Vor einigen Tagen fiel mir in einer Buchhandlung die kleine Biographie des Renaissance-Künstlers Hans Holbein der Jüngere von Norbert Wolf in die Hände und schließlich an der Kasse in die Tasche. Holbein der Jüngere, auch genannt "Der deutsche Raffael" war mir noch aus dem Kunstunterricht in der Schule geläufig, aber seitdem beschäftigte ich mich nicht mehr mit ihm (und auch vielen Renaissance-Künstlern). Erst die Beschäftigung mit dem Expressionismus besonders mit den Künstlern der KG Brücke hat mein Blick wieder auf diese alten Meister gerichtet. Beim ersten Durchblättern der kleinen Biographie, die doch sehr gute Abbildungen aufweist, war ich erstaunt, über die Frischheit der Porträts, die recht modern wirken, trotzt der historischen Kostüme und die Farbbrillanz, die bei Holbein doch auch schon im Ansatz eine Farbbescheidung und flächigen Farbauftrag aufweist, was ja eines der Ziele der Brückemaler war. Die alten Meister nicht zu beachten ist sicher falsch, denn von ihnen kann man viel lernen. Das wussten selbst die Künstler der Moderne, die Expressionisten. Sie verleugnete ihre großen Vorbilder mehr, als wir denken, deshalb sind die bekannten Bekenntnisse zu einzelnen alten Meistern um so höher zu werten und einzuschätzen…
Auch erinnern mich einige Bilder in ihrer Farbigkeit etwas an böcklinsche Bilder, aber das muss ich erst noch untersuchen. Zum Beispiel hatte ich diesen Eindruck beim Porträt der Dorothea Kannengiesser. Die Farben haben mich sofort inspiriert und am Liebsten würde ich es gleich an einem Ölbild ausprobieren…
Kunst, so wieder einmal mein Eindruck, ist fließend, geht ineinander über, zehrt vom bereits Geschaffenen und schafft von da heraus fort, Nektar saugend (wie Hermann Hesse es nennt) zu neuen Aussagen, Formen, Farben, Tönen, Wortgruppen usw. Dort, wo nicht kopiert wird, sondern aus Bestehendem neu geschaffen wird, ist dies sogar als Kunst und zulässig anzusehen. Kunst ist im Wesen international und wird es immer bleiben, was auch eine wichtige Botschaft und ein wichtiger Auftrag ist…
Goethe lobte Holbeins Natürlichkeit der Farben in seiner Farbenlehre, die Weichheit der Farbtöne bei gleichzeitiger Getriebenheit und Sicherheit, was selten zu harten Ausdruck führte. Das ist vorerst auch mein Eindruck…
Doch jetzt muss ich mich erst einmal in Wolfs Biographie über Holbein vertiefen und mir die Bilder eingehend betrachten, bevor ich mit meinen Mutmassungen weiter ins Kraut schieße…
Grüße, FA