Beiträge von Hubert

    Hallo Lauterbach,


    Dein Leseprogramm klingt für mich sehr gut, wenn es mich auch von der Menge her überfordern würde. Kaum hab ich den Titel Deiner aktuellen Lektüre gelesen bist Du schon beim nächsten Werk! Alle Achtung



    Hallo,


    Im Moment drei Erzählungen von Gerhardt Hauptmann, unter anderem "Bahnwärter Thiel"
    Auf jeden Fall lohnenswert.


    Gruß, Lauterbach


    Hauptmann schätze ich als Dramatiker, von seinen Erzählungen kenne ich nur den „Bahnwärter Thiel“, den wir mal in der Schule gelesen haben. Hat mich als Kind sehr beeindruckt und ich will es seit Jahren mal wieder lesen. Welches waren den die zwei anderen Erzählungen und sind die genau so gut? Vielleicht mache ich es wie Du und lese die drei Erzählungen dann zusammen.



    Hallo,


    ich habe die Kreuzersonate von Margriet de Moor abgebrochen und lese jetzt
    Erzählungen von Alfred Döblin.


    Gruß, Lauterbach


    Warum hast Du die Kreuzersonate von Margriet de Moor abgebrochen?


    Bei Döblins Erzählungen geht es mir wie bei Hauptmann, ich kenne nur eine: „Die Ermordung der Butterblume“. Ich hab’ die mal nach dem Roman „Berlin Alexanderplatz“ gelesen, den ich für einen ganz großen Roman halte und war enttäuscht, möglicherweise aber auch weil ich nach dem Roman eine falsche Erwartungshaltung hatte – vielleicht muss man aber auch von einem Autor erst mehrere Erzählungen kennen um sie zu schätzen. Welche Erzählungen liest Du und kannst Du diese empfehlen?


    Außerdem würde mich noch Deine Meinung zu Nabokovs erstem Roman und zu „Homo Faber“ interessieren,


    Gruß
    Hubert

    Hallo sandhofer,


    Wir scheinen uns einig zu sein. :winken:


    sind wir und ich bin der festen Überzeugung, dass wir Beide uns öfter einig sind als es im Forum erkennbar ist, weil ja nur wenn wir uns ausnahmsweise mal nicht einig sind wird’s bemerkt. Das ist wie bei einem guten Ehepaar – so lange die kuscheln, bekommt’s keiner mit, aber wenn einmal im Jahr die Fetzen fliegen hören’s die Nachbarn.


    Die Mehrheitsmeinung ist doch wohl eher, dass Nichtangemeldete in Leserunden durchaus willkommen sind, ob mit Einzelbeiträgen oder als langfristig Mitwirkende. Sofern es eben Beiträge sind, die zu einer sinnvollen Diskussion beitragen. :winken:


    Also, wenn ich nichts überlesen habe, hat sich überhaupt niemand dagegen ausgesprochen, dass auch nicht angemeldete Teilnehmer zum Thema einer Leserunde posten dürfen!


    Gruß
    Hubert

    Berufsbedingt konnte ich mir das Tagesprogramm des Straßentheaterfestivals am Freitag nicht ansehen, aber das Nachtprogramm ab 22.30 Uhr auf dem Europaplatz faszinierte genug:


    Mit akrobatischen Glanzleistungen erzählte das holländische „Theater Gajes“ die Geschichte vom Ritter mit dem traurigen Gesicht, der nicht von seinen Überzeugungen abzubringen ist, neu: Als Weggefährten wählt er beim „Theater Gajes“ nicht Sancho Panza, sondern Sancha eine Frau – trotzdem ist Don Quixote ständig auf der Suche nach seiner imaginären Traumfrau: Dulcinella und hat für Sancha keinen Blick übrig. Mit dem sehr blauäugigen Rosinante, einer etwas schiefen Windmühle, lockigen Schafen, Schauspielern auf Stelzen und einer überzeugenden Bühnenmusik (hervorragend die Cellistin) brachten die Holländer Theater für alle Sinne.


    Was haltet ihr davon, dass wir explizit klarstellen die Leserunden offen zu gestalten, so dass jeder Interessierte seine Beiträge dazu einbringen kann, ohne sich unbedingt vorher einzutragen?


    Eine solche Frage hat sich mir bisher noch nicht gestellt: Entweder mich interessiert ein vorgeschlagenes Buch und ich habe auch Zeit dann melde ich mich zur Leserunde auch an, oder das Buch interessiert mich nicht oder ich habe keine Zeit, dann interessiert mich auch der entsprechende Thread nicht bzw ich habe keine Zeit mitzulesen und so komme ich überhaupt nicht in Versuchung meinen Senf dazu zu geben.


    Andererseits war es ja wie BigBen unterstellt und sandhofer bestätigt auch bisher nicht verboten, als Nichtteilnehmer sich mal einzumischen und ich persönlich habe mich bei Leserunden an denen ich teilnahm nie gestört gefühlt, sondern vielmehr gefreut wenn Nichtteilnehmer einen Beitrag zum Thema einbrachten.


    Absolut deplaziert und unfair finde ich allerdings Beitrage die bevor die diskutierenden Leserundenteilnehmer das erste Kapitel beendet haben (sandhofer und ich hatten das Buch noch nicht einmal angefangen), bemängeln wir würden dem Buch nicht gerecht (Lost und Mombour) oder die schon mal nachdem sich die Leserundenteilnehmer noch zwischen dem ersten und zehnten Kapitel bewegen ein Gesamtfazit des Buches posten (Mombour)


    Und außerdem, wenn sich keine Leserundenteilnehmer mehr anmelden, weil man ja sowieso und jederzeit und mit welchem Unsinn auch immer dazwischen quatschen kann, dann werden keine Leserunden mehr zustande kommen.


    Vorher lesen MUSST duch sicher nichts, aber unbedingt, weil mein Lieblingsbuch von ihm ist "Der Mann auf dem Hochrad", weil es eine Zeit sehr humorvoll porträtiert, die man nicht allzu oft vorgesetzt bekommt.


    Hallo Markus,


    „Der Mann auf dem Hochrad“, hatte ich bisher überhaupt noch nicht im Visier, aber auf Deinen Rat hin besorgt und gleich reingeschmökert: scheint mir ein sehr lustiges Buch zu sein, bis jetzt habe ich jedenfalls viel geschmunzelt - also vielen Dank für den Tipp



    "Der Freund und der Fremde" ist doch das Ohnesorg-Buch, oder? Das könnte ich mir bequem aus der Bibliothek holen. soll ich?


    Ja, „Der Freund und der Fremde“ ist das Ohnesorg-Buch, sicher themabedingt nicht so lustig wie das von Dir empfohlene Buch, aber es beleuchtet einen wichtigen Tag in der BRD-Geschichte, der die BRD beinahe zu Fall gebracht hätte, für mich ein wichtiges Buch.



    Ich bin literaturtheoretisch leider zu unbedarft, um einschätzen zu können, was an sich oder überhaupt Koeppen für einen Einfluß ausüben könnte.


    Dass Koeppen das große Vorbild für Delius und Timm ist, könnte ich wahrscheinlich auch nicht literaturtheoretisch begründen, ich sag das einfach, weil ich es sowohl von Delius, als auch von Timm aus eigenem Mund gehört habe.



    Verbindendes bei Delius und Timm sehe ich insofern, als sie sehr konkrete Personen oder Ereignisse als Anlaß für ein fiktionales Werk nehmen.


    Und ja, Du hast Recht, sowohl Delius, als auch Timm nehmen konkrete Personen, als Anlass für fiktionale Geschichten, - ja genau wie Koeppen, vor allem in seinem „Treibhaus“.


    LG


    Hubert


    Was die Fürsorge der Marketenderin angeht, so deutet sie imho ein konstantes Muster in Fabrizios Leben an: Er ist, abgesehen von einigen wenigen emanzipatorischen Aufwallungen, das ganze Buch über Objekt (zumeist) weiblicher Fürsorge und Dominanz, eine freundliche, charakterschwache Niete, die weitgehend konzeptlos und opportunistisch durchs Leben trudelt und durch seine Gönnerinnen und Gönner je nach Gusto mal gefördert, mal behindert wird. Damit ist er das völlige Gegenstück zu dem kontrollsüchtigen, manipulativen Karrieristen Julien Sorel aus "Rot und Schwarz".


    Und ja, wir können ja bei Gelegenheit mal ein Schlammcatchen zwischen Henri The Undertaker Stendhal und Gustave The Steamroller Flaubert anberaumen. Der Gewinner darf dann gegen Maupassant antreten - in der nächsthöheren Gewichtsklasse. :zwinker:


    Mein Beitrag hieß „… nach dem fünften Kapitel“, - davon abgesehen, dass es unüblich ist in einer gemeinsamen Leserunde ein Buch schon mal vorab zu lesen, finde ich es unfair auf einen Beitrag „nach dem fünften Kapitel“ mit der Kenntnis des gesamten Romans zu antworten! Trotzdem: Bisher kann ich Deine Argumentation überhaupt nicht nachvollziehen: Schon im zweiten Kapitel (Seite 31) steht: „Er war Anführer aller großen Expeditionen ….“ und bis zum vierten Kapitel, wo Fabrizio sich selbst von der (Priesterin) Marketenderin emanzipiert (Nimm Dein Pferd zurück – Halten Sie sich fest…) beweist sich Fabrizio als charakterstark und weder konzeptlos noch opportunistisch. Ob er ein Gegenstück zu Julien Sorel ist kann ich noch nicht beurteilen, jedenfalls erwarte ich nicht, dass Stendhal jeden Roman nach dem selben Muster strickt.


    Und wieso Stendhal der Leichenbestatter und Flaubert die Dampfwalze????

    Im Leserundenthread zur „Kartause von Parma“ hat Sir Tom einen Beitrag eingebracht indem er Stendhal und Balzac als Gegenstück zu Flaubert erwähnte. Sicher diskussionswürdig und mich hätte das nicht gestört wenn wir darüber dort diskutiert hätten. – Aber die Leserunde hat ja noch andere Teilnehmer und da muss man Rücksicht nehmen. Deshalb und so verkehrt ist das ja auch nicht einen eigenen Thread über Stendhal, leserundenunabhängig.



    Ob Stendhal genial war, vermag ich nicht zu beurteilen.
    LG
    Tom



    Hallo Tom,


    da Du dich hier so bescheiden zurück nimmst, will auch ich nicht mit eigenen Worten trumpfen, sondern einen zitieren, der allgemein für solche Fragen als kompetent angesehen wird: Harold Bloom, der amerikanische Literaturkritiker schreibt in seinem 2002 erschienenen Buch: „Genius. A mosaic of one hundred exemplary creative minds“:


    “Nirgends ist die Hochromantik höher als in “Die Kartause …“. Moscal liebt Gina, die Fabrizio liebt, der Clélia liebt, die Fabrizio und ihr Kind liebt. Als das Kind stirbt können auch Clélia, Fabrizio, Gina nicht überleben, - nicht ohne den geliebten Menschen. … Stendhals Genius gilt dem Begehren und mit seinem psychologischen Blick für die Leidenschaften zeigt er, dass in der Liebe alles eitel ist, was nicht krank ist" (nicht wörtlich, aber sinngemäß übersetzt und zitiert)


    LG


    Hubert


    Lieber Hubert,


    danke für die kompetente Klärung dieser Frage -


    Liebe Fee,


    danke für Dein Kompliment, - so stolz ich wäre, ein solches Lob von Dir zu Recht zu erhalten: mit einer guten Biographie in petto kann ja jeder klug daherreden. in diesem Fall habe ich mehr oder weniger aus den Biographien von Robert Alter und Johannes Willms geschöpft, wobei ich die Details daraus entnommen habe, die Tatsache, dass Stendhal hier nicht ganz die Wahrheit sagt war mir schon früher bewusst, da ich in einer Zeit in der ich Thomas Mann u.ä. Autoren noch nicht verstand, also im Teeny-Alter mich für eher kindergerechte Autoren wie Stefan Zweig gegeisterte und der beginnt seine Lobeshymne über Strendhal [aus dem Gedächtnis zitiert:] wie folgt „Wenige haben mehr gelogen …….
    Setzt er ein Datum, so kann man schwören, es stimmt nicht, erzählt er in der Vorrede zur „Chartreuse de Parme“, dieses Buch sei 1830, und zwar zwölfhundert Meilen weit von Paris, geschrieben, so hindert dies nicht, dass er diesen Roman in Wirklichkeit 1839 (hier irrt Zweig, wie auch sandhofer, denn der Roman wurde 1838 diktiert), und zwar mitten in Paris verfasste.“


    Trotzdem wird mir Dein Lob Ansporn sein, auf Deinen letzten Beitrag werde ich allerdings heute nicht mehr antworten, - obwohl ich denke, dass Schlaf allgemein überschätzt wird – ganz ohne komme ich trotzdem nicht aus und morgen steht wieder ein harter Arbeitstag an..


    LG


    Hubert

    Theater ist ja so vielfältig und da ich in letzter Zeit viel Deutsche Klassiker (Goethe, Schiller) gesehen hatte, habe ich mir am letzten Wochenende mal was ganz Anderes gegönnt und das 12. Internationale Straßentheaterfestival in Ludwigshafen besucht.
    Neunzehn Acts aus sieben Ländern verwandelten an neun Schauplätzen den öffentlichen Raum in der Innenstadt in eine Bühne. Begonnen hatte das Festival am Donnerstag mit einer speziell für den Ludwigsplatz kreierten Inszenierung der aus dem legendären CIRQUE GOSH hervorgegangenen Berliner „Artistokraten“, einem hochkarätig besetztem Ensemble aus Mimen, Tänzern, Musikern und Akrobaten, die mit ihrer „Show Baroque“ begeisterten. Im Mittelpunkt der Show stand die ironische Stilisierung des Barock, wobei sowohl komödiantische Spielszenen als auch akrobatische Darbietungen beeindruckten.


    Moin, Moin!


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    Mein 12. Timm (ohne Zweitlektüren).


    Hallo Markus,


    da bist Du mir ja einiges voraus, bisher habe ich erst fünf Bücher von Uwe Timm gelesen und zu Zweitlektüren hat es überhaupt noch nicht gereicht, obwohl dass Timms Erwachsenenbücher sicher wert sind. Gelesen habe ich bisher:


    „Heißer Sommer“
    „Die Entdeckung der Currywurst“
    „Am Beispiel meines Bruders“
    „Der Freund und der Fremde“
    und natürlich die Frankfurter Poetikvorlesungen, die ich vorher zu mindestens teilweise an der Uni Frankfurt auch gehört hatte:
    „Vom Anfang und Ende. Über die Lesbarkeit der Welt“


    Als nächstes Buch von Timm steht „Freitisch“ auf meinem Plan oder kannst Du mir ein Buch empfehlen, dass ich noch vorher lesen sollte.


    Btw: Uwe Timm wäre für mich auch ein Kandidat für den Büchnerpreis, wenn es unser gemeinsamer Schweizer Kandidat nicht schaffen sollte. Mit dem letzen Büchner-Preisträger gibt es übrigens eine, zumindest für mich, wichtige Gemeinsamkeit: Beide, sowohl Delius als auch Timm, sehen in Koeppen ihr großes Vorbild, eigentlich erstaunlich, da sich die Beiden doch sowohl in der Sprache als auch im Inhalt ihres Werkes sehr unterscheiden?


    LG

    Hubert


    Ich erlaube mir kurz in Eure Runde zu treten mit dem Hinweis, dass ich sowohl Stendhal als auch Balzac für schlechte Stilisten halte.


    Geht's um die Kartause? - Ich wusste gar nicht, dass Balzac da mitgeschrieben hat. Vielen Dank für den Hinweis!
    [Übrigens hätten gute Stilisten hier "für einen schlechten Stilisten" geschrieben (Der Oberlehrer)]


    Zum Thema:
    Aufgefallen war mir, dass unser Held häufig das Pferd wechselt, beim nachzählen waren's dann aber doch nur vier! Pferde die Fabrizio während der Schlacht von Waterloo benutzt und mit jedem der vier Pferde lernt unser Held ein anderes Element kennen:
    z.B Seite 57 stürzt sein Klepper und Fabrizio macht mit dem Morast der Erde Bekanntschaft, das zweite Pferd führt ihn (Seite 62) ins Wasser und Seite 99/100 wird unser Held zusammen mit seinem Pferd im Stall vom Feuer heimgesucht.
    Das klingt nach Initiationsritus. Zuerst habe ich an Freimauerer gedacht - aber nein, er wird ja von einer Priesterin (in Gestalt der Marketenderin) übers Schlachtfeld geführt und eingeweiht - das muss also 2-3 Tausend Jahre älter sein. Und ja - schon im zweiten Kapitel weist Stendhal auf den Demeterkult hin, wenn Fabrizios Mutter (Demeter, die Bäumepflanzerin) eigenhändig Bäume pflanzt, die von Fabrizio kultig verrehrt werden und die er als Orakel benutzt, bevor er in den Krieg zieht (Seite 45/46).


    Stendhal hat hier, möglicherweise in Anlehnung an eine Schlachtbeschreibung Herodots die eleusinische Initiation (Die Mysterien von Eleusis wurden von ca. 1.500 v. Chr bis 352 n. Chr, als sie von Theodosius verboten wurden, alljährlich zur Initiation ausgewählter Jünglinge, gefeiert) von Fabrizio beschrieben.


    So was hätte imo z.B. ein Flaubert nicht hingekriegt und wenn er sich Lichtjahre gequält hätte, Flaubert war halt kein Genie wie Stendhal.

    Mit den zwei Pässen, die Fabrizio vor seinem Kriegseinsatz erhält, zeigt Stendhal welche Wege unser Held einschlagen wird. Ich will nur mal auf den ersten Pass eingehen, der ihn als Vasi, einen "mit seiner Ware reisenden Barometerhändler" ausweist (S. 49). Fabrizio hat aber keine Barometer (damals gab es nur nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren funktionierende Flüssigkeitsbarometer) bei sich, d.h. er ist selbst kommunizierende Röhre, was der Name Vasi im ital. ja auch bedeutet. Fabrizio und das zeigen die folgenden Kapitel ist immer bereit in Kommunikation zu treten.
    Wie Goethe in seinem imo besten Roman auf das chemische Prinzip der Wahlverwandschaften zurückgreift, so greift Stendhal (übrigens wie Goethe Freimauerer) in der Kartause auf das physikalische Prinzip der kommunizierenden Röhre zurück um menschliches Empfinden darzustellen.



    Fabrice ist in den Krieg gezogen. Die ganze Geschichte und die Art, wie er es erlebt, erinnerte mich an den Simplizissimus. Er wird von einem Abenteuer zum nächsten getrieben und begreift gar nicht, was ihm geschieht.


    Ja schon bevor er in den Krieg zieht gibt es Ähnlichkeiten mit dem Simplizissimus z.B. die Erziehung durch einen Geistlichen und dass er weder Lesen noch Schreiben kann, d.h. aber imo nicht, dass Stendhal den Grimmelshausen kannte, ich denke eher beide schöpfen aus der selben Quelle: Parzival. Fabrizio, der reine Tor!


    Unser Nachwuchs lässt mir leider recht wenig Zeit, deshalb komme ich mit der Kartause nicht so richtig vorwärts.


    Mach Dir deswegen keinen Stress – Giesbert und sandhofer geht es anscheinend, mir ganz sicher, ähnlich, wenn auch vermutlich aus anderen Gründen – und wenn die Vorausleser sich etwas gedulden oder sich zwischendurch mit dem Autor beschäftigen, kann das noch eine sehr schöne Leserunde werden – das Potenzial ist jedenfalls vorhanden.


    LG


    Hubert


    Es geht nichts über ein gutes Wörterbuch: Umgangssprachlich, im übertragenen Sinn (fig.) heisst "mourir de faim" auch "am Verhungern sein, vor Hunger vergehen."


    Danke, Jandix, fürs Nachschlagen im Wörterbuch, dazu war ich zu faul – oder zu arrogant und hab’ mich auf meine Französischkenntnisse verlassen, das Beispiel zeigt aber, dass es hier noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt, was ja einer der Gründe ist, warum ich diesen Roman lese.



    Die ganze Vorgeschichte im 1. Kapitel wirkt tatsächlich drunter und drüber, doch widerspiegelt das in meinen Augen gut die politischen Wirren der Zeit.


    Da hast Du Recht, hat Deiner Meinung nach Stendhal das deshalb bewusst so gestaltet – das wäre dann genial?


    Gruß


    Hubert


    Ob wohl die Rahmenerzählung am Schluss noch einmal aufgegriffen wird?


    Interessante Frage und ich hab’ mal am Schluss nachgesehen: Nein! - womit es dann auch keine Rahmenerzählung wäre.


    Ansonsten geht es tatsächlich drunter und drüber! – Dabei stört mich persönlich nicht, dass die Erzählperspektive von einem auktorialen Erzähler zu einem Ich-Erzähler wechselt, der natürlich auch das Lesepublikum ansprechen darf, schon eher, dass der Ich-Erzähler, in der Szene in der von dem Vorbild vieler Autoren berichtet wird, die die Geschichte des Helden vor seiner Geburt beginnen lassen (mir persönlich fällt da nur Lawrence Sterne und „The Life and Opinions of Tristram Shandy Gentleman“ ein. Kennt Ihr mehr?) zum Wir-Erzähler wird und mir nicht klar ist, wer das „Wir“ sein soll: Ein Autorenkollektiv?.


    Aber das Alles finde ich nicht so schlimm. Wo steht übrigens geschrieben, dass ein Autor nicht die Erzählperspektive wechseln darf?


    Was mich stört, ist das inhaltliche „Drunter und Drüber“. Ein Beispiel:


    In der Edl-Übersetzung des Hanser Verlags verhungert auf Seite 21 die Gräfin Pietranera mit ihrem Gatten in Frankreich. Seite 24, [„Wir“ (und jetzt ist das „Wir“ kein Autorenkollektiv mehr sondern eine Verbrüderung zwischen Autor und Leser) haben inzwischen zehn Jahre übersprungen] ist sie dann aber eine der strahlendsten Frauen am Hof des italienischen Vizekönigs. Auch Graf Pietranera scheint den Hungertod überlebt zu haben, denn er stirbt ein weiteres Mal auf Seite 35 in einem merkwürdigen Duell. Bleibt zu hoffen, dass Stendhal hier nur das James Bond-Motto „You Only Live Twice“ vorweg nehmen wollte und der Graf nicht weitere Tode stirbt.


    Oder hat Edl hier falsch übersetzt, habe ich mich gefragt und in der Tat, in der Gutenberg-Version steht: (Sie) „zog es vor, in Frankreich mit ihm zu hungern“ – Wow – aber Entwarnung: „toujours folle d’amour, elle ne voulait pas quitter son mari, et mourait de faim en France avec lui.“ Und „mourir de faim» heißt nicht hungern sondern «sterben vor Hunger“, also „Sie verhungerte in Frankreich mit ihm“. Sicher hat der Gutenberg-Übersetzer das auch gewusst, aber er hat einfach Stendhal verbessert. Darf ein Übersetzer logische Fehler des Autors beseitigen, frage ich mich. Was meint Ihr?


    Mir sagt das Internet, dass sich Stendals autobiografisches Werk "Das Leben des Henri Brulard" auf seine Jungendzeit beschränkt.


    Danke für Deine Recherche, Lost. Ich hatte so was ja vermutet und hab’ jetzt auch mal geguckt: „..Brulard“, ist ein Bericht über Stendhals erste achtzehn Lebensjahre, also über seine Kindheit und seine frühe Jugend und damit nicht das was ich suche, nämlich Informationen über sein Leben – nun ja, der Wilms ist schon ganz gut.


    Gehts um die Kartause? Ich dachte, dass Stendhal sie während seiner Zeit als Konsul in Civitavecchia geschrieben hat,


    Liebe Fee,


    es ist richtig, dass Stendhal „Die Kartause …“ während seiner Zeit als „Konsul in Civitavecchia“ geschrieben hat. Nicht richtig dagegen ist, dass er „Die Kartause …“ in Civitavecchia schrieb bzw. diktierte, auch wenn man das bei Wikipedia so lesen kann.
    Stendhal traf zwar am 17. April 1831 in Civitavecchia ein, nahm es aber mit seiner Anwesenheitspflicht als Konsul in der kleinen, ungeliebten Hafenstadt nicht so ernst und überließ die Bearbeitung der anfallenden Dienstgeschäfte dem Konsulatssekretär. U.a. reichte er im Februar 1836 aus gesundheitlichen Gründen ein Gesuch für 6 bis 8 Wochen Urlaub ein, das einen Monat später bewilligt wurde. Im Mai 1836 brach er deshalb nach Paris auf und hier angelangt verstand er es, seinen Diplomatenurlaub auf volle drei Jahre auszudehnen und erst im Juni 1839 erhielt er die Order nach Civitavecchia zurück zu kehren. Als er 1938 „Die Kartause …“ diktierte war er unzweifelhaft in Paris.


    LG


    Hubert


    Hallo Hubert,


    Stendhal selbst schrieb neben Tagebüchern auch eine Autobiographie: "Das Leben des Henri Brulard" (das findet man antiquarisch). Eine gute Literaturfreundin sagte mir, diese Autobiographie sei noch besser geschrieben als die Karthause. Dieses Buch habe ich mir auch gerade geordert. Sonst würde ich die Biographie von Johannes Wilms lesen. Der Autor hat das Buch einmal im"Literaturclub" vorgestellt und weckte damit auch mein Interesse.


    Liebe Grüße
    mombour


    Hallo mombour,


    vielen Dank für Deine Antwort. Ich werde Deinem Rat folgen und die Biographie von Johannes Wilms lesen. Wilms zitiert übrigens zumindest auf den ersten 50 Seiten gefühlte 100 Mal aus „Vie de Henry Brulard“ und ich denke Wilms hat dabei schon eine Trennung nach Dichtung und Wahrheit vorgenommen, bei Stendhal kann man da nämlich nie sicher sein. Ab Seite 50 wird aber nicht mehr aus Brulard, sondern hauptsächlich aus den Briefen zitiert. Möglicherweise umfasst die Autobiographie nicht das ganze Leben. Berichte doch bitte, wenn das Werk bei Dir eingetroffen ist.


    LG


    Hubert


    Einen "depressiven" Buchhändler, von denen Tom schreibt habe ich übrigens im Frankfurter Raum noch keinen entdecktF


    Das glaub’ ich Dir sofort, ist doch gerade der Beruf des selbständigen Buchhändlers einer der, bei dem man sein Hobby zum Beruf machen kann und ich persönlich habe noch bei keiner anderen Berufsgruppe so viele zufriedene und lebensfrohe Menschen kennen gelernt.


    Die Thalia-Buchhandlung meiner Heimatstadt hat eine Seife im Sortiment, die "Philosophia" heißt. Möchte mal wissen, wer die kauft - Philosophen doch sicher nicht.


    Echte Philosophen möglicherweise nicht, aber die Zielgruppe sind ja auch, so habe ich mir gestern Vormittag (Samstagmorgens kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als in einer Buchhandlung abzuhängen) von meiner, wegen meiner Frage belustigten, Buchhändlerin sagen lassen, Absolventen eines Philosophiestudiums, die inzwischen als Taxifahrer oder Gastwirt ihren Lebensunterhalt verdienen, wobei mir wieder einmal bewusst wurde, dass man solche Fragen bei Internetbestellungen nicht beantwortet bekommt :zwinker: