Klassiker des Humors

  • Beim Suchen habe ich gesehen, dass es ein solches Thema noch nicht gibt, aber ich denke, dass auch die Klassiker des Humors eine Plattform bei uns verdient haben ...


    Zur Überbrückung zur nächsten Leserunde las ich gerade einen davon :


    Jerôme K. Jerôme: Drei Männer in einem Boot, von dem Hund ganz zu schweigen, erschienen 1889

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    Wie wohl allgemein bekannt und oft verfilmt behandelt der kleine Roman eine zweiwöchige Themsefahrt dreier junger, eher fauler und vor allem höchst ungeschickter Männer nebst dem neurotischen Foxterrier Montmorency, der im Raufen mit anderen Hunden den Höhepunkt jeglichen Hundetages sieht.
    Zu Beginn war ich etwas enttäuscht, denn die Komik kommt zunächst etwas alltäglich gebremst daher, aber später, auf der eigentliche Tour, gibt es dann viele Höhepunkte: der Kampf mit der Ananasdose, ein Foxterrier im Wartebereich eines Kaufhauses, der Umgang mit Dampfbooten, Anglerlatein ...
    Daneben wird man in sonnige Tage auf der Themse versetzt, so dass man sofort zu einer Bootstour alldorten aufbrechen will.


    Sehr lesenswert!


    Wer möchte weitere Humorklassiker vorstellen?



    finsbury

  • Mein ganz spontaner Gedanke ist, dass Humor altert. "Drei Männer in einem Boot, von dem Hund ganz zu schweigen" fand ich vom Humor her ziemlich dürftig, altmodisch, lachen konnte ich darüber nicht. Ebenso könnte ich heute auch nicht mehr über Jerry Lewis lachen, wäre mir nun auch zu platt. Und so befürchte ich, dass Humor altert. Oder gibt es den zeitlosen Humor?


    LG
    Anita

    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"


  • Mein ganz spontaner Gedanke ist, dass Humor altert. "Drei Männer in einem Boot, von dem Hund ganz zu schweigen" fand ich vom Humor her ziemlich dürftig, altmodisch, lachen konnte ich darüber nicht. Ebenso könnte ich heute auch nicht mehr über Jerry Lewis lachen, wäre mir nun auch zu platt. Und so befürchte ich, dass Humor altert. Oder gibt es den zeitlosen Humor?


    Hallo Anita,


    andererseits kann ich über vieles, was heute unter dem Titel "Humor" firmiert, überhaupt nicht lachen, sondern finde es erst recht platt, über die Diffarmierung von Personen und -gruppen zu Lachern zu gelangen, wie es uns heute allenthalben im Fernsehen, aber auch bei bestimmten Büchern passiert (z.B. die sog. "Wörterbücher").


    Aber nicht die Unterhaltung über Humorverständnis sollte dieses Thema bestimmen, sondern die Vorstellung humoristischer Klassiker. Dass diese nicht jedermanns und -fraus Geschmack sind, teilen sie mit jeder anderen Art von Literatur.


    finsbury

  • Vor Jahren habe ich SAKI entdeckt, einen Vorläufer von P.G. Wodehouse möchte ich meinen, und der mir mehr bedeutet. Von den neueren Autoren ist David Lodge zu nennen und damit wären wir dabei wieder den "Englischen Humor" hervorzuheben. Kann er übertroffen werden? Auch Dickens, mit zum Beispiel "Martin Chuzzelwit" halte ich für einen Klassiker des Humors.



    Bei den Deutschen fällt mir spontan Kästner ein.


    Ich denke wie Anita, dass sich das persönliche Empfinden für Humor mit der Lebenszeit verändert, wenigstens in Teilbereichen, und dass Lachen mehr durch Schmunzeln ersetzt wird.


    Die -Drei Mann in einem Boot- empfehle ich übrigens als vollständige Lesung, die als CD-Kassette erhältlich ist.


  • Und so befürchte ich, dass Humor altert. Oder gibt es den zeitlosen Humor?


    Ich denke, diese Frage ist durchaus berechtigt. Ich will aber deinen Thread nicht "entführen", finsbury, deshalb hier nur kurz:



    Ich denke, es gibt Humor, der die Zeit übersteht und lustig bleibt. Es gibt aber auch Arten von Humor, die irgendwann einfach nur noch fad wirken.


    Ich habe vor einiger Zeit Decline and Fall (Auf der schiefen Ebene, 1928) von Evelyn Waugh gelesen. Es ist eines seiner ersten Bücher und angeblich sehr witzig. Auf der Rückseite meiner Ausgabe wird auch jemand zitiert der meint: "The funniest book I have ever read". Den Anfang des Buches fand ich relativ langweilig, sehr platter Humor. In der Mitte wird es dann etwas besser, aber es ist keineswegs das unglaublich lustige Buch, das man zu finden hofft. Möglicherweise ist das Zitat auf der Rückseite auch schon ziemlich alt?


    Ein weiteres Beispiel für etwas veralteten, abgestandenen Humor ist meiner Meinung nach Lucky Jim (1954) von Kingsley Amis. Wer lustige Universitätsromane lesen will, ist da bei David Lodge besser dran (Changing Places, Small World, Nice Work). Wobei, wer weiß, vielleicht wird Lodges Art von Humor auch einmal langweilig sein?


    Ein Buch, bei dem der Humor besser überdauert hat: Cold Comfort Farm (1932) von Stella Gibbons. Eine lustige Parodie der romantischen melodramatischen Romane, die damals wohl "in" waren.


    Viele Grüße
    thopas


  • Die -Drei Mann in einem Boot- empfehle ich übrigens als vollständige Lesung, die als CD-Kassette erhältlich ist.


    Dieses Audio-Buch habe ich gehört. Es ist gut gelesen, aber ich fand die Geschichte auch nur mäßig lustig. Ich wollte das Buch mal auf Englisch lesen und schauen, wie es da so wirkt.

  • Ebenso könnte ich heute auch nicht mehr über Jerry Lewis lachen, wäre mir nun auch zu platt. Und so befürchte ich, dass Humor altert. Oder gibt es den zeitlosen Humor?


    Platt ist Oliver Pocher ...


    Altert der Humor oder der Rezipient? Wohl eher letzteres.


    Jerome K. Jerome bringt keinen Schenkelklopf-Humor, es ist die feine, leise, englische Variante von Humor.


    Vor Jahren habe ich SAKI entdeckt, einen Vorläufer von P.G. Wodehouse möchte ich meinen, und der mir mehr bedeutet.


    "Vorläufer" klingt, als ob Saki von Wodehouse irgendwie abgelöst oder übertroffen worden wäre. Es ist aber wohl eher so, dass Hector Hugh Munro in einer höhern Liga spielt als Wodehouse.


    Dann, wenn wir schon bei den Angelsachsen sind: Oscar Wilde. Flann O'Brien.


    Des weiteren, Klassiker in jedem Sinne des Worts: Aristophanes, Menander, Plautus, Terenz. Shakespeare. Molière.


    Auch: Karl May.


    Im deutschen Sprachraum: Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Karl Kraus.


    Lem.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Mark Twain: Die Arglosen im Ausland, Bummel durch Europa
    Ambrose Bierce (viele Kurzgeschichten; man muss allerdings diesen rabenschwarzen Humor mögen)
    Karl Valentin (ein bestimmtes Werk habe ich nicht im Kopf).


    Einen schönen Sonntag von


    Tom

  • Danke für die zahlreichen Hinweise.


    Man sieht, dass Humor vielleicht vom Alter abhängig sein mag, aber eben nicht so sehr des Werkes, sondern das des Rezipienten, wei auch sandhofer anführte.


    Viele von uns finden wohl auch heute noch die Satiren des Juvenal, Aristophanes' Komödien oder den Tristram Shandy lustig, obwohl der Staub der Äonen auf ihnen lagert.


    finsbury