Balzac - Die Kunst, seine Schulden zu zahlen ...

  • Hallo zusammen!


    Neulich habe ich mir bei Jokers ein kleines Bändchen erstanden, von Honoré de Balzac: Die Kunst, seine Schulden zu zahlen und seine Gläubiger zu befriedigen, ohne auch nur einen Sou selbst aus der Tasche zu nehmen. Echt witzig und hat mich an so manchen kleinen und grossen Banken-Raubritter erinnert. Weiss jemand von den Balzac-Spezialisten mehr über diesen kurzen Text? Leider fehlt in meiner Ausgabe jedwedes Vor- oder Nachwort.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo Gitta!


    Danke für den Link. Er hat mir leider nicht weitergeholfen. Ich suche ein bisschen konkretere Informationen wie Jahr der Abfassung, Grund des gewählten Pseudonyms, ist es wirklich unter Pseudonym erschienen, oder stand auf dem Buchrücken der Name "Balzac"; falls pseudonym, wussten die Leser, um wen es sich handelte? Etc., etc., etc.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • Hallo zusammen,
    hallo Sandhofer,


    kannst du den Originaltitel nennen?


    Ich höre das Hörbuch, gesprochen von Klaus-Jürgen Mad. Sehr amüsant und schelmenhaft. Leider gibt das Booklet keine Auskunft über Originaltitel und Hintergrund.


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo JMaria!


    kannst du den Originaltitel nennen?


    Tut mir leid, nein.


    Ich höre das Hörbuch, gesprochen von Klaus-Jürgen Mad. Sehr amüsant und schelmenhaft. Leider gibt das Booklet keine Auskunft über Originaltitel und Hintergrund.


    Dann sind wir im gleichen Boot ... :sauer: :zwinker:


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo Sandhofer


    könnte es "L'Art de payer ses dettes" heißen?


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo zusammen,


    im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek sind ja auch meist die Originaltitel verzeichnet:


    Titel: Die Kunst, seine Schulden zu bezahlen / Honoré Balzac. [Mutmassl. Verf.: Emile Marco de Saint-Hilaire.] Übers.: Margrit Diethelm
    Verfasser: Balzac, Honoré de
    Saint-Hilaire, Emile Marco de
    Verleger: München : Heimeran
    Erscheinungsjahr: [1953]
    Umfang/Format: 16 Bl. ; quer-8
    Originaltitel: L' Art de payer ses dettes et de satisfaire ses créanciers sans débourser un sou <dt.>
    Anmerkungen: Ausz.
    Einband/Preis: kart. : -.99
    Sachgruppe: 08a Schöne Literatur


    Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, aber vielleicht findet man im Netz irgend etwas Genaueres dazu, wenn man nach dem Originaltitel oder nach "Emile Marco de Saint-Hilaire" sucht. :rollen:


    Schöne Grüße,
    Wolf

  • Hallo Wolf!


    Danke! Ich hatte, nachdem meine Anfrage hier im Sande verlief, ehrlich gesagt, nicht mehr weiter nachgeforscht. Nun werde ich es dann vielleicht doch noch mal tun.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo zusammen,


    Wolf, vielen Dank für deine Recherche.
    Die Idee zu dieser kleinen Geschichte muß Balzac, vielleicht unbewußt, in dem Zeitraum zwischen 1825 und 1827 gekommen sein. So ganz schlau werde ich auch seiner Biographie und Bibliographie nicht.


    In der Zeit (1825 - 1827) hat er sich als Verleger, als Drucker und als Besitzer einer Letterngießerei probiert und ging 3fach bankrott mit einem Schuldenberg von ca. 100.000 Franken. Es ist ihm wie Hans im Glück ergangen, der sein Gold gegen eine Kuh, seine Kuh gegen eine Ziege, die Ziege gegen eine Gans, die Ganz gegen einen Stein und diesen Stein noch in ein Wasser plumpsen sieht. (lt. Stefan Zweig Balzac)


    Ein Zitat aus der Biographie über Balzac von Stefan Zweig:
    Denn die Geschäfte gehen von Anfang an schlecht, und mit sonderbarem Gefühl muß Balzac die Korrekturen eines der WErke gelesen haben, das ihm zum Druck anvertraut wird: L'Art de payer ses dettes et de satisfaire ses creanciers... ou manuel du droit commercial à l'usage des gens ruinés. Diese Technik "seine Gläubiger zu befriedigen" weiß er von Anfang an nicht zu meistern. ... [Zitat_Ende]


    Im Anhang ordnet Stefan Zweig L' Art de payer ses dettes (eine Kurzform des Titels?) dem Jahr 1827 zu.


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()

  • Bonjour tout le monde,


    ich habe erst jetzt diese Anfrage entdeckt, als sie wieder aktiviert wurde.


    Balzac betrieb von Juli 1826 bis August 1828 eine eigene Druckerei mit 36 Druckereiarbeitern, alles in allem ein mittelständiges Unternehmen auch nach den Standards des 19. Jahrhunderts (eine große Druckerei wie Firmin-Didot beschäftigte 200 Arbeiter).


    Was druckte Balzac? So ungefähr alles, was man bei ihm in Auftrag gab, angefangen von Pillenprospekte für die Jahrmärkte bis hin zu Shakespeares Gesammelte Werke. Insgesamt 282 Druckerzeugnisse hat Balzac in den zwei Jahren bei der Staatsbibliothek hinterlegt. Am häufigsten waren das tagesaktuelle Broschüren, worin es um Prozesse genauso ging wie um Liedertexte der Chansonnier oder sonstige Zeitgeistprodukte. Unter diesem Aspekt publizierte er die Reihe "L'Art de…" Balzac war nicht der Autor, häufig waren die Namen Pseudonyme, manchmal gab es auch mehrer Pseudonyme für den gleichen Mann. Zur bekanntesten Broschüre von allen wurde eine gut illustrierte Anleitung wie eine Krawatte modisch zu binden ist, sehr wichtig für den französischen Dandy des 19. Jahrhunderts.


    Von "L'Art de payer ses dettes et de satisfaire ses créanciers sans débourser un sou" habe ich die Fotografie der Frontseite vorliegen. Der Text dort heißt:


    L'Art de payer ses dettes et de satisfaire ses créanciers, sans débourser un sou ; enseigné en dix leçons. Ou Manuel du Droit Commercial, à l'usage des gens ruinés, des solliciteurs, des surnuméraires, des employés réformés et de tous les consommateurs sans argent. Par feu mon oncle, Professeur Emérite, précédé d'une notice biographique sur l'auteur et orné de son portrait. Le tout publié par son neveu, auteur de l'Art de mettre sa cravate. - Plus on doit, plus on a du crédit. Pens(ée) inéd(ite) du Professeur.- A la librairie universelle, Rue Vivienne, N° 2 bis, au coin du Passage Colbert, 1827


    Besagter Neffe und Autor von "L'Art de mettre sa cravate de toutes les manières connues et usitées, enseigné et démontré en seize leçons, précédé de l'histoire complète de la cravate, depuis son origine jusqu'à ce jour, de considérations sur l'usage des cols, de la cravate noire et l'emploi des foulards" ist Emile Marco de Saint-Hilaire (1796-1887). Letztere Anleitung zum Krawattenbinden verfasste er unter dem Pseudonym ' le Bon Emile de l'Empesé'


    Marco de Saint-Hilaire war ein Viel-Schreiberling, der sich nach 1830 auf das französische Kaiserreich (Napoleon I.) spezialisierte und es gerne glorifizierte. Sonst ist nicht viel über ihn bekannt (jedenfalls mir nicht). Ich habe nur seine Spur kurz gegen Ende des 2. Kaiserreiches in Strassburg ausfindig machen können, wo er angeblich als 'Bibliothekar ohne Bücher' (gem. Edmond About in L'Alsace) seine Pension genießen durfte.


    Aber zurück zu Balzac, wie sein Abenteuer mit der Druckerei ausging, hat schon JMaria beschrieben. Und ja, der Text passt gut zu Balzacs Lebenswandel, aber er hat ihn nicht verfasst, er ist nur dessen Drucker gewesen. Eine Originalausgabe befindet sich gut sichtbar in dem kleinen netten Balzac Museum in Passy (Paris, 16. Bezirk).


    Bien à vous


    Babur