Goethe der Liebhaber von Anna Amalia?

  • Was für eine Verschwörung da im Gange war, habe ich zwar nicht verstanden, beduetet das, dass der Briefwechsel Goeteh -vom Stein gefaket war?


    [size=2]Gemeint ist wohl die eine Zeitlang kursierende ('scuse my French: absolut abstruse) Theorie, dass Goethes Briefe an die Stein in Wirklichkeit welche an Anna Amalia gewesen sein sollen. Also Goethe der Liebhaber der Herzogin-Mutter ... [/size]

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • [size=2]Gemeint ist wohl die eine Zeitlang kursierende ('scuse my French: absolut abstruse) Theorie, dass Goethes Briefe an die Stein in Wirklichkeit welche an Anna Amalia gewesen sein sollen. Also Goethe der Liebhaber der Herzogin-Mutter ... [/size]


    Ich habe mal die Suchfunktion genutzt und gesehen, dass es hier tatsächlich noch keine Diskussion dazu gegeben hat. Nun denn, lassen wir, da es um Karl August Böttiger geht, die Anna Amalia in Frieden. "Abstrus" - schade eigentlich ... :sauer:
    Soll alles tatsächlich daran scheitern, dass die Diener und Kammerkätzchen jede Bewegung auf den nächtlichen Straßen Weimars registrierten und deshalb nichts geheim bleiben konnte?


    :zwinker:

  • Ettore Ghibellino bekommt jetzt nach mehr als zehn Jahren Unterstützung.


    Der Literaturwissenschaftler Jörg Drews (1938-2009), der sich unter anderem mit Goethes Zeitgenossen Johann Gottfried Seume und Garlieb Merkel sowie eingehend mit Arno Schmidt befasst hatte, befand bereits in vielem die Ghibellino-These für plausibel (Anna Amalia, nicht Charlotte von Stein sei Goethes große Liebe gewesen), hielt dem italienischen Juristen jedoch vor, im Text bereits immer als sicher vorausgesetzt zu haben, dass die Weimarer Herzogin den Platz in Goethes Herzen eingenommen habe, und sich dadurch manches in der öffentlichen Wirkung verscherzt habe.


    Von seiten der Weimarer Klassik-Stiftung wurde Ghibellino ungewöhnlich schroff abgefertigt. Diese aus wissenschaftlichen Gründen nicht erklärbare Ungerechtigkeit der Weimarer Hüter des klassischen Erbes gegenüber einem enthusiastisch und herzlich schreibenden Autor ließ mich gefühlsmäßig auf die Seite Ghibellinos treten. Jemand, der Anna Amalia ernsthaft als große Liebe Goethes in Betracht zieht, "der liest Goethes Liebesgedichte anders, als wenn er sich ohne Vorsatz auf sie einläßt." (Wilhelm Solms, S. 7)
    Eine Bekannte sagte mir zwar einmal um 2005, sie habe einen Auftritt Ghibellinos in Weimar erlebt, der einen unangenehmen Eindruck bei ihr hinterließ. Doch sollten vor allem solche „Live“-Auftritte solch eine verheerende Wirkung bei seinen Kritikern hinterlassen haben?



    Wilhelm Solms: Das Geheimnis in Goethes Liebesgedichten. Verlag LiteraturWissenschaft.de. Marburg 2014. 176 S. ISBN 978-3-936134-44-5


    Nun tritt also der Literaturwissenschaftler Wilhelm Solms (geb. 1937) auf den Plan, der wie sein Bruder, der FDP-Politiker Hermann Otto Solms, die Titulatur seines Standes abgelegt und bereits 1972 zu Goethes „West-Östlichem Divan“ eine Promotionsschrift vorgelegt hatte.


    Die Frage, welche Frauen Goethe zu seinen schönsten Liebesgedichten inspiriert hätten, sollte in der Diskussion bleiben dürfen. Solms klärt zunächst, dass Annette in der Leipziger Studenten- Zeit nicht bloß leichtfertig gewesen („Buch Annette“), Friederike Brion in Sesenheim den Dichter wirklich geliebt hätte und von ihm verlassen worden sei, die sechzehnjährige „Lili“ Schönemann hätte Goethe tatsächlich eine ideale Partnerin werden können, wie dieser auch selbst erkannte. "Lili wäre eine ihm gewachsene Lebenspartnerin gewesen" (Solms, S. 32), doch Lili hieß Heirat und Heirat hieß Frankfurt.
    „Faustina“ in Rom („Römische Elegien“, „Venezianische Epigramme“, Roberto Zapperi, 1999) und Christiane Vulpius in Weimar sorgten für Goethes sinnlichen Genuss, (die Ehrenrettung Christianes durch Sigrid Damm 2006 wird als berechtigt anerkannt), ohne ihm in geistiger Hinsicht ebenbürtige Partnerinnen gewesen zu sein.


    Solms verhält sich nicht unkritisch zu allen Thesen Ghibellinos: so erkennt er an, - und man müsste annehmen, dass er als Verfasser einer Promotionsschrift zu diesem Zyklus eine begründete Meinung dazu vertreten kann - dass Marianne von Willemer eigene Gedichte zum "West-Östlichen Divan" beigesteuert habe und diese nicht, wie Ghibellino annahm, ebenfalls von Goethe stammten, Marianne nur ein falsches Spiel betrieb, wie etwa später Bettina von Arnim.


    Fortsetzung zum Kern der Auseinandersetzung folgt