Bonjour tout le monde,
ich habe erst jetzt diese Anfrage entdeckt, als sie wieder aktiviert wurde.
Balzac betrieb von Juli 1826 bis August 1828 eine eigene Druckerei mit 36 Druckereiarbeitern, alles in allem ein mittelständiges Unternehmen auch nach den Standards des 19. Jahrhunderts (eine große Druckerei wie Firmin-Didot beschäftigte 200 Arbeiter).
Was druckte Balzac? So ungefähr alles, was man bei ihm in Auftrag gab, angefangen von Pillenprospekte für die Jahrmärkte bis hin zu Shakespeares Gesammelte Werke. Insgesamt 282 Druckerzeugnisse hat Balzac in den zwei Jahren bei der Staatsbibliothek hinterlegt. Am häufigsten waren das tagesaktuelle Broschüren, worin es um Prozesse genauso ging wie um Liedertexte der Chansonnier oder sonstige Zeitgeistprodukte. Unter diesem Aspekt publizierte er die Reihe "L'Art de…" Balzac war nicht der Autor, häufig waren die Namen Pseudonyme, manchmal gab es auch mehrer Pseudonyme für den gleichen Mann. Zur bekanntesten Broschüre von allen wurde eine gut illustrierte Anleitung wie eine Krawatte modisch zu binden ist, sehr wichtig für den französischen Dandy des 19. Jahrhunderts.
Von "L'Art de payer ses dettes et de satisfaire ses créanciers sans débourser un sou" habe ich die Fotografie der Frontseite vorliegen. Der Text dort heißt:
L'Art de payer ses dettes et de satisfaire ses créanciers, sans débourser un sou ; enseigné en dix leçons. Ou Manuel du Droit Commercial, à l'usage des gens ruinés, des solliciteurs, des surnuméraires, des employés réformés et de tous les consommateurs sans argent. Par feu mon oncle, Professeur Emérite, précédé d'une notice biographique sur l'auteur et orné de son portrait. Le tout publié par son neveu, auteur de l'Art de mettre sa cravate. - Plus on doit, plus on a du crédit. Pens(ée) inéd(ite) du Professeur.- A la librairie universelle, Rue Vivienne, N° 2 bis, au coin du Passage Colbert, 1827
Besagter Neffe und Autor von "L'Art de mettre sa cravate de toutes les manières connues et usitées, enseigné et démontré en seize leçons, précédé de l'histoire complète de la cravate, depuis son origine jusqu'à ce jour, de considérations sur l'usage des cols, de la cravate noire et l'emploi des foulards" ist Emile Marco de Saint-Hilaire (1796-1887). Letztere Anleitung zum Krawattenbinden verfasste er unter dem Pseudonym ' le Bon Emile de l'Empesé'
Marco de Saint-Hilaire war ein Viel-Schreiberling, der sich nach 1830 auf das französische Kaiserreich (Napoleon I.) spezialisierte und es gerne glorifizierte. Sonst ist nicht viel über ihn bekannt (jedenfalls mir nicht). Ich habe nur seine Spur kurz gegen Ende des 2. Kaiserreiches in Strassburg ausfindig machen können, wo er angeblich als 'Bibliothekar ohne Bücher' (gem. Edmond About in L'Alsace) seine Pension genießen durfte.
Aber zurück zu Balzac, wie sein Abenteuer mit der Druckerei ausging, hat schon JMaria beschrieben. Und ja, der Text passt gut zu Balzacs Lebenswandel, aber er hat ihn nicht verfasst, er ist nur dessen Drucker gewesen. Eine Originalausgabe befindet sich gut sichtbar in dem kleinen netten Balzac Museum in Passy (Paris, 16. Bezirk).
Bien à vous
Babur