Januar 2012: Emily Brontë: Wuthering Heights (deutsch: Sturmhöhe)

  • Aber es gibt ja noch einen interessanteren Lesevorschlag und zwar zu Anne Bronte die jüngsten der drei Bronte-Sisters und zwar zu ihrem zweiten Roman: „Die Herrin von Wildfell Hall“
    http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4499.0.html


    und ich würde mich freuen, wenn du und klaus daran teilnehmen würdest. Ob wir Anne vor oder nach Theodor Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ lesen, diese Entscheidung würde ich klaus überlassen.
    http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,4516.0.html


    Fontane würde mich schon reizen, aber ich habe mich für den nächsten Monat schon im Schwesterforum (http://www.literaturschock.de/literaturforum/index.php) für Anna Karenina angemeldet und ich denke, dieser Wälzer wird mich für geraume Zeit beschäftigt halten. Trotzdem danke :winken:

  • Nun, mein Reclam-Büchlein hat 200 Seiten. Ich gebe die Frage zurück - Schaffen wir das? - Andererseits geht der Fontane etwas tiefer und ist nicht so schnell zu lesen wie die Bronte. Ich habe also volles Verständnis wenn du jetzt erst mal die Dämonen lesen willst. :winken:


    Ich würde sagen: wenn wir spätestens Mitte Februar mit den Irrungen anfangen, bin ich dabei - sonst erst nach den Dämonen.


  • Manchmal erscheint mir die Geschichte wie am Reissbrett konstruiert. Das meine ich gar nicht mal negativ, aber die beiden Familien leben so abgeschottet von der Aussenwelt, dass es mir manchmal vorkommt als würde man zwei Mäusepopulationen unter experimentellen Bedingungen betrachten. Da ist zwar ab zu zu von einem Village namens Gimmerton die Rede und am Anfang des Romans wird Liverpool erwähnt, von wo Mr. Earnshaw den kleinen Heathcliff mitbringt, aber ansonsten könnte man meinen ganz England sei bis auf die beiden Familien Linton und Earnshaw ausgestorben. Da gibt es auch keine weitere Verwandten oder Freunde. Wobei ich mir schon denken kann, dass man damals wirklich so abgeschnitten von der Umwelt lebte. Kein Telefon, Fernsehen oder Internet halt wie in unserem heutigen globalen Dorf.


    Genau das ist auch mein Eindruck: es ist so wenig von der restlichen Welt außerhalb der beiden Häuser Wuthering Heights und Thrushcross Crange vorhanden, dass es schon etwas Beklemmendes hat. Auch das Personal ist ja für einen Roman dieser Länge äußerst beschränkt. Es gibt so gut wie keine Menschen außerhalb der Familien Earnshaw und Linton. Und wenn dann doch einmal ein Arzt (Kenneth) für die Handlung benötigt wird, taucht er wie aus der Versenkung auf.



    Abgesehen von Heatcliff erscheint mit die Gouvernante Ellen Dean eigentlich die zupackendste Figur im Buch. Ich meine, wie sie eigenwillig in das Leben ihrer Herrschaften eingreift und all die Freiheiten, die sie sich nimmt ... Sie ist nicht nur die teilnahmslose Beobachterin und Erzählerin, aus deren Mund wir den grössten Teil der Geschichte erfahren, sie lenkt durchaus auch die Fäden des Geschehens. Manchmal findet ich es amüsant zu sehen, wie es Brontë gelingt, es immer wieder so hinzubiegen, dass Mrs. Dean bei allen wichtigen Handlungen des Buches persönlich anwesend ist. Der grösste Teil des Romans wird ja aus ihrem Blickwinkel erzählt und was sie nicht selbst erlebt (oder von Bekannten mitgeteilt kriegt) könnten wir anders ja gar nicht erfahren :smile:


    Ja die Ellen, da hab ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Sie kriegt ja wirklich alles mit, selbst intimste Gespräche. Aber weil Emily nun mal diese Konstruktion gewählt hat, muß sie auch viel mitkriegen. Aber ist das realistisch? Einen allwissenden Erzähler wollte sie wohl nicht nehmen. Heathcliff oder Cathy (I.) konnte sie als Ich-Erzähler nicht nehmen, weil beide sterben. Also hat sie eine ihnen nahestehende Person gewählt und weil diese sich aus eigenem Antrieb nicht hinsetzen wird um die Geschichte aufzuschreiben, hat sie noch die Rahmenhandlung mit Lockwood erfunden, dem Ellen dann die Geschichte erzählt. Es wird immer das Multiperspektivische an dem Roman gerühmt. Aber bis auf wenige Ausnahmen ist es doch die Perspektive Ellens - oder?

  • Noch 2 Anmerkungen:



    ... aber die beiden Familien leben so abgeschottet von der Aussenwelt ...


    Zu diesem Eindruck der Abgetrenntheit von der ganzen Welt paßt Cathys Bemerkung kurz vor ihrem Tod (dtv, S.213):


    "Und dann [...] ist letztlich das, was mich am meisten verdrießt, dieses verfallene Gefängnis. Ich bin es leid, so leid, hier eingeschlossen zu sein."


    Die Welt, nach der sie sich sehnt, ist aber wohl mehr eine jenseitige, als die reale Welt, von der sie kaum etwas mitkriegt:


    "Ich brenne darauf, in jene herrliche Welt zu entfliehen und ewig dort zu bleiben [...]"



    Abgesehen von Heatcliff erscheint mit die Gouvernante Ellen Dean eigentlich die zupackendste Figur im Buch. Ich meine, wie sie eigenwillig in das Leben ihrer Herrschaften eingreift und all die Freiheiten, die sie sich nimmt ... Sie ist nicht nur die teilnahmslose Beobachterin und Erzählerin, aus deren Mund wir den grössten Teil der Geschichte erfahren, sie lenkt durchaus auch die Fäden des Geschehens.


    Ein schönes Beispiel für Ellens lenkende Hand (dtv, S.225): Nach Cathys Tod entdeckt sie ein Medaillon, in der sich eine schwarze Locke (Heathcliffs) befindet. Eine blonde Locke (Lintons) befindet sich, von Heathcliff entfernt, auf dem Boden. Sie nimmt beide, schlingt sie zusammen und legt sie beide wieder in das Medaillon hinein. Es deutet sich hier bereits eine Versöhnung an, die aber vermutlich in diesem Moment noch weit in der Zukunft liegt.

  • Ach du Schreck. Ihr seid ja schon fertig.


    Entschuldigt bitte, dass ich die Leserunde nicht richtig auf die Reihe bekommen habe, ich dachte die ganze Woche, dass ihr länger brauchen würdet und dass ich noch Zeit hätte. Jetzt habe ich gerade mal angefangen. :redface:


    Das nächste Mal beteilige ich mich richtig an der Leserunde, jetzt habe ichs einfach verpasst. Für mich selber ist es nicht so schlimm, ich werde einfach nach und nach die Anmerkungen mitlesen.

  • Zitat

    Das nächste Mal beteilige ich mich richtig an der Leserunde, jetzt habe ichs einfach verpasst


    Nicht so schlimm, Theresa. Ich selbst war, offen gestanden, bereits fast fertig, bevor die LR überhaupt begonnen hatte. Dies ist auch immer einermaßen problematisch, da man bereits mehr als die anderen Mitleser weiß, aber auch keinesfalls zuviel verraten möchte. Wie weit bist du im Moment genau? Ein wenig wird die LR sicherlich noch andauern.


    Gruß
    Meier

    "Es gibt andere Geschichten auf einem andern Blatt Papier, doch jede ist mit der ersten verwandt" * Keimzeit

  • So, ich habe den Roman heute Vormittag beendet. Es wurde ja immer spannender, so dass ich gar nicht mehr unterbrechen wollte.


    Zu den Erzählebenen: Ich denke schon, dass die Handlung aus mehreren Perspektiven erzählt wird, zwar ist Ellen die Haupterzählerin, aber wenn Lockwood erzählt wird doch klar, dass man alles auch anders sehen kann und dann gibt es ja mehrmals noch eine dritte Erzählebene (z.B. wenn Ellen einen Brief bekommt) und es scheint wieder alles ganz anders. Im Gegensatz zu anderen Schriftstellern in der Zeit, macht Emily meiner Meinung nach das sehr gut, erinnern will ich nur mal an Moby-Dick, vier Jahre nach „Sturmhöhe“ geschrieben und da erzählt Ismael oft von Sachen die er überhaupt nicht wissen kann, z.B. was in der Kapitänskajüte beim Essen gesprochen wird usw.


    Zu den Handlungsmotiven: Für mich ist das meiste sehr gut nachvollziehbar, vor allem, dass sich Isabella in Heathcliff verliebt ist durchaus vorstellbar (Gegensätze ziehen sich an) und eine große Auswahl an Männern hatte sie in der abgelegenen Gegend ja nicht zur Verfügung. Revolutionär für die damalige Zeit finde ich dagegen, dass Isabella Heathcliff verlässt und mit ihrem kleinen Kind nach London zieht.


    Alles in allem: ein gut geschriebenes Buch aus einer für uns fernen Zeit mit einer spannenden aber durchaus nachvollziehbaren Handlung.


  • Ich würde sagen: wenn wir spätestens Mitte Februar mit den Irrungen anfangen, bin ich dabei - sonst erst nach den Dämonen.


    Dann lieber erst nach den „Dämonen“. riff-raff hat ja auch Interesse gezeigt und der ist dann vermutlich auch mit Tolstoi durch und/oder möglicherweise gibt es bis dahin ja auch noch andere Interessenten für Fontane.


  • Entschuldigt bitte, dass ich die Leserunde nicht richtig auf die Reihe bekommen habe, ich dachte die ganze Woche, dass ihr länger brauchen würdet und dass ich noch Zeit hätte. Jetzt habe ich gerade mal angefangen. :redface:


    Das nächste Mal beteilige ich mich richtig an der Leserunde, jetzt habe ichs einfach verpasst. Für mich selber ist es nicht so schlimm, ich werde einfach nach und nach die Anmerkungen mitlesen.


    Es sei dir verziehen. Falls du nach „Sturmhöhe“ Lust hast einen weiteren Roman der Brontes zu lesen, trag dich einfach bei dem Lesevorschlag „Die Herrin von Wildfell Hall“ ein. Ich werde diesen Roman auf jeden Fall in absehbarer Zeit lesen

  • Es wird immer das Multiperspektivische an dem Roman gerühmt. Aber bis auf wenige Ausnahmen ist es doch die Perspektive Ellens - oder?


    Ich bin auf eine interassante Seite gestossen (auf englisch), die sich sehr ausführlich mit unserem Roman beschäftigt: www.wuthering-heights.co.uk


    Unter anderem hat man sich dort die Mühe gemacht, die einzelnen Erzähler im Buch aufzulisten. Ich gebe hier mal eine kurze Zusammenfassung:

    Erstes Buch

    Kapitel I-III: Lockwood
    IV: Ellen, Lockwood
    V: Ellen
    VI: Ellen, Heathcliff
    VII-VIII: Ellen
    IX-X: Ellen, Lockwood
    XI-XII: Ellen
    XIII: Ellen, Isabella
    XIV: Ellen, Lockwood


    Zweites Buch
    Kapitel I: Ellen, Lockwood
    II: Ellen
    III: Ellen, Isabella
    IV-IX: Ellen
    X: Ellen, Cathy
    XI: Ellen, Lockwood
    XII-XIV: Ellen
    XV: Ellen, Heathcliff
    XVI: Ellen, Zillah, Lockwood
    XVII: Lockwood
    XVIII: Ellen, Lockwood
    XIX: Ellen
    XX: Ellen, Lockwood


    Lediglich in vier Kapiteln - die aus der Perspektive von Lockwood geschrieben sind - kommt Ellen nicht als Erzählerin vor. In den restlichen dreissig Kapiteln ist Ellen entweder die alleinige Erzählerin oder teilt sich diese Aufgabe mit noch jemanden. Insgesamt kommen sechs verschiedene Erzähler im Roman vor.


    Dabei denke ich, dass die Liste nicht einmal vollständig ist ... In Kapitel III (1. Buch) z. B. übernachtet Lockwood auf Wuthering Heights und blättert einige Bücher durch, dabei stösst er darin auf Aufzeichnung von Catherine, als sie noch ein Kind war. Diese Niederschriften werden ungefiltert wiedergegeben, so dass ich denke, dass man auch Catherine als Erzählerin miteinberechnen müsste.


    Ich habe nur noch wenige Seiten zu lesen, dann bin ich ebenfalls durch mit dem Buch ... :winken:


    Gruss


    riff-raff

  • Servus riffraff,


    ich bin gespannt, wie du das Ende beurteilst, da die beiden letzten Kapitel noch einmal eine völlig neue Perspektive der gesamten Geschehnisse aufweist, die sogar Heathcliff noch einmal von einer ganz anderen Seite zeigt. Erstaunlich für mich war sowieso den ganzen Roman hindurch, wie wenig Gegenwehr Heathcliff von Seiten der Bewohner von Wuthering Heights entgegengebracht wird, bzw. dass er offensichtlich von einzelnen Personen gar nicht so negativ beurteilt wird, wie dies durch die Schilderung Ellens eigentlich zu erwarten wäre.


    Gruß
    Meier

    "Es gibt andere Geschichten auf einem andern Blatt Papier, doch jede ist mit der ersten verwandt" * Keimzeit


  • Unter anderem hat man sich dort die Mühe gemacht, die einzelnen Erzähler im Buch aufzulisten.


    Diese Auslistung stellt die Erzählsituation imo zu einfach und dadurch falsch dar. In allen 34 Kapitel ist nämlich Lockwood der Erzähler der dem Leser erzählt und nur bei Situationen, die er selbst nicht kennen kann, lässt er sich von Ellen berichten, die aber nie direkt dem Leser erzählt, sondern immer nur Lockwood, der dann das ihm Erzählte an den Leser (gefiltert?) weitererzählt und Situationen, die Ellen nicht selbst erlebt hat lässt diese sich wiederum von einem Dritten Erzähler berichten. Die Liste müsste also ungefähr so aussehen:


    1. Erzählebene:2. Erzählebene: 3. Erzählebene:
    Kapitel I Lockwood
    Kapitel II Lockwood
    Kapitel III Lockwood Catherine
    Kapitel IV Lockwood Ellen
    Kapitel V Lockwood Ellen
    ....
    Kapitel XIII Lockwood Ellen Isabella
    usw.

  • Ich sag schon mal: ich bin jetzt auch durch. :smile: Weitere Kommentare bzw. Fazit folgen bald, aber jetzt muß ich erstmal alles "sacken lassen".


    Bis bald
    Klaus :winken:

  • Erstaunlich für mich war sowieso den ganzen Roman hindurch, wie wenig Gegenwehr Heathcliff von Seiten der Bewohner von Wuthering Heights entgegengebracht wird, bzw. dass er offensichtlich von einzelnen Personen gar nicht so negativ beurteilt wird, wie dies durch die Schilderung Ellens eigentlich zu erwarten wäre.


    Stimmt, das hat mich auch erstaunt. Ich glaube, die einzige offene Rebellion gegen Heathcliff erfolgt im 2. Buch, Kapitel III, als Hindley Earnshaw beschliesst ihn umzubringen. Dieser Anschlag wird aber ausgerechnet von Isabella vereitelt, die doch besonders unter ihn zu leiden hat und ansonsten recht markige Worte gegen ihn vorbringt: " ... das Ungeheuer! Könnte er doch nur vom Erdboden [...] getilgt werden!"


    Auch die Berücksichtigung von Heathcliffs letztem Wunsch erscheint merkwürdig, angesichts der Hölle, durch die er alle Beteiligten Zeit seines Lebens gejagt hat: "Wir begruben ihn so, wie er es sich gewünscht hatte, auch wenn die ganze Nachbarschaft daran Anstoss nahm." Das heisst, sie haben ihn neben Edgar Linton und Catherine gebettet und dabei die Seitenwände entfernt, die Catherines und Heathcliffs Sarg voneinander trennen.


    Heathcliff: "Ich werde es so anfertigen lassen, und wenn Linton dann zu uns herüberkommt, wird er uns nicht mehr auseinanderhalten können!"

    "Wenn Linton dann zu uns herüberkommt ..."
    ?!? - Warum auch nicht? Heathcliff glaubt fest daran, dass man nach dem Tod als Gespenst weiterlebt. Nach Catherines Tod leidet er richtiggehend darunter, dass er von ihrem Geist nicht heimgesucht wird, obwohl er sich das doch so gewünscht hat:


    "Möge sie [Catherine] in Qualen erwachen! [...] Du [Catherine] hast gesagt, ich hätte dich getötet - gut, dann soll dein Geist mich jetzt heimsuchen! Die Opfer suchen ihre Mörder heim. Ich glaube, nein, ich weiss, dass Gespenster auf der Erde umgegangen sind. Sei immer bei mir - nimm jede Gestalt an, die dir gefällt - treib mich zum Wahnsinn! Nur lass mich nicht in diesem Abgrund, wo ich dich nicht finden kann! [...] Ich kann nicht ohne meine Seele leben!"


    Wenn ich auf der Rückseite meines Taschenbuchs lese "'Wuthering Heights' brach wie ein Gewitter in den Frieden der viktorianischen Epoche ein", dann denke ich, dass es gerade solch blasphemische Szenen im Roman sind, an denen Emilys Zeitgenossen Anstoss nahmen. (Laut Kindlers Literaturlexikon hingegen soll "die deutliche Betonung der erotisch-sexuellen Ebene auch bei den weiblichen Figuren" den Unwillen des Publikums erregt haben. Etwas, das ich nicht nachvollziehen kann, da mir beim Lesen überhaupt keine "erotisch-sexuelle Ebene" aufgefallen ist. Etwa euch?)


    Wenn gegen Ende des Romans Heathcliffs Rachedurst plötzlich abschwillt und er eine seltsam Ruhe und Verklärtheit an den Tag legt, kann man das dahingehend deuten, dass sein Wünsch endlich in Erfüllung gegangen ist. (Ellen: "[Es schien] mir ganz so, als starre er auf etwas, das keine zwei Meter vor ihm war. Und was auch immer das sein mochte, es bereitete ihm offenbar sowohl höchste Freude als auch tiefsten Schmerz; zumindest liess sein gequälter und doch verzückter Gesichtsausdruck darauf schliessen.")


    In der Inhaltsangabe zum Taschenbuch steht: "Als sein [Heathcliffs] Zerstörungswerk aber auch die nächste Generation zu bedrohen beginnt, regt sich der Geist der toten Cathy." Ursprünglich bin ich deshalb auch davon ausgegangen, dass es sich beim Roman um eine Gespenstergeschichte handle, bin aber froh, dass Emily sich nicht so eindeutig festlegt und man den Schluss so oder so lesen kann. Entweder greift wirklich Catherines Hand aus dem Jenseits ins Geschehen ein oder aber der arme Kerl wird schlichtweg verrückt oder ...


    Gruss


    riff-raff

  • Diese Auslistung stellt die Erzählsituation imo zu einfach und dadurch falsch dar. In allen 34 Kapitel ist nämlich Lockwood der Erzähler der dem Leser erzählt und nur bei Situationen, die er selbst nicht kennen kann, lässt er sich von Ellen berichten, die aber nie direkt dem Leser erzählt, sondern immer nur Lockwood, der dann das ihm Erzählte an den Leser (gefiltert?) weitererzählt und Situationen, die Ellen nicht selbst erlebt hat lässt diese sich wiederum von einem Dritten Erzähler berichten.


    Genau :winken: Nach dem Matrjoschka-Prinzip, wo jede Puppe (Erzählebene) noch eine Puppe (Erzählebene) in sich birgt ...


    [Blockierte Grafik: http://img717.imageshack.us/img717/986/narrativeebenen.jpg]


  • Etwas, das ich nicht nachvollziehen kann, da mir beim Lesen überhaupt keine "erotisch-sexuelle Ebene" aufgefallen ist. Etwa euch?)


    So direkt, wie man das aus zeitgenössischer Literatur gewöhnt ist, natürlich nicht, aber zwischen den Zeilen ist da doch einiges zu erahnen



    In der Inhaltsangabe zum Taschenbuch steht: "Als sein [Heathcliffs] Zerstörungswerk aber auch die nächste Generation zu bedrohen beginnt, regt sich der Geist der toten Cathy." Ursprünglich bin ich deshalb auch davon ausgegangen, dass es sich beim Roman um eine Gespenstergeschichte handle, bin aber froh, dass Emily sich nicht so eindeutig festlegt und man den Schluss so oder so lesen kann. Entweder greift wirklich Catherines Hand aus dem Jenseits ins Geschehen ein oder aber der arme Kerl wird schlichtweg verrückt oder ...


    Gerade der Schlußsatz „....und fragte mich, wie irgend jemand glauben konnte, die Schläfer in dieser stillen Erde schlummerten nicht in Frieden.“ wenn auch von Lockwood erzählt, zeigt imo, dass Emily nicht an Gespenster glaubte, die Gespenstergeschichten spielen sich also in Heathcliffs Kopf ab, was man heute als verrückt bezeichnet.


  • Ich bin auf eine interassante Seite gestossen (auf englisch), die sich sehr ausführlich mit unserem Roman beschäftigt: www.wuthering-heights.co.uk


    Danke für den Hinweis auf diese Seite. Es stehen dort ja auch Vermutungen über die Herkunft Heathcliffs, die unseren ähneln. Inzwischen finde ich es gar nicht mehr so schlimm, dass diese Frage im Dunkeln bleibt. Es bleibt halt ein Geheimnis ...

  • So direkt, wie man das aus zeitgenössischer Literatur gewähnt ist, natürlich nicht, aber zwischen den Zeilen ist da doch einiges zu erahnen


    Ich sehe das auch so: die Leidenschaftlichkeit und Hemmungslosigkeit der Beziehung zwischen Catherine und Heathcliff, die keinerlei Rücksicht auf Konventionen kannte, ließ wahrscheinlich für das lesende Publikum der Zeit um 1847 auf Einiges schließen, was nicht explizit genannt werden mußte.


  • Erstaunlich für mich war sowieso den ganzen Roman hindurch, wie wenig Gegenwehr Heathcliff von Seiten der Bewohner von Wuthering Heights entgegengebracht wird, [...]


    Vor allem fiel mir hier die Person von Edgar Linton auf: er war doch mal Friedensrichter und mußte einige gesellschaftliche Macht und Einfluß haben, sodass es mich wundert, wie sehr er Heathcliff gewähren ließ. Erst in letzter Minute versuchte er (vergebens) zu verhindern, dass Heathcliff sein Erbe bekommt. Wenn es zu verhindern war, warum tat er es nicht viel eher? (Allerdings muß ich hier zugeben, dass ich die rechtlichen Zusammenhänge bei der Erbschaft nicht ganz verstanden habe - auch wenn es auf der von riff-raff genannten Webseite erklärt wird.)