Beiträge von Volker

    Nochmal zur Ausbeutung: Ganz hervorragend kommt das ja raus bei der strickenden und im Vortrag einschlafenden Frau des Präsidenten, die für ihn die Fahnen korrigiert und die Register angelegt hat, ohne das geringste Interesse an seinem Fachgebiet. Sie hat sich ja dann sofort nach seinem Tod von dem sie erdrückenden "Plunder" (vermutlich wertvollste Sammlerstücke aus Afrika) befreit. Mal was Ketzerisches: Man kann das evtl. auch anders lesen, nicht als Ausbeutung durch den Mann, sondern als versäumte Chance der Frau über die Nebentreppe Gefallen und Interesse an dem Fachgebiet zu gewinnen und zur Partnerin des forschenden Mannes zu werden, wie es offenbar in dem von Zefira geschilderten Tandem versucht wurde, leider am untauglichen Objekt, weil er eine Niete war. Bin ich ein Macho? Heute Abend hätte das meine Frau bejaht......"immer das Ding vor der Nase...."

    Ja, stimmt, dass ich den Tiefgang "unterwegs" nicht so recht gesehen habe; erst in der grandiosen Schlusszene. Das kommt vermutlich daher, dass das Gespann Helena Rocky dann ja in der Ausbeutungsrichtung hätte "andersherum" funktionieren müssen. Ansätze sind ja da: Er kocht und räumt gelegentlich wohl etwas auf, aber für ein männliches Heimchen am Herd und als Korrekturfahnenleser ist er doch wohl ungeeignet(?!).

    ZEFIRA, sei so nett und verrate von Deinem Buch mal die Verfasserin usw. Danke.

    Die vortrefflichen Frauen habe ich "aus" und es hat mir gefallen, Wenn ich sagen sollte warum, würde ich Schwierigkeiten bekommen und bin dankbar, dass das finsbury schon übernommen hatte. Wenn man in einer gewissen Stimmung ist, in der man sich von Trump, Erdogan, Orban und Corona abkoppeln will und nicht stark gefordert werden will, ist das eine sehr willkommene Lekrüre, mit der man andante cantabile spazieren gehen kann. Der Genuss würde sich sicher noch beträchtlich erhöhen, wenn man mit den Feinheiten der Englischen Kirchlichkeit vertrauter wäre als ich ( römischkatholisch, anglokatholisch, Church of England, low church, high church usw.). Man erahnt aber die Gräben und die entspr. Anspielungen. Wichtig ist auch, dass man sich von der scheinbaren Sanftheit nicht völlig einlullen lässt und die vielen kleinen , aber meist höflichen Ironischen Spitzen nicht überliest. Den Schluss der vortrefflichen Frauen fand ich ganz wunderbar: Einem der drei immer mit Abstand umkreisten Heiratskandidaten der Ich-Erzählerin " scheint es letztlich zu gelingen, sie "einzufangen". Er ist Anthropologe. Sie könnte dann die Fahnenkorrekturen seiner Veröffentlichungen übernehmen...das ebenfalls anfallende Erstellen der Register sei dann eine willkommene Abwechslung. Sie stellt sich dann vor, dass man das Abwaschen dann als eine schöne Abwechslung von diesen Tätigkeiten sehen könnte. Nebenbei müsste sie den Pfarrer, einen anderen (dann ausgeschiedenen) Heiratskandidaten, davor beschützen eine andere ("falsche") aus dem Frauenkreis zu heiraten...."es sah fast so aus, als könnte mein künftiges Leben eines sein, das selbst Helena als erfüllt gelten ließ". (Helena, die (noch) Ehefrau des dritten Kandidaten, ist Anthropologin und hatte sich mal etwas abfällig über die Tätigkeit der vortrefflichen Frauen geäußert, die sich in der Kirche engagieren und ansonsten tüchtige Hausfrauen sind und ein "erfülltes Leben" dagegen gesetzt.) UFF.

    seit gestern lese ich - finsburys Lockruf folgend - die vortrefflichen Frauen von Barbara Pym und bereue es nicht. Eine ganz fremde Welt. London in den ersten Nachkriegsjahren. Eine Frau Ende der Dreißiger, die sich sehr stark in der Kirchengemeinde engagiert (wenn ich es bei Wikipedia richtig verstanden habe, ist man ohne ein gewisses gesellschaftliches Engagement neben dem Kirchgang gar kein "ordentliches" Mitglied der jeweiligen verschiedenen kirchlichen Richtungen). Sobald ich Lust und Laune habe, schreibe ich weiter. Jetzt nur soviel: Finsbury hatte schon geschrieben, dass sich die Lektüre trotz relativer Ereignislosigkeit lohnt. Ich kann das bestätigen, wundere mich aber etwas über mich selbst, dass sie mich derart fesselt. Werde später VERSUCHEN, das zu erklären....

    bin Deinem Link gefolgt, finsbury, "hört" sich gut an. Ich denke, dass ich mir das gebraucht kaufe. Bücher, in denen nichts oder nicht viel passiert, sind sowieso oft ganz herrlich.Was empfiehlst Du mir außer dem Glas voll Segen von ihr? (Bin jetzt erst auf diesen herrlichen thread gestoßen).

    Weil uns bei Wallenstein die Puste ausgegangen ist (warum?) und Du so nett gebeten hast, setze ich doch noch was über Shakespeare - im weitesten Sinn und von der Peripherie aus - hierhin. Wenn es Sandhofer HIER für fehl am Platz hält, mag er es vrerschieben oder löschen. Aber man sieht wieder: Alles hängt mit allem zusammen:

    Vor Jahren habe ich mir ein m.E. lesenswertes Taschenbuch von Dietrich Schwanitz gekauft: "SHAKESPEARES HAMLET und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht." Als Umschlagbild ein Gemälde von Veronese, das ich zu kennen glaubte, das aber "irgendwie anders" aussah: Ja, da waren Shakespeare und die große Elisabeth portraitiert und auch der Schwanitz, die da "nicht hingehörten". "Umschlagbild, Wandbild von Andrea Berthel, mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Hartheim". Andrea Berthe? google, google: Illusionsmalerin. Ach so. Hartheim: Bürgermeister, Größe, Lage, nix Schwanitz, nix Veronese, nix Berthel, irgendwo eher zufällig ein Hinweis auf die ehemalige Gaststätte Salmen und dann auch Spuren zu Schwanitz und dem Bild. So war es jedenfalls damals. Ein paar Jahre später Besuch der Veranstaltung des Deutsch-Katalanen Joan Sallas (könnt Ihr googeln, hat schon im MOMA ausgestellt) in Freiburg: "Didaktik des Papierfaltens". ((Joan Sallas hat den Faltweg für die Reiterarmeen des Privatlehrers Senf von Wilhelm von Kügelgen (Jugenderinnerungen....) rekonstruiert.....)) Danach mit dem in Fachkreisen weltberühmten englischen Falter Dave Brill, der auch ein begabter Ölmaler ist, Abstecher zum Salmen ins nahegelegene Hartheim. Außeneindruck ländlich-sittlich, verlassen, da außer Betrieb. Ein SEHR nettes, sehr gut informiertes Führerehepaar (Altenburger) aufgetrieben. Aufgang in den ehemaligen Saal. ÜBERWÄLTIGEND. Riesiges phantastisch gemaltes Wandbild an der "Bühnenrückwand", überall im Raum versteckte Anspielungen. In einem kleinen Nebenraum ein liebevoll zusammengestelltes kleines Museum zu Leben und Werk von Schwanitz. Was hatteö Schwanitz, im Ruhrpott geboren, einige Jahre in der Schweiz bei mennonitischen Bergbauern aufgewachsen, Professor in Hamburg, im Salmen in Hartheim zu suchen? Er hat eine zeitlang in Freiburg studiert, hat das leerstehende Anwesen (sowas hab ich immer gesucht) gekauft und wollte da was Literarisch-Kreatives entwickeln. Darüber ist er gestorben und zwar im Salmen in Hartheim.

    Jetzt hab ich wieder gegoogelt. Bei Hartheim kommt immer noch nichts von Schwanitz, Berthel und Salmen, obwohl das so ziemlich die einzige Attraktion sein dürfte. Wenn man aber Schwanitz und Salmen und Hartheim und Gedenkstätte eingibt, wird man fündig. Seltsamerweise taucht aber das wirklich umwerfende große Wandbild nur völlig unterwertig und in einer seltsamen Replik auf. Das ganze wird aber jetzt offenbar professionell gemanagt und " vermarktet"vom Land BW und dem Schillerarchiv Marbach. Ob es mir jetzt noch so gut gefiehle?

    Zefira, Zefira, kann sein, dass Du vielleicht ein wenig Deinen Spaß an dem hättest, was ich als Anekdötchen (nix Ernsthaftes) zum Besten gegeben habe. Von allgemeinem Interesse ist es ganz sicher nicht. Ich guck mal, ob ich fähig bin, Dich in die Konversation einzubeziehen.

    In der Schule haben wir Schillers Schrift über naive und sentimentalische Dichtung zwar "durchgenommen", aber nach meiner Erinnerung nicht gelesen. Der Lehrer wird das referiert haben. Das wird ja auch immer wieder mal in Randbemerkungen aufgefrischt, deshalb ist es gut mögich, dass diese Gedanken mich geleitet haben.Ich möchte gerne ein wenig mit Dir über Shakespeare "plaudern". Das führt aber weit von W. ab. deshalb werde ich VERSUCHEN unter Konversation mit Dir in Verbindung zu kommen ( muss immer wieder gucken, wie das geht).

    besser kann man es nicht ausdrücken.

    Trotzdem nochmal kurz zu Max und Thekla. Ich hätte mir um die zwei Edelmenschen nicht allzuviele Gedanken gemacht und sie ebenso wie Du als die unbefleckten gesehen. Mit Deinem Hinweis auf die eher pasive Rolle Theklas läst sich aber anknüpfen an eine andere Kritik, die ich neulich nebenbei in der Riesenlatte an Sekundärliteratur gelesen habe, die Wallensteins Tod beim Projekt Gutenberg zur Seite gestellt ist und die ich zufällig endeckt habe. Da werden die beiden und ihre Beziehung von Gustav Schwab, den ich nur durch seine Heldensagen kannte, mehr oder minder als blutleer kritisiert. Schade, dass Zefira und Karamzin nicht nochmal eingestiegen sind. Ich bin ja eigentlich kein satinfaktionsfähiger Partner für Dich. Gehe mehr punktuell und anekdotenmäßig an die ernste Aufgabe ran.

    Was ich mich manchmal frage, ist, ob Schiller bei aller Sprach- und Formulierungskunst mit Shakepeare mithalten kann oder ob der ihm doch "über ist". Etwa Naturgenie versus begabtes strebendes Talent.

    Danke. Ich denke, Du hast die besseren Argumente. Mit dem Laufenlassen von Max, dass muss man wohl tatsächlich als Machtkalkül sehen.

    Ja, ich denke auch, dass der Wallenstein sprachlich-gedanklich ein bewundernswertes Meisterwerk ist. Vielleicht darf ich aber doch eine etwas respektlose Anekdote einfügen, die ausgerechnet eine sprachliche Perle betrifft, nämlich den wunderbaren Text: Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort ....fortgesetzt mit: das schwer sich handhabt wie des Messers Schneide. Das reizte meinen 1953 verstorbenen Vater zum Widerspruch. Er behauptete einem befreundeten Gesprächspartner gegenüber(ohne irgendwelche Quellen studiert zu haben) der Text könne ursprünglich nur gelautet haben, das LEICHT sich handhabt.....Die "Verfälschung" gehe auf ignorante Philologen zurück, denn es sei ja gerade "der Witz", dass die HANDHABUNG in beide Fällen so kinderleicht sei. Das Tragische sei, dass die FOLGEN in beiden Fällen so gravierend sein könnten. Er hatte zur Untermauerung ein ganzes Arsenal spitzfindiger Argumente. Als es ihm offenbar trotzdem nicht gelang, seinen Gesprächspartner zu überzeugen, führte er Goethes Faust ins Feld: Mit Worten lässt sich trefflich streiten, mit Worten ein System bereiten.......Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein....Das sei im Grunde derselbe Gedanke, der zeige, dass mit Worten leicht zu jonglieren, zu spielen und Wortklauberei zu treiben sei...Mich hat der Disput damals tief beeindruckt. Ich habe daraufhin die Passage auswendig gelernt und behalten.

    Erst mal muss ich mich bei Euch entschuldigen. Ich bin ja zeitlich sehr hinter meiner Ankündigung zurückgeblieben und das wird auch inhaltlich so sein. Zeitlich wg.Mitwirkung in einer BI (Erhaltung eines hirst. Geb.). Inhaltlich aus Unvermögen

    Es ging darum, dass ich mehrmals dachte: Großer Friedrich Schiller, das ist unglaubwürdig. Auf eine Stelle in den Piccolomini hat finsbury schon hingewiesen (Picc., 2. Aufzug, 5. Auftritt) "ob ich euch nicht alle zum Besten habe" ( oder aehnlich). Wer soll dann einem Heerführer noch "blind" folgen?

    Dann in Wallensteins Tod, 4. Aufzug, Schluss. Max wird vorher als glühender Anhänger WS geschildert, den er außerdem als künftigen Schwiegersohn gewinnen will. Und ausgerechnet der sträubt sich eine Ergebenheitsadresse zu unterschreiben, die alle anderen unterschrieben haben (dass die getäuscht wurden, weiß er da noch nicht). Die Begründung, die Schiller für ihn zimmert, ernstes Geschäft, Kopf nicht frei, finde ICH angesichts des Rahmens schwach. Andererseits: Anders als die Passage bei den Piccolomini, die in DIESER Form (auf alle bezogen) "nicht nötig" gewesen wäre, ist diese gewagte Konstruktion für das Werk und dessen Dramatik von großer Bedeutung. Man sollte also drüber wegsehen.....

    Nicht so ganz ueberzeugend fnde ich auch die Eiererei im 5. Aufzug, nachdem Sesin abgefangen wurde. Da tut ja Wallenstein mehrmals so, als sei bei ihm alles noch nicht ganz entschieden gewesen und "philosophiert", ob es keinen Aus- oder Rückweg gibt. Dass das nicht der Fall ist, liegt ja für jeden"Depp" klar auf der Hand. als DICHTUNG gehören diese Erwägungen aber für mich mit zum Schönsten. Also auch über die Unstimmigkeiten weglesen.

    Dann: Das Verhalten Theklas, aber auch das Wallensteins, Max gegenüber ist einfach zu edel um glaubwürdig zu sein ich weiß natürlich: Edel sei der Mensch...., eben Schiller, aber ein Typ wie W. lässt doch seinen Gegner (und sollte er ihn wirklich lieben, wobei die Liebe ja nicht ausgereicht hat, ihm seine Tochter zur Frau zugeben) nicht frei laufen.

    Zweifel sind es nicht, eher gewisse Irritatationen. Die werde ich VERSUCHEN, in ein zwei Tagen zu formulieren.

    Jetzt etwas Anderes: Im allgem. Diskussionsforum habe ich auf eine FÜR MICH sehr interessante "Entdeckung" hingewiesen. Es würde mich interessieren, ob das für Euch auch neu ist.

    weil ich die kleine Schrift in meinem Exemplar nicht mehr lesen kann, lese ich den Wallenstein im projekt gutenberg. Nun wollte ich nicht durchs Lager und die Piccolomini durchzappen, um zu Ws. Tod zu kommen und habe nach einem Direktzugang zu Wallensteins Tod gesucht. Da sah ich oben rechts ein ziemlich kleines Feld, in dem man was eingeben kann. ZU MEINER GROSSEN ÜBERRASCHUNG KAM DANN NACH DER EINGABE "WALLENSTEINS TOD" EINE GANZE LATTE SEHR INTERESSANTE SEKUNDÄRLITERATUR.. Möglich, dass Ihr das längst wisst.