August Lafontaine

  • Danke für den Tipp. Lafontaine muss jetzt aber wohl ein bisschen warten ... meine Bücherrechnung diesen Monat fällt schon jetzt viel zu hoch aus ... :rollen:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Meine Ausgabe ist heute gekommen. Wie alle bisherigen Bänder der Haidnischen Bibliothek gilt auch hier: Schöne, handliche, gut lesbar gesetzte Bücher. Wann ich das allerdings lesen werde, steht dahin. 1. & 2. Teil: 628 Seiten. 3. & 4. Theil: 600 Seiten. Anhang: rund 180 Seiten.


    Die Ausgabe ist übrigens auf 3.000 Exemplare limitiert. Ich habe Nr. 1716.

  • Die Ausgabe ist übrigens auf 3.000 Exemplare limitiert. Ich habe Nr. 1716.


    Ich hatte irgendwie so einen Verdacht ... :grmpf:


    Meine Ausgabe, später bestellt (Giesbert hatte seine schon) und heute erst angekommen, hat die Seriennummer 1079 ... :breitgrins:


    Oder geben die etwa N° 3'000 als erstes heraus???

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • Oder geben die etwa N° 3'000 als erstes heraus???


    ich glaube kaum, dass das gesteuert ist. Da kommen die Paletten mit 3.000 Büchern aus der Druckerei, dann kriegt die eine Filiale einen Packen, dann die andere und der Rest geht zum Versandlager. Das geht da sicherlich kunterbunt durcheinander. Und ich möchte wetten, dass die 3.000 Exemplare eine Weile lieferbar bleiben, vielleicht ein Jahr oder so. Allzu viele Leute, die 60 Euro für einen obskuren Roman aus dem 18. Jahrhundert zu zahlen bereit sind, wird es nicht geben.


    (Ich habe übrigens mit der Lektüre begonnen, weiß aber nicht, ob ich das allzulange durchhalte. Das plätschert im ganz angenehmen Plauderton dahin, aber so richtig fesselnd ist die Lektüre dann auch wieder nicht und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich ganze Passagen rasch großzügig überfliege und nicht wirklich lese.)

  • (Ich habe übrigens mit der Lektüre begonnen, weiß aber nicht, ob ich das allzulange durchhalte. Das plätschert im ganz angenehmen Plauderton dahin, aber so richtig fesselnd ist die Lektüre dann auch wieder nicht und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich ganze Passagen rasch großzügig überfliege und nicht wirklich lese.)


    Ich bin nun ca. auf S. 60 des zweiten Bandes. i.e. Buch III in der Originalzählung. Im Grossen und Ganzen kann ich giesberts Urteil nur unterschreiben. Das Buch lebt von Humor, der aus der Diskrepanz entsteht zwischen von Flamings Theorien, die streng, rigide und rassistisch sind, und der Umsetzung in die Praxis, wo von Flaming halt immer wieder an seinem letztlich guten und gutmütigen Wesen scheitert. Wo aber, wie zum Ende des zweiten Buches (Originalzählung), von Flaming in den Hintergrund tritt, weil das Leben einiger Nebenpersonen nachgeholt wird, ist Lafontaine weinerlich, überempfindsam und weist penetrant die sexuelle Verklemmtheit seines Standes auf. (Immerhin war er ja Feldprediger.)


    Die Heirat übrigens zum Ende mit einer "Negerin" (wie er selber schreibt) Iglou, ist wohl kein bewusstes Ad-absurdum-Führen rassistischer Theorien, wie es Arno Schmidt insinuiert, sondern ein nicht wirklich reflektiertes Nebenprodukt der trivialliterarischen Notwendigkeit eines ehelichen Happy Endings. Auch Karl May - einige Jahre später, und wohl noch eine Stufe trivialer unterdessen - hat sich da ja Ähnliches geleistet.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo Giesbert und alle,


    na dann bin ich aber dankbar für die Warnung. Ich habe lange mit der Ausgabe gefreit, dann aber gedacht, dass Triviales nicht unbedingt durch das Alter besser wird. Der Plot klang für mich ziemlich abgedroschen, wenn es anscheinend auch einige ironische Elemente gibt.


    Wieder Lesestunden gerettet!


    HG
    finsbury

  • Tja, Vorsicht bei Arno Schmidts Lektüre-Empfehlungen ;-)


    Da uns Schmidt oft und gerne drittklassige oder noch mindere Autoren als erstklassige weiszumachen sucht, bin ich seit langem vorsichtig mit seinen Empfehlungen. Ich habe demzufolge nicht mehr erwartet, als was mich jetzt empfangen hat. Eher noch weniger.


    na dann bin ich aber dankbar für die Warnung. Ich habe lange mit der Ausgabe gefreit, dann aber gedacht, dass Triviales nicht unbedingt durch das Alter besser wird. Der Plot klang für mich ziemlich abgedroschen, wenn es anscheinend auch einige ironische Elemente gibt.


    Wieder Lesestunden gerettet!


    Wobei er m.M.n. doch unterhaltender und flüssiger zu lesen ist als z.B. [url=http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2709.0.html]Gutzkow mit seinen Rittern vom Geiste[/url] und wohl auch - unbekannterweise - [url=http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2826.msg33624.0html]Immermanns Münchhausen[/url]. Wer die beiden gelesen hat, für den ist Lafontaine ein Klacks ... :breitgrins: :breitgrins: :breitgrins:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • Wobei er m.M.n. doch unterhaltender und flüssiger zu lesen ist als z.B. [url=http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2709.0.html]Gutzkow mit seinen Rittern vom Geiste[/url] und wohl auch - unbekannterweise - [url=http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2826.msg33624.0html]Immermanns Münchhausen[/url]. Wer die beiden gelesen hat, für den ist Lafontaine ein Klacks ... :breitgrins: :breitgrins: :breitgrins:


    Da habe ich ja die besten Voraussetzungen… :zwinker:

    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

  • Wobei er m.M.n. doch unterhaltender und flüssiger zu lesen ist als z.B. [url=http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2709.0.html]Gutzkow mit seinen Rittern vom Geiste[/url] und wohl auch - unbekannterweise - [url=http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2826.msg33624.0html]Immermanns Münchhausen[/url]. Wer die beiden gelesen hat, für den ist Lafontaine ein Klacks ... :breitgrins: :breitgrins: :breitgrins:


    Sowohl Gutzkow als auch Immermann sind erheblich gehaltvoller als Lafontaine. Und so flüssig es auch geschrieben sein mag - es ist nach ein paar hundert Seiten nur noch fad. Die "Ritter" und der "Münchhausen" sind das nicht.

  • Die Ritter (den Münchhausen kenne ich, wie gesagt, nicht) sind sicher ambitiöser. Aber auch verworrener. Lafontaine erzählt ziemlich geradeaus, was ihn einfacher und auch plätschender macht. Inhaltlich wird er so ungefähr das Niveau von Richardson oder Goldsmith haben. Das müssten auch so ungefähr seine Vorbilder gewesen sein, schätze ich. Lafontaine verkörpert ja, da gebe ich dem Nachwort recht, eine (erste) triviale Reflektion der in der "Hochliteratur" bereits zu Grabe getragenen Empfindsamkeit.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo,


    [Sowohl Gutzkow als auch Immermann sind erheblich gehaltvoller als Lafontaine. Und so flüssig es auch geschrieben sein mag - es ist nach ein paar hundert Seiten nur noch fad. Die "Ritter" und der "Münchhausen" sind das nicht.


    Bei den beiden bereue ich die Lektüre auch gar nicht. Wenn's auch Längen gab, waren doch viele Aspekte so interessant und gegenüber meinen bisherigen Kenntnissen zeitgenössischer Werke, so ungewöhnlich und für mich neu, dass die Lektüre insgesamt doch spannend war. Die Ausführungen zum Lafontaine klingen dagegen so, als sei's was für die Rokoko-Hintertreppe!


    HG
    finsbury

  • Die Ausführungen zum Lafontaine klingen dagegen so, als sei's was für die Rokoko-Hintertreppe!


    Dann habe ich mich unglücklich ausgedrückt. Rokoko sowieso nur insofern, als Rokoko und Empfindsamkeit quasi Geschwister sind. Ich würde Lafontaine aber lieber als Enkel der Empfindsamkeit betrachtet wissen, insofern als Empfindsamkeit eben auch ein Aspekt der Aufklärung ist. Und einen aufklärererischen Impetus würde ich ihm keineswegs absprechen. Seine Blossstellung der von Flaming'schen Narrheiten sind durchaus der aufklärerischen Tradition verpflichtet. Und sooooo uninteressant keineswegs. Ich für meinen Teil amüsiere mich wenigstens bedeutende besser als bei Irvings Kolumbus-Biografie ...

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  • Dieses Bloßstellen der Narreteien funktioniert immer nach dem gleichen Prinzip und ist imho nach spätestens 200 Seiten kreuzlangweilig (hätte L. das statt 1.200 nur 120 Seiten und etwas konzentrierter geschrieben, wäre es noch ganz passabel - aber so?). Und bevor ich zu Lafontaine greife, weil andere Bücher noch langweiliger sind, les ich doch lieber Karl Mays "Ölprinz", dessen historisch-kritische Ausgabe heute in der Post war ;-)

  • Band III (der Originalzählung) geht in gehabtem Trott weiter. Im Heimatdorf von Flamings begegnen wir einer idyllisch anmutenden Utopie (oder einer utopisch anmutenden Idylle), die auch Morus nicht anders geschildert hätte. (Dass sie darauf beruht, dass man den Bauern absichtlich nicht mehr sagt und ihnen nicht mehr beibringt, als was sie zum täglichen (Über-)Leben brauchen, hinterlässt im heutigen Leser allerdings einen schalen Geschmack.) Dennoch: Recht witzig der Moment, wo sich von Flaming überlegt, dass er seine Untertanen lieber vernünftig als glücklich haben wollte. Das hätte schon fast von Kant sein können ...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus