangen. War er nicht Dramatiker?


    Von Bernanos ist mir immerhin "Die Sonne Satans" dem Namen nach geläufig. Ist das Buch lesenswert? Bernanos wird gern in einem Atemzug mit Julien Green genannt, dessen "Leviathan" mich sehr beeindruckt hat. Auch der Name Francois Mauriac fällt in diesem Zusammenhang. Ein weiterer Tipp, Deiner Meinung nach?


    Woher nehme ich bloß die Zeit, all das zu lesen ...


    Liebe Grüße


    Sir Thomas


    "Draussen im Dunkel" scheint bereits OOP zu sein. Ich war heute in meinem Lieblingsbuchladen und die hatten noch 1 Taschenbuch. Glück gehabt.


    OOP? Ist das Buchhändlersprache?


    Mit der Verleihung des Pulitzer-Preises im vergangenen Jahr setzte wohl der große Run auf McCarthy ein. Der Verlag wird vielleicht bald darauf reagieren.


    Liebe Grüße


    Sir Thomas


    Hier liegt aber wirklich ein sträflicher Irrtum vor, Zola war der einzige, der sich mutig für Dreyfuß eingesetzt hat, wodurch schließlich auch dessen Freilassung und Rehabilitierung bewirkt werden konnte. Zola ist ein Mann, auf den die Franzosen stolz sein können und es meines Wissens auch sind!


    Nein, leider kein Irrtum. Mein Gesprächspartner hält einen großen Teil seiner Landsleute für antisemitisch und fremdenfeindlich, weshalb er auch der Meinung ist, Zola habe sich mit der Verteidigung des Juden und "Verräters" Dreyfus in den Augen vieler Franzosen keinen Gefallen getan - weder damals noch in der Rückschau. Vielleicht beruhigt es Dich, liebe Leserin, dass mein Geschäftsfreund diese Meinung über Zola nicht teilt, aber er sieht die fremdenfeindlichen Tendenzen seines Landes mit offenen Augen und realistischem Blick.


    Die Franzosen sollten stolz auf ihren Zola sein, sind es aber leider nicht - zumindest nicht so, wie wir es (ein wenig naiv?) vielleicht erwarten.


    Es grüßt


    Sir Thomas

    Liebe Leserin,


    ich beneide Dich ein wenig um die Tatsache, dass Du in Berlin von guten Opernhäusern umringt bis, wenn ich auch Berlin als Stadt mittlerweile nicht mehr so sehr schätze.


    Ich bin natürlich auch schon "Baden gegangen" in diversen Opernhäusern, ob renommiert oder nicht. Grässliche Bühnenbilder und lieblose Akteure trifft man nahezu überall, selbst in so wunderschönen Traditionsopern wie beispielsweise in Wien (wo ich einst einer "Misshandlung" der Zauberflöte beiwohnen durfte).


    Trotzdem: Ich kann mich an Opernaufnahmen aus der Konserve einfach nicht gewöhnen. Da mag die Stereoanlage noch so gut sein - etwas fehlt im heimischen Wohn- oder Musikzimmer: Die Aktion auf der Bühne und vor allem die Atmosphäre der Live-Inszenierung.


    Vielleicht bin ich auch einfach ein wenig altmodisch in diesen Dingen ... :rollen:


    Es grüßt aus dem tiefen Westen (mit schlechten bis unterdurchschnittlichen Opernhäusern)


    Sir Thomas

    Liebes Forum,


    vor einiger Zeit sprach ich mit einem französischen Geschäftsfreund u.a. über die Romanliteratur des 19. Jahrhunderts. Erstaunt war ich über eine Aussage, die sinngemäß etwa wie folgt lautete: Die Mehrheit der heutigen Franzosen habe Stendhal längst vergessen. Flaubert werde nicht sehr geschätzt, seine „Madame Bovary“ sei eher etwas für die unterkühlten Deutschen. Zola habe sich durch seine Stellungnahme in der Dreyfus-Affäre zu sehr kompromittiert. Mit mehr oder weniger Begeisterung gelesen würden heute vielleicht noch Balzac („dieser barocke Fabulierer“), Hugo und der Tausendsassa Dumas mit seinen Abenteuerschinken.


    Ich bin bei weitem kein intimer Kenner der französischen Seele und Vorlieben und frage mich deshalb, ob diese Einschätzung wirklich stimmt.


    Über sachdienliche Hinweise und auf eine interessante Diskussion freut sich


    Sir Thomas

    Hier noch ein kleiner "Appetizer":


    „Draußen im Dunkel“ ist ein Anti-Roadmovie, ein finsterer, hoffnungsloser und vom Fieberwahn durchzogener bösartiger Albtraumtrip durch eine Welt, die in der schwülsumpfigen Feuchte des Südstaatenklimas zerfällt und verfault.


    Das Universum dieses Buchs ist bevölkert von in Lumpen gehülltem Abschaum, entwurzelten, aus der Zivilisation ausgestoßenen Wiedergängern und debilen Kretins. Die meisten Menschen handeln mitleidlos und egoistisch. Die Welt ist kein zivilisierter, sondern ein brutaler, prähistorisch schmutziger Ort. Sie ist am Verfaulen und ohne Sinn, das Leben ist voller Heimtücke, Lug und Betrug, ein immer währender Krieg, in dem Jeder gegen Jeden kämpft.


    Die grandiose Kulisse der schwül-feuchten US-Südstaaten-Natur wird von McCarthy geschickt eingebaut, um diese Atmosphäre des Grauens, der Sinnlosigkeit und des allgegenwärtigen Todes zu verstärken. Häufig fallender Regen, anschwellende Flüsse, brackige Tümpel, schlammige Wege und Pfützen, dampfende Sümpfe und verkrüppelte Bäume ziehen sich durch den gesamten Roman und bilden den albtraumartigen Hintergrund für den Überlebenskampf einer Menschheit, die sich auf einer sehr niedrigen Zivilisationsstufe zu befinden scheint.


    Fazit: Lesen!


    Viele Grüße


    Sir Thomas


    "Draußen im Dunkeln"
    Das ist eine Inzest-Geschichte, nicht wahr?


    Ja, und es ist die Geschichte einer albtraumhaften "Reise" durch den subtropischen US-Süden. Ich fühlte mich manchmal an Jospeh Conrads "Herz der Finsternis" erinnert - das solltest Du Dir auf gar keinen Fall entgehen lassen ...


    Mit allerwärmsten Empfehlungen


    Sir Thomas


    Welche Opernaufnahmen könnt ihr empfehlen?


    Liebe JMaria,


    auch die beste Aufnahme ersetzt nicht die "Mühe", selbst einmal aktiv zu werden. Besuch doch einfach mal das nächst gelegene Opernhaus (ob renommiert oder nicht) und sieh Dir eine Aufführung an. Verdi und Mozart sind gut zum Einstieg, auch Puccini und Rossini eignen sich. Etwas sperriger sind auf jeden Fall Wagner und Strauß.


    Ich bin jedenfalls von ausnahmslos jeder Opern-CD enttäuscht - egal, wer dirigiert oder singt.


    Viele Grüße


    Sir Thomas


    achja, und danke an das Forum für den Tipp "Cormac McCarthy", irgendein anderer Thread hat die Meinungen zu den Büchern von McCormac verschluckt, ich finds nicht mehr. Ich glaube CK und Sir Thomas waren von seinen Büchern begeistert.


    Hallo JMaria,


    der Anstoß zu McCarthy fand im Hemingway-Forum statt, wenn ich mich recht erinnere. Ja, ich bin in der Tat begeistert, auch wenn ich "Die Straße" noch nicht kenne, dafür aber "Die Abendröte im Westen" (gigantisch!) und "Draußen im Dunkeln" (verstörend und düster). "Die Staße" ist auf jeden Fall notiert.



    kein deutschsprachiger Gegenwartsautor kann ihnen auch nur das Wasser reichen, schon gar nicht ein Günter Grass.


    Hallo Leserin,


    das ist auch meine Meinung, tut mir leid für Herrn Grass :breitgrins:


    Viele liebe Grüße


    Sir Thomas


    "Wälsungenblut" erfüllt das Thema auch auf das Schönste und -um auch noch so einen wunderbaren nominalisierten Superlativ zu verwenden - auf das Manierierteste, ist aber gerade deswegen besonders nett lesen.


    Hallo finsbury,


    wunderbar, ich schätze diese kleine Erzählung aufgrund ihrer herrlichen Dekadenz!



    Tristan und Isolde


    Auch da gibt es etwas Schönes von Thomas Mann: "Tristan", eine der frühen Erzählungen. Auch sehr dekadent, wie überhaupt vieles aus dem Frühwerk T. Manns, das für mich erst mit dem "Zauberberg" abgeschlossen ist (darin finden wir übrigens auch eine "amour fou", und - in Gestalt von Clawdia Chauchat - eine wunderbare "femme fatale" ...).


    Liebe Grüße


    Sir Thomas


    Aber ich werde erst deinem Rat folgen und "Aquis Submersus" lesen.


    Lieber Friedrich-Arthur,


    nun fühle ich mich ein wenig geschmeichelt ...


    Ein kleiner Tipp: Lies es, wenn möglich, ohne Unterbrechung. Deine anschließende Meinung interessiert mich wirklich sehr.


    Viele Spaß und viele Grüße von


    Sir Thomas


    Seine politischen Ansichten in der Zeit des Nationalsozialismus müssen rigoros von seinem literarischen Werk getrennt werden (das ist meine feste Überzeugung).


    Das haben wir bislang alle brav und redlich getan, mombour.



    Mein absolutes Highlight ist "Das letzte Kapitel". Die philosophische Ausarbeitung über den Tod ist einzigartig und gipfelt in herrlichen Zitaten. Auch die Darstellung der Charaktere halte ich für außerordentlich gekonnt.


    Das macht mich nun doch nachdenklich. Vielleicht habe ich dieses Werk zum falschen Zeitpunkt gelesen. Bei Gelegenheit werde ich ihm eine zweite Chance geben.


    Es grüßt


    Sir Thomas

    Hallo sandhofer,


    mit Hamsun habe ich einige Schwierigkeiten. Die politische Dimension dieses Autors unberücksicht lassend, habe ich zwei Versuche unternommen, mich ihm vorurteilsfrei zu nähern. Zunächst mit "Segen der Erde", was ich sehr ermüdend fand aufgrund der simplen Blut-und-Boden-Thematik. Immerhin: Hamsuns Sprache und seine Landschaftsbeschreibungen fand sind sehr schön.


    Es folgte die Lektüre "Das letzte Kapitel", ein Sanatoriumsroman. Vielleicht habe ich so etwas wie einen zweiten "Zauberberg" erwartet und deshalb aus Enttäuschung das Buch nach 100 Seiten ins Regal zurück befördert.


    Großartig soll "Hunger" sein, ein Frühwerk Hamsuns. Im Augenblick habe ich jedoch keine Lust, einen dritten Versuch zu unternehmen.


    Mein persönliches Fazit: Hamsun wird ein wenig überschätzt, der Nobelpreis (1920 oder so) ist aus heutiger Sicht nicht nachzuvollziehen.


    Es grüßt


    Sir Thomas


    viele Novellen Theodor Storms behandeln die Threadthematik auf das Ergreifenste.



    Ja, Theodor Storm, besonders Immensee.


    Hallo Vult und Friedrich-Arthur,


    zu Storm fällt mir die Novelle mit dem schönen Titel "Aquis submersus" ein. "Immensee" habe ich noch nicht gelesen - ist hiermit notiert.


    Ob Fontanes "Effi Briest" eine Vertreterin der "amour fou" ist, habe ich vorsichtige Zweifel. Denn ihre Ehe war nicht von vorneherein zum Scheitern verurteilt (wenn ich mich recht erinnere). Für mich zählt "Effi B." zusammen mit (dem schrecklich kaltherzig erzählten Roman) "Madame Bovary" und "Anna Karenina" zu den klassichen Ehebruchdramen des 19. Jahrhunderts.



    Viele Grüße


    Sir Thomas