Beiträge von sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ich bin da gerade auf eine Aussage von García Márquez gestossen. Er hält den 'König Ödipus' von Sophokles für den besten Krimi, den er je gelesen hat. Er dürfte damit auch einer der ältesten sein. Und zugleich ein Klassiker der Literatur. :breitgrins: :breitgrins:


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo Steffi!


    Na ja, die Liebe bei Dante - jedenfalls in der 'Divina Commedia' absolut keine sinnliche Angelegenheit. Wie willst Du einen Engel sinnlich lieben??


    Shakespeare - für mich: ein Fest der Sinne. Und, wie z.B. Curry, nur in homöopathischen Dosen zu geniessen. Etwa 1 Drama pro Jahr...


    Grüsse


    Sandhofer


    der Ironie nur versteht, wenn's mindestens 3x daneben geschrieben steht...

    Hallo zusammen!


    Nicht, dass ich mitlesen möchte - mein Lesetempo und meine momentanen Interessen lassen das nicht zu (hat jemand von Euch zufällig eine deutsche / englische / französische Übersetzung von Jean Bodin: 'Colloquium Heptaplomeres'?) - aber Steffis Bemerkung, sie suche etwas Sinnlicheres, um dann Dantes 'Divina Commedia' zu nennen, hat mich doch aus den Socken gehauen.


    Ich habe bisher 2 Anläufe genommen, das Ding zu lesen. Einen, völlig unbedarft, mit 17. Schon im Purgatorio habe ich mich unsäglich gelangweilt und etwa im 2. oder 3. Gesang des Paradiso bin ich 'rausgeflogen. Ein zweiter Anlauf - italienischer Originaltext mit Italienischlehrerin, theologisch-philosophischem Kommentarband: dasselbe Resultat. Dante empfinde ich persönlich als ungeheuer kopflastig, ausser ein paar drastischen Szenen im Inferno nun gar nicht sinnlich.


    Aber, falls Ihr es mal lest, bin ich gespannt auf Eure Erfahrungen...


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen
    Hallo Hubert!


    Ich hätte mich genauer ausdrücken sollen: May ist ein Gründervater der modernen Fantasy - und selbst dann würde ich nur ein einziges Werk dazu rechnen: "Ardistan und Dschinnistan".


    Zu Deinen Beispielen: Homer und Gilgamesch würde ich als 'Mythen' bezeichnen. Mythen hängen - im Gegensatz zu Fantasy - mit der jeweils zeitgenössischen und ortsüblichen Religion zusammen.


    Rabelais und Swift sind m.M. primär Satiriker und benutzen Übertreibung und Verfremdung, um ihre Botschaft zu transportieren.


    Fantasy hat für mich ein Element des Zaubers, des Überirdischen (oder Übermenschlichen) - aber eben ohne der jeweils zeitgenössischen und ortsüblichen Religion zu folgen. Es könnten aber Versatzstücke z.B. des keltischen Glaubens heute in der Fantasy benutzt - was ja auch geschieht.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!
    Hallo Hubert!


    "Zwar ist „Il Decameron“ um 1350 entstanden (also 230 Jahre vor Erscheinen der „Essais“), aber wenn der italienische Erstdruck 1470 erfolgte, so dauerte es sicher noch Jahrzehnte bis das Buch ins französische übersetzt und in Frankreich gedruckt und verbreitet war. Es könnte schon sein, dass es für Montaigne eine moderne Neuerscheinung gewesen ist. " - Das 'Decamerone' ist m.W. schon vor seinem Erstdruck in andere Sprachen übersetzt worden; ich weiss zwar nun nicht in welche, aber Französisch wird wahrscheinlich dabei gewesen sein. Sei dem, wie dem ist: In meiner Übersetzung (Bode) spricht Montaigne einfach von "neuern Bücher", die "angenehm zu lesen" sind. Er meint mit 'neuer' wohl einfach die neue Mode, nicht-lateinisch zu schreiben und nur zur Unterhaltung, nicht zur Belehrung. Ich nehme schon an, dass Montaigne zumindest das ungefähre Datum der Erschaffung des 'Decamerone' kannte.


    Im übrigen: 20. Jahrhundert, das bleibt: Lolita?


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ja, eine wirklich interessante Frage...


    Interessant nur schon deswegen, weil man sieht, wie sehr sich in unserer schnelllebigen Zeit (ein Gemeinplatz, ich weiss!) die Relationen verschieben können:


    Wenn Montaigne noch das rund 200 Jahre alte 'Decamerone' als zeitgenössisch empfunden hat, so geht Hubert bereits auf 100 Jahre zurück und wenn nimue 50 Jahre drin hat, würde es mich wundern. (Ich kenne die von Dir genannten Bücher nicht, sorry!)


    Wenn nimue sogar glaubt, dass kurzlebige Bestseller Ewigkeitswert haben... Das wäre irgendwie die heutige Sucht nach immer dem Neuesten quasi ad absurdum geführt... Na ja, entweder Dein Beitrag war höchst ironisch gemeint, oder Du bist eine (fast) grenzenlose Zynikerin...


    Zur Ausgangsfrage:


    Romane mit grossen, die Zeit überdauernden Gefühlen wie Liebe und Hass, Gut und Böse. García Márquez? Jorge Amado? Felix Krull? Harry Potter?


    Grübelnd...


    Sandhofer

    Hallo zusammen!
    Hallo Hubert!


    Du hast geschreiben:
    "Klassiker des Krimis: okay; Klassiker der Literatur: meiner persönlichen Meinung nach: Nein -- ?" - Hmmm. «Das Fräulein von Scudéry» von E.T.A. Hoffmann? E.A. Poe? Zumindestens diese beiden würde ich effektiv sowohl unter 'Klassiker' wie unter 'Krimi' einreihen. Bei Highsmith, Simenon und Doyle ziehe ich die Bezeichnung 'Klassiker' zumindest ernsthaft in Erwägung. Christie, Sayers dagegen sind m.E. 'nur' 'Klassiker der Kriminalliteratur'. Aber hier hängt wohl viel vom persönlichen Geschmack ab.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ein interessantes Thema...


    Mir scheint, wir haben einen Unterschied zu machen, zwischen den inzwischen 'klassisch' gewordenen Autoren, die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg einsetzten und den heute schreibenden Autoren. Die Themen und Probleme sind doch ziemlich unterschiedlich.


    Zu den Nachkriegsklassikern würde ich mindestens noch Dürrenmatt, Celan, Bachmann zählen.


    Etwas neuer wären Kroetz und Handke.


    Von den ganz neuen kenne ich wenig; zur Zeit lese ich Menschning, weiss aber noch nicht, ob das Buch gut ist oder nicht.


    ikarus
    "Allerdings finde ich es seltsam, daß mir so auf Anhieb fast keine deutschen Autoren eingefallen sind, dafür aber gleich eine ganze Reihe amerikanischer. Woran das wohl liegt?" - Vielleicht an DEINEN Lesegewohnheiten??? *ggg* Um ehrlich zu sein: Ich kenne die wenigsten 'Deiner' Amerikaner auch nur dem Namen nach - gelesen habe ich keinen von ihnen. Nach DosPassos, Hemingway und Faulkner kam für mich in Amerika nicht mehr viel, höchstens noch die Beat-Generation.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ikarus, Du bist tatsächlich der erste, den ich kennenlerne, der May erst als Erwachsener gelesen hat UND ihn sogar gut findet. Es hat in May wohl jeder so seine Lieblinge, "Winnetou" (v.a. 2 + 3) gehören nun nicht gerade zu den meinen...


    Steffi, wir werden Dich nicht steinigen - eine Giftspirtze oder der elektrische Stuhl sind viel moderner... *g* - Im Ernst: Ich bin der erste, der zugibt, dass May immens viel Quatsch geschrieben hat.


    nimue, ich weiss nicht, welche "Sammlergründe" Du jetzt meinst. Richtig betrachtet gehörte May eigentlich zu den Gründervätern der Fantasy, nur wird er meistens nicht so rezipiert.


    Ich bin völlig mit Dir einverstanden, Hubert, dass die tragischen Gestalten die gute Literatur schaffen.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo!


    Es ist eine Weile her, dass ich "Madame Bovary" gelesen habe. Aber meine Erinnerungen sind doch recht ähnlich:


    Da war zuerst der Beginn des Romans, wo Flaubert die Erwartung des Lesers düpiert, indem er nicht die zukünftige Madame Bovary als junges Mädchen vorstellt, sondern Charles Bovary als Schüler. Auch ist dort, wenn ich mich recht erinnere, ein Ich-Erzähler vorhanden, der sich später spurlos auflöst.


    Auch die Strukturierung der Erzählzeit hat mich beeindruckt. Da werden in zwei oder drei Sätzen / Abschnitten Jahre zurückgelegt, um dann plötzlich wie in einer Zeitlupe einen einzelnen Abend oder eine einzelne Stunde ausführlich über Seiten hinweg zu schildern.


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo Schokoflocke!


    Hmm - es scheint niemand Dein Problem zu teilen...


    Persönlich habe ich es ja auch nicht, weil ich meine Bücher nicht (mehr) bibliografisch erfasse.


    Aber: Hast Du schon mal an eine elektronische Form der Erfassung gedacht? Access, html...


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!
    Hallo Hubert!


    "Warnen würde ich vor Arno Schmidt als Einführung. Zwar bezeichne ich mich als eingefleischter Arno-Schmidt-Leser (Fan wäre zuviel gesagt), aber was Schmidt in „Sitara oder der Weg dorthin“ über May schreibt, gehört mit zum größten Unsinn, den ich jemals gelesen habe (sorry, Sandhofer). " - Ob Sinn oder Unsinn, das bleibt sich gleich - aber als Einführung warne ich ebenfalls vor "Sitara". Hingegen sind Schmidts erste Funk- und Zeitungsessays über May durchaus geeignet. Die späteren, + "Sitara", nachdem er von Elbogen auf die Homosexuellen-Fährte gelockt wurde, sind höchstens für Fans von Schmidt UND May verdaulich.


    "Übrigens hat Karl May, wenn auch erst später, sowohl den Orient als auch den „Wilden Westen“ bereist. " - Als Tourist, mit dem Baedeker in der Hand... Im Ernst: May als Privatmann ist eine höchst tragische Gestalt.


    "@ Maria:
    Da ich Karl May auch nur als Kind gelesen habe, wäre ich Dir (zusammen mit Sandhofer?) dankbar, wenn Du dich für die (zumindest Forum interne) Karl May Forschung zur Verfügung stellen würdest." - Ou ja, bittte!


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Ich würde jetzt schon einen Unterschied machen zwischen Werken wie "Unterm Birnbaum" oder der "Judenbuche" und 'echten' Krimis. In letzteren steht imho das klassische 'who-dunn-it' im Vordergrund, erstere brauchen einen Kriminalplot als Transportvehikel zuätzlicher Messages. Spätestens bei Dostojewskij könnte ich mich nicht mehr mit der Bezeichnung 'Kriminalroman' einverstanden erklären. (Abgesehen davon wären die "Brüder Karamasov" ein besseres Beispiel...)


    Grüsse


    Sandhofer


    PS: aus ungefähr derselben Zeit und imho bedeutend besser als "Birmbaum" und "Judenbuche" (sowohl als Krimi wie als Klassiker!): "Stopfkuchen" von Wilhelm Raabe!

    Hallo zusammen!


    Ich gestehe, dass Karl May wohl mein erstes Lese-Erlebnis war und ich auch heute (wieder) von ihm fasziniert bin. "Ist es die Nostalgie, weil man diese Romane ja meist in der Kindheit/Jugend gelesen hat?" - Zu Beginn der Wiederbeschäftigung: ja. Dann habe ich gemerkt, dass May ausser 'Old Shatterhand' und 'Kara ben Nemsi' noch anderes geschrieben hat: Riesen-Abenteuer-Wälzer von über 3000 Seiten z.B., die sich über Kontinente und Generationen hinziehen. Am ehesten zu vergleichen mit Dumas Père, der ja soeben in Frankreich zum Klassiker erklärt wurde. In Mays sog. 'Spätwerk' wiederum finden wir z.B. Schilderungen von Träumen, derer sich selbst Kafka nicht schämen müsste. Und in vielen Fällen ist die Art, wie May seine Leser gleich mit den ersten Worten in die Handlung seiner Geschichten zieht, schlichtweg genial.


    "Hat jemand von euch erst im Erwachsenenalter Karl May entdeckt und kann seine Leseerfahrungen schildern?" - Persönlich kenne ich niemanden. Du wärest, wenn wir Dich überzeugen könnten, JMaria, ein ideales Versuchskaninchen für die Karl-May-Forschung. :zwinker:


    "Was würdet ihr mir empfehlen?" - NICHT seine 'klassischen' Erzählungen. Auch nicht sein sog. 'Spätwerk'. Eher ein Kurz-Wälzer (doch, das gibt's bei Karl May!): "Szepter und Hammer". Ganz ohne Winnetou & Co. Als Einführung allenfalls einige der kurzen Essays von Arno Schmidt zu Karl May. NICHT "Sitara" - ausser Du bist schon eingefleischter Fan von Arno Schmidt.


    "Wie findet ihr die Filme im Vergleich zu den Büchern?" - Ich bin generell kein Fan von Literaturverfilmungen. (Auch der "Fabian" hat mich - btw - zeimlich enttäuscht...). Von den berühmten Karl-May-Verfilmungen kenne ich ehrlich gesagt nur kurze Ausschnitte vom Durchzappen im TV. Ich hatte nie das Gefühl, ich müsste länger verweilen...


    Grüsse


    Sandhofer


    PS. Fast hätte ich es vergessen: Der Karl-May-Verlag bietet Mays Romane leider in Versionen an, die nach Mays Tod von dritter Hand bearbeitet worden sind. Die berühmten 'grünen Bände' sind meist nicht mehr reiner Karl May. Wer May nur von diesen her kennt und be- oder verurteilt, be- oder verurteilt u.U. seinen Bearbeiter...

    Hallo zusammen!


    Gerade habe ich gesehen, dass ich den Autor vom "Mann ohne Eigenschaften" unterschlagen habe, aber es war wohl eh allen klar, dass der Musil heisst.


    Nele, Deine Romananfänge heissen genau:


    »Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.« (Die Verwandlung)


    »Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.« (Der Prozeß)


    Quelle der Zitate: http://www.gutenberg2000.de (Wo nach wie vor sehr viele copyright-freie Texte zu finden sind)


    Ach ja, macht doch mal den Test und fragt Eure FreundInnen und Bekannten, in was denn nun Samsa verwandelt würde! Praktisch jeder antwortet mit "Käfer". Die Beschreibung, die Kafka gibt, klingt auch sehr danach. Aber er verwendet das Wort "Käfer" nie... Interessant, wie sich das menschliche Gedächtnis täuschen lässt...


    Karl May zu lesen, lohnt sich auf jeden Fall. Aber nur in offizinellen Dosen...


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo nimue!


    Weisst Du, was das Witzigste ist? - Wenn ich nicht eingeloggt bin, zeigt die Site z.B. 7:40 als Posting-Zeit eines Beitrags an. Bin ich eingeloggt, ist der Beitrag plötzlich eine Stunde plötzlich eine Stunde später gepostet worden, also 8:40. (Und 'in Wirklichkeit' war die Posting-Zeit 9:40.)


    So einfach sind Zeitreisen :breitgrins:


    Grüsse


    Sandhofer

    Hallo zusammen!


    Sorry, ich habe vergessen, die Quellen anzugeben...


    Also: das zweite ist zweifelsfrei Karl May (Durch die Wüste). Gerade in puncto Romananfängen hat May ein paar ganz geniale Dinge geliefert. (Wie er überhaupt - imho - als Autor besser ist als sein Ruf.)


    Das erste ist der Anfang vom "Mann ohne Eigenschaften". Vielleicht der einzige Roman, den die deutschsprachige Literatur Joyce' "Ulysses" entgegenzusetzen hat.


    Grüsse


    Sandhofer