Carl Gustav Jung

  • Wenn es schon einen Freud-Ordner gibt, so sollte es auch einen C.G.Jung-Ordner geben, dachte ich mir und wie gedacht, so getan, hier ist er.


    Eine allgemeine Diskussion fingen wir mal bei


    http://www.literaturcafe.de/cg…t_topic/f/5/t/001618.html


    an, denn Freud und Jung scheinen ja die Literatur zu ihrer Zeit sehr befruchtet zu haben. Schaut doch dort mal vorbei.


    Ich kaufte mir diese Woche "Traum und Traumdeutung" aus der dtv-Ausgabe in elf Bänden. Dazu steht im Innenumschlag:

    Zitat


    Die Traumdeutung ist Bestandteil jeder Art tiefenpsychologischer Betrachtung der menschlichen Psyche. Alle Forscher, gleich welcher Schulen, haben das, was in Träumen zum Ausdruck kommt, in ihre psychologischen und therapeutischen Überlegungen einbezogen: Denn nirgendwo anders gibt die Seele deutlicher Auskunft über Unbewußtes als im Traum. C. G. Jung hat den Traum als symbolische Ausdrucksform der spontanen Selbstdarstellung des Unbewußten in seiner aktuellen Situation gesehen. Für die Deutung der Bildersprache der Träume stellte er einen sehr breiten Kontext her, indem er auch überindividuelles, kulturelles Material - Märchen, Mythen, Religion, Kunst, Dichtung - miteinbezogen. Dieser Band bingt aus den verschiedenen Schaffensperioden C. G. Jungs Beiträge zu Traum und Traumdeutung, die die wesentlichen Gesichtpunkte seiner Auffassungen zeigen: Neben seiner allgemeinen Psychologie des Traumes und der Arbeit "Vom Wesen der Träume" sind dies die Ausführungen zur Symbolsprache der Träume, zur praktischen Anwendung der Traumanalyse sowie die mit reichem Bildmaterial ausgestattete Arbeit "Traumsymbole des Individuationsprozesses", in der Jung modellhaft den Kreis der archetypischen Deutungsmöglichkeiten abschreitet.


    Soweit zum Anfüttern, später mehr...


    Noch einen schönen Samstag wünscht euch FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Halihallo


    Ja, Jung gehört längst zur allgemeinen Bildungsgrundlage, auch für andere Wissenschaftszweige, nicht nur der Psychologie. Ich denke dabei vor allem an die Volkskunde (z.B. G.Isler/Die Sennenpuppensage) oder die zweibändige Enzyklopädie des Märchens etc.

  • Hallo Evelyne Marti,


    ich bin vor allem erst einmal überrascht, wie flüssig und stilistisch gut Jung seine Gedanken über "Traum und Traumdeutung" niedergeschrieben hat. Das hat nicht die Brillianz eines Nietzsche, aber Nietzsches Werke sind stilistisch sowieso fast unerreichbar. Gut Nietzsche war auch mehr der Künstler und Jung mehr Wissenschaftler. Aber ich lese von Jung ja erst das erste Buch und habe von Nietzsche schon vieles gelesen. Jetzt wundert es, warum ich Jung und Nietzsche zusammen ins Spiel bringe. Sicher nicht um den Schreibstil zu vergleichen, sondern um meine erstaunte Feststellung loszuwerden, wie konsequent Jung Gedankengut Nietzsches weiterentwickelt hat und das auch nicht leugnet. Besonders fällt es mir auf in Bezug auf "Die fröhliche Wissenschaft" von Nietzsche, die wir ja gerade in einer Leserunde im Literaturcafé behandeln. Sicher ging ich mit einem kleinen Vorbehalt bezüglich "Traum und Traumdeutung" aus dem Buchladen heraus, aber das Gefühl hat sich längst zerschlagen. Unsere Träume sind eigenartig, schön und häßlich zugleich, verlaufen nach bestimmten Mustern, das Unterbewusste ist nicht zu unterschätzen, es gibt vieles zu entdecken, das sind grob meine ersten Leseeindrücke. Ich stimme dir zu, dass Jung zur allgemeinen Bildungsgrundlage gehört. Wir nutzen jungsches Gdankengut und wissen nicht einmal, das einiges Verdienst des genutzten Wissens Jung gebührt. Literarisch gesehen, aber auch in Bezug auf die bildenden Künste ist Jung sicher wichtig, deshalb habe ich mir auch vorrangig "Traum und Traumdeutung" besorgt. Meine alte Schwäche für die Symbolisten war wohl ein wichtiges Entscheidungskriterium. Und als Hessianer kann die Junglektüre für mich wohl auch nur zum Vorteil gereichen. Ich werde ich mit neuen Eindrücken auf dem Laufenden halten. Das ist eine Drohung, die wahrgemacht wird!


    Noch ein schönes Wochenende und frohe Pfingsten wünscht euch FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hallo Friedrich-Arthur


    Ich bin gespannt, welche Eindrücke Du dazu posten wirst. Jung ist spannend und kein bisschen schwierig zu lesen. Und Hesse machte ja eigens eine Jungsche Therapie, ist also sicher nicht verkehrt, Jung zu lesen.


    Doch Jung wäre ohne Freud nicht denkbar. Jung ist in Bezug auf kollektive Symbolik ergiebig, Freud vor allem hinsichtlich der persönlichen Traummaterialien, beide ergänzen sich. Auch Adler soll nicht unerwähnt bleiben, der auf seine Weise Freuds Grundlage relativiert hat. Ich finde, alle drei zusammen kommen der Realität bedeutend näher als einer für sich allein.


    Was mir an Jung auch gefällt, ist, dass er das System nach oben offen lässt und Freuds persönliches Unbewusstes immerhin als (etwas unterschätzten) Teilbereich einbezogen hat. Vor allem reduziert er den menschlichen Trieb nicht auf die Libido (was bei Freud zwar nicht nur Sexualität bedeutet, doch für mich immer noch zu reduktiv ausfällt) oder die Macht (wie bei Adler), sondern lässt es kollektiv offen, spricht von Bildern, welche wir uns machen, und wie die kollektiven Bilder in uns eine persönliche Bedeutung erhalten, dann eingeschränkt kollektiv sind, aber die Archetypen uns bei der Deutung unserer Träume zusätzlich zu Freuds Assoziationsmethode und Jungs Aktiver Imaginationsmethode amplifizierend helfen können, aufgrund von kollektiven unbewussten Bildern (Jungs Archetypen) und Verhaltensmustern (deutlicher bei Adler).


    Frohe Pfingsten!

  • Beim Lesen von Carl Gustav Jungs Buch über Träume wird mir einiges in den Schriften Hermann Hesses deutlicher erkennbar und nachvollziehbarer. Hesses psychoanalytischen Sitzungen bei Jung müssen wirklich ein Feuerwerk an Phantasie und Kreativität freigesetzt haben. Die beiden hatten auch gedanklich (besonders was die Lebensauffassungen betrifft) doch recht viel gemeinsame oder ähnliche Auffassungen. Wirklich beeindruckend und erhellend die Jung-Lektüre. Später mehr... FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Und dann gaunerte ich meiner Mutter ihr Exemplar von
    C. G. Jung
    Erinnerungen Träume Gedanken
    Aufgezeichnet und herausgegeben von Aniela Jaffé
    ab und bereits nach den ersten Seiten Lektüre dieser Autobiographie bin ich hin und weg. Jung kommt mir in den Betrachtungen und Erinnerungen sehr menschlich vor, teilweise sogar humoristisch und anekdotenhaft, unerwartet offen über sich nachdenkend und schreibend, Frau Jaffé vertrauend und mit ihr sehr kooperativ zusammenarbeitend. Die Anekdote seiner direkten Nackommenschaft von Goethe fand ich sehr drollig. Einige seiner Reflexionen und Erinnerungen machen mich nachdenklich. Ich will mich auch nicht lange hier aufhalten, sondern gleich weiterlesen, bis mir die Augen brennen oder ich auf dem Buch einschlafe... Noch ein schönes Wochenende, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Ich kann es euch nicht erklären, aber die Lektüre des autobiographischen Buches von Jaffé/Jung lässt mich wieder verstärkt träumen. Zumindest ist dies mein Gefühl und meine Einbildung. Vielleicht weil ich mehr darauf achte, oder weil ich am Tage mehr über einige Dinge nachdenke, die durch die Lektüre der jungschen Autobiographie angestoßen wurden, die mich dann unterbewusst des Nachts weiter beschäftigen? Einige der bemerkenswerten Feststellungen lassen mir keine Ruhe. Manchmal sind es nur kleine Sätze, die Jung so nebenbei schrieb. Z.B. dieser:

    Zitat

    Der moderne Künstler ist ja bestrebt, Kunst aus dem Unterbewußten zu gestalten.

    Viele Fragen kamen mir sofort in den Sinn, z.B.: Ist dem immer noch so, oder war dies eine Mode/Strömung in der Kunst, z.B. der Symbolismus oder Surrealismus? In wieweit sind die Phantasien, die dann in der Kunst dargestellt wurden, spontan und wirklich und wie wirken wie auf uns, wenn sie im Besonderen spontan und wirklich sind? Jeder Mensch hat ja sein eigenes Unterbewusstes, wie sieht es aber mit dem kollektiv Unterbewussten aus? Was sind die Archetypen, was ist Jungs Archetypenlehre - denen ich in meiner Unkenntnis, aber dem festen Willen, sie möglichst bald zu lesen – eine große Bedeutung, besonders für die bildenden Künste anrechne (ich weiß auch nicht wieso, eine rein gefühlsmäßige Feststellung)? Ich frage mich, ob es überhaupt möglich ist, Kunst ohne unterbewusste Inhalte und träumerische Phantasien zu schaffen, selbst, wenn man es will. Wird nicht vieles in unserem Kunstgefühl von Phantasie bestimmt? Ist nicht jede Ästhetik auch von innen her mitbestimmt; haben wir nicht alle ein ästhetisches Urteilsvermögen, ohne es uns richtig erklären zu können? Woher kommt dann Max Liebermanns Feststellung:

    Zitat

    Setze zwanzig Maler vor dasselbe Modell, und es werden zwanzig ganz verschiedene Bilder auf der Leinwand entstehen, obgleich alle zwanzig gleichermaßen bestrebt waren, die Natur, die sie vor sich sahen, wiederzugeben. Wie sich im Kopfe des Künstlers die Welt wiederspiegelt, gerade das macht seine Künstlerschaft aus.

    Genug der Fragen. Ich sehe ein, es ist notwendig, es Jung nachzutun und einige Gedanken schriftlich festzuhalten und zu ordnen. Es ist zuviel Gedankenmaterial, das auf einmal auf mich hereinstürzt. Ob es ein “Schwarzes Buch” oder ein “Rotes Buch” wie bei Jung wird ist dabei nicht wesentlich. Alles im Kopf zu durchdenken, wie Nietzsche es tat, wird mich sicher überfordern und mich vielleicht von der Realität entfernen. Am Besten ist es wohl zu Stiften und Papier, zu Pinsel und Leinwand zu greifen und selbst zu schaffen und zu sehen, was auf mich zukommt und wie es wirkt und auszuwählen für den weiteren Weg…


    Wie seht ihr das?


    Grüße, FA


    (Dieser Beitrag steht gleichlautend in http://www.literaturcafe.de und http://klassikerforum.de geschrieben.)

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Das Jaffé/Jung-Buch ist wirklich allen zu empfehlen, die einen Jung-Einstieg suchen. Bis zum Ende sind Jungs Hauptgedanken einfach und zusammenfassend als Lebensrückblick erzählt. Mich hatte schon Jungs Buch "Traum und Traumdeutung" (dtv 35173) sehr auf die Archetypenlehre aufmerksam gemacht, Jaffés Buch aber hat mich sofort dazu gebracht, sein Buch "Archetypen" (dtv 35175) zu kaufen und zu lesen. Es ist unglaublich spannend geschrieben und vermittelt nicht hauptsächlich Wissen, sondern fördert das Nachdenken und sucht Zusammenhänge. Es zeigt, wie reich unsere Seele/unser Unbewusstes ist und welches Gegengewicht sie/es zum Bewusstsein/zum Intellekt darstellt, welche reichen Wechselbeziehungen sich abspielen. Auch wird mir vieles nicht nur psychologisch, sondern auch geschichtlich eindrucksvoller nachvollziebar, besonders was Religion, Kunst, Kultur, Moral usw. betrifft. Das sind doch alles noch sehr bewegende Dinge für uns, finde ich. Wieder finde ich in Jungs Archetypenbuch einige, der so von mir geschätzten jungschen Sätze, über die ich einfach nicht hinweglesen kann und die mich sehr zum Nachdenken und Innehalten bewegen. Ich las einmal, das Jung trocken schriebt... Da muss ich mich wohl verlesen haben, oder ich muss es abstreiten. Ich kann mir schon sehr gut vorstellen, dass Jungs Bücher die Menschen, oder einen Teil der Menschen, immer wieder und noch lange fesseln werden, denn sie gehen über reine Wissensvermittlung hinaus. FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Schade, dass der Jung-Thread abgerissen ist. Ich nehme ihn hiermit wieder auf.


    Als Jung-Einstieg würde ich fast eher noch das folgende Werk von Jolande Jacobi, einer anderen Schülerin von Jung, empfehlen: Die Psychologie von C.G. Jung, erhältlich als Fischer-Taschenbuch. Jung schreibt in seinem Geleitwort dazu:


    "Damit ist eine Synopsis zustande gekommen, die alle wesentlichen Punkte umfasst oder wenigstens berührt, sodass es dem Leser ermöglicht ist [...], sich auf kürzestem Wege über alles Wünschenswerte zu orientieren."


    Jacobi schreibt sodann in Komplex Archetypus Symbol über drei Grundbegriffe der Jung'schen Tiefenpsychologie. Dieses Werk ist aber m.W. nur noch antiquarisch erhältlich.

    Das Universum, das andere die Bibliothek nennen [...] (J.L. Borges, Die Bibliothek von Babel)

  • Hallo uhu,


    das von dir erwähnte Buch gibt es noch:


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    Ich habe gerade die Zweitlektüre (durch deine Anregung und mein Interesse für die bildenden Künste) des Archetypen-Buches von dtv begonnen:


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    Auch das Traum- / Traumdeutungsbuch von dtv wollte ich noch einmal erneut und eingehender lesen:


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    Auch wenn ich nur mit Unterbrechungen und wenig systematisch jungsche Werke lese und eigentlich noch nicht soweit vorangekommen bin, so muss ich aber immer wieder feststellen, dass ich sofort wieder begeistert bin und drin bin, egal, wo ich mit dem Lesen einsetze. Trocken und fachsprachlich kommen mir Jungs Werke nicht vor, gleichwohl auch nicht gerade einfach. Es gibt viele Anregungen und viele schöne Sätze, wie ich sie heute zum Beispiel wieder über die Kindererziehung las. Auch seine Ausführungen über aktive Imagination, die ich heute las, sind sehr einladend, gerade auch aus dem Blickwinkel bildnerischen Schaffens. Auch werden mir Hermann Hesses Werke viel deutlicher, was mich als Hesse-Anhänger natürlich freut und sind einige alte Grundgedanken der Kunst und Kunstgeschichte sehr schön und einleuchtend erklärt. Es gibt vieles, das mich immer mal wieder an jungsche Schriften denken lässt, wie das Lesen in kunsttheoretischen Büchern, die Betrachtung von Kunst, das eigene Malen (habe in einem Bild, das ich zur Zeit male, eine Hommage auf C.G. Jung und Paul Klee eingeflochten), das Lesen von Hermann Hesses Werk, das Lesen von Sloterdijks Blasenbuch der Sphärentrilogie und manchmal auch nur das Träumen... Als ich mich damals mit dem Traumbuch beschäftigte musste ich feststellen, dass ich mehr träumte, es mir zumindest so vorkam und ich dabei mehr Erinnerungen aus der Kindheit wiederbelebte, konnte aber nicht einsehen, ob ich nur intensiver oder bewusster träumte. Hier werde ich wohl noch mal ansetzen, wenn ich mir das Traumbuch noch einmal zu Gemüte führen werde...


    Jedenfalls finde ich viele Dinge aus Jungs Archetypen-Lehre sehr anschaulich und nachvollziehbar und gerade die logische Unterlegung aus der Sicht der Kulturgeschichte und Kunst beeindruckend. Ich bin leider zu wenig psychologisch gebildet, aber aus vielem kunstgeschichtlich angelesenem und erfahrenem Wissen, will ich Jung gerne zustimmen...


    Wie siehst du die Werke Jungs? Was sollte ich unbedingt noch lesen? Was schließt z.B. am Dichtesten beim Traum- / Traumdeutungsbuch und Archetypenbuch an?


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hallo Friedrich-Arthur


    das erste Buch von Jacobi gibt es schon noch, m.W. aber nicht das zweite mit dem Titel "Komplex Archetypus Symbol". Das müsste Dich als Kunstinteressierter und selbst künstlerisch Tätiger eigentlich interessieren. Ich hab's seinerzeit antiquarisch aufgetrieben. Das Buch enthält viele Zitate aus den Werken Jungs und führt daher auch direkt zu Jung.


    Für mich ist Jung einfach eine grosse persönliche Erfahrung. Ich bin selbst ebenfalls nicht vom Fach, habe aber viel Jung gelesen und besuche in der Freizeit hin und wieder Veranstaltungen am C.G. Jung Institut in Küsnacht/Zürich. Mich fasziniert v.a. Jungs Darstellung des kollektiven Unbewussten und dessen Einfluss auf unser Ich und seine Theorie von der Individuation = Selbstfindung als Lebensziel (wobei wohl gelten muss: der Weg ist das Ziel). Grundlegend diesbezüglich ist Band 7 der Gesammelten Werke, Zwei Schriften über Analytische Psychologie. V.a. die zweite Schrift mit dem Titel Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewussten ist, wie der Titel schon sagt, sehr aufschlussreich für das Verhältnis zwischen Bewusstem und Unbewusstem in Jung'scher Sicht. Zum Thema Individuation hat Jacobi ein weiteres in meinen Augen sehr gutes Buch geschrieben: Der Weg zur Individuation, leider ebenfalls vergriffen.


    Sodann finden sich v.a. in Band 9/1 der GW ((Die Archetypen und das kollektive Unbewusste) zahlreiche Aufsätze zum Thema der Archetypen, die dich interessieren dürften. Allenfalls sind sie aber in dem von Dir genannten Buch Archetypen vorhanden. Persönlich ziehe ich die GW den dtv-Bändchen vor, weil sie das Querlesen und das Auffinden von Zitaten bei anderen Autoren erleichtert, die sich meist auf die GW beziehen. Die GW gibt es auch in einer broschierten (allerdings trotzdem nicht sehr preiswerten) Ausgabe.


    Zur Zeit lese ich - unsystematisch - in den späteren Werken Jungs, die sich mit Alchemie befassen, da er darin immer wieder auf Goethes Faust zu sprechen kommt, den ich seit ein paar Monaten intensiv "beackere".


    Gruss


    Uhu


    PS: Faszinierend fand ich auch die drei Bände mit Briefen Jungs, die viele Aussagen zu seinem Werk und seinen Auffassungen enthalten und Jung als Menschen aufleben lassen, auch wenn die Auswahl bedrückend klein ist und die "Gegenbriefe" fehlen (in den Archiven lagern 35,000 [sic!] Briefe von und an Jung!)

    Das Universum, das andere die Bibliothek nennen [...] (J.L. Borges, Die Bibliothek von Babel)

    Einmal editiert, zuletzt von uhu ()

  • Hallo zusammen


    C. G. Jung wurde Inspirationsquelle vieler Schriftsteller, welche Geschichte schrieben. Sie hätten es jedoch nicht getan, wenn sie bei C. G. Jung stehen geblieben wären. Kafka, Joyce, Meyrink und andere namenhafte Schriftsteller haben ebenfalls eine Menge herausgefunden über die Traumarbeit, neue Aspekte, welche wir verschlüsselt in ihren Werken und Schaffensprinzipien vorfinden.

  • Hallo uhu,


    danke für die Hinweise! Deinen Hinweisen werde ich mal nachforschen. Sie stehen ja hier und sind somit gedankengestützt.


    Ich kann morgen:


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    abholen.


    Hallo Evelyne,


    besonders interessant ist für mich dabei der von mir verehrte Hermann Hesse...


    Ich werde später noch weiter darauf eingehen.


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • "Bluff" - interessant. Dasselbe habe ich schon Germanisten sagen hören - über Schmidt ... :zwinker:


    G. C. Jung rezipiere ich persönlich eher so im Stile von Frazer (The Golden Bough): Als interessanten Versuch, Mythologisches zu bündeln, nicht unbedingt als tiefenpsychologischen oder gar wissenschaftlichen Ansatz ...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • "Freud nenne ich nie an einem Tag mit diesem schweizer Bluff"


    (Daniel Pagenstecher in Zettels Traum. Oder doch sehr ähnlich.)

    G. C. Jung rezipiere ich persönlich eher so im Stile von Frazer (The Golden Bough): Als interessanten Versuch, Mythologisches zu bündeln, nicht unbedingt als tiefenpsychologischen oder gar wissenschaftlichen Ansatz ...


    Was mich immer mal wieder erstaunt, ist die "Zerreiswut", die in diesem Forum herrscht. Äussert jemand etwas Positives über einen Autor, ein Buch, kann man Gift draufnehmen, dass sich im Nu zwei, drei finden, die diese Äusserung kaputtmachen wollen. Schade, wenn das nach einem ausführlichen Thread mit einem banalen Einzeiler geschieht; doppelt schade, wenn man diesen Einzeiler nicht einmal selbst zustandebringt. Wie ich schon in einem anderen Thread geschrieben habe: eine engagierte Diskussion hätte ich mir anders vorgestellt!

    Das Universum, das andere die Bibliothek nennen [...] (J.L. Borges, Die Bibliothek von Babel)

  • Hallo uhu,


    daran habe ich mich schon gewöhnt. Das ist in diesem Forum halt so. Dabei ist es in diesem Forum harmlos und fast schon kamaradschaftlich, wenn ich da an andere Foren-Erfahrungen denke. Verrissen wird hier bissig, aber nicht ohne Niveau. Wessen Werk nicht verrissen wird ist unwichtig, und das ist Jung nun wirklich nicht. Sein Werk reizt eben zu Verrissen. Wie es sandhofer schon richtig feststellte, Jungs Werk ist wenigstens ein interessanter Versuch Mythologisches zu bündeln - was ja nun wirklich keine leichte Aufgabe ist und selbst schon für mehrere Lebenswerke reicht. Um Jungs Werk aber werten oder gar verreissen zu können, muss man es erst einmal gelesen haben und das tue ich zur Zeit. Traum- und Traumdeutung sowie Archetypen lese ich bereits erneut, Die Beziehung zwischen dem Ich und dem Unbewussten habe ich heute sogleich teilweise gelesen und muss sagen, dass für mich als Hesse-Liebhaber, Kunst- und Mythologiebegeisterten und Geschichtsfreund die Jung-Lektüre allemal lohnt. Von der Nietzsche-Lektüre und -Diskussion habe ich gelernt, dass ich begeistert, wenn auch durchaus kritisch ab und zu falsche Bücher lese, böse Bücher selbst, Bücher, für deren Lektüre sich mein Gewissen bei den richtigen und guten Lesern immerdar entschuldigen möchte, daran aber von der Neugier gehindert wird. Aber ich kann von gewissen geistigem Gift nicht lassen. Auch ich habe eben neben meinen Lese-Tugen auch meine Lese-Laster, um es mit Jung zu sagen. Also werde ich weiterlesen, von Verissen angefeuert, auf der Suche nach meinen eigenen Lese-Erfahrungen. Das Thema Jung ist noch nicht erledigt, ich werde darauf zurückkommen, wenn ich mir weiteres angelesen und darüber nachgedacht habe. Ich bekomme aber zur Zeit große Lust, Hesses Siddharta und Demian noch einmal neu und mit anderem Vorwissen zu lesen...


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hallo FA


    Danke für den Trost. Ich seh's zwar nicht genau so, werd mich aber wohl daran gewöhnen müssen. Ich kann mich dann revanchieren, wenn sie alle nach der Demian- und Siddharta-Lektüre über Dich herfallen!


    Uhu

    Das Universum, das andere die Bibliothek nennen [...] (J.L. Borges, Die Bibliothek von Babel)