Wolf von Niebelschütz: Der Blaue Kammerherr

  • Nachdem Kein und Aber verdienstvollerweise die beiden Großromane von Wolf von Niebelschütz wieder auflegt, wäre mein Vorschlag für eine Leserunde "Der Blaue Kammerherr" (http://bit.ly/aWUh1R).


    Ich hatte es vor etwa 15 Jahren angefangen, nachdem ich von den "Kindern der Finsternis" des nämlichen Autors sehr hingerissen war - und bin beim "B. K." irgendwie im zweiten Buch ausgestiegen. Dennoch blinzelt mich das Werk immer wieder an... Zumal von Niebelschütz auch anderes lesenswert ist, z.B. die Essays: Wer das Suhrkamp-Bändchen "Über Dichtung" in die Hände bekommt: Lesen, staunen, genießen, wiederlesen... Niebelschütz hat mich mit dem Buch fürs Leben zum Mörike-Liebhaber werden lassen.


    Man müsste mal mehr über den Mann in Erfahrung bringen...


    Wie wäre es also mit einem Lesezirkel zum "Blauen Kammerherrn"? Im Mai, wenn die Neuauflage erscheint? Was meint ihr?


    Christian

    "Man träumt viel vom Paradies, oder vielmehr von verschiedenen, wechselnden Paradiesen, die doch alle verloren sind, bevor man stirbt, und in denen man sich selbst verloren fühlen würde." ("A la recherche du temps perdu")

  • Hallo Christian,


    Danke für den Hinweis auf die Neuausgaben von Kein und Aber.


    Den "Kammerherrn" habe ich vor Jahren in der Haffmans Ausgabe gelesen.
    Ein sehr interessantes Buch, das eine Neulektüre verdienen würde.
    "Die Kinder der Finsternis" würde ich aber auch gerne lesen. Wenn die Zeit
    nur reichen würde...


    - Harald

    Aktuell: Altägyptische Literatur. Kafka. Theater des Siglo de Oro. Gontscharow. Sterne, Fielding, Smollett.

  • Wie wäre es also mit einem Lesezirkel zum "Blauen Kammerherrn"? Im Mai, wenn die Neuauflage erscheint? Was meint ihr?


    Ich hab' sie beim Buchhändler meines Vertrauens gesehen und darin geblättert. Hm ... gib mir ein paar Gründe, warum ich Niebelschütz lesen sollte. Das Buch hat mich in den 5 Minuten "Vorprüfung" werder angezogen noch abgestossen.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Nachdem ich kürzlich "Die Kinder der Finsternis" mit ziemlicher Begeisterung wiedergelesen habe, wäre ich bei einer Leserunde zum Kammerherrn dabei, um meine lang zurückliegende, sehr verschwommene, aber auch sehr positive Lektüre-Erinnerung aufzufrischen.


    Für Sandhofer: Ich habe den Roman als außerordentlich kunstvoll und elegant in Erinnerung. Allerdings habe ich vor 25 Jahren die Entstehungszeit komplett ausgeblendet. Was mir in Erinnerung ist: der Einbruch der Katastrophe in die elegante Welt im Form eines Erdbebens - "… und dann bebt die Erde". Es war jedenfalls ein ziemlicher Leserausch.


    Beim raschen googlen bin ich über eine Rezension in der Zeit gestolpert, voller OCR-Fehler, scheint aber lesenswert zu sein (jetzt auf dem iPhone in meiner Stammkneipe habe ich ihn nur überflogen ;-))
    http://mobil.zeit.de/1973/15/U…welch-eine-Kunst?page=all

  • Hallo Giesbert, hallo Sandhofer,


    nachdem nun der von Giesbert zitierte Kleßmann die Eloge auf den "Blauen Kammerherrn" übernommen hat, stünde einer Leserunde doch nur noch wenig im Weg. Mein Vorschlag: Wir lassen sie am 01. Juli starten - ganz egoistisch, das fällt mit meinem Urlaubsbeginn in eins...


    Seid ihr dabei?


    Wäre mir ein Vergnügen


    Christian


    NB: Auch Kein & Aber wünsche ich zahlreiche Käufer für ihre Niebelschütz-Neuauflage...

    "Man träumt viel vom Paradies, oder vielmehr von verschiedenen, wechselnden Paradiesen, die doch alle verloren sind, bevor man stirbt, und in denen man sich selbst verloren fühlen würde." ("A la recherche du temps perdu")

  • Ich habe den Kammerherrn zwar in der kleinen, vierbändigen Ausgabe des Suhrkamp Verlages, habe aber jetzt auch mal die Neuauflage bestellt. Der Druck bei Suhrkamp ist schon arg gequetscht, hoffentlich ist die Neuauflage etwas großzügiger gesetzt. Die Seitenzahl bietet jedenfalls Anlass zur Hoffnung, bei Kein & Aber ist der Roman rund 200 Seiten umfangreicher.


  • Hm ... ich weiss immer noch nicht. Scheint mir - auch sprachlich - arg nahe an der Grenze zum Kitsch gebaut ...



    Niebelschütz paraphrasiert den Stil des Barock - dass das preziös wirkt, liegt in der Natur der Sache. Aber du hast recht, man muss es mögen - bei mir verfängt es!


    Christian

    "Man träumt viel vom Paradies, oder vielmehr von verschiedenen, wechselnden Paradiesen, die doch alle verloren sind, bevor man stirbt, und in denen man sich selbst verloren fühlen würde." ("A la recherche du temps perdu")

  • Zitat

    Walter Boehlich sprach wahr, als er 1955 angesichts solcher "Schönheit, Poesie und Kunstfertigkeit" das Unbedarfte dessen erahnte, was seinerzeit auf breiter Front als Elends- oder Trümmerliteratur Gegenwarts- und Vergangenheitsbewältigung probierte. Liest man heute vergleichsweise Böllk, Koeppens, Andersch’ damalige Bücher nach, diesen Edelkitsch im Kainszeichen von Hemingway und Sartres Gewaltherrschaft, dann leuchtet Niebelschütz’ großes Buch wie eine sprachliche Insel wahrer Glückseligkeit.


    Eckhard Henscheid, Literaturkritik, S. 226, leider nur mit dem Quellenhinweis "Radiosendung"

  • Also - wollen für den 01. Juli den Blauen Kammerherrn als Leserunde eintragen? Wenn Giesbert und ich dann ins Schwärmen geraten, kommen ja vielleicht noch Nachzügler dazu.


    Sandhofer? :zwinker:


    giesbert: Schönes Zitat übrigens...Und: Ich habe die fotografierte Seite dann nicht mehr gefunden, muss es halt doch noch mal ganz lesen.


    Gruß
    Christian

    "Man träumt viel vom Paradies, oder vielmehr von verschiedenen, wechselnden Paradiesen, die doch alle verloren sind, bevor man stirbt, und in denen man sich selbst verloren fühlen würde." ("A la recherche du temps perdu")