Beiträge von Krylow

    Heute beendet: Meine geniale Freundin von Elena Ferrante

    Ich kann mich noch gut erinnern, wie es 2016 kein Entrinnen vor diesem Buch gab. Allerorten Ferrante, Ferrante, Ferrante. Selbst im Urlaub in Stockholm sprang mir das Buch aus den Schaufenstern der meisten Buchhandlungen entgegen. Ohne mich mit den Kritiken ernsthaft auseinandergesetzt zu haben, beschloss ich, das Buch erst einmal hintanzustellen.


    Zwei Jahre später, ich hatte das Buch bzw. mittlerweile die Bücher nicht mehr im Sinn, bin ich beim Durchschalten der Fernsehkanäle auf Rai Uno hängen geblieben. Die Musik, die Darsteller und die Schauplätze hielten mich eine Weile fest und machten mich neugierig. Zudem waren italienische Untertitel eingeblendet. Es lief die Serie "L’amica geniale" nach Elena Ferrantes Roman. Wie ich nachher herausfand wurde sehr viel Neapolitanisch gesprochen, daher die Untertitel.


    Mein Interesse war geweckt, allerdings ließ ich die Bücher weiterhin außen vor und kaufte mir die britische DVD. Mittlerweile ist auch die 2. Staffel gelaufen, die weiteren Dreharbeiten werden aber wegen Corona wohl nicht so schnell vorangehen, so dass ich nun doch noch die Bücher zur Hand nehmen wollte.


    Die Ich-Erzählerin ist eine der beiden Hauptfiguren, Elena Greco, die aus dem Heute rückblickend ihre Geschichte, die Freunschaft zwischen Elena und Lila, niederschreibt. Band I beinhaltet die Kindheit und frühe Jugend, die sich hauptsächlich in ihrem Rione, dem Viertel, abspielt.

    Erzähltechnisch gibt es sonst nicht viel zu berichten, es geht bis zum Schluß chronologisch voran. Obwohl ich durch die Serie schon den groben Inhalt kannte, haben mich die zahlreichen Figuren, ihre Beziehungen untereinander und das Treiben im Viertel schnell gefesselt und sehr gut unterhalten.


    Es gibt viele Aspekte, die zu einer näheren Betrachtung einladen. Vielleicht bedingt durch die Serie, hat mich da die Rolle des Dialektes besonders beschäftigt. Möglicherweise auch deshalb, weil der in "Sturmhöhe", das Buch, was ich vorher gelesen hatte, ebenfalls eine sehr prominente Rolle einnimmt. Vielleicht schreibe ich die Tage da noch ein paar Zeilen dazu.

    Hier meine Liste:


    Lew Tolstoi – Krieg und Frieden

    Mark Twain – Tom Sawyer & Huckleberry Finn

    Bruno Schulz – Das Sanatorium zur Sanduhr

    Gustave Flaubert – Drei Geschichten

    Marcel Schwob – Manapouri

    Louis-René des Forêts – Das Kinderzimmer / Der Schwätzer

    Jacques Yonnet - Rue des Maléfices, Straße der Verwünschungen

    Leo Perutz – Zwischen neun und neun

    Ladislav Fuks – Herr Theodor Mundstock

    Karel Čapek – Der Krieg mit den Molchen


    Zwischendrin hoffentlich:

    Václav Havel – Fassen Sie sich bitte kurz


    Edit: Nachdem mir "Die Kartause von Parma" sehr gut gefallen hat, habe ich Lust auf "Rot und Schwarz" bekommen. Vielleicht kommt der Roman noch hinzu oder ersetzt einen auf der Liste.

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    Trotzdem muss ich leider sagen, dass mir von allen Erzählungen in dem Bändchen "Asja" noch am wenigsten gefallen hat. Das kann natürlich auch an mir liegen, ich mag die Darstellung sehr junger Mädchen in der Literatur des 19. Jahrhunderts oft nicht; mir ist da insgesamt zu viel von hübschen kleinen Köpfchen und übermäßig kapriziösem Wesen die Rede. Am besten gefallen hat mir "König Lear der Steppe" - das ist wirklich großartig erzählt, und "Mumu", die kürzeste Geschichte in der Sammlung, ist eine Perle.

    Der Verweis auf die liebevolle Beschreibung der Landschaft und der Menschen in der Gegend um ein linksrheinisches Städtchen hat jedenfalls Interessantes zu Tage gefördert und mich zudem wieder dazu gebracht, in meinem Erzählband zu blättern. So etwas finde ich immer schön.

    Danke auch für die Empfehlungen zu den anderen Geschichten, denen ich demnächst nachgehen will. Ich lese zwischendurch immer mal in den Erzählbänden (oder auch Briefen) von Tschechow, Turgenjew, Bulgakow, Gogol usw. Da ist eigentlich immer etwas zu entdecken.


    Ich habe jetzt die Listen gefunden, auf die sich hier alle beziehen und auch in den älteren gestöbert. Das sind tolle Inspirationsquellen, gerade was die weniger bekannten Titel anbelangt. Eine wahre Fundgrube!

    "Asja" spielt übrigens in Deutschland, in einem linksrheinischen Städtchen mit Weinbergen. Da Turgenjew ausdrücklich von "Ausläufern des Hunsrück" spricht, müsste es wohl irgendwo zwischen Koblenz und Bingen liegen. Die Landschaft und die Menschen werden sehr liebevoll beschrieben."

    Danke für den Kommentar und die kurzen Eindrücke zu Asja, die mich neugierig gemacht haben. In der Gegend zwischen Wiesbaden und Bingen bin ich vor einigen Jahren einige Male in den Weinbergen spazieren gegangen, von daher habe ich mal in meine Sammlung von Erzählungen von Turgenjew geschaut, um Näheres zu finden. Er schreibt zu Beginn: "Vor zwanzig Jahren also lebte ich in der kleinen Stadt S. am linken Ufer des Rheins. (...) An dem gegenüberliegenden Ufer lag das Städtchen L., das etwas größer war als das, in welchem ich mich niedergelassen hatte (...)".


    Mit diesen beiden Anfangsbuchstaben habe ich folgende, sehr interessante Webseite zu Turgenjew und seine Zeit in S. gefunden, die die anderen Kürzel der Örtlichkeiten auflöst: S. = Sinzig, L. = Linz und von Studenten aus B. = Bonn ist da auch die Rede.


    https://www.kunst-am-mittelrhe…urgenev-briefe-aus-sinzig


    Wie man sehen kann, erinnert eine Tafel in Linz an Turgenjews Novelle Asja.

    Ja, es stimmt schon, "Zufall" ist vielleicht nicht die richtige Wortwahl.

    Was ihr über Strategien und das (Aus-)Formulieren von Fragen schreibt, sehe ich genauso. In diesem Fall habe ich schon viele Dinge probiert, bevor ich zu dem Entschluss kam, hier um Hilfe zu bitten.


    Seit der Fernsehausstrahlung im Herbst auf ServusTV habe ich immer mal wieder herauszufinden versucht, wer denn der Künstler dieses Gemäldes war. Dabei habe ich natürlich auch die Namen bedeutender Künstler schon in kyrillischer Schreibweise durchprobiert (copy & paste via Wikipedia), versucht über diverse Beschreibungen des Gemäldes weiterzukommen und auch allgemein in Datenbanken wie z.B. WikiArt gestöbert.

    Anfangs hatte ich gehofft, dass ich in Verbindung mit dem Filmtitel fündig werden würde, da die Ausstattung des Restaurants und viele andere Details schon bemerkenswert waren. Die Webseiten von Set- & Art Designern mit Bildern vom Set, Bauten und Konzepten habe ich gefunden, nur nichts zu den Gemälden. Auch suche ich oft mehrsprachig (mit Hilfsmitteln) um die Treffer zu erhöhen oder eventuell einzugrenzen.


    Entsprechend der Suchanfrage (und auch Suchmaschine) gestalten sich die Treffer dann auch unterschiedlich und hauptsächlich habe ich jene in der Bildersuche gesiebt und nicht wirklich oft auf die jeweiligen Webseiten geklickt.

    Von daher war ich schon etwas verblüfft, dass ich gerade dann, als ich die Anfrage stellen wollte, doch noch zum Erfolg kam.


    Meine Annahme, dass es sich um einen bekannten Künstler handeln könnte, war falsch, was die Suche zusätzlich erschwerte.


    finsbury

    Eine gute Frage! Mit Deiner Vermutung liegst Du wahrscheinlich richtig bzw. sehr nahe. Ich habe nicht intensiv gesucht, aber eine Seite zum griechischen Osterfest gefunden, wo man auf Bildern Kinder mit Kerzen sehen kann und im Eintrag zum Gründonnerstag folgenden Satz lesen kann: “(…) Nach dem sechsten Evangelium gehen alle Lichter der Kirche aus und die Gläubigen verfolgen mit angezündeten Kerzen und glasigen Augen die Nachstellung der Kreuzigung von Jesus und singen dabei die altgriechische Psalme Símeron kremáte epi ksílou (…).”

    https://www.brauchwiki.de/griechisches-ostern/


    Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Szene auf dem Weg zur Kirche oder von der Kirche nach Hause sein wird.

    Vielen Dank Euch beiden!


    Was die Malerei und die meisten anderen Dinge anbelangt, würde ich mich auch eher als wißbegierig und interessiert denn als wissend bezeichnen.

    Irgendwann haben mich bestimmte Portraits, Alltagsszenen und Landschaftsbilder so gefesselt, dass ich mir Bücher und auch ein paar Kunstdrucke gekauft habe, die ich immer wieder gerne betrachte.


    Diese ganzen kulturellen Bereiche sind sowieso ein Faß ohne Boden, wo es immer Neues zu entdecken gibt, das ich in einem Leben nicht zu bewältigen vermag, mir aber zumindest vornehme, in die eine oder andere Nische zu lugen.


    Dostojewski habe ich noch vor mir, möchte vorher oder besser gesagt in nicht allzu ferner Zukunft aber endlich Tolstois “Krieg und Frieden” lesen. Ich finde Bondartschuks Verfilmung beeindruckend und will die Vorlage unbedingt lesen. Mal sehen, wann ich dazu komme.


    Zefira

    Freut mich, dass das Gemälde gefällt. Ich finde, dass es durch den Kerzenschein und die Farben eine warme und feierliche Stimmung verbreitet. Wahrscheinlich ist es mir deshalb auch im Film ins Auge gesprungen.

    Ein klein wenig zu meinen Interessen habe ich ja schon in meinem ersten Beitrag untergebracht.

    Momentan lese ich u.a. Klassiker in Neuübersetzung aus dem Hanser Verlag (zuletzt: Die Kartause von Parma, jetzt: Sturmhöhe), ansonsten querbeet mit Tendenz zu Mittel- und Osteuropa sowie Russland. Mein Forumsname "Krylow" kommt aus dem Buch "2017" (ich fand es wunderbar) von Olga Slawnikowa (übersetzt von Christiane Körner und Olga Radetzkaja, erschienen bei Matthes & Seitz).

    Ich zähle mich eher zu den langsam und genau lesenden Menschen, was Vor- und Nachteile hat.

    Viele Grüße in die Runde!

    Jetzt war ich monatelang auf der Suche und heute morgen, als ich meinen ausholenden Beitrag fertig geschrieben hatte, bin ich beim Stöbern dann plötzlich fündig geworden. Ein komischer Zufall, weshalb ich gedacht habe, den Beitrag dann doch einzustellen – mit Auflösung am Ende.


    ***


    Hallo,


    bei der Suche nach Übersetzungen und bestimmten Ausgaben diverser Klassiker bin ich einige Male auf dieses Forum aufmerksam geworden und lese schon seit geraumer Zeit ein wenig hier mit. Neben der Literatur zählen unter anderem Filme, Musik und Kunst zu meinen Interessen.


    Was die Malerei angeht, haben es mir hier die russischen Meister besonders angetan, im Speziellen die Werke von Iwan Kramskoi, Isaak Lewitan, Ilja Repin und Zinaida Serebriakova- um nur ein paar Namen zu nennen.


    Manchmal entdecke ich eher zufällig ein Gemälde, das mich auf unerklärliche Weise in seinen Bann zieht. So ging es mir vor einiger Zeit, als ich den Film "Eastern Promises" mit Naomi Watts, Viggo Mortensen, Armin Mueller-Stahl und Vincent Cassell wieder sah. Mueller-Stahl spielt einen Boss der russischen Mafia, der ein Restaurant besitzt. In einer Szene spricht dessen Sohn Kirill (Cassell) am Telefon vor einem Kaminofen. Im Hintergrund ist ein Gemälde zu sehen, auf dem eine Frau in leicht gebückter Haltung ein kleines Kind führt, im Vordergrund läuft ein älteres Kind, vermutlich ein Mädchen. Es könnte eine winterliche Szene sein, ganz sicher bin ich mir nicht.


    Meine simple Frage: kennt irgendwer dieses Gemälde? Wer hat es gemalt?


    [Blockierte Grafik: https://i.ibb.co/5T48NJ7/eastern-promises.png]


    Gesucht habe ich natürlich schon und manches Mal gedacht, auf der richtigen Spur zu sein, wurde aber leider noch nicht fündig. Nikolai Kasatkin, der die Schutzumschläge der Klassikerausgaben des Hanser Verlages von Dostojewski (Aufzeichnungen aus einem toten Haus) und Tolstoi (Auferstehung: hier nur ein Ausschnitt eines Gemäldes) ziert, habe ich in Betracht gezogen,


    Denkbar wäre natürlich auch, dass es sich nicht um ein Gemälde eines russischen Malers handelt. Womöglich wurde auch ein Ausschnitt eines Gemäldes vergrößert? Ich glaube allerdings, dass es sich um ein Gemälde eines bekannten Künstlers handelt.


    ***


    Während ich also meine Suchanfrage für das Forum geschrieben hatte, habe ich noch einmal nach Kasatkin in kyrillischer Schrift gesucht und bin auf folgende schöne Webseite mit Postkarten aufmerksam geworden:

    https://obiskusstve.com/923163…opis-19-nachala-20-vekov/


    Beim Scrollen habe ich dann plötzlich das Gemälde entdeckt. Es handelt sich um ein Werk eines ukrainischen Malers griechischer Herkunft: Kyriak Kostandi (1852-1921). Der Titel ist "Gründonnerstag (im Norden)".

    Hier ist das Gemälde in besserer Auflösung:

    https://www.stydiai.ru/wp-content/uploads/169189.jpg