Januar 2012: Emily Brontë: Wuthering Heights (deutsch: Sturmhöhe)


  • (Allerdings muß ich hier zugeben, dass ich die rechtlichen Zusammenhänge bei der Erbschaft nicht ganz verstanden habe - auch wenn es auf der von riff-raff genannten Webseite erklärt wird.)


    Wikipedia schreibt dazu auf der von mir im Materialienthread zum Roman verlinkten Seite:


    Das Geschehen im zweiten Teil des Romans wird verständlicher, wenn man den rechtsgeschichtlichen Hintergrund hinzuzieht, der Heathcliffs Wirken ermöglicht. Im 19. Jahrhundert herrschte in Großbritannien ein ausschließlich männliches Erb- und Eigentumsrecht, welches nur in Ausnahmefällen durch besondere Vertrags- oder Testamentsregelungen ausgesetzt werden konnte. Im Todesfall ging sämtliches Eigentum grundsätzlich an den nächsten männlichen Verwandten über, in der Regel an den ältesten Sohn. War dieser noch minderjährig, konnte die Mutter bis zur Volljährigkeit das Besitzrecht bekommen. Hatte ein Erblasser nur Töchter, ging das Erbe nicht an die Töchter, sondern an einen Neffen oder sogar an einen weiter entfernten männlichen Erben. Häufig hinterließ der Verstorbene deshalb im Testament bindende Verfügungen, sodass die Annahme des Erbes mit jährlichen Rentenzahlungen an die Töchter und die Ehefrau verbunden war.


    Falls eine Frau in Ausnahmefällen über Eigentum verfügte, ging dieses in der Regel bei Heirat an den Ehemann über.


    Dementsprechend wird im Roman dargestellt, wie sich Heathcliff durch Heirat (erst er selbst mit Isabella, dann sein Sohn mit Catherine) in die Verwandtschaft und damit Erbfolge der Lintons einbringt.


    Natürlich ist das von Emily auch eine Kritik am herrschenden Erbrecht bei dem Frauen benachteiligt wurden und ein verstecktes Eintreten für die Gleichberechtigung der Frau. Eine wirklich starke Autorin.

  • Danke! Bei der nächsten Leserunde werde ich die Materialien bißchen gründlicher lesen :redface: Aber die Sache mit der Erbschaft ist m.M.n. wirklich schwer zu verstehen.

  • Mich hat die "Schleifenstruktur" des Romans fasziniert: aus einer Gegenwart heraus (1801) wird erzählend in die ferne Vergangenheit zurückgegangen und dann von dort wieder an die Gegenwart herangeführt, um dann auf den letzten 40, 50 Seiten die Uhr 1 Jahr vorzustellen, und dann nochmal rückblickend dieses Jahr darzustellen.


    Bei der Entwicklung der Figuren fand ich interessant, die Paare Heathcliff-Cathy I. und Hareton-Cathy II. einander gegenüberzustellen: was beim ersten Paar scheiterte, vollendet sich dann beim zweiten und Heathcliff hatte seinen Anteil daran, dass es dazu kam - obwohl er es, glaube ich, nicht anstrebte. Aber ich glaube es war sein Schicksal, der Entwicklung dieser Liebe, die die positive Spiegelung seiner katastrophalen Liebe war, noch zuzusehen. Eigentlich mußte er dann seinen Frieden finden - und tat es ja auch: im Tod.


    Ich finde das Ende sehr versöhnlich und irgendwie schließt sich ein Kreis.


    Interessant fand ich auch die Person Haretons: in ihm spiegelt sich ja Heathcliff. Es ist sozusagen sein Ziehsohn, so wie er der Ziehsohn Earnshaws war. Und er liebt ihn mehr als seinen eigenen, so wie es bei ihm war. Das wird ganz deutlich auf dtv, S.290:


    "[...]weißt du, daß ich mir zwanzigmal am Tag Hareton zum Sohn wünsche, so verkommen er auch ist? Ich hätte den Jungen geliebt, wäre er nur jemand anders."


    Nämlich nicht der Sohn Hindleys!




    Alles in Allem: mir hat diese (meine erste) Leserunde viel Spass gemacht. Ich denke, es war nicht meine letzte ...


    Gruß
    Klaus :winken:

  • Hallo Klaus,


    allem was du schreibst kann ich nur zustimmen, insbesondere fand auch ich die "Schleifenstruktur" sehr beeindruckend, eine Technik, die man eigentlich erst ca. 100 Jahre nach Emily verorten würde. Mir hat der Roman so gut gefallen, dass ich jetzt als nächstes Anne Bronte lesen werde, auch um einen direkten Vergleich mit ihrer Schwester zu haben.


    Die Leserunde hat auch mir viel Freude gemacht, unabhängig von den Anregungen die so eine Runde mit sich bringt, zeigt es sich, dass man beim gemeinsamen Lesen viel intensiver liest. Dafür allen Mitlesenden und an der Diskussion Beteiligten vielen Dank.


    montaigne

  • Ich bedanke mich recht herzlich für die gemeinsame Leserunde, es hat Spass gemacht. Ist schon so, dass man in einer solchen Runde einen Text wesentlich intensiver und genauer liest als für sich selbst. Schade, dass es nicht für jedes Buch so etwas gibt ...


    Ich hoffe sehr, dass wir uns in einer anderen Leserunde wiedersehen. Würde mich freuen ...


    Gruss :winken:


    riff-raff