Beiträge von Firiath

    Danke für den Link zu deiner Buchbesprechung.

    Die "Werbung" mit Lanier hat bei mir so gar nicht gezogen , ich kannte den Herrn bis eben gar nicht, jedenfalls dem Namen nach nicht (irgendwann hab ich mal was über ihn gelesen, aber das fiel mir erst auf als ich vorhin den Namen mal gegoogel hab). Überhaupt finde ich diese Verweise auch immer nicht sehr hilfreich, lese sie auch immer nur sehr flüchtig, ähnlich wie die Verweise bei neuen Fantasy-Büchern in denen auf J.R.R: Tolkien und bei jedem 2. SF-Buch auf "1984" . Werbungsmäßig hat bei mir aber das Cover gut gewirkt glaub ich. Andere Romane des Autors kenne ich nur in ihrer verfilmten Form. Sie fand ich, soweit ich mich noch erinnere schön gemacht, zum Lesen haben mich aber die Themen nicht so gereizt, vielleicht ein Fehler? Ich war jedenfalls überrascht, daß sich der Autor zuvor erstmal mit Zukunftsvisionen befasst hat.

    Wie auch immer, ich freu mich über die Neuauflage dieses Büchleins, das damit aus seinem Schlummer der vergessenen Bücher geweckt, vielleicht auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurde. Inhaltlich auf jeden Fall aktuell und zum richtigen Zeitpunkt.

    Die Maschine steht still

    von E.M. Forster


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    Erstveröffentlichung 1909


    Neu übersetzt von Gregor Runge

    Veröffentlicht am 14.10.2016

    im Hoffmann und Campe Verlag


    80 Seiten



    Erzählt wird die dystopische Geschichte aus der Sicht von Vashti und ihres erwachsenen Sohnes Kuno. Beide leben in einer unterirdischen Welt die seit Generationen komplett von einer Maschine gesteuert wird. Die oberirdische Welt gilt als unbewohnbar. Die Maschine steuert alles, sorgt für das Lebensnotwendige, für die Bedürfnisse und Bequemlichkeit der Bewohner, sie ist Zentrum und Maßstab dieser Welt. Echte zwischenmenschliche Beziehungen sind verpönt, der Körper gilt als unnötig und geradezu anstößig, jeder lebt für sich in seiner "Zelle", drückt auf Knöpfe , produziert "Ideen" und kommuniziert nur noch über die Maschine mit anderen Menschen.


    Mehr möchte ich gar nicht über den Inhalt erzählen, die Geschichte ist so kurz daß ich nicht zu viel vorwegnehmen möchte.


    Die nur 80 Seiten lange Geschichte wurde laut Wikipedia 1909 das erste Mal veröffentlicht . Sie ist flüssig zu lesen, wirkt durch die Kürze vielleicht ein bisschen fragmentarisch, dennoch entsteht ein erstaunlich plastisches Bild dieser unterirdischen, abgeschotteten Welt mit ihren im wahrsten Sinne des Wortes eingekapselten Menschen die komplett abhängig sind von ihrer Maschine, deren Ziel es ist zu "vergeistigen" und - bis auf wenige Ausnahmen - in ihrem starren Weltbild und ihrer Bequemlichkeit verharren ohne auf die Anzeichen von Gefahr zu achten.


    Schlüsse und Parallelen zu ziehen überlasse ich jedem selbst, die erstaunliche Aktualität der Geschichte drängt sich beim Lesen ohnehin geradezu auf. Es verblüfft mich, wie auch in H.G. Wells' "Wenn der Schläfer erwacht" wie vorrausschauend Schriftsteller dieser Zeit gedacht und geschrieben haben, wie genau sie technische Entwicklungen und mögliche, sich daraus entwicklende gesellschaftliche Veränderungen vorhergesehen haben.


    Das Büchlein ist sehr dünn, enthält auch nur diese eine Geschichte und eine sehr kurze Information über den Autor, ist aber wirklich schön aufgelegt, mit Leineneinband und einem passenden, ansprechenden Cover. Für mich eine absolut lohnenswerte Lektüre, auf die ich ohne diese Neuauflage und Übersetzung vielleicht nie gestoßen wäre.


    Im englischen Original ist die Geschichte übrigens frei erhältlich z.B. bei manybook

    Neues Jahr, neues Glück :


    Fünf Klassiker aus fünf verschiedenen europäischen Ländern:


    Rußland: "Väter und Söhne" von Iwan Turgenjew (1861) - gelesen Dez. 2018

    Spanien: "Der Richter von Zalamea" von Calderon de la Barca (1681)

    Frankreich: "Verlorene Illusionen" von Honoré de Balzac (ca. 1840)

    England: "Krieg der Welten" von H.G. Wells (1901)

    Österreich: "Das Gemeindekind" von Marie von Ebner-Eschenbach (1887)



    Evtl. fülle ich die beiden letztes Jahr doch gelesen Rubriken "Spanien" und "England" neu, da muß ich allerdings noch überlegen womit, ich editiere dann gegebenenfalls.

    Ganz entsprechend dem Zitat von Jaqui, möchte auch ich mich auch zurückmelden und es mit meiner 2017-er Liste nochmal versuchen:

    Ich scheitere auch auf Literaturschock jedes Jahr grandios und trotzdem versuche ich es jedes Jahr aufs neue :breitgrins:


    Ich seh das eher als Spaß und nicht als Verpflichtung. Auch wenn es dann gerade am Ende des Jahres oft ein schlechtes Gewissen gibt weil ich wenig von den Listen gelesen habe.

    Nachdem es mich letztes Jahr dann ja doch schwer aus der Kurve getragen hat bei all meinen Listen, hier wie auch drüben und ich wohl, wie auch BigBen für sich schrieb, ich nicht so wirklich fürs organisierte Lesen geboren bin, stehen aber die Bücher aus meiner Liste noch immer hier und warten darauf gelesen zu werden.


    Fünf Klassiker aus fünf verschiedenen europäischen Ländern:


    Rußland: "Väter und Söhne" von Iwan Turgenjew (1861)

    Spanien: "Der Richter von Zalamea" von Calderon de la Barca (1681) (gelesen)

    Frankreich: "Verlorene Illusionen" von Honoré de Balzac (ca. 1840)

    England: "Krieg der Welten" von H.G. Wells (1901)

    Österreich: "Das Gemeindekind" von Marie von Ebner-Eschenbach (1887)


    Ich würde die Liste auch so übernehmen, wobei ich "Der Richter von Zalamea" als gelesen nachtrage. Jetzt nach fast einem Jahr (habs Pfingsten 2017 rum gelesen) noch viel darüber zu schreiben bring ich wohl nicht mehr zustande, aber ich habe es sehr gern gelesen, wie auch schon wie vor einigen Jahren "Das Leben ist ein Traum" vom selben Autor. Wenn Interesse besteht versuche ich mich genügend zu erinnern um noch ein paar Zeilen darüber zu schreiben.



    Jaqui

    Mrs. Dalloway hab ich übrigens auch noch nicht aufgegeben, eigentlich hatte mir das Buch gut gefallen und ich bin auch bis etwas über die Hälfte gekommen, ich glaub ich versuch es dieses Jahr auch endlich noch fertigzulesen, erinnern kann ich mich noch gut.

    Jaqui
    Mit mir und Mrs. Dalloway oder jedem anderen Buch wird das momentan leider doch nichts, zumindest nicht in einer Leserunde. Ich hab momentan - neben dem ohnehin schon gut gefüllten Alltag - einen Umzug und eine Hausauflösung innerhalb der Familie zu stemmen und schaff es doch nicht mir so viel Zeit und vor allem Ruhe freizuräumen um aktiv an einem gemeinsamen Lesen teilzunehmen. Ich werd das Buch aber auf jeden Fall irgendwann noch fertiglesen.
    Entschuldige bitte Jaqui, das nächste Mal klappts hoffentlich wieder besser :smile:


    Peter Walsh ist gerade heim gekehrt. Ihn kann ich noch nicht einschätzen. Zuerst lädt clarissa ihn nicht zur Abendgesellschaft ein. Als er geht lädt sie ihn dann doch ein. Warum hat sie ihn eigentlich nicht geheiratet? Weil ihre Eltern dagegen waren oder habe ich noch was überlesen?


    Weiter vorne hat sie geschrieben, daß sie Peter Heiratsantrag nicht angenommen hatte, weil ihr die Beziehung zu eng war, sie Tag und Nacht und jede Sekunde miteinander verbracht hätten und wenn ich es richtig verstanden hatte wäre ihr das zuviel gewesen.... , diese bedingungslose Liebe hat ihr vielleicht Angst gemacht damals und sie hat die Sicherheit gewählt.
    Ihr jetziger Mann und sie liesen sich Freiräume, leben in der Ehe ihr jeweiliges Leben, vielleicht redet sie sich so auch eine eher nüchterne Beziehung schön. Mal sehen, über ihren Ehemann weiß man bisher ja noch nicht so viel.
    Gleichzeitig hab ich aber schon das Gefühl daß sie es bedauert so gewählt zu haben oder dieser Entscheidung, der Möglichkeit zur Entscheidung zumindest melancholisch nachsinnt, so sehr sie ihr jetziges geordnetes und priviligiertes Leben auch schätzt. Die Szene mit den beiden während sie krampfhaft weiternäht und er sie besucht und sie beide über ihre Vergangenheit nachdenken ist sehr intensiv beschrieben, auch ihre Gedanken darüber in der Öffentlichkeit nur ein Gesicht zu zeigen, nie ihre anderen Seiten.


    Ich tu mich nicht ganz leicht meine Gedanken zu dem Buch hier in Worte zu fassen oder einzelen Gedanken herauszupicken, weil in jeder einzelnen Szene so viel drinsteckt an kleinen und großen Beobachtungen und Reflektionen über Handlungsweisen und ihre Beweggründe und die damit einherzgehenden Gefühle. Auf jeden Fall wirklich sehr lesenswert.


    Bzgl. der Offenheit zum Thema Sexualität war ich nicht so überrascht, wahrscheinlich wegen meiner diffusen Erinnerungen an "Orlando"



    Zitat

    Die Handlung rund um Lucrezia finde ich auch sehr interessant. Allerdings habe ich den Eindruck dass ihr Mann glücklich in seiner eigenen Welt ist.


    Hm, nein, auf mich wirkt er schwer depressiv oder sonstwie gequält, auf jeden Fall nicht gesund und in keinster Weise glücklich, eher als ob er losgelöst von der Welt irgendwie existiert. Seine Frau leidet darunter natürlich und weiß nicht wie sie damit umgehen soll, die Vorschläge des Arztes wirken im Augenblick auch nur begrenzt hilfreich.

    Ja, die Szene mit dem Auto hat mich auch zum Schmunzeln gebracht, man überlegt auch sofort mit, wer da nun wohl im Auto sitzt. Überhaupt find ich das bisher Gelesene sehr anschaulich erzählt. Die kleinen "Ehrlichkeiten" gefallen mir auch, natürlich muß man sich nach Evelyn, Hughs Frau, erkundigen, aber eigentlich mag man sie nicht, weil sie so anstregenend ist und es immer die gleichen Gespräche sind. Die Diskrezpanz zwischen Gesagtem bzw. "dem was von einem erwartet wird" und dem tatsächlich Gedachten fällt immer wieder auf und wird in den Mittelpunkt gerückt.
    Mir fällt es zwar momentan nicht so ganz leicht mich aufs Lesen zu konzentrieren, weil das "Tempo" in dem Buch so komplett konträr zu meinem Alltagstempo zur Zeit ist, aber bisher gefällt mir der Stil und die Art wie die Dinge betrachtet werden.Man spürt unterschwellig von Anfang an, das unter der Oberfläche des Organisierens und Planens eine andere Ebene liegt. Mrs. Dalloway betrachtet sich und ihre Umgebung aus einer gewissen Distanz heraus, die sie sich selbst aber nur teilweise eingesteht.
    Daß manchmal mitten im Satz der Betrachtungswinkel gewechselt wird , war anfangs ungewohnt, gefällt mir aber jetzt sehr gut, erfordert aber eine gewisse Konzentration für die ich mir momentan leider nur wenig Zeit freischaufeln kann.


    Sehr traurig ist die Geschichte der jungen Italienerin Lucrezia, deren Mann für den sie nach England gekommen ist, offensichtlich schwer depressiv ist ...
    Und bezeichnend wie wichtig das Thema des Autos in der allgemeinen Wahrnehmung ist, aber nur bis ein Flugzeug auftaucht um das Interesse der Massen abzulenken. Das ach so wichtige Auto fährt ungesehen durchs Tor. Die genaue Beobachtung der menschlichen Verhaltensweisen begeistert mich.



    ***


    Ich hab vor vielen Jahren von Virigina Wolf "Orlando" gelesen, etwas zeitgleich mit dem Film der damals lief - ich hab das Buch damals gern gelesen damals, erinnere mich aber insgesamt mehr an den Film bzw. wahrscheinlich vermischt sich die Erinnerung an Film und Buch.

    Zitat

    author=Firiath link=topic=5088.msg60538#msg60538 date=1496089486]
    Oh, schön daß Du solange warten magst :smile:
    Fein, dann Mrs. Dalloway im Juni, ich meld mich hier sobald ich zurück bin.


    Ich bin wieder zurück :winken: , mehr oder weniger, im Kopf noch nicht so ganz.
    Wär es okay wenn wir mit "Mrs. Dalloway" erst Anfang Juli anfangen würden?



    Im Urlaub hab ich u.a. den "Der Richter von Zalamea" und damit eins meiner Listenbücher gelesen. Ich fand es sehr kurzweilig und interessant.

    Jaqui
    Lust hätt ich auf beide Bücher, bin aber ab nächster Woche erstmal zwei Wochen in Urlaub, völlig ohne Internet, da macht ein gemeinsames lesen leider keinen Sinn, fürchte ich. Schade. Aber mal sehen was du bis dahin geschafft hast, vielleicht ist ja noch eins übrig. Ab Mitte Juni bin ich wieder "on" .
    Ich hoffe aber im Urlaub ein oder zwei Bücher meiner Liste zu schaffen, da hab ich wieder etwas mehr Muße für klassische Literatur hoff ich.

    Ich hab nicht mal eine Tabelle, ich schreib die Liste (Titel + Autor) in ein einfaches Textdokument, nur unterteilt in Jahre. Sonst nichts, ich bin schon fast stolz auf mich, daß ich es halbwegs regelmäßig schaffe diese Liste fortzuführen. Jegliche Versuche regelmäßig in ein Büchlein zu schreiben, egal was, haben bei mir nie geklappt, da bin ich wohl nicht der Typ dafür, obwohl ich die Idee eigentlich sehr schön fände.

    Danke für die Tips, "Von kommenden Tagen" hab ich mir notiert und "Die Tür in der Wand" kam mir schon vom Titel her bekannt vor. Ich habs vor langer Zeit glaub ich auch schon mal gelesen bzw. mindestens angelesen, aber so richtig erinnern kann ich mich komischerweise nur an den Anfang der Geschichte. Ich hab sie inzwischen gefunden im Band "Meistererzählungen von H.G. Wells", hier heißt die Geschichte "Die Tür in der Mauer" und ich werde sie demnächst nochmal lesen und vielleicht nach und nach auch die anderen Geschichten, erinnern kann ich mich eigentlich nur an "Die seltsame Orchidee", ich glaub ich bin damals hängengeblieben und hab die weiteren Geschichten nicht mehr gelesen, das passiert mir bei Kurzgeschichtensammlungen öfter mal, leider... Kurzgeschichten sind nicht ganz mein Metier, obwohl mir bewußt ist daß es da wirklich Perlen gibt, aber kaum ist man drin in der Geschichte, ist sie auch schon wieder vorbe und ich bin wohl einfach gern länger in einer Geschichte, schwierig zu beschreibeni. Ich bemüh mich in den letzten Jahre zwar auch in der Richtung mehr zu lesen und bin auch immer mal wieder beindruckt, was man alles in teilweise wenige Seiten packen kann, aber es passiert mir leider doch immer wieder das solche Sammlungen halb gelesen untergehen.

    Mein erstes Listenbuch "Krieg der Welten" von H.G. Wells ist gelesen und ich hab hier ein bisschen was darüber geschrieben.


    louzilla
    Ich hab deine Ausführungen über "Schöne neue Welt" interssiert mitgelesen. Wie gesagt, ich fand damals das Buch ab ca. der Hälfte sehr zäh, dennoch natürlich interessant und natürlich nachdenkenswert. Vielleicht probier ich es irgendwann doch auch nochmal, manchmal passt auch die "Lesezeit" im eigenen Leben für ein bestimmtes Buch einfach nicht so ganz.

    Ich habe inzwischen mit "Der Krieg der Welten" begonnen und bin bereits mittendrin im Geschehen um den Angriff der Marsianer. Im Augenblick gefällt mir sehr wie Wells die erste "Landung" der Marsianer im ländlichen England beschreibt, dieses Hin- und Her der Leute zwischen Neugier, Ahnungslosigkeit, Panik und Blauäugigkeit. Man muß sich ja schon wundern, daß die blanke Neugierde und Sensationsgier der Leute nach den ersten Todesopfern nicht besiegt wurde....


    Mit dem "Unsichtbaren" bin ich übrigens nicht mehr so richtig warm geworden (mit ihm selbst sowieso nicht, aber auch mit dem ganzen Buch nicht :zwinker: ) , von den bisherigen Wells-Büchern fand ich es am sperrigsten zu lesen und hatte manchmal Mühe weiterlesen zu wollen, dennoch war die Lektüre interessant und es gefällt mir bei jedem Buch wieder, wie genau Wells die menschlichen Verhaltensweisen beobachtet hat.



    Edit 5.3.2017


    Inzwischen hab ich den "Krieg der Welten" beendet.
    Ich fand die Geschichte über die Invasion der Marsianer durchweg spannend und interessant, konnte gar nicht mehr aufhören damit. Wie schon bei "Wenn der Schläfer erwacht" war ich fasziniert von der visionären Phantasie des Autors was technische Entwicklungen anbelangt. In diesem Fall zwar keine Technik der menschlichen Zukunft sondern Technik der Marsianer, aber sich zu dieser Zeit das so ausgeklügelt vorzustellen, da gehört schon eine Menge technischer Sachverstand und Vorstellungskraft dazu. Unser heutiger SF-"geschulter" Verstand denk all die Erklärungen natürlich gleich weiter und "sieht" sicherlich andere Bilder als der Leser um 1900, das besondere heutzutage liegt darin zu wissen, daß dieser Autor solcherlei Entwicklungen wie den "Feuerstrahl" (Laser) oder die ausgeklügelten Kampf- und Flugmaschinen schon damals ersonnen hat. Ein aus heutiger Sicht amüsantes Nebendetail fand ich das "rote Unkraut", damit erklärte der Autor vielleicht, warum der Mars rot aussieht ?


    Die Geschichte der Invasion selbst ist sicherlich zeitlos und steht für jede Art der gewaltsamen Machtübernahme - und Ausübung die vorstellbar ist. Im Buch selbst werden direkte Parallelen zu dem Verhältnis "Mensch" vs. "Tier" gezogen, genauso gut kann man Parallelen zu Eroberungen der Engländer, Spanier und Portugiesen in den neuentdecken Ländern, den Kolonien, darin sehen. Einem Atzteken oder Inka müssen die Spanier mit ihren Gewehren und ihren Rüstungen auch wie "Marsianer" vorgekommen sein. Eine technisch übermächtige Lebensform kommt und nimmt sich einfach was sie vorfindet ohne Rücksicht auf die "Eingeborenen" . Wie bei allen bisher von Wells gelesenen Büchern ist die eigentliche SF-Geschichte eigentlich "nur" ein Deckmantel für die Botschaft darunter oder für das Anprangern von Mißständen in der tatsächlich existierenden Gesellschaft seiner Zeit und unserer Zeit, den an der menschlichen Natur hat sich die letzten 100 Jahre diesbezüglich nicht so viel geändert.
    Ebensogut könnte man eine Parallele zu "Mensch" vs. "Umwelt" hineininterpretieren. Der Mensch beutet die Welt, die Fauna und Flora beinahe genauso rücksichtslos aus, wie die Marsianer dies mit der Erde vorhatten.


    Spannend fand ich wieder den genauen, analytischen Blick Wells auf die verschiedenen Menschentypen, auf ihre Verhaltensweisen im Allgemeinen und speziell in so einer Krisenzeit. Sehr gehaltvoll fand ich auch das Gespräch des Erzählers mit dem Artilleristen, den er insgesamt zweimal getroffen hat, die "Visonen" des Mannes, die Gedankengänge und dann die Ernüchterung als zu erkennen war, wie es um den Mann und seinen Handlungen tatsächlich stand. Die Charaktere waren allesamt gut beschrieben, die "Gefangenschaft" zusammen mit dem Pfarrer sehr intensiv, geradezu klaustrophobisch, die Handlungen und Vorgehensweisen der Personen nachvollziehbar. Ich bin dem Ich-Erzähler und seinem Bruder gespannt durch diese Apokalypse gefolgt und hab mit ihnen gefiebert, einzig über das Schicksal seiner Frau während der Invasion hätte ich gern noch etwas mehr erfahren, da waren mir die Nebensätze die mit ihr zutun hatten doch ein bisschen zu wenig.


    Insgesamt hab ich das Buch wirklich sehr gern gelesen, bin mir beinaher sicher, daß ich es irgendwann nochmal lesen oder hören werde und es bestärkt mich darin, noch mehr von dem Autor zu lesen.



    Die bekannteren "Hauptwerke" hab ich jetzt wohl durch, hat jemand noch einen Tip für mich welche Wells-Bücher sich noch besonders lohnen?

    Aufgrund Eurer Empfehlung hier ist "Gnade" inzwischen in meinem Regal gelandet, mal sehen wann ich es lese.


    Aktuell les ich gerade diverses und wahrscheinlich zuviel gleichzeitig, u.a.


    "Der Krieg der Welten" von Wells (mein erstes Listenbuch für die Klassikliste hier im Forum)
    und "Die drei Sonnen" von Cixin Liu ) anfangs hatte ich echt Mühe mit den vielen chinesischen Namen, aber so allmählich hab ich mich eingelesen.


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    finsbury
    .. den Film möcht ich mir irgendwann noch ansehen, bin ja immer neugierig wie auf eine Buchverfilmung ... .
    Aber schade, wenn man die Handlung schon kennt bzw. weiß worauf das ganze hinausläuft, verliert das Buch sicherlich einen großen Teil der Wirkung. Ich hab damals weitgehend unvorbereitet in das Buch hineingelesen und hab sozusagen mit den Internatskindern allmählich begriffen worauf es hinausläuft. Mir haben sich lang nicht mehr so die Nackenhärchen gesträubt wie bei diesem Buch ..... gleichzeitig ist es wunderbar melancholisch und zart erzählt. Einge Buch-Bilder sind mir immer noch gegenwärtig und haben sich geradezu eingebrannt.

    "Schöne neue Welt" fand ich aber der Hälfte etwa, sehr mühsam zu lesen, hab aber trotzdem nicht bereut es gelesen zu haben, weil andererseits schon viel Interessantes drinsteckt und man es schon mal gelesen haben sollte. Aber es war für mich eine eher zäher Brocken damals.
    Bin gespannt wie es dir damit ergeht.


    Ich les gerade


    "Darknet" von Daniel Suarez


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    .. der zweite Teil eines spannenden, von den Grundgedanken her interessanten Cyberspace-Thrillers, in dem eine künstliche Intelligenz das komplette bestehende Gesellschaftssystem unterminiert und verändert.



    finsbury
    "blueprint" klingt interessant. Zum Thema "Klon" hat mich "Alles was wir geben mußten" von Kazuo Ishiguro sehr beeindruckt. Am Besten wär es aber inhaltlich möglichst wenig über das Buch zu wissen bevor man es liest ....

    ... ich hab zuletzt von Wells "Wenn der Schläfer erwacht" gelesen und war wirklich beeindruckt davon. [url=http://literaturschock.de/literaturforum/index.php/topic,43815.0.html]Hier[/url] hab ich auch was darüber geschrieben.
    An "Der Unsichtbare" bin ich nebenher immer noch dran, ich les es auf Englisch und auf dem Reader, d.h. meistens nur wenn ich unterwegs bin und komm dementsprechend nur stückchenweise voran. Bisher find ich es aber sehr spannend, den "Unsichtbaren" sehr ruppig und unheimlich, wie das eben auch seine Umgebung empfindet. Schön find ich die Beschreibung der Leute die mit ihm in Kontakt kommen und wie sie auf den seltsamen Mann reagieren, der wie ein Meteor in ihre ländliche kleinstädtische Welt fällt. Wenn irgend möglich möcht ich es aber diesen Monat fertiglesen und schreib dann nochmal was dazu.


    Zitat

    louzilla:
    Er ist eher sachlich effizient und mir manchmal zu reduziert und zu ruppig


    Beim "Schläfer" war ich fasziniert davon welch umfangreiche Geschichte und was für Zeiträume und Ereignisse man auf so kurze Form bringen kann. Inhaltlich würden Autoren daraus wohl zum jetztigen Zeitpunkt mindestens eine Trilogie machen. Klar, manches kommt für unsere heutigen Gewohnheiten zu kurz, Emotionen, Gefühle der Protagonisten, außerdem passiert den Personen vieles "nur" und sie sehen fast staunend zu, es wird weniger erklärt und mehr Freiraum für eigene Interpretationen gelassen, aber gerade das find ich an "älteren" Büchern oft besonders interessant. Die "Zeitmaschine" ist ja auch ein recht dünnes Bändchen und was ist es für eine große Geschichte, das find ich im Vergleich zu unseren "immer dicker" werdenden Schinken schon oft beeindruckend.