Robert Walser

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Der_R%C3%A4uber


    "Der Räuber" ist ja in dieser Form kein eigenständiges Werk von Robert Walser; bei aller Hochachtung vor den Leistungen der genannten Literaturhistoriker - ich bin bei allen Veröffentlichungen aus den Mikrogrammen sehr vorsichtig (was kann man da guten Gewissens als richtig erschlossen betrachten?) - siehe neben dem Roman "Der Räuber" die mehrbändige Edition "Aus dem Bleistiftgebiet" oder "Der Roman woran ich weiter und weiter schreibe"...
    ...aber irgendwie "lohnenswert" ist Walsers Lektüre immer...


  • Moin, Moin!



    Eingedenk der Tatsache, daß ich fast auf jeder Seite zitatwürdige Passagen fand, ein Buch, das unbedingt leseswert ist. Außerdem nun wirklich nicht umfangreich. Es unterscheidet sich insofern von den erwähnten anderen Werken, als der Plot noch mehr in den Hintergrund tritt. Die Außenseiter-Existenz ist hier so konzentriert dargestellt wie bei Hesses Steppenwolf, nur wird nicht ganz so pentrant darauf herumgeritten. Da ich Bücher liebe, in denen sich Unangepaßte und Randexistenzen austoben dürfen, für mich ein MUSS.


    Das klingt doch hervorragend! Dann mal nichts wie ran an den "Räuber", womit der erste Vorsatz des Jahres 2009 aus der Taufe gehoben ist ...


    Vielen Dank für den Tipp!


    Tom

  • So sehr erstaunt mich die Mark in der Währungsangabe nicht, wenn man bedenkt wie oft Walser bei Verhandlungen mit deutschen Verlegern um die Mark feilschen musste, wie er sie bei seinen Aufenthalten in Deutschland mehrfach vor der Ausgabe umdrehen musste... Ich denke also, dass die Mark, oder der Wunsch nach ihr, sich psychologisch ins Werk durchgeschlagen hat... Aber ich will nicht zu viel mutmassen... Selbst mehrere Währungen miterlebt und überlebt sind sie mir untergeordnetes Detail, da ich keine Idee habe, was eine Mark oder ein Franken dieser Zeit überhaupt für einen Wert hat. Währungsangaben in Büchern überlese ich mittlerweile generell.


    Ich habe auf den Letzten Zug- und Metrofahrten "Fritz Kochers Aufsätze" durchgeschmöckert und war sehr angetan, besonders über den Witz und die feine Ironie hier und dort. Auch die Sichtweise von Seitens eines Schülers im Sinne von "Stilübungen" fand ich sehr erfrischend. Walsers Parteiergreifung für den Wald (nicht nur den schweizerischen Wald) hat etwas programmatisches (aber es wird nicht nur über Wald geschrieben...). Einiges erinnert mich sehr an eine Aphorismensammlung, wenn auch Textteile gruppiert sind zu Themen - vielleicht weil das Buch eine Ausgabe vorher getrennt veröffentlichter oder dazu vorgesehener Texte war. Auf jeden Fall bin ich neugierig, andere Bücher von Walser zu probieren. Aber wo beginnen? Ich dachte an "Jacob von Gunten", bin mir aber nicht mehr so sicher...


    Schönen Samstag, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig.<br /><br />Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

    Einmal editiert, zuletzt von Friedrich-Arthur ()

  • Zufällig entdeckt:
    Robert Walsers Vor Bildern. Ein kleines Büchlein mit Bildbetrachtungen - löblicherweise - nebst Wiedergaben der besprochenen Werke!
    Walser hat sich ja schon früh mit bildender Kunst beschäftigt, sein Bruder Karl war Maler und Mitglied der Berliner Sezession, Robert wiederum (was ich gar nicht wusste) in seiner Berliner Zeit Sekretär der Sezession.


    Das Buch vereinigt ganz unterschiedliche Texte aus verschiedenen Epochen zu den unterschiedlichsten Werken der europäischen Malerei. Es sind Erzählungen, oft abschweifend oder das Thema scheinbar kaum berührend, fingierte Gespräche der Dargestellten, Briefe an dieselben, Gedichte, ironisch, parodierend ... Kuriose, unterhaltsame Plaudereien, die bei aller "naiven" Munterkeit und vordergründigen Umständlichkeit - oder gerade durch sie - zu erstaunlich tiefgründigen Aussagen über das Wesen der Bilder kommen. ( Dies gilt besonders für van Gogh und Cézanne).


    Alle, die sich für Malerei interessieren und/oder Robert Walser mögen, werden sich über dieses Buch (Insel-Bücherei Nr.1282) freuen.

  • Zufällig entdeckt:
    Robert Walsers Vor Bildern. ...


    Alle, die sich für Malerei interessieren und/oder Robert Walser mögen, werden sich über dieses Buch (Insel-Bücherei Nr.1282) freuen.


    Hallo Gontscharow,


    interessante Entdeckung! Ich habe das Büchlein notiert, denn wenn der von mir sehr geschätzte Robert Walser über Kunst schreibt, hilft das vielleicht meinem Kunst"banausentum" ein wenig auf die Sprünge ...


    LG


    Tom

  • Hallo Gontscharow,


    schön, dass du diesen Thread hervorgeholt hast. Möchte ich doch demnächst etwas von Robert Walser lesen; vermutlich "Der Gehülfe".


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Möchte ich doch demnächst etwas von Robert Walser lesen; vermutlich "Der Gehülfe".


    Hallo Maria,


    Du wirst ihn ganz bestimmt mögen, den "Gehülfen" - und danach sofort zu den "Geschwistern Tanner" greifen, die mir persönlich noch ein ganz klein wenig besser gefallen haben.


    Einen schönen Tag wünscht


    Tom

  • Hallo Maria,


    Du wirst ihn ganz bestimmt mögen, den "Gehülfen" - und danach sofort zu den "Geschwistern Tanner" greifen, die mir persönlich noch ein ganz klein wenig besser gefallen haben.



    Hallo Thomas,


    Warum gerade zu den "Geschwistern Tanner"? Gibt es einen Zusammenhang zum "Gehülfen"?


    Grüße von
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Warum gerade zu den "Geschwistern Tanner"? Gibt es einen Zusammenhang zum "Gehülfen"?


    Jein. Die in den Jahren 1907 - 1909 erschienen drei Walser-Romane "Geschwister Tanner", "Der Gehülfe" und "Jakob von Gunten" sind jeweils eigenständige Werke. Es gibt aber Zusammenhänge. Sie sind, eine bessere Formulierung fällt mir nicht ein, von einem vergleichbaren Grundton geprägt (e-moll oder cis-moll :zwinker:). Es gibt aber auch Unterschiede: Während "Geschwister Tanner" und "Der Gehülfe" noch im realistischen Stil geschrieben sind, greift "Jakob von Gunten" darüber hinaus und bedient sich vorsichtig einiger Elemente des Phantastischen. Alle drei sollte man mMn. gelesen haben - wobei die Reihenfolge beliebig ist.


    Es grüßt


    Tom

  • Jein. Die in den Jahren 1907 - 1909 erschienen drei Walser-Romane "Geschwister Tanner", "Der Gehülfe" und "Jakob von Gunten" sind jeweils eigenständige Werke. Es gibt aber Zusammenhänge. Sie sind, eine bessere Formulierung fällt mir nicht ein, von einem vergleichbaren Grundton geprägt (e-moll oder cis-moll :zwinker:). Es gibt aber auch Unterschiede: Während "Geschwister Tanner" und "Der Gehülfe" noch im realistischen Stil geschrieben sind, greift "Jakob von Gunten" darüber hinaus und bedient sich vorsichtig einiger Elemente des Phantastischen. Alle drei sollte man mMn. gelesen haben - wobei die Reihenfolge beliebig ist.


    Hallo Tom,


    meinen Dank für deine informative Antwort. Ich hätte ja gedacht, dass ich ziemlich bald etwas von Robert Walser lese, doch habe ich mir in letzter Zeit wohl zuviel vorgenommen. Ich werde meine Eindrücke schildern. Reingelesen habe ich den "Gehülfe"; seine ruhige, behäbige Art, gefällt mir schon mal.
    Mal sehen, wann ich mich intensiver mit Robert Walser beschäftige.


    Grüße von
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Eine leise Melancholie durchschimmert die Erzählungen in „Poetenleben“ aus dem Jahr 1917. Es handelt sich um Geschichten, die zuvor in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht worden waren und die Walser nach seiner Rückkehr aus Berlin zu einer lockeren, aber virtuos komponierten Autobiografie zusammenstellte. Die Geschichten sind unterschiedlich lang und kreisen größtenteils um Episoden aus Walsers flanierend-dichterischen Leben. Er bleibt den Maximen seiner drei großen Romane aus den Jahren 1907 bis 1909 treu, macht sich selbst klein und unwichtig, bindet sich weder an einen Ort noch an eine Person oder gar an eine feste Anstellung und lässt dabei aber immer unmissverständlich anklingen, dass dies für ihn die einzige Art und Weise ist, dem modernen Leben und dessen Überspanntheiten einigermaßen angemessen zu begegnen. Was Walser dazu bewogen hat, eine Nacherzählung des Dornröschenmärchens sowie eine Hölderlin-Miniatur in diese Sammlung aufzunehmen, bleibt mir ein Rätsel, allerdings eins der angenehmen Sorte.


    Robert Walser begleitet mich seit einigen Jahren. Dieser Autor spricht mich sehr an, seine Figuren sind sympathische Einzelgänger und Antihelden, hinter deren Schlichtheit sich sehr viel Menschlichkeit und natürliche Klugheit verbirgt. Robert Walser ist ein perfektes Gift gegen die selbstzerstörerische Hektik und Zielstrebigkeit unserer Zeit. Gemessen an seiner recht traurigen Lebens- und Krankheitsgeschichte ist er ein sehr glaubwürdiger und authentischer Autor. Vita und Werk sind absolut stimmig, die Sprache ist betörend, niemals simpel, aber auch nicht verkopft.


    Hesses Zitat „Wir müssen Dostojewski lesen, wenn wir elend sind“ würde ich gern abwandeln in „Wir sollten Robert Walser lesen, wenn wir unseren inneren Kompass verloren haben.“


    LG


    Tom

  • Walter Benjamin über Robert Walser:
    Seine Figuren "kommen aus der Nacht, wo sie am schwärzesten ist, einer venezianischen, wenn man will, von dürftigen Lampions der Hoffnung erhellten, mit etwas Festglanz im Auge, aber verstört und zum Weinen traurig. Was sie weinen, ist Prosa. Denn das Schluchzen ist die Melodie von Walsers Geschwätzigkeit. ... All seine Helden ... wollen sich selber genießen. ... Sie haben ... darin einen ganz ungewöhnlichen Adel. ... Diesen kindlichen Adel teilen die Menschen Walsers mit den Märchenfiguren, die ja auch der Nacht und dem Wahnsinn, dem des Mythos nämlich, enttauchen.


    Schöner Zufallsfund! Ich glaube, Benjamins Literatur-Essays lohnen einen genauen Blick.


    LG


    Tom

  • Appenzellische Jahrbücher / Band 133 (2005).
    Themenheft Robert Walser.


    Daraus:
    Polizeifoto des toten Robert Walser.


    Wikipedia:

    Zitat


    Robert Walser liebte lange, einsame Spaziergänge. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1956 starb er an einem Herzschlag bei einer Wanderung durch ein Schneefeld, wo er kurz darauf gefunden wurde. Die Fotografien des toten Spaziergängers im Schnee erinnern fast unheimlich an ein ähnliches Bild eines Toten im Schnee aus Robert Walsers erstem Roman Geschwister Tanner.


    Gruß
    Leibgeber

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

  • Fragt sich, ob sich die Ausgabe (finanziell, meine ich) lohnt. Ich mag Walser sehr, aber, was ich da über seine Briefe lese, lässt mich ratlos zurück...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Die Brief-Edition werde ich mir erstmal ersparen. Bin aber gespannt auf die weiteren Bände der "Berner Ausgabe". Sollten sie sachgerecht ediert und kommentiert sein, kann ich mir vorstellen, dass ich die alten Taschenbücher Schritt für Schritt austausche.