Früher war mehr Lametta

  • Moin, Moin!


    "Früher war mehr Lametta." Und die Sammel- bzw. Teilwerkausgaben waren vollständiger. Von Arthur Schnitzler kriegt man zigdutzende Einzelausgaben. Hier ne Erzählung, da ne Novelle. Für uns Leser, die wir Schnitzler lieben und also möglichst viel auf einmal haben wollen, sieht es unübersichtlich aus. Nicht nur daß man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht - offenbar wurden die mächtigen Bäume gefällt; das Gestrüpp und Unterholz blieb übrig. Die schöne 12-bändige Taschenbuchausgabe mit dem erzählerischen Werk ist größtenteils vergriffen. Das heißt, die Backlist der Verlage versagt. Und früher, ja früher, da gab es Anfang der Sechziger eine wunderbare Schnitzler-Ausgabe, die später sogar nachaufgelegt worden war: jeweils 2 Bände der Gesammelte Werke: zum einen <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3100735021/">Die Erzählenden Schriften</a>; zum anderen <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3100735110/">Die Dramatischen Werke</a>. Das war die beste Ausgabe, die es jemals gab. Über 40 Jahre her! Aktuell gibt es eine dreibändige Dünndruckausgabe bei Winkler mit den <a href="http://www.patmos.de/title/23/353805426/mode/quick/singleBook.htm">Romanen</a>, den <a href="http://www.patmos.de/title/23/353805423/mode/quick/singleBook.htm">Dramen</a> und den <a href="http://www.patmos.de/title/23/353805422/mode/quick/singleBook.htm">Erzählungen</a>.


    Noch jemand eine Jeremiade über andere Autoren bzw. fehlende oder unzulängliche Editionen?

  • Zitat von "Dostoevskij"


    Noch jemand eine Jeremiade über andere Autoren bzw. fehlende oder unzulängliche Editionen?


    Da wüßte ich gar nicht wo anfangen.
    Vieleicht bei meinem Namensgeber. Die 20 Bände der Rougon-Macquart wurden in der DDR ab den 60-er Jahren herausgegeben. Das Papier ist mittlerweile DDR-typisch fast völlig vergilbt. In Westdeutschland erschienen die Bücher in den 70-er Jahren als Lizenz bei Winkler und Bertelsmann, gedruckt von Mohndruck Gütersloh. Die Bindung ist dementsprechend schlecht, nach über 30 Jahren ist es auch schwer von dieser Ausgabe noch gut erhaltene Exemplare antiquarisch zu finden. Neuauflagen sind laut den beteiligten Verlagen nicht mehr geplant.


    Kürzlich diskutierte ich mit Finsbury über Karl Leberecht Immermann. Bis auf einen vielversprechenden Buchanfang habe ich noch nichts von ihm gelesen, aber es ist doch traurig, dass von so einem zumindest von "Eingeweihten" gepriesenem Autor in der Sprache in der er schrieb gar nichts mehr im Buchhandel erhältlich ist.


    Viele Grüße,
    Zola

  • Moin, Moin!


    Zitat von "Zola"

    Kürzlich diskutierte ich mit Finsbury über Karl Leberecht Immermann. (...) ist doch traurig, dass von so einem zumindest von "Eingeweihten" gepriesenem Autor in der Sprache in der er schrieb gar nichts mehr im Buchhandel erhältlich ist.


    Zugegeben, üppig ists nicht, aber das <a href="http://www.buchhandel.de/vlb/vlb.cgi">VLB</a> spuckt doch immerhin einige Titel aus, die also erhältlich sein sollten. Die sauteure Briefausgabe hab ich gleich weggelassen.


    Keine Weisheit ohne Narrheit. Ein Lesebuch // Der Karneval und die Somnambule // Merlin // Münchhausen. Eine Geschichte in Arabesken // Tulifäntchen. Ein Heldengedicht in drei Gesängen

  • Moin, Moin!


    Zitat von "Zola"

    leider ist VLB oft auf einem völlig veralteten Stand. Gib mal testweise eine der ISBNs in http://www.bookbutler.de ein und da stellt sich schnell raus, dass die meisten der Bücher nirgends mehr lieferbar sind.


    Sicher, daß BookButler auch alle lieferbaren Bücher umfaßt? Ich gebe zu, eben weil ich seit Jahren ausschließlich gebrauchte Bücher kaufe, lange nicht mehr mit dem VLB gearbeitet zu haben. Damals merke ich etwas Entscheidendes: die meisten Datenbanken beinhalten den Bestand der <a href="http://www.wikiservice.at/buecher/wiki.cgi?Zwischenbuchhandel">Barsortimenter</a>. Es gibt aber dann noch die Bücher, die nur vom Verlag lieferbar sind, insbesondere solche von Klein- und Kleinstverlagen. Und die stehen nur im VLB. Das Dumme an der Sache: manche Buchhändler behaupten, weil sie den Aufwand scheuen, oft nur den Aufwand, auf die Software des VLB umzuschalten, daß ein Buch nicht mehr lieferbar sei. Sobald ich also ein Buch im VLB vorfand, insistierte ich beim Buchhändler, dessen PFLICHT es ist, ein im VLB angezeigtes Buch zu bestellen. Dafür muß er Kontakt mit dem Verlag aufnehmen, das kann mitunter Wochen dauern. Selbstverständlich weist das Online-VLB nicht selten Karteileichen auf. Aber wenn man den von mir dargestellten Unterschieden zwischen beim Barstortimenter und beim Verlag vorrätigen Büchern kennt und sich im Laden nicht abwimmeln läßt, kommt man letztlich an mehr Bücher, als man erst annahm. Heutzutage ist es oft ratsam, selbst gleich Kontakt zum Verlag aufnehmen, die ihre Backlist am besten kennen.

  • Hallo Dostoevski,


    Danke für die Info. das ist für mich so nachvollziehbar.
    Ich wollte früher in der Buchhandlung öfters Bücher bestellen, die beim VLB als lieferbar angegeben waren, dort hieß es allerdings sie wären bereits vergriffen, auf dasselbe Ergebnis kam ich durch Online-Recherchen (Bookbutler ist ja nur eine Meta-Suchmaschine und fragt viele Online-Buchhändler ab).
    Mir ist auch aufgefallen, dass auf Verlagsseiten Bücher als lieferbar angegeben waren, die sonst als vergriffen galten.
    In Zukunft werde ich mich in solch einem Fall also direkt an den Verlag wenden. Danke für den Tipp.


    Viele Grüße,
    Zola