Beiträge von Lost

    Wieso, ist der 5. Band so schlimm?


    Gruß, Gina


    Mit Proust habe ich es von Anfang an nicht leicht gehabt. In den ersten Bänden war sein Gesellschaftsklatsch und seine satirischen Beschreibungen meine liebsten Passagen. Der Band 5: "Die Gefangene" war für mich bis jetzt dagegen die mühevollste Lektüre. Proust kaut hier sein Thema hier aus, bis kein Geschmack mehr übrig bleibt, insgesam twie ein fader Kaugummi, den man von einem Mundwinkel zum andern schiebt und zu spät ausspuckt. Ich bin gespannt auf Band 6 und sehe ihm voll Furcht entgegen.

    Mir gefällt Proust bisher sehr. Ich mag das langsame, detailreiche Erzählen, die vielen Bilder, die beim Lesen im Kopf entstehen (besonders während des ersten Teils "Combray") und vor allem auch die Romanfiguren, die sehr individuell gezeichnet sind.


    Ich habe Proust auch eine ganze Weile vor mir hergeschoben. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass die Recherche sehr schwer zu lesen ist und ich womöglich nichts kapiere ... aber so schlimm ist es denn doch nicht. :breitgrins:


    Gruß, Gina


    Ich bin gespannt wie du das siehst wenn du den 5. Band liest.

    Ein Problem der "Unterhaltungsliteratur" scheint mir zu sein, dass man damit überschwemmt wird, und den Empfehlungen des Kulturbetriebs ist nicht zu trauen. Abgestandene Literatur ist besser einzuschätzen. Vielleicht sind wir einfach nicht wagemutig genug und außerdem neigen wir möglicherweise zum mäkeln, ich bestimmt. Vor Kurzem habe ich einen "Alpenkrimi" von Jörg Maurer gelesen, weil ich dem Scheck schon wieder auf den Leim ging. Das Buch ging runter wie Öl, eine leichte, fast vergnügliche Sonntagslektüre. Als ich hinterher über das Buch nachdachte wurde es schlechter und schlechter. Goethe ich auch teilweise schlecht, aber mit dem kann ich wenigstens angeben.

    Wenn man es genau nimmt, habe ich Vorsprung, denn ich war schon als "bloom" mit fast 1000 Beiträgen hier unterwegs. Nur wollte ich damals nicht Hero Member werden, bis ich entschied, es ist genauso lächerlich kein Hero Member zu werden, nur weil mir die Bezeichnung so lächerlich vorkommt.


    Dass man einen Autor gut findet, ihn gerne liest und auch Interpretationen und Biographien dazu schreibt finde ich ja voll okay. Dass man ihn aber in den Himmel hebt, so als wären alle anderen Autoren Dilettanten verstehe ich einfach nicht.


    Der wirkliche Boulevardintelektuelle zweifelt vielleicht an Gott, oder daran, dass es keinen gibt aber doch nicht daran, dass Kafka über Allem steht.


    Weiß jemand wo gronauer hingekommen ist?


    Ich weiß es nicht. Dabei ist es bei diesem Forum meistens bedauerlich wenn ein Teilnehmer spurlos und ohne Abschied verschwindet.


    Richten wir also einen Appell an den forumgewesenen "Gronauer" mit der Bitte, dass er sich aus dem "Jenseits" kurz erklärt, und hoffen, dass er das liest.


    Ich habe mit "April" von Angelika Klüssendorf begonnen, liest sich ungemein süffig.
    Sehr unterhaltsam.


    Gruß, Lauterbach


    "April" habe ich kurz nach dem Erscheinen des Buchs gelesen, weil ich sehr beeindruckt von "Das Mädchen" war, das Buch welches schon auf der Shortlist 2011 stand und leider den Kürzeren gezogen hat. In Frankfurt konnte ich damals die Vorstellung der Shortlist durch die Autoren erleben und Angelika Klüssendorf und ihr Roman hat auf mich einen starken Eindruck gemacht, obwohl der Anfang mich dummen Spießer irritierte. Es war aber zu erwarten, auch nicht ganz unverdient, dass "In Zeiten abnehmenden Lichts" siegt, der tröge Literaturbetrieb sonderte auch damals Speichel ab, wenn das Etikett "DER WENDEROMAN" auftauchte .


    Jedenfalls empfehle ich "Das Mädchen"(quasi der Januar zum April), für eine deiner nächsten Lektüren.


    Irgendwie interessiert mich der Preis in diesem Jahr überhaupt nicht.


    Lost : Das meinte ich eigentlich gar nicht. Sondern eher die Logik dass es für Marthas Vater vollkommen okay ist dass seine Tochter einen Preußen heiratet und dass dieser dann beim nächsten Krieg selbstverständlich gegen seine neue Familie kämpft und dabei vielleicht seinen Schwager, Onkel oder sonstiges umbringt. Denn ich bin da wie Martha, mir will diese Logik nicht in den Sinn.


    Schau dir ein Mal die Verwandtschaftsverhältnisse im europäischen Hochadel vor dem 1. Weltkrieg an, und wer dann über wen hergefallen ist. So ziemlich jeder über jeden, auch wenn sie die blanken Waffen den "unter ihnen stehenden" überlassen haben.
    Es ist aber wohl nur eine zugespitzte Form der logischen Verschraubung, denn wir kennen doch heute auch Situationen, in denen Kinder ihre Partner aus einem Milieu wählen dem die Eltern feindlich gesinnt sind. Man akzeptiert den Schwiegersohn von der ÖVP und wählt trotzdem SPÖ.


    Lost : kannst du die Logik nachvollziehen?


    Ich finde Martha gerade sehr naiv. Mittlerweile hat sie doch mitbekommen dass nach jedem Frieden ein neuer Krieg kommt aber jedes mal setzt sie so große Hoffnungen in die Menschen und wird dann immer bitter enttäuscht. Manchmal kommt sie mir wie ein Kind vor.


    Liebe Jaqui,


    solange verstehen etwas wie kritisches Begreifen ist, verstehe ich Suttners Logik, die sie mit ihre Figur Martha benutzt: sie soll aufzeigen, wie illusionär die Vorstellung ist, dass nach einem beendeten Krieg, der oft einer dieser "letzten Kriege" ist, ein weiterer kommt, solange man man immer weiter die gleichen Konzepte der "Kriegsverhinderung" beibehält, mit denen der gerade beendete Krieg ausgelöst wurde.

    Mittlerweile habe ich übrigens auch eine DVD-Sammlung mit Verfilmungen ihrer Romane. Ob ich mich zurückhalten kann "Nord und Süd" vor der Lektüre als Film anzuschauen kann ich nicht sicher sagen.


    Ich freue mich über deine Bestrebung, Lost .
    Wäre für dich auch ein Frühjahrstermin annehmbar?


    Das Buch ist mittlerweile auf meinem Kindle und das Frühjahr 2015 ist mir sehr Recht, dann kann ich mir das auch gut einplanen (Tradition ist, im neuen Jahr mit der Suche nach der verloren Zeit zu beginnen, womit ich voraussichtlich im Januar beschäftigt bin. Die sollte ich aber Anfang Februar gefunden haben). Ein Scheitern, wie bei W.Meister, schließe ich so ziemlich aus.


    Marthas Vater hat übrigens zugelassen dass seine Tochter einen verfeindeten Preußen heiratet der nach dem Krieg bei ihnen einquartiert war. Das hat Martha nicht verstanden. Aber sein Vater unterscheidet zwischen den Menschen und dem Land. Aber natürlich ist es klar dass wenn wieder Krieg ausbricht dieser Mann für sein Land kämpfen wird und dabei eventuell seinen Schwager tötet. Aber das ist nun mal so. Ganz hab ich diese Logik nicht kapiert. Da ging es mir wie Martha.



    Der Witz ist, Martha hat diese Logik auch nicht verstanden, oder besser: sie lehnt diese Logik ab. Es ist ein rhetorischer Kern des Romans, die Traditionalisten ihre Vorstellungen aussprechen zu lassen, um sie dann als" ad absurdum" zu entlarven (was sie übrigens nicht immer sind).

    Danke Maria, danke Jaqui.


    Mit Literatur und Literaten ist man zu Kriegszeiten wohl immer etwas rauh umgegangen wenn sie nicht auf Linie waren und Literatur bleibt letztlich doch auch immer Theorie und idealistisches Model, wenn sie sich mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigt. Die Phantasie Gewalt zu rechtfertigen steht der literarischen Phantasie ja auch kaum nach, überflügelt sie vielleicht noch.
    Es hat dabei schon etwas Ironisches, wenn das humanitäre Anliegen, welches "Onkel Toms Hütte" thematisiert durch einen Krieg verwirklicht wurde und dass der Friedensgedanke aus "Die Waffen nieder" zwar von Vielen geteilt wird, aber davon wieder viele aus einen "Pflichtgefühl" in den Kampf ziehen.
    Irgendwie scheint mir auch die Zeit vorüber zu sein, wo man so einen Roman als Appell liest, so ging es mir wenigstens, sondern ein historisches oder literarisches Interesse im Vordergrund steht. Wie B.v.S. aber die Ideologie aufs Korn nimmt bleibt aus meiner Sicht für lange Zeit gültig.


    Ein Buch "sie zu knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden" ;-)


    Der Vergleich mit dem EINEN Ring ist übrigens so abwegig nicht: ZT (und die darin entwickelte Etym-Theorie) ist áuch ein militanter Versuch, die Macht über die Sprache und absolute Deutungshoheit zu erlangen, durchaus aggressiv und gewalttätig. Das war immer ein kolossales Missverständnis Schmidts: Dass er aus der ohnmächtigsten aller Theorien - der Psychoanalyse - ein Herrschaftsinstrument schmiede wollte.
    ...


    Heiliger Strohsack. Ich hab das Buch jetzt im Keller eingeschlossen um wieder einigermaßen schlafen zu können.


    Aber trotzdem Danke für dein Plädoyer, es macht ZT auch für mich noch reizvoller.