Mit seinem Werk Daß Narrenschiff ad Narragoniam schuf der Strassburger Jurist und Humanist Sebastian Brant (1457–1521) im Jahre 1494 ein Werk, das sich zum Bestseller des frühen 16. Jahrhunderts mauserte. In über 100 kurzen Kapiteln stellt er in Versform die verschiedensten Narreteien der Menschen vor. Die klassischen Sünden und Erbsünden spielen eine wichtige Rolle und werden als Narrentum denunziert. (Indem der Narr nicht ein harmloser Spinner ist, sondern in seiner Narrheit sich selber und andern grossen Schaden zufügen kann - vor allem im Hinblick auf das jenseitige Leben.)
Ähnlich wie Dante steht Brant auf einer Zeitenwende. Noch sind es in vielem die christlichen Sünden, die als Torheiten denunziert werden, doch der geistige Führer ist nicht so sehr der Geistliche, nicht so sehr die Bibel, nicht so sehr Jesus oder Gott, sondern - Vergil.
Das Original versieht jede Narretei mit einem Holzschnitt, deren Mehrzahl von Albrecht Dürer stammen soll - eine Art Gesamtkunstwerk also.
Ich habe mich jedenfalls - beim Betrachten der Holzschnitte ebenso wie beim Lesen der Texte - sehr amüsiert.