Beiträge von Doris


    Dieses skurrile Pärchen, zusammen mit dem Maler, ist mir ein rätselhaftes Element in diesem Roman. Die beiden Pipelets haben ja ihre Funktion, die Bedeutung des Malers habe ich allerdings nicht verstanden, oder vielleicht auch zu nachlässig übergangen. Kann es sein, dass Sue hier Personen aus seinem eigenen Umfeld karikiert?


    Laut Wikipedia hat sich Sue für Malerei interessiert, daher ist es gut möglich, dass eine Person aus Sues Umfeld für den Maler Cabrion Pate stand. Ich bin erst im 9. Teil des Buches und Cabrion ist bisher kaum in Erscheinung getreten, daher kann ich weiter nichts dazu sagen.


    Bei den Pipelets hingegen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Sue reale Vorbilder hatte. Schließlich wohnte er auch in Paris, wo es Conciergen gab, daher liegt es nahe, dass er Erfahrungen mit ihnen und ihren Eigenheiten gemacht hat und diese dann die perfekten Vorbilder abgaben.


    Grüße
    Doris

    Auch bei mir geht es langsam voran. Heute habe ich den 8. Teil fertiggelesen. Dieser Abschnitt hat mir gut gefallen, weil Rudolf hier lange Zeit außen vor blieb, auch wenn er seine Fühler schon wieder ausstreckt, um als Retter einzugreifen. Mit der Wölfin wurde ein neuer interessanter Charakter eingeführt, der hoffentlich noch des öfteren im Mittelpunkt stehen wird.


    finsbury
    Bei den Pipelets stimme ich dir mit Begeisterung zu. Sie sind mit Abstand die liebenswürdigsten Personen der Handlung. Mir erscheinen sie lange nicht so überzogen wie die meisten anderen Akteure, aber vielleicht bin ich bei ihnen auch eher gewillt, ein Auge zuzudrücken.


    Grüße
    Doris

    Ich habe heute Teil 5 beendet.


    Rudolf kommt mir zunehmend unrealistisch vor. Die Art und Weise, wie er quasi das Geld aus der Hosentasche zieht und an Bedürftige verteilt oder sich als Retter des unbescholtenen Rufes junger Damen hervortut, ist jenseits aller Wirklichkeit. Es kommt mir zu unwahrscheinlich vor, dass Menschen wie Rudolf, die so selbstlos agieren, auf der anderen Seite ohne mit der Wimper zu zucken zur Selbstjustiz greifen, auch wenn sie diesen Teil von anderen erledigen lassen.


    Ein weiterer kritischer Punkt ist die personelle Besetzung, die sich ständig im Kreis dreht. Immer wieder stößt man auf Figuren, mit denen Rudolf vor vielen Jahren zu tun hatte und die sich nun seltsamerweise wieder in seiner näheren Umgebung tummeln. Das sind einige Zufälle zu viel.


    Um auf den Vergleich mit den Geschmacksverstärkern zurückzukommen: Es ist zwar nicht so, dass ich mich nach dem Genuss der Lektüre schlecht fühle, aber gut fühle ich mich dabei definitiv auch nicht.


    Grüße
    Doris

    Schön langsam werde ich warm mit dem Buch, was wohl zu gleichen Teilen daran liegt, dass die einzelnen Episoden ausführlicher werden und ich mich mit dem Stil arrangiert habe.


    Im 2. Teil lernt man die Mieter eines Hauses kennen, die eine interessante Mischung der unterschiedlichen sozialen Schichten bilden, deren Lebensgeschichten teilweise ein eigenes Buch wert wären und von denen einige (welch Zufall) auf verschiedene Weise des Lebensweg Rudolfs schon gekreuzt haben oder anderweitig von Bedeutung für ihn sind. Diese typischen französischen Mietshäuser mit der geschwätzigen und allwissenden Concierge hat es also damals auch schon gegeben. Das Ehepaar Pipelet hat mir das eine oder andere Schmunzeln entlockt.


    Inzwischen bin ich im 3. Teil, in dem Sue von seiner Methode, wesentliche frühere Ereignisse von seinen Protagonisten erzählen zu lassen, endlich abweicht. Damit liest sich das Buch für mich schon ganz anders, auf gewisse Weise bin ich jetzt in der Geschichte angekommen.


    Grüße
    Doris

    Oder sie findet sich am Ende als Rudolfs Gattin wieder.


    Rudolf erinnert mich stark an Robin Hood, da er sich so sehr um die Armen und Bedürftigen kümmert oder auch um jene, die noch einen Rest an Ehrbarkeit aufweisen und es daher wert sind, gefördert zu werden. Ich weiß nicht, wie die damalige Einstellung gegenüber Farbigen war, aber dass er sein Vertrauen einem schwarzen Arzt schenkt, könnte auch eher die Ausnahme gewesen sein. Dagegen ist er sich aber nicht zu schade, seine eigene Gerechtigkeit walten zu lassen und sich als Richter aufzuspielen und ganz bewusst harte Urteile zu fällen. Das passt alles nicht so ganz zusammen, zumindest noch nicht.


    Die Geschichte wird bisher kaum ruhiger, zum Glück aber immerhin etwas ausführlicher. Nach wie vor passiert für meinen Geschmack einfach zu viel, auch wenn das kaum zu vermeiden ist, wenn man in Betracht zieht, dass das Buch als Fortsetzungsroman in einer Zeitung erschienen ist. Die häufigen und ausführlichen Dialoge sind wahrscheinlich ebenso publikumswirksam. Der Vergleich mit einer Soap, den finsbury oben schon gezogen hat, ist mir auch schon gekommen.


    Grüße
    Doris

    Auf wenn können wir in der Leserunde noch zählen?


    Auf mich auf jeden Fall. Zwar passiert für meinen Geschmack zu vieles zu schnell, aber nachdem ich mich auf den Stil eingestellt habe, werde ich langsam mit der Geschichte warm. Mich interessiert das soziale Umfeld dieser Zeit, auch wenn ich nie sicher weiß, was der Wirklichkeit entspricht und was erdichtet ist. Den Tschurimann scheint ein vielschichtiger Bursche zu sein; dass unter seiner harten Schale ein halbwegs weicher Kern steckt, klang schon in den ersten Kapiteln an. Ich bin gespannt zu entdecken, was noch in ihm steckt. Auch Rudolf ist sehr mysteriös. Seine Beweggründe, der Schallerin zu helfen, müssen noch aufgedeckt werden und da er die zentrale Gestalt der Erzählung ist, gibt es sicher noch mehr zu enthüllen.


    Grüße
    Doris

    Vorsicht! Ich kenne nun die Dialoge bei Sue leider (noch) nicht, aber die Idee, dass man "im Millieu" besonders banal, simpel oder einfach spricht, ist definitiv falsch. Das ist mitunter extrem kompliziert und die Sprecher bemerken sofort einen falschen Tonfall. Da gibt es eine eigene Grammatik und eigene Semantik. Und die Sprachgemeinschaft kann das sehr genau unterscheiden. Simpel: ist das nicht, nur: anders. Also jedenfalls nicht unter grammatischen Gesichtspunkten 8-).


    Es mag schon sein, dass mit wenigen Worten viel gesagt wird und nicht Ausgesprochenes große Bedeutung hat. Ich möchte den Herrschaften auch keineswegs ihren besonderen Tonfall oder eigene Semantik absprechen. Mir ging es eher um die Thematik der Gespräche. Bis Seite 70 ist in dieser Hinsicht noch nicht so viel passiert, der rote Faden kommt erst langsam in Sicht. Davon abgesehen glaube ich aber trotzdem, dass zur damaligen Zeit die schwer arbeitende Bevölkerungsschicht abends nicht ins Wirtshaus gegangen ist, um hoch geistige Gespräche zu führen. Da ging es zum Großteil sicher um nichts anderes als Alltagsprobleme und -ärgernisse.


    Gruß
    Doris

    Hallo zusammen,


    ich bin erst auf etwa Seite 70 und überrascht von dem anspruchslosen Stil. Die Geschichte liest sich fast schon zu einfach; die Art, wie die Lebensgeschichten der Personen erzählt werden, kommt mir zu beiläufig vor. Auch die Dialoge sind bisher recht banal, aber gemessen am Milieu wohl authentisch. Dass ein Klassiker mit so vielen Spannungselementen auf so wenigen Seiten aufwartet, ist für mich eher ungewohnt. Vielleicht geht die Handlung aufgrund der Spannung bisher noch wenig in die Tiefe, aber das ändert sich möglicherweise mit der Entwicklung der Charaktere und dem weiteren Geschehen.


    Grüße
    Doris

    Romane zu denen sich eine eigene, nicht durch fremde Analysen verstellte, Sicht entwickeln lässt machen mir am meisten Freude.


    So geht es mir mit zeitgenössischer Literatur. Da mag ich es nicht besonders, wenn ich vorher schon in eine bestimmte Richtung geleitet werde oder gar den Ausgang der Geschichte kenne. Bei Klassikern ist das anders, weil da sehr viel Neues auf mich einströmt, vor allem, was den geschichtlichen Hintergrund anbelangt, denn hierbei mangelt es mir in jeder Hinsicht an Grundwissen. Gerade das von Dir genannte Ulysses hätte ich mit mehr Kenntnissen ganz anders gelesen und verstanden.


    Es fällt mir auch oft schwer, mich mit meiner (gemessen an Klassikern) modernen Denk- und Handlungsweise in die Protagonisten der alten Werke einzufühlen. Ich interpretiere Handlungen zu sehr nach meinem Gegenwartsempfinden und eigenen Erfahrungen und liege dann meist falsch mit meinen Gedanken. Deshalb ist es hilfreich, wenn ich einen Ansatz zur richtigen Auslegung des Inhaltes habe, weil ich ihn dann besser auf mich wirken lassen kann und nicht immer in das moderne Denkschema verfalle.


    Grüße
    Doris

    In meinem Buch gab es noch ein aufschlussreiches Nachwort, das manche Situationen im Buch in ein etwas anderes Licht gerückt hat. Es wäre nicht schlecht gewesen, mir das vorher schon zu Gemüte zu führen, dann hätte die Geschichte teilweise ganz anders auf mich gewirkt. Vor allem Olgas Ängste, die sich in ihrer Ehe entwickeln, habe ich ganz anders gedeutet. Ich halte es durchaus für möglich, dass ich das Buch in späteren Jahren nochmals lese, dann aber unter ganz anderen Vorzeichen als jetzt. Gefallen hat es mir auf jeden Fall.


    Die Leserunde hat mir Spaß gemacht und auch Lust auf die kommende Sue-Leserunde. Für eine unbedarfte Klassikerleserin wie mich ist es immer wieder aufschlussreich, Gedanken von Lesern nachzuvollziehen, die literarisch einen fundierten Background haben und wissen, wovon sie reden.


    Grüße
    Doris

    Ist das wirklich so? Hat O. nicht genau das bekommen womit er zufrieden sein kann?
    Abgesehen davon, dass er seine Gesundheit ruiniert hat, kommt er gegen Ende des Romans dort hin, wo der Roman begonnen hat. Nur, dass er jetzt sorgenfrei leben kann und auch noch eine Frau dazu bekommen hat, die ihn versorgt (auch sexuell) und sonst in Ruhe lässt. Was soll Oblomow sonst noch wollen? Das einzige, was ihm Sorgen bereiten könnte ist der Verlust seiner gesellschaftlichen Anerkennung.


    Zwischenzeitlich machte er nicht den Eindruck, dass er zur Gänze mit seiner Situation zufrieden ist. Es gab auch Momente, in denen ihm bewusst war, dass er fast zu einer Art Einsiedler geworden ist. Ich habe des öfteren seine Worte so interpretiert, dass er auch bedauert, so zurückgezogen zu leben, aber letztlich überwiegt seine anerzogene Passivität zu sehr. Es ist nicht Bequemlichkeit, die er sucht, sondern einfach die Unfähigkeit, sein Schicksal aktiv in die Hand zu nehmen. Angefangen mit seiner Familie, später von Sachar oder Stolz unterstützt, hat er nie gelernt, sich selbst um sein Leben zu kümmern. Da kam ihm die Witwe, die sich ihrerseits nach männlichem Beistand sehnt, gerade recht. Trotzdem war ihm immer bewusst, dass das nicht die richtige Art war, sein Leben zu verbringen.

    Ich habe das Buch vor vielen Jahren schon gelesen und war geteilter Meinung. Eine gemeinsame Leserunde könnte aufschlussreich sein, deshalb melde ich mich mal unter Vorbehalt. Es kommt auf den Termin an. Ich habe noch keine Planung, wie lange sich der Sue hinzieht.


    Grüße
    Doris

    Ich bin heute mit dem Buch fertig geworden, aber gedanklich habe ich es noch nicht ganz verarbeitet. Für mich ist es schwer zu verstehen, dass Oblomow letztlich an seiner Untätigkeit und Lethargie zugrunde geht, obwohl ihm klar ist, dass das nicht der richtige Weg ist. Selbst Stolz kann ihn nicht aus dieser Sackgasse retten, auch wenn er derjenige ist, der den größten Einfluss auf Oblomow hat. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dies die wahre russische Mentalität ist. Oblomow wurde dieses Leben nur ermöglicht, weil er Adeliger ist, der auf Kosten seiner Dorfgemeinschaft lebt, aber das war doch nicht die Normalität beim Großteil der Bevölkerung.


    Bei Olga lege ich mal heutige Erkenntnisse zugrunde und vermute, dass ihre psychischen Probleme ebensogut auf eine postnatale Depression zurückzuführen sein könnten. Damit wäre zumindest sie kein weiteres Beispiel für den Zustand Russlands.


    Grüße
    Doris

    Oblomow soll sich nicht auf die Knie werfen, sondern auf die Hinterbeine stellen und endlich in sein Dorf fahren :zwinker:. So viel Grips muss er doch haben zu erkennen, dass sich die Situation nicht bessert, wenn er weiterhin den Kopf in den Sand steckt und erwartet, dass irgendjemand seine Angelegenheiten regelt. Außerdem ist ihm bekannt, dass auf dem Gut einiges im Argen liegt. Da macht es doch mehr Eindruck auf die Zukünftige, wenn er tatkräftig gegen die Missstände angeht, als wenn er sich so passiv verhält.


    Auf Sue gab es früher schon mal eine Anspielung. Leider habe ich die Stelle nicht mehr gefunden. Gibt es da etwa einen persönlichen Bezug für Gontscharow?


    Grüße
    Doris

    Ich habe den dritten Teil fertig gelesen. Das ständige Hin und Her zwischen den beiden Verliebten bleibt ohne Ergebnis, was vor allem an Oblomow liegt. Seine Unentschlossenheit in dieser Herzensangelegenheit gleicht der Situation mit seinem Gut: Er hat viel Kostbares in den Händen und weiß nicht damit umzugehen und das Beste daraus zu machen. Zumindest als Verwalter ist er neben seiner schulischen Ausbildung von seinem Vater offensichtlich nur unzureichend vorbereitet worden, so dass man hier zumindest kaum einen Vorwurf machen kann. Es tut schon fast weh zu lesen, wie er sich von seinen Angestellten ausnehmen lässt und blauäugig alles glaubt, was man ihm schreibt. Da ist es fast schon verwunderlich, dass er sich Olga so lange widersetzt, die auf eine Bekanntgabe ihrer Liaison drängt. Eigentlich würde es eher zu seinem Charakter passen, sich auch hier dem Drängen zu ergeben.


    Zu Beginn war mir diese Liebesgeschichte schon fast etwas zu lang, aber inzwischen verfolge ich mit wachsender Begeisterung, wie sie sich entwickelt.

    Eine Szene hat mich heute stutzig gemacht:
    Und wenn dieser Brief und all das andere nicht gewesen wäre, hätte sie nicht geweint und alles wäre so wie gestern, wir würden hier still miteinander in der Allee sitzen, einander anblicken und über das Glück reden. Und morgen würde es wieder so sein...
    Er gähnte mit sperrangelweit geöffnetem Mund.


    Selbst wenn dieser Abschnitt in einem Moment spielt, als Oblomow wegen einer durchwachten Nacht sehr müde ist, kommt mir der letzte Satz doch sehr bedeutsam vor. Erwartet er von seiner zukünftigen Ehefrau mehr als nur häusliche Geborgenheit, vielleicht die pure Leidenschaft oder wenigstens spontane Überraschungen und Abwechslung? Das klingt gar nicht nach dem Oblomow des ersten Buches, der sich am liebsten im Bett verkriecht und den vermögenden Adeligen abgibt. Sucht er nach Gründen, um einer Ehe zu entgehen, die gerade in greifbare Nähe rückt?


    Ich lese eben lieber Romane in denen sich die Frauen in der Zeit aufgelehnt haben und gewannen, anstatt zu verlieren.


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    Ich muss mich auch ein bisschen auf Oblomows Seite schlagen. Noch ist sein lethargisches Leben nicht so lange Vergangenheit, und wenn er diesen Lebensstil jahrelang gepflegt hat, wird er sich nicht innerhalb weniger Wochen ändern und zum spontanen und wagemutigen Menschen entwickeln. Vermutlich waren die Frauen damals zurückhaltender als in unserer Zeit; ich finde, Olga ist schon sehr mutig und aufgeschlossen in ihrer Art, Oblomow ihre Gefühle zu offenbaren. Für einen so zurückhaltenden Mann wie Oblomow ist es bestimmt nicht leicht, damit umzugehen.


    Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sind bei ihm nicht vorhanden, und das wird sich auch so schnell nicht entwickeln. Dazu bräuchte es wohl einen Stolz, der Oblomow bei der Hand nimmt, gut zuredet und unterstützt. Ich finde es schon beachtlich, dass er so schnell einen Brief an Olga schreibt, was seinen sonstigen Gewohnheiten ja ganz und gar nicht entspricht.


    Ob er den Brief auch abgeschickt hat, weiß ich noch gar nicht, da ich unmittelbar nach dem Brief aufhören musste zu lesen :zwinker:


    Grüße
    Doris