Wir kommen ja vom Hoelzchen aufs Stoeckchen, aber interessant ist das allemal! Nochmal Danke an Euch beide!!!, auch dass alles bisher noch zivilisiert ablaeuft. Langsam bekomme ich aber Bedenken und da fragt es sich, ob wir unsere Unterhaltung bald schliessen(?). Falls das mit der privaten Konversation funktioniert, koennten wir uns ja "privat" weiter schreiben(?), zumal wir uns von dem Buch, jedenfalls der direkten Beziehung dazu, immer wieder entfernen. Natuerlich haengt alles mit allem zusammen. Mit dem RICHTIGEN Zitieren das habe ich immer noch nicht raus, obwohl Zefira es mir erklaert hat. Also Zitat von Karamzin:
"Die DDR implodierte, ohne dass Blut floss, das ist doch auch eine zivilisatorische Leistung, die von Leipzig und Dresden ausging und wo gesehen wurde, dass auf der anderen Seite, der Partei, bei den Noch-Anhängern des Sozialismus, ja auch denkende Menschen vorhanden waren, die zunehmend zu kritischen Positionen gelangten und nicht auf das Volk geschossen wurde, wie in Peking oder Bukarest."
Das ist ein Satz, der in goldenen Lettern über den Plenarsaal des Bundestages geschrieben werden muesste und jedes Schulkind muesste ihn auswendig lernen! Das war sowas Unglaubliches und wenn man weiss, wie Menschen sind, zumal, wenn sie ihre Macht verlieren, etwas voellig Unerwartbares. Eine geraume Zeit nach der Wende traf ich bei einem Krankenhausaufenthalt zufaellig auf jemanden aus dem gehoben Dienst der Justiz, der zusammen mit einem Vorsitzenden Richter aus Kalrlruhe (BGH?, Bverf G? weiss ich nicht mehr) mithelfen sollte, das "DDR-Unrecht", das es ja zweifellos gegeben hat, aufzuklären. Als ich ihn noch nicht so recht einschaetzen konnte, wagte ich mich mit der Bemerkung hervor: "Also, obwohl es da bestimmt viele schraege Voegel und auch richtige Verbrecher gegeben hat, wuerde ich eine Generalamnestie erlassen, denn sowas, dass Leute, die immerhin noch die Macht hatten, ein grosses Blutbad anzurichten, ohne dass ein einziger Schuss faellt, die weisse Fahne hissen, hat es meines Wissens in der Geschichte noch nie gegeben". Das Beispiel Hitler lag ja noch nicht so lange zurueck. Zu meiner Ueberraschung sagte der Mann: "Das ist genau meine Meinung".
Noch etwas zur DDR, was einen starken Eindruck auf mich gemacht hat: Ihr erinnert Euch an Kohls oft belaechelten Ausspruch von den bluehenden Landschaften. Ich war kein Freund von Kohl und unterschaetzte ihn vermutlich stark, aber in DIESEM Punkt, dachte ich damals, dass er recht behalten wuerde, weil ich das "Wirtschaftswunder" bei "uns" noch in guter Erinnerung hatte. Eine Kollegin von mir, deren Vater in den oberen Etagen einer deutschen Weltfirma taetig war, sagte damals zu mir: " Mein Vater hat mir gesagt, die Wirtschaft da drueben sei total marode und das "bisschen",, was die 17 Millionen da drueben brauchen, das koennen wir hier, wenn wir die Kapazitaetsreserven nur ein wenig hochfahren, mitbedienen." Ich verstehe wenig von Volkswirtschaft und Wirtschaft ueberhaupt, aber ich denke, die Beurteilung hat den Nagel auf den Kopf getroffen und ist die tiefere Ursache dafuer, dass viele Menschen die dort drueben hart gearbeitet und tatsaechlich ihr bestes gegeben haben, sich so demuetigend behandelt gefuehlt haben. Ich habe zehn Jahre in Westberlin gewohnt und fuhr immer wieder mit dem Zug durch die "Zone", da kam man irgendwo vorbei, Vockenrode(?), da gab es kilometerlange Dampfleitungen, deren waermedaemmende Ummantelung in Fetzen von den angerosteten Rohren hing, ueberall trat Dampf aus. Bei der BASF in Ludwigshafen war das alles silberglaenzend verpackt und wie neu. Wenn ich mir nun vorstelle, wie einem Arbeiter zumute gewesen sein mag, der ein Grossteil seiner Zeit damit verbracht hatte, diese Rohre abzudichten, zu flicken und notduerftig in stand zu halten, wenn er gesagt bekam, was Du da gemacht hast, mag Dir wichtig erschienen sein, aber es war alles fuer die Katz. Dass so etwas tiefe Spuren in einer Biographie hinterlaesst, ist klar. Womit wir wieder beim Buch sind und bei der unterschiedlichen Resonanz auf die es trifft.
Was ich sehr interessant finde, ist, dass einer von Euch den mutmasslichen Unterschied von weiblicher und maennlicher Betrachtung ins Spiel gebracht hat. Dem versuche ich mal nachzugehen. Uebrigens die Beobachtung von Newman, bei der es um die ueberproportionale Anwesenheit von Migranten in Oeffentlichen Nahverkehrsmitteln geht, kann ich nur bestaetigen. Wie Karamzin bin ich leidenschaftlicher Zugfahrer. Ich muss aber den Migranten das Zeugnis ausstellen, dass ich noch nicht erlebt habe, dass sich jemand daneben benommen haette und ich fahre viel mit dem Zug. Es gab zwei unschoene Erlebnisse in Zuegen, eines vor vielen Jahren im "Interzonenzug" als ein (deutscher) Boxer aus Wuppertal (grundlos) drohte, mich zusammenzuschlagen, eines 2003 in einem Regionalzug bei Dessau, als (betrunkene?) Fussballfans rhythmisch die Faeuste emporrissen und skandierten: "Hier, regiert, der Bla, Bla, Bla, Hier, regiert, der Bla, Bla, Bla" und dabei den Mitreisenden derart bedrohlich auf die Pelle rueckten dass man sich fuerchtete.
Zu der Petition will ich mal lieber nichts schreiben, weil ich - wie weiter oben ausgefuehrt - fuerchte, dass sonst die Diskussion aus dem Ruder laufen koennte.