Juni 2010 - Umberto Eco: Baudolino

  • Hallo liebe Mitleser,


    morgen startet die Leserunde zum Buch und daher eröffne ich hiermit den Thread wo wir uns über das Werk austauschen können.


    Ich werde übrigens diese Ausgabe lesen:

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    Von Eco habe ich bisher Der Name der Rose und Die Insel des vorigen Tages gelesen. Ersteres hat mir super gefallen, das zweite nicht so sehr. Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana habe ich abgebrochen, das konnte mich nicht faszinieren.


    Dank meinen bisherigen Lese-Erfahrungen mit Eco gehe ich ganz ohne Erwartungen an dieses Werk heran um nicht enttäuscht zu werden. Mal sehen was uns erwartet.


    Katrin

  • Jaqui:


    Für die "Insel des zweiten Tages" ist es sinnvoll etwas über Geschichte und Methoden der Navigation auf See zu wissen. Dann erschließen sich einige Aspekte des Romans besser.
    Für Baudolino braucht man m.E. keine Spezialkenntnisse. Der Roman ist nahe an Fantasieliteratur und Eco hat sich wieder volksnäher an seinem ersten Welterfolg "Der Name der Rose" orientiert.


    Ich wünsche euch viel Vergnügen.

  • Über Navigation auf See habe ich mir bisher noch keine Gedanken gemacht, aber es ist sicher ein sehr spannendes Thema.


    Katrin


    Das ist es in der Tat. Wenn du Gelegenheit hast, kannst du dich mit "Längengrad" von Dava Sobel informieren und falls du ein Mal nach Greenwich kommst, solltest du dir unbedingt die Uhren (Wunderwerke) von John Harrison anschauen, um dir einen Eindruck über ein gewaltiges Werk zu verschaffen, dem so leicht kein anderes beikommt. Harrisons Lebensgeschichte und- werk ist auch einen Roman von Zauberberggröße wert. Leider hat ihn noch keiner geschrieben und ich habe nicht die Fähigkeiten dazu :sauer:

  • Hallo,


    ich habe nun das erste Kapitel gelesen und ich habe mich sehr amüsiert dabei. Bei manchen Wörtern musste ich zweimal hinschauen bis ich wusste was gemeint war, aber das hat das Leseerlebnis nicht getrübt.


    Der kleine Baudolino ist mir jetzt schon ans Herz gewachsen, auch wenn er wirklich ein Schelm ist, der gern Geschichten erzählt.
    Und dieser Kaiser Friedrich scheint auch ein ganz netter zu sein. Bei wikipedia gibt es übrigens eine Menge über ihn zu lesen: Friedrich I.


    So, das wars mal von mir.


    Katrin

  • Hallo,
    habe heute auch das erste Kapitel gelesen. Der Schreibstil und die Grammatik waren sehr gewöhnungsbedürftig, aber nun finde ich es fast schon schade, dass es ab dem 2. Kapitel in "normaler" Druckschrift weitergeht.
    Ja, Baudolino scheint ein Schelm zu sein, aber offensichtlich ein sehr schlauer :zwinker:. Im Elternhaus geht es wohl sehr rau zu, aber als Baudolino aufgefordert wird, mit den Alemannen zu gehen, kommen dem Vater Zweifel - doch er lässt ihn gehen...
    Bin gespannt, wie es weitergeht und wie es vor allen Dingen Baudolino weiter ergeht...


    Bin ab morgen bis Sonntag in Kurzurlaub, werde versuchen, wenigstens abends ein wenig zu lesen...
    Viel Spaß bis dahin :winken:Birgit

  • Hallo,


    ich fand es nicht schade, dass es in normaler Schrift weitergeht, im Gegenteil. Habe nun auch das zweite Kapitel beendet und finde es spannend.


    Allerdings fand ich es schade, dass wir plötzlich beim alten Baudolino gelandet sind, ich war schon so auf den jungen eingestellt, aber anscheinend hat der alte von seiner Schlauheit und Schelmhaftigkeit nichts verloren.


    Konstantinopel wurde also von den Barbaren eingenommen und unser Held ist da mittendrin und kämpft ebenso ums Überleben wie die Einwohner der Stadt. Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass ich wohl meine Geschichtskenntnisse dieser Zeit wieder ein bisschen aufbessern muss, weil ich nicht sofort gewusst habe wer denn nun mit den Barbaren gemeint ist.


    Und dieser Niketas scheint auch ein ganz netter Mann zu sein, der Baudolino noch von Nutzen sein wird. Und im selben Kapitel erfahren wir auch, dass Kaiser Friedrich also ermordet wurde und Baudolino weiß wer es war und hat den Schuldigen zur Strecke gebracht. Ziemlich viele Informationen für ein Kapitel.


    Nun bin ich aber gespannt ob wir wieder in die Kindheit Baudolinos gehen oder ob wir beim Alten bleiben. Alles in allem bin ich bisher sehr zufrieden mit dem Buch.


    Katrin

  • Ein herzliches Hallo an die Mitleser!


    Auch ich konnte mit "Baudolino" beginnen. Die Schrift und die Grammatik des 1. Kapitels fand ich sehr gewöhnungsbedürftig und ich war sehr froh, daß zu einem normalen Schriftbild gewechselt wurde. Mir ging auch der Begriff des Schelmenromans durch den Kopf. Bin einmal gespannt, wie Eco das fortführen wird.


    Gruß
    josmar

  • Hallo,


    ich bin nun am Anfang des 4. Kapitels und die Geschichte hat mich nun ganz in seinen Bann gezogen. Baudolinos Leben scheint ja sehr abwechslungsreich gewesen zu sein, vor allem die Krönung von Friedrich fand ich sehr spannend erzählt. Dass es wichtig war vom Papst gesalbt zu werden und nicht vom Volk gewählt.


    Auch dieser Otto scheint mir ein ausgefuchster Kerl zu sein, da wird es ja noch lustig zwischen Baudolino und Otto.


    Und nun bin ich neugierig wie Baudolinos Leben mit Friedrich angefangen hat.


    Katrin

  • Hallo,


    ich mache mal weiter, habe soeben das 5. Kapitel beendet und leider hat uns Otto schon wieder verlassen. Eigentlich hatte ich gehofft diesen Menschen, der Baudolino anscheinend sehr geprägt hat, näher kennen zu lernen.


    Unser kleiner Schelm hat sich also in die Frau von Friedrich verliebt und flüchtet jetzt nach Paris um seine Gefühle abzukühlen :breitgrins: das finde ich sehr witzig, das dürfte aber des öfteren passiert sein, das sich Untergebene in die Kaiserin verliebt haben. Zumindest ist mir das schon in einigen Büchern begegnet.


    Niketas glaubt Baudolino anscheinend kein Wort (zumindest nicht alles) und ich frage mich beim Lesen gerade auch was ich wohl glauben darf und was nicht. Dass Friedrich die Magister autonom gemacht hat, ist ja schön, aber dass er es einfach so hinnimmt, dass ihn einer gleich kritisiert, kann ich so nicht glauben.


    Spannund und witzig ist das Buch allemal.


    Katrin

  • Hallo,


    bin im Kurzurlaub über's Wochenende abends auch zum Lesen gekommen...


    Ja, Otto ist nun leider nicht mehr da, aber er hat Baudolino ja eine verantwortungsvolle Erbe bzw. eine wichtige Aufgabe hinterlassen: er soll studieren und den Priester Johannes finden... Bin mal gespannt, inwiefern Baudolino dieses Erbe antritt...


    Ich finde auch den Charakter des Niketas sehr interessant. Obwohl er doch gewissermaßen auf der Flucht ist, nimmt er alle Annehmlichkeiten in Anspruch, die sich ihm bieten, und scheint in keinster Weise ängstlich. Andererseits hat er schon genau erkannt, dass Baudolino's Geschichte nicht immer der Wahrheit entspricht und B. sich oft zu wichtig nimmt. Baudolino selbst ist in seinen Geschichten sehr "flexibel", d.h. wenn Niketas ihn wieder einmal darauf hinweist, dass etwas nicht stimmt, hat er direkt eine passende Ausrede parat und verweist auf spätere Geschichten :breitgrins: Ein echter Schelm, dieser B. - manchmal finde ich es allerdings schade, dass man nie weiß, ob das Erzählte nun der Wahrheit oder der Fantasie entspricht. Ist aber wahrscheinlich auch nicht immer wichtig...
    Teilweise sind die Geschehnisse ja schon recht brutal, aber auch recht kurz beschrieben.



    Wie alt ist Baudolino nun eigentlich? So um die 50 oder 60? Die zeitlichen Abstände scheinen mir nicht immer nachvollziehbar...
    Viel Spaß erstmal beim Weiterlesen :winken:
    Liebe Grüße, Birgit

  • Hallo Birgit,


    Baudolino wird so um die 55 oder knapp 60 sein.


    1155 kam er zu Friedrich I, da war er 12 oder 13. Im Jahre 1190 starb der Kaiser, da war er dann 47 oder 48. Ein paar Jahre wird er schon gebraucht haben um den Mörder Friedrichs zur Strecke zu bringen zumal die Distanzen damals ja alle mit dem Pferd zurück gelegt werden mussten. Insofern wird die Schätzung schon stimmen.


    Niketas ist unglaublich. An dem einen Tag muss er noch um das Leben seiner Familie bangen und am nächsten Tag macht er eine Kosmetikbehandlung so als wäre nichts geschehen. Vollkommen irre der Typ.


    Das mit Wahrheit und Lüge klärt sich vielleicht später noch auf, denn interessant wäre es schon, was denn nun wirklich geschehen ist und was nicht.


    Katrin

  • Hallo,


    Mittlerweile habe ich die ersten neun Kapitel gelesen und die Geschichte entwickelt sich schön langsam. Unser kleiner Baudolino ist unsterblich verliebt in die Kaiserin und die Briefe, die er sich hin und her schreiben finde ich sehr interessant. Auf diese Weise baut er sich eine Traumwelt zusammen und zu allem Überfluss zeigt er ihr diese auch noch. Das und den Kuss halte ich in der Geschichte definitiv für eine Lüge. Genauso wie den Streit mit Friedrich. Auch wenn er der Adoptivsohn ist kann ich mir nicht vorstellen, dass der Kaiser so einfach diese Kritik hingenommen hätte.


    Dass Baudolino der Verfasser der Gedichte sein soll, erscheint mir auch sehr unwahrscheinlich, denn wenn er so gut schreiben kann, warum schreibt er dann seine eigene Chronik nicht selber?


    Interessant fand ich dagegen die Beschreibung des irdischen Paradieses und die Weltkarte, die die Welt zeigt wie man sie sich anscheinend vorgestellt hat. Die Bemerkung dass die Erde zwar rund sei, aber auf der südlichen Halbkugel keiner wohnen kann, weil ja alle auf dem Kopf stehen müssten, habe ich schon mal gehört. Diese Sicht der Dinge finde ich richtiggehend interessant an dem Buch. Noch mehr aber hat mich die Frage nach den Welten erstaunt. Wenn es mehrere Welten gibt, müsste es mehrere Paradiese geben und was ist dann das Besondere daran? Interssanter Ansatz, den ich so noch nie betrachtet habe.


    Katrin

  • Hallo,



    Hallo,


    Mittlerweile habe ich die ersten neun Kapitel gelesen und die Geschichte entwickelt sich schön langsam. Unser kleiner Baudolino ist unsterblich verliebt in die Kaiserin und die Briefe, die er sich hin und her schreiben finde ich sehr interessant. Auf diese Weise baut er sich eine Traumwelt zusammen und zu allem Überfluss zeigt er ihr diese auch noch. Das und den Kuss halte ich in der Geschichte definitiv für eine Lüge. Genauso wie den Streit mit Friedrich. Auch wenn er der Adoptivsohn ist kann ich mir nicht vorstellen, dass der Kaiser so einfach diese Kritik hingenommen hätte.


    Ja, Baudolino liebt die Kaiserin sehr - aber immerhin weiß er genau, dass sie für ihn tabu und somit unerreichbar ist.
    Das Verhältnis Adoptivsohn zu Adoptivvater Friedrich finde ich etwas seltsam und undurchschaubar. Aber vielleicht liegt das daran, dass wir heute unter Adoption etwas anderes verstehen. Friedrich hält sehr viel von Baudolino und seiner Meinung, aber ich kann kein Vater-Sohn-Verhältnis erkennen, so wie wir es heute verstehen würden, oder?


    Dass Baudolino der Verfasser der Gedichte sein soll, erscheint mir auch sehr unwahrscheinlich, denn wenn er so gut schreiben kann, warum schreibt er dann seine eigene Chronik nicht selber?


    Naja, er hatte sie ja bereits geschrieben, um später die "Gesta Baudolino" zu verfassen (siehe Kap. 2). Aber er scheint sie ja auf der Flucht aus dem Reich des Priesters Johannes verloren zu haben... Und deshalb erzält er nun diese Geschichten Niketas, damit er sie für ihn aufschreibt.


    Interessant fand ich dagegen die Beschreibung des irdischen Paradieses und die Weltkarte, die die Welt zeigt wie man sie sich anscheinend vorgestellt hat. Die Bemerkung dass die Erde zwar rund sei, aber auf der südlichen Halbkugel keiner wohnen kann, weil ja alle auf dem Kopf stehen müssten, habe ich schon mal gehört. Diese Sicht der Dinge finde ich richtiggehend interessant an dem Buch. Noch mehr aber hat mich die Frage nach den Welten erstaunt. Wenn es mehrere Welten gibt, müsste es mehrere Paradiese geben und was ist dann das Besondere daran? Interessanter Ansatz, den ich so noch nie betrachtet habe.


    Diese Vorstellungen der Welt finde ich auch äußerst interessant, es folgen ja im Laufe des Buches noch weitere Weltvorstellungen (ich bin bereits etwas weiter...). Außerdem diese höchst amüsanten und gleichzeitig zum Nachdenken anregenden und immer wiederkehrenden Diskussionen über die Leere. Was ist die Leere, gibt es sie wirklich? Wie kann man testen, ob es eine Leere gibt... ?


    Ich gehe mal weiterlesen....
    Birgit

  • Hallo,



    Das Verhältnis Adoptivsohn zu Adoptivvater Friedrich finde ich etwas seltsam und undurchschaubar. Aber vielleicht liegt das daran, dass wir heute unter Adoption etwas anderes verstehen. Friedrich hält sehr viel von Baudolino und seiner Meinung, aber ich kann kein Vater-Sohn-Verhältnis erkennen, so wie wir es heute verstehen würden, oder?


    Ich denke dass unter Adoption früher auch ganz was anderes verstanden wurde, aber auch im Adel gab es ja damals kein richtiges Vater-Sohn-Verhältnis. Der Sohn war dazu da, um die Familie weiter zu führen, Liebe und Geborgenheit waren da wahrscheinlich immer zweitrangig.




    Außerdem diese höchst amüsanten und gleichzeitig zum Nachdenken anregenden und immer wiederkehrenden Diskussionen über die Leere. Was ist die Leere, gibt es sie wirklich? Wie kann man testen, ob es eine Leere gibt... ?


    Interessante Fragen, mal sehen ob das noch geklärt wird. Bisher habe ich mir über diese Leere noch keine Gedanken gemacht.



    Ich bin nun auch ein Stückchen weiter gekommen und stecke mitten im 13. Kapitel fest. Baudolino hat gerade seinen Vater nach 13 Jahren wieder gesehen und dieser bezichtigt ihn einen Lügner. Die neue Stadt, die gerade entsteht, finde ich sehr interessant. Anscheinend haben sie sich gegen den Kaiser gestellt und das obwohl sie früher auf seiner Seite waren.


    Liest eigentlich noch wer mit außer Birgit (thebi) und mir?


    Katrin

  • Hallo an die Mitleser!


    Ich bin auch noch dabei, und werde es voraussichtlich auch bleiben.
    So recht hat sich mir Baudolino noch nicht erschlossen, so dass ich zZt gerne Eure Beiträge lese.
    Eigentlich bin ich etwas enttäuscht vor dem Hintergrund, daß es ja ein historischer Roman sein soll.
    Irgendwie (?) fehlt mir etwas, vllt. kann ich das später hin genauer und besser begründen!


    Nette Grüße


    josmar

  • Hallo josmar,


    der historische Hintergrund ist für mich eigentlich reichlich gegeben. Vor allem in den späteren Kapiteln wenn Eco über die ganzen Schlachten schreibt. Da bin ich schon ganz durcheinander wer nun zu wem gehört :zwinker:


    Katrin


  • der historische Hintergrund ist für mich eigentlich reichlich gegeben. Vor allem in den späteren Kapiteln wenn Eco über die ganzen Schlachten schreibt. Da bin ich schon ganz durcheinander wer nun zu wem gehört :zwinker:


    Katrin


    Ja, so ähnlich geht es mir auch. Wir erfahren schon einige Details - die vielleicht dem einen oder anderen bereits bekannt waren - mir jedoch nicht, z.B. über die Machtverhältnisse in Deutschland, und wir lernen Kaiser Friedrich etwas genauer kennen... (wobei man ja nicht alles glauben kann, was Baudolino über ihn erzählt :zwinker:).


    Meine Güte, nun studiert Baudolino schon 10 Jahre in Paris, er führt ja offensichtlich ein recht ausschweifendes Studentenleben... :spinnen:


    Aber ich muss ebenfalls sagen, dass ich mir unter dem Buch etwas anderes vorgestellt hatte...


    Wie findet Ihr die Darstellung der Persönlichkeiten? Ich kann mich mit ihnen nicht so recht identifizieren, komme mir eher wie ein Zuschauer bzw. Zuhörer der Geschichten von B. vor, kann aber keine rechte Beziehung zu den Personen aufbauen, vielleicht kommt das ja noch... :rollen:
    Einen schönen Leseabend noch...


    birgit


  • Wie findet Ihr die Darstellung der Persönlichkeiten? Ich kann mich mit ihnen nicht so recht identifizieren, komme mir eher wie ein Zuschauer bzw. Zuhörer der Geschichten von B. vor, kann aber keine rechte Beziehung zu den Personen aufbauen, vielleicht kommt das ja noch... :rollen:


    Ja, mir geht es da wie dir. Ich kann aber auch keine Beziehung zu Baudolino aufbauen, der ist mir auch noch zu weit weg. Die ganzen Persönlichkeiten kommen mir auch zu zahlreich vor, ohne dass man etwas näheres über sie erfährt.


    Katrin