Beiträge von JHNewman


    Ich habe mich gefragt ob der Ich-Erzähler Anton Reiser ist. Ich habe diesen Roman leider noch nicht gelesen, aber der Anmerkungsapparat verweist doch bei vielen Orten, wo sich Hartknopf mit dem Ich-Erzähler befindet, auf entsprechende Ortsbeschreibungen im Anton Reiser (ich habe sie auch teilweise dort nachgelesen). Eine andere Möglichkeit wäre natürlich, dass der Ich-Erzähler Moritz selbst sein soll.


    Anton Reiser kann es nicht sein, da Reiser als Schauspieler sein Brot verdient, nicht als Pastor. Auch ist Reisern ein eher von Selbstzweifeln und dem Wunsch nach Emanzipation geplagter Charakter, kein Typus wie Hartknopf, der aufgeklärt seine Häresien predigt ... :smile:

    Hallo zusammen!


    Zunächst einmal bitte ich herzlichst um Entschuldigung, mich hier nicht gemeldet zu haben. Ich habe das Buch schon vor einigen Wochen ausgelesen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich viel dazu zu sagen habe.


    Mein erster Eindruck war eine gewisse Enttäuschung. Ich habe vor einer ganzen Reihe von Jahren den Anton Reiser gelesen und teilweise auch im NDR als "Am Abend vorgelesen" gehört. Ich liebte dieses Buch damals sehr, und in gewisser Weise habe ich jetzt etwas ähnliches erwartet. Diese Erwartung wurde nur sehr unzureichend befriedigt. Zwar erkannte ich an einigen Stellen den K P Moritz wieder, aber der Stil dieses Roman(fragments) ist doch sehr anders. Die eigenwillige Erzählweise und die Verschlüsselungstechniken machen ein Eintauchen in die Handlung oder gar eine Identifizierung mit den Figuren schwer möglich.


    Der Beginn des Buches hat mich an eine bekannte andere "allegorische" Dichtung erinnert: Die Pilgerreise von John Bunyan, zum Teil auch an einen Text von John Henry Newman - The Dream of Gerontius. Natürlich lockt der Untertitel des Buches auf solche Fährten. Als Leser war ich ständig versucht, nach dem doppelten Boden zu suchen, der Bedeutung hinter der Handlung, den Namen usw. Damit spielt Moritz ganz gekonnt. An einigen Stellen fand ich es witzig, mitunter sogar fast blasphemisch. Wie zum Beispiel die Transfiguration Christi als Modell hergenommen wird für das Treffen mit Elias auf dem Galgenberg, das hat schon was. Auch das Spiel mit der Trinität und deren Erweiterung durch Hartknopf um das Wort ist ganz putzig, jedoch nicht wirklich theologisch überzeugend (Christus als göttlicher "Logos" in Joh 1 ist bereits das "Wort", insofern ist die Erweiterung der Trinität um das Wort eine Verdoppelung des "Wortes", ein Gedankengang, den ich - wie vieles andere - in diesem Buch nicht wirklich verstanden habe.)


    Anderen Gedankengängen wie der "erweiterten Ichheit" (51) oder den Gedanken um Haben und Sein (101) bin ich ganz gerne gefolgt. Die Freimaurerthematik ist ziemlich an mir vorbeigerauscht.


    Als Fazit bleibt, daß das Buch zwar "interessant" war, aber insgesamt nicht den Ton getroffen hat, der mich wirklich fasziniert oder beschäftigt hätte. Die Allegorien waren entweder so überladen oder verzwickt, daß ich nicht wirklich tiefer eindringen wollte. Auch fehlte in der gesamten Handlung der realistische Bezugspunkt, der mir die Allegorien als doppelten Boden hätte interessant erscheinen lassen. Das Ganze war für mich zu sehr Spielerei.

    O, VDS ist ein wunderbares Buch mit unsterblichen Charakteren. Tante Schorlemmer und Pastor Seidentopf sind wirklich herrlich. Ich wünsche viel Freude bei der Lektüre (jetzt ist ja die Jahreszeit dafür, vor allem hilft ein bißchen Schnee...).


    LG
    JHN

    Hallo FA,


    ich habe heute auch mit Andreas Hartknopf angefangen. Viel geht mir durch den Kopf zu den einzelnen Kapiteln (habe gerade das Transfigurationskapitel beendet). Ein schönes Buch, viel Stoff zum Nachdenken, sehr rätselhaft, aber ich bin gespannt, wo es mich noch hinführt. Als altem Theolog und Bibelkenner macht es mir natürlich Freude, soviel Material hier verwurstet zu finden. :zwinker:


    Gruß
    JHN

    Ungeachtet dessen habe ich habe selbstverständlich aber auch bereits Favoriten, als da beispielsweise wären: Kishon, Tucholsky, Hölderlin, Böll, Sartre, sowie Doris Lessing
    Im Bereich Lyrik bevorzuge ich Rilke, Heine, Morgenstern, Hölderlin, Goethe und Ringelnatz
    Mein Abneingungen belaufen sich auf Stefan George, Die Lyrik Schillers und Brechts ("Der, den ich liebe hat mir gesagt..." ist die große Ausnahme!) und die moderne Trivialliterratur. Ich hoffe, hier trotz, wie angesprochen, meines Alters und meines vergleichswesie noch geringen Spektrums, für voll genommen und nicht kategorsich zurückgewiesen zu werden. :winken:


    Hallo Yom Kippur,


    herzlich willkommen bei denen hier oben. :zwinker:


    Kategorisch zurückweisen werde ich Dich gewiß nicht. Solange Du in der Auflistung Deiner Favoriten nicht H. Hesse erwähnst, werden wir gut miteinander auskommen. :smile:


    Ich habe eine Frage, bezüglich dieses Themas. Mich interessiert, ob es Autoren erlaubt ist, Namen von jedem (noch lebenden) Musiker in seinem Buch zu erwähnen und auch kurze Auszüge von Songtexten einzubringen.

    Über Antwort würde ich mich freuen,


    HG, Monolith


    Generell darf der Name von Musikern oder anderen Menschen erwähnt werden. Ein Persönlichkeitsschutz würde nur gelten, wenn über diese Menschen Dinge verbreitet würden, die gegen die Persönlichkeitsrechte verstoßen. Eine bloße Erwähnung des Namens reicht dazu aber nicht aus. Zur Zitation gilt der Paragraph des Urheberrechtes, der eine Zitation "im geringen Umfang" grundsätzlich gestattet. Zudem sind Zitationen im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten grundsätzlich gestattet und frei. Wenn es über den "geringen Umfang" jedoch hinausgeht, muß eine Abdruckgenehmigung eingeholt werden. Worin denn der "geringe" Umfang besteht, ist ein bißchen Ermessensfrage. Ein paar Zeilen aus einem Songtext zu zitieren (unter entsprechender Quellenangabe bzw. Urheberangabe) ist generell ok. Ein ganzes Lied abzudrucken ist hingegen nicht gestattet.


    Hier müßte man konkrete Fälle sehen, um das zu beurteilen.


    Gruß
    JHN


    als Kind fand ich die Bibel spannend. Also die Kinderbibel, die mir & meinen Geschwistern meine Mutter vorgelesen hat. Als ich dann selbst lesen konnte, kam mit Gustav Schwab unter. Und gegen die Griechen & Römer hatte die Bibel dann aber sowas von schlechte Karten und machte keinen einzigen Stich mehr.


    Das liegt nur daran, daß in den Kinderbibeln die spannenden Stellen alle fehlen. Zum Beispiel die, in der David als Brautpreis 300 Vorhäute von getöteten Philistern abliefern muß, bevor er seine Frau Michal heiraten darf. Und dann Ehebruch mit Bathseba begeht und ihren Mann in einem Himmelfahrtskommando aus dem Weg räumen läßt. Und dann schließlich von einem Propheten mittels eines Gleichnisses überführt wird. Wo findet man sowas schon bei den öden Griechen... :zwinker:


    Echt?? Warum? Also, DAS interessiert mich wirklich.


    Ein persönlicher Eindruck.


    Für mich ist dieses Buch ein ganz besonders gelungenes Beispiel eines Gesellschaftspanormas des preußischen Landadels am Beginn des 19. Jahrhunderts. Fontane gestattet sich in diesem Buch eine epische Breite, die die anderen Bücher nicht haben (im Ansatz vielleicht der Stechlin). Die Anschauungen und Verhältnisse der Protagonisten werden mit ruhiger Hand erzählt. Nichts an diesem Buch ist aufdringlich oder inhaltlich überbetont. Spätere Romane, die ebenfalls als Gesellschaftsromane gelten können, haben diese Ausgewogenheit häufig schon verloren und zugunsten irgendeines Elementes, einer Überzeichnung oder einer Botschaft aufgegeben.


    Hinzu kommt natürlich der wunderbar dosierte Fontane'sche Humor. Man merkt sofort, bei wem Thomas Mann in die Schule gegangen ist, ohne das leicht ironische Maßhalten von Fontane zu übernehmen. Thomas Mann ist drastischer in seinen Mitteln, aber die Wurzeln findet man bei Fontane.


    Trotz des Humors und der epischen Breite hat das Buch eine Authentizität, die so stark ist, daß man es als historische Quelle nutzen könnte. Während man die meisten literarischen Werke als Kunstprodukte als Ausdruck von Zeitstimmungen und gesellschaftlichen Zuständen heranziehen kann, kann man bei diesem Buch Fontanes den Inhalt, die Figuren selbst, ihre Empfindungen und Ideen als historisch authentisch bezeichnen. Das findet man sonst kaum in der deutschen Literatur, und das finde ich so bemerkenswert.


    Huch. Naja, da kann man aber einiges wirklich getrost überspringen, dann biste schneller durch als in 500 Tagen. Die endlosen Speise- und Ritualgesetze in Numeri, Leviticus oder Deuteronomium finde ich persönlich nicht so fesselnd. :zwinker:


    Warum rev. Elberfelder? Die ist zwar recht wortgenau, aber leider nicht unbedingt ein literarischer Genuß, geschweige denn flüssig zu lesen. Ich würde, wenn es um das Lesen längerer Passagen im Zusammenhang geht, eher die Einheitsübersetzung verwenden, wobei rein sprachlich Luther natürlich besser ist.


    LG
    JHN

    Hallo zusammen,


    ich bin auch neu und hier ein paar Fakten zu meiner Person, damit Ihr in den Diskussionen gezielter über mich herfallen könnt. :zwinker:


    Bin seit wenigen Monaten in dem Lebensalter angekommen, das man als "middle aged" bezeichnet. Lesetechnisch bedeutet das wohl, daß ich schon ein bißchen was gelesen habe (natürlich längst nicht genug...) und zugleich auch nicht mehr mit jedem Trend zu beeindrucken bin. Von Beruf bin ich Geisteswissenschaftler (Geschichte, Theologie, ein bißchen Literaturwissenschaft) und schlage mich heute mit den Elaboraten anderer Menschen herum: Ich bin Lektor in einem geisteswissenschaftlichen Verlag. Ich lebe in London und brauche daher gelegentlich ein bißchen länger, um an den dt. Stoff zu kommen. :zwinker:


    Meine Hauptinteressen sind (surprise surprise) Literatur, Geschichte und Theologie.


    Am liebsten lese ich deutsche, britische und slavische Literatur mit gelegentlichen Ausflügen nach Skandinavien oder in die romanischen Länder (Frankreich ist allerdings wirklich ein blinder Fleck auf meiner literarischen Landkarte ...)


    Meine all time favourites sind so grob:


    Moritz, Anton Reiser
    Kleist
    Wilhelm Raabe (leider leider sehr unterschätzt!)
    Theodor Fontane (Vor dem Sturm ist der größte deutsche Roman!)
    Thomas Mann
    Kafka
    Hamsun
    Nabokov
    Dostojevskij
    Tschechow
    Laurence Sterne
    George Eliot
    Joyce
    auch moderne Iren, wie etwa John Banville oder Robert McLiam Wilson


    ... ein bißchen eklektisch, aber mehr werden wir hoffentlich im Laufe vieler Diskussionen ausloten.