Christian Reuter

  • Hallo Ck


    "Ey sapperment!"


    werd mir doch glatt das Reclam Buch besorgen :smile:


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()

  • Hallo Maria,


    Zitat von "JMaria"


    werd mir doch glatt das Reclam Buch besorgen :-)


    da tust Du gut daran, sandhofer und xenophanes haben ganz recht! :-)


    Schöne Grüße,
    Wolf

  • Ich habe diesen alten Thread mal hervorgeholt, weil ich im Rahmen des Wettbewerbs nun Christian Reuters "Schelmuffsky" lese.


    Ein pralles Leseerlebnis! In die Sprache hat die Reclamausgabe nur ein wenig schlichtend, insbesondere bei der Interpunktion und zum Teil in der Rechtschreibung, eingegegriffen, aber ich fühle doch eine relative Authentizität der vorliegenden Edition, die Wortwahl und Lautung ist unberührt geblieben.


    Schelmuffsky ist ein Vorfahre Münchhausens, der sich marodierend und parasitär durchs Leben bewegt und daraus eine wilde Geschichte seiner abenteuerlichen Reisen strickt.


    Schon zu Beginn wird das deutlich. Schelmuffsky gelangt vier Monate zu früh auf die Welt, weil seine Mutter sich erschreckt, denn eine Ratte hat ihr seidenes Kleid angefressen und flieht zwischen die Beine der Schwester (mir wird nicht klar, ob die von Schelmuffsky oder seiner Mutter), um sich dort pikant zu verflüchtigen.
    Schelmuffsky aber, obwohl eine Frühgeburt, die zu damaligen Zeiten nicht im entferntesten hätte überleben können, kann bereits perfekt sprechen und stellt sich seiner "Frau Mutter" und den Nachbarn aufs Artigste vor.
    An der Schule will er jedoch nicht so recht reüssieren und auch die Lehre bei einem Kaufmann scheitert. Dagegen liebt er es, nicht nur Spatzen, sondern auch Menschen mit einem Blasrohr anzuschießen und auf die gleiche Weise Scheiben zu zerstören.
    Seiner Mutter wird das schließlich zu teuer und so schickt sie ihn mit einem schönen Batzen Geld in die Welt. Am liebsten wäre er schon am Stadttor in die heimische Sicherheit zurückgekehrt, läuft aber dem Schlitten eines Grafen über den Weg, der ihn aufnimmt und von seinen bunten Geschichten ganz fasziniert ist.
    Macht Spaß, wie Schelmuffsky zwischen Prahlerei und Eingeständnis von zutiefst menschlichen Schwächen hin und her oszilliert.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Nun habe ich nach einer längeren Pause die nächsten 50 Seiten gelesen und mich weiter gut unterhalten gefühlt. Obwohl -wie oben ausgeführt - Lautung und Schreibung wohl relativ dicht am Original sind, bietet der Roman wenig Lesewiderstand: Es geht fröhlich weiter mit Schelmuffskys Lügengeschichten, die haarsträubend mit der Duldsamkeit des geografisch grob geschulten Lesers spielen:
    Nachdem Schelmuffsky eine längere schöne Zeit an der Seite seiner Liebsten Charmante in der Haute Volée von Hamburg verbracht hat, muss er aufgrund eines Gemetzels, das er unter frechen Halbstarken anrichtet, die Hansestadt verlassen und kommt nach Stockholm, das ihm, dem prächtigen Kerl, natürlich auch sofort zu Füßen liegt, insbesondere die Damenwelt, die sich umbringen wollen, wenn er sie nicht sofort ehelicht. Sprachprobleme gibt's da erstaunlicherweise keinerlei. Und dann reist er wieder weiter, zusammen mit seinem wieder aufgetauchten Grafenfreund und der Charmante, die aber leider gleich einer Schiffshavarie zum Opfer fällt, während er und der Graf sich auf eine Schiffsplanke retten und dann 1000 Meilen vor sich hin treiben und plötzlich in Amsterdam sind(!). Skagerrak und Kattegat, die dänische Halbinsel umrunden, vorbei am norddeutschen Wattenmeer nach Amsterdam, und das alles gegen die Windrichtung - alle Achtung!
    Aber darum geht's ja, den Leser durch die fröhliche Lügenwelt führen und zu lächelndem Kopfschütteln veranlassen.
    Das einzige, was mich bisher stört, ist die stereotype Wendung "der Tebel hol mer", die mindestens gefühlte Zweimal pro Seite auftaucht.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Vielen Dank, finsbury , für diese heiteren und erheiternden Beiträge. Damit lässt Du uns alle an diesem Schelmenstück teilhaben. Übrigens finde ich schon den Namen Schelmuffsky klasse - da kann einfach kein ernster Text dahinterstecken. :breitgrins:

  • Danke, @Gina, für die Rückmeldung.
    Im Weiteren habe ich mich aber ziemlich durch den eigentlich kurzen Roman gequält, weil er die haarsträubenden Lügengeschichten nur immer wieder variiert und wenig Neues bietet. Gut fand ich im zweiten Teil, dass Schelmuffsky in Padua seinem Alter Ego begegnet, den er so arrogant und aufschneiderisch findet, dass er ihn sogar zum Duell auffordert und ihm dabei die Ohren abschneidet, eine schöne Metapher für die Erlösung der arg gebeutelten Zuhörer des "Frembden", der eigentlich genauso nervt wie Schelmuffsky.
    Ich steh aber insgesamt nicht so auf Schelmengeschichten, auch dem Münchhausen, den Schildbürgern und Pappenheimern kann ich nicht viel abgewinnen, insofern ist mein Urteil sehr subjektiv. Dass dieser Roman aus dem ganzen Abenteuer- und Galanterietrivialschund der barocken Massenliteratur herausragt ist völlig klar.
    Übrigens hat Clemens Brentano Reuter und seinen Schelmuffsky aus der Vergessenheit gerettet.
    Im Mutterforum habe ich auch noch einen Abschlussbeitrag dazu gepostet.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Es ist lange her, daß ich den Schelmuffsky gelesen habe und erinnere mich daher keiner Details. Aber er ist mir doch positiv in Erinnerung geblieben.

    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)


  • Es ist lange her, daß ich den Schelmuffsky gelesen habe und erinnere mich daher keiner Details. Aber er ist mir doch positiv in Erinnerung geblieben.


    So wird er mir später auch wohl im Gedächtnis bleiben,wenn ich die ganzen Wiederholungen vergessen und nur die witzige Grundidee und die haarsträubenden insbesondere geografischen Klitterungen im Gedächtnis bleiben.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)