Henry James «The Turn of the Screw»

  • Hallo zusammen!


    Ich habe gestern Nachmittag dieses kleine Büchlein (nur 120 Seiten in meinem Pinguin) in einem Zug durchgelesen.


    Ein exemplarischer James (auch von der Sprache her; Hardy nannte James' Sprache "a ponderlously warm manner of saying nothing in infinite sentences".) An der Oberfläche eine spannende Gespenstergeschichte (gelingt es der Gouvernante, ihre zwei Schützlinge (8 und 10) vor den Geistern ihrer Vorgängerin und deren Geliebten, des Ex-Butlers, zu retten?). Wie jeder Klassiker aber auch noch viel mehr, so z.B. ein Lehrstück über die Ich-Erzählung; eine Schilderung der Konsequenzen, die eine viktorianische Erziehung hat ...


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo sandhofer,


    leider kenne ich von Henry James bisher nichts. "A portrait of a lady" liegt noch auf meinem SUB und ich hoffe, dass ich in nächster Zeit dazu komme. Aufgrund deiner Schilderung bin ich dann ganz schön auf die Spreche gespannt :rollen:


    Kennst du noch mehr von Henry James ?


    Gruß von Steffi, die heute 1 Woche in den Urlaub fährt

  • Hallo zusammen,


    über die Geistergeschichte bin ich auch schon gestolpert, aber konnte mich nicht aufraffen, sie zu lesen, auch wenn viel mehr darin steckt als nur 'Geister'. Es ist meist ein Thema bei dem mir die Haare zu Berge stehen :entsetzt:


    Von Henry James habe ich "Im Käfig" gelesen, geprägt vom inneren Monolog. Ein Fräulein sitzt in einem abgegrenzten (Post)-Käfig in einem Krämerladen, und leitet die Briefe und Telegramme der Menschen weiter. Besonders nimmt sie (Voyeuristisch) Anteil an einer bestimmten männlichen Person. Einen Satz habe ich mir damals herausgeschrieben:


    Doch es half ihr zum gegenwärtigen Zeitpunkt unermesslich viel, dass sie die beiden parallel verlaufenden Fäden ihrer Kontakte weiterverfolgen konnte, diejenigen innerhalb des Käfigs und die ausserhalb.


    eine kurze Geschichte, bei der ich bei weitem nicht alles verstanden habe, ich habe die Fäden oft verloren.


    Steffi , einen schönen Urlaub :urlaub: wünsch ich dir.
    LG Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo zusammen!


    Schöne Ferien, Steffi! Ausser dem «Portrait» habe ich nur vor Jahren einmal «The Europeans» gelesen. Allerdings fasziniert mich James zur Zeit so sehr, dass ich gleich mit «The Wings of the Dove» begonnen habe. James ist für mich so etwas wie der englische Fontane.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Zitat von "sandhofer"

    James ist für mich so etwas wie der englische Fontane.


    Grüsse


    Sandhofer


    Hallo Sandhofer,


    englischer Fontane? jetzt hast du es geschafft mich neugierig zu machen. Ich habe noch "Washington Square" ungelesen daliegen. Kennst du es bereits?


    Viele Grüße von
    Maria
    PS: 'Im Käfig' ähnelt m.E. nicht Fontane, aber es ist, so glaube ich, auch keine typische Henry James Erzählung.

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo zusammen!


    Zitat von "JMaria"

    Ich habe noch "Washington Square" ungelesen daliegen. Kennst du es bereits?


    Nein. Ich kenne bisher nur, was ich bereits oben beschrieben habe. Sehr wenig im Verhältnis zu James' Gesamtwerk.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • hallo Sandhofer,


    ich habe "The turn of the screw" im letzten Jahr gelesen... ich fand die Erzählung alles in allem schon sehr reizvoll, weil sie eben viel mehr ist als nur eine Gespenstergeschichte... Mir schien sogar, dass James sich hinter dieser Gespenstergeschichte nur geschickt verbirgt um dahinter in feinen Andeutungen auf die erwachende Sexualität der Kinder hinzuweisen und ihre Verdammung durch die Erziehungsinstitutionen thematisiert, was ja schließlich zur Katastrophe führen wird...


    Wer sich Spannung erwartet wird enttäuscht sein, die Liebhaber angedeuteter symbolischer Verweise kommen jedoch auf ihre Kosten...


    Sie Sprache war in der Tat ein wenig gespreizt, aber man gewöhnt sich daran... Interessant ist vor allem auch die Erzählperspektive, es dauernd eine Zeit bis man anfängt der Gouvernante nicht mehr alles zu glauben...


    LG,
    Lucien

  • Hallo zusammen,
    hallo sandhofer !


    sandhofer :
    Wie weit bist du mit den "Flügeln der Taube" ?


    Mit euren Berichten habt ihr mich jetzt auch ganz neugierig gemacht - bisher bildete ich mir immer ein, Henry James gehört auch zu den "Schweren".
    Ich hoffe, dass ich bald dazu komme, das Portrait zu lesen.


    Gruß von Steffi

  • Hallo zusammen!
    Hallo Steffi!


    Na ja ... ich bin bei The Wings of the Dove ehrlich gesagt immer noch gleich weit - am Schluss des ersten Kapitels.


    Es sind mir dringende berufliche Lektüren dazwischen geraten, die ich sogar, was ich sonst meide wie der Teufel das Weihwasser, vor dem Schlafen gehen noch lese.


    James ein schwerer? Hm. Ist wohl alles relativ. Relativ zu eigener Stimmung, bisheriger Leseerfahrung, Interesse ...


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Zitat


    Ein exemplarischer James (auch von der Sprache her; Hardy nannte James' Sprache "a ponderlously warm manner of saying nothing in infinite sentences".) An der Oberfläche eine spannende Gespenstergeschichte (gelingt es der Gouvernante, ihre zwei Schützlinge (8 und 10) vor den Geistern ihrer Vorgängerin und deren Geliebten, des Ex-Butlers, zu retten?). Wie jeder Klassiker aber auch noch viel mehr, so z.B. ein Lehrstück über die Ich-Erzählung; eine Schilderung der Konsequenzen, die eine viktorianische Erziehung hat ...


    Hallo zusammen,

    ein über 2 Jahre alter Thread. Nun lese ich zwischendurch "Das Geheimnis von Bly". Die Form der Ich-Erzählung ist sehr reizvoll. Der Verlauf der Geschichte verführt dazu, dass der Leser wissen möchte, wie es weiter geht. Kann man "Das Geheimnis von Bly" eigentlich einen Gothic nennen? Das Buch "Udolpho" wird von der Gouvernante erwähnt, das ja in diese Kategorie fällt.


    Das Ende lässt meines Erachtens einiges offen. Die Gouvernante wurde im Laufe der Geschichte immer suspekter.


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()