Beiträge von sandhofer

    Hallo zusammen!


    JMaria schrieb: " Ich kann dir "Gripsholm" empfehlen, eine heitere Sommergeschichte mit oft traurigen Einlagen und ein pikantes Erlebnis. Was die Menschen in den 20iger Jahren wohl "dazu" gesagt haben?" - Der Empfehlung kann ich unbeschränkt zustimmen. Zum letzten Satz ist mir eine weitere Leseempfehlung in den Sinn gekommen: Die Menschen (v.a. die Grossstädter, im besonderen die Berliner) waren sich zu jener Zeit so einiges gewohnt. Einen Blick hinter die Kulissen des Berlin zwischen den Kriegen gibt (neben "Berlin Alexanderplatz", versteht sich) Tucholskys Satirik-Kollege Erich Kästner. Der hat nämlich nicht nur Kinderbücher und Lyrik geschrieben sondern auch einen Roman namens "Fabian". Nur für starke Nerven!


    Grüsse


    Sandhofer

    Ich hätte auch 'öffentliche Toilette' als Vergleich hinsetzen können :-)


    Im Ernst: Bei gewissen Büchern in Leihbüchereien empfinde ich physischen Ekel davor, sie überhaupt zu berühren! Und irgendwie Mitleid mit den armen Büchern, die sich da von jedem begrapschen und bekritzeln lassen müssen :-(


    In Bezug auf Bücher bin ich halt ein unverbesserlicher Macho: Ich mag zwar viele haben, aber die ich habe, soll kein anderer haben. (Ich leihe also auch keine Bücher an andere oder von anderen).


    Gruss


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Bücherzimmer? Ist wohl auch eine Alterserscheinung - jedenfalls bei mir...
    Irgendwann MUSS man ja die Dinger separat ablegen, sonst stolpert man überall darüber. Ich nenn's allerdings Arbeitszimmer, weil da auch Schreibtisch und Computer sich rumtreiben. (Und ein Meerschweinchen. Dessen Literaturkritik ist allerdings nicht zitierfähig...)
    SUB? Eigentlich staple ich meine Bücher ja nicht. Ich stelle sie in eine Reihe. :-) Z.Zt. stehen im Regal neben meinem Bett (dort lese ich nämlich am liebsten und meistens): Schopenhauers Werke (4 Bände antiquarisch erworben), 2 Bände Richard Kraft (neu), 3 Bände Goethe in vertraulichen Briefen seiner Zeitgenossen (Jokers Neu-Antiquariat). Jede Reihe mit jeweils 1 Band angelesen...
    Mit Leihbüchereien habe ich ein anderes Problem: Es geht mir damit wie mit Bordellen. Ich kann mir ja theoretisch vorstellen, dass es einen packt und man(n) ein dringendes Bedürfnis dort befriedigen will/muss - persönlich ist mir die eigene Frau lieber. Allerdings verdamme ich keinen, der solche Lokale frequentiert. ;-)
    Grüsse
    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ich lese ja z.Zt. nicht mit, auch liegt Manzoni momentan so gar nicht in meinem Blickfeld, da ich mich seit Sartre über dessen "Das Sein und das Nichts" zu Schopenhauer und von dort in den Deutschen Idealismus, v.a. Goethe, zurückgewendet habe.


    Aber Deine Frage, JMaria, kann ich, glaube ich, doch beantworten. "Bravi" sind meines Wissens mehr oder weniger gut organisierte Banditen, eine Art Vorläufer der Mafia. Selber heimatlos, sind sie wie diese doch z.T. mit der ehrlichen Bevölkerung durch Verwandtschaft und Verschwägerung verbunden. Sie sind keine eigene Volksgruppe, aber 'man' hatte schon immer die Tendenz, Zigeuner und Fahrende ebenfalls zu den Banditen zu rechnen - und umgekehrt. Ich glaube nicht, dass diese gegenseitige Zurechnung in jedem Fall gerechtfertigt war.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    'Tucho' war Jude, Kommunist (NICHT in der KPD!) und Satiriker. Ich weiss nicht, ob etwas davon als "geistig krank" oder "dubios" gilt...


    Dass er vor den Nazis nach Schweden floh, dort aber auch keine Sicherheit fand, und schliesslich u.a. deswegen Selbstmord beging, finde ich durchaus verständlich.


    Ach, JMaria, Du hast Theobald Tiger und Ignaz Wrobel vergessen. *g*


    Gruss


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    vortex reed
    Man mag Hesses "Unterm Rad" anders empfinden, wenn man selber Probleme in der Schule gehabt hat - persönlich mag ich es von Hesses Werken nicht allzu sehr...
    Aber:
    Konsequent durchgezogen, würde das heissen:
    Wer nie als Käfer aufgewacht ist, dem dürfte man Kafkas "Verwandlung" nicht empfehlen; wer nie Selbstmord aus unglücklicher Liebe begangen hat, dem dürfte man Goethes "Werther" nicht empfehlen; wer nie, weil er von seinem Vater verstossen wurde, als Outlaw in den Wäldern sich herumtrieb, dem dürfte man Schillers "Räuber" nicht empfehlen. 8O


    Ich glaube, Literatur / Lesen gibt uns die Möglichkeit, Dinge zu erfahren, die wir im "richtigen" Leben nicht erfahren (müssen / dürfen...)


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ich lese ja nicht mit - irgendwie habe ich nicht soviel Zeit wie Ihr zum Lesen. (Bin mit Sartre immer noch nicht fertig - seufz!)


    Aber ich verfolge Eure Diskussion. Die Brüder Mann gehören ja zu meinen Lieblingsautoren. Nun ist mir in der Diskussion etwas aufgefallen. JMaria sagt:


    "nun Kritik zu seiner Dichtkunst:
    Riemer: Warum nur er? frage ich mich oft, wenn ich andere Dichter lese, den frommen Claudius, den lieben Hölty, den edlen Matthisson. .... Man kann nur froh sein, daß neben ihm sich andere frisch behaupten, sich nicht von seiner Größe erdrücken und lähmen lassen...


    daraufhin läßt sich Charlotte zu einer Kritik hinreißen, so daß Riemer einen Rückzieher macht:
    Offen gestanden weiß ich nicht, was ich gesagt habe, aber Ihren Worten entnehme ich, daß es mir zustieß, mich zu versprechen. Die Zunge spielt uns wohl einen Streich im Kleinen...


    Hier macht, meines Erachtens, T.M. einen Balanceakt. Er gibt dem Leser etwas zum Nachdenken indem er kritisiert, ohne Goethe herabzusetzen. Vielleicht wäre das auch sehr undiplomatisch für sein Werk gewesen?"


    Ich habe diese Stellen immer so verstanden, dass Th. Mann hier ein Bild des Charakters von Riemer zeichnet. Seine eigene Meinung zu Goethe oder seine eigene Diplomatie sind imo zur zweitrangig.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ich frage ja nur, weil eine Freundin von mir folgende Erfahrung gemacht hat:


    Sie ging nach England - Sprachschule - Diplom (1st certificate, wem's was sagt...). Nach bestandener Prüfung, als Belohnung und damit sie ihr Englisch nicht gleich wieder vergisst, den Robnison gekauft. Sie war schwer enttäuscht: da wurde seitenlang über Gott und die Welt gelabert, und die spannende Action, die sie aus ihrer Kindheit kannte, kam irgendwo weit hinten am Schluss. D.h., so weit kam sie dann gar nicht mehr...


    Die "Umfirmierung" ist also eigentlich eine Umbearbeitung - wer das Original liest, kann oft seine blauen Wunder erleben...


    Swift - der einzige, den ich vor relativ kurzer Zeit gelesen habe - einfach genial!!!


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo!


    Nimue, Du fragst: " Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob die Straße bzw. der Name der Straße, die sie nach ihrem Tod aufsuchen, eine Bedeutung haben mag?" - Nicht, dass ich wüsste. Und meine Wörterbucher geben auch keine Auskunft. Bin aber kein Sartre-Spezialist...


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Sind "Robinson", "Gulliver" und "Moby Dick" nicht eigentlich für Erwachsene geschrieben worden?


    Hat heute jemand noch Karl May auf der Liste seiner Kindheits- oder Jugendlese-Erinnerungen?


    Grüsse


    Sandhofer

    Hi!


    Bin immer noch nicht fertig, habe offenbar nicht so viel Zeit wie Ihr zum Lesen. Sniff. Werd's zwar diese Wochenende wohl noch schaffen, "Les jeux sont faits" fertig zu lesen. Soweit ich Eure Postings durchgelesen haben, gibt's aber für mich wohl eh nix Neues mehr zu sagen. Werd' mich dann auch aus dem «Gemeinsamen Lesen» wieder ausklinken. Auf mich wartet immer noch der Börne zum Fertiglesen. Nachher werde ich mit Sartre weiterfahren - Das Sein und das Nichts.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Neulich lief auf ARTE ein Film "Post coïtum animal triste". Den Film habe ich leider verpasst, aber es bleibt nun bei mir ein bohrende Frage übrig: Von wem stammt dieses Zitat??? Mein Büchmann schweigt sich darüber aus, und mehr als "Schon die alten Römer sagten..." ist über Google auf dem Internet auch nicht aufzutreiben. Ich tippe auf eine lateinische Übersetzung von Aristoteles, möchte aber auch die Kirchenväter nicht ausschliessen.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen


    OK, ich habe nun wenigstens bis S. 96 gelesen (und ein bisschen vorgeblättert...) und war eigentlich positiv überrascht. Ich habe seit Jahren keinen Sartre mehr gelesen, und hatte ihn - im Gegensatz zu Camus - viel pessismistischer in Erinnerung, als er sich hier gezeigt hat.


    Mir ist v.a. aufgefallen, dass der deutsche Titel eigentlich falsch ist. "Les jeux sont faits" heisst nicht "Das Spiel ist aus". Es ist, was der Croupier beim Roulette ruft, und dann hinzufügt: "Rien ne va plus!" Also: Die Einsätze sind gemacht, nichts kann/darf mehr geändert werden. Und das ist offenbar die Erfahrung, die Ève und Pierre machen: Wenn die Kugel rollt, und Du nur 24h Zeit hast, kannst Du Deinen (Lebens-)Einsatz nicht mehr ändern. "Das Spiel ist aus" würde heissen, dass man verloren hat. Im Moment, wo die Kugel rollt, weiss man das aber noch nicht. Die Gewinnchancen im Roulette sind allerdings klein...


    Woraus sich für mich die Konsequenz ergibt, dass man halt seinen Einsatz vorher gründlich überlegen soll. (Immer mit dem Vorbehalt im Hinterkopf, dass man halt letztlich nicht weiss, wohin die Kugel rollt...) Ich habe, wie sonst nie bei Sartre, oft an Camus' Sysiphus denken müssen.


    Hoffentlich komme ich heute anbend zum Fertiglesen...


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Tja, da habt Ihr mich abgehängt. (Is' aber auch unfair: aufm Weg zur Arbeit lesen! *g*)


    Im Ernst: Einerseits hat mich meine Buchhandlung eiskalt im Stich gelassen, was ich sonst nicht von ihr kenne, andererseits ist seit Donnerstag die ganze Familie krank, und als einzig Gesunder hatte ich anderes zu tun, als zu lesen. Ich werde den Sartre aber noch a.s.a.p. nachholen und meine Eindrücke posten.


    Vielleicht klappt's nächstes Mal besser...


    Grüsse


    Sandhofer

    Erfahrener, alter Westmann: 'Woher kommst du?' Greenhorn (als Old Shatterhand verkleidet, zeigt mit dem Daumen nach hinten): 'Von dort.' Erfahrener, alter Westmann: 'Und wohin gehst du?' Greenhorn (jetzt plötzlich als Snuffels verkleidet, zeigt nach vorn): 'Dorthin.'
    Soviel zur Geografie à la Karl May - auch ein Klassiker...

    Hallo!


    Ich bin mit dem wenigsten von dem einverstanden, was MRR sagt, aber wie er es sagt: wow!


    (Was ich noch an ihm schätze: seine Socken. Die sind 1. schwarz und 2. hören sie nicht gleich überm Knöchel auf, so dass ich ein Stück behaartes Männerbein betrachten müsste. Brrrr!)


    Hesse war bis vor kurzem Mode. Jetzt muss man ihn verdammen, wenn man "in" sein will. In ein paar Jahren wird sich dann wohl herauskristallisieren, was von ihm bleibt. Und das "Glasperlenspiel" wird ganz sicher dazu gehören: m.E. sein reifstes Werk.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!
    Hallo Grisel!


    Ich glaube nicht, dass Du was falsch verstanden hast. Hermann Hesse beschreibt - wohl bewusst - das Glasperlenspiel ziemlich vage. Ich meine: Wir habe es hier mit einem Meister des Spiels zu tun, und wo käme der Autor hin, wenn er dessen Künste so einfach ausplaudern und darstellen könnte? Die ganze magische Aura des Glasperlenspiels wäre futsch!


    Grüsse


    Sandhofer

    Hi!


    So, habe nun das 1. Buch der "Madame Bovary" gelesen. Wow! Was für ein Anfang! Da erscheint als erstes dieser Gymnasiast, Charles Bovary, wird in allen Details beschreiben, und du denkst noch: "Aha, clever, fängt nicht fort an, wo man es vermuten würde, beim kleinen Mädchen, das die zukünftige Madame Bovary abgeben wird! Aber bis die Jugend dieses Charles nun vorbei ist, wird das halbe Buch draufgehen!"


    Und Flaubert fährt fort, den Gymnasiasten detailliert zu beschreiben, macht einen Exkurs in dessen Kindheit etc. etc. Doch, schwupp!, keine 30 Seiten später (Flaubert beschreibt weiter in allen Details!) ist dieser Charles installierter Arzt und zum zweiten Mal verheiratet. Und nochmal 10 Seiten später - das Paar noch in den Flitterwochen - ist die junge Frau Bovary bereits von der Liebe und der Ehe ernüchtert und gelangweilt. In allen Details dargestellt, und so, dass du nie das Gefühl hast, Flaubert überspringt nun grosse und wichtige Zeiträume. Es ist wie dieser special effect im Film, wo du eine Figur in Zeitlupe erlebst, während ringsherum alles in in normalem Tempo oder gar in Zeitraffer vor sich geht. Ich kann nur nochmals sagen: Wow!!!


    Flaubert gehörte zu den Autoren, den man mir in der Schule gründlich vermiest hat. Jetzt aber freue ich mich auf den Rest des Buchs.