Beiträge von janek

    Hallo Tom,


    soweit ich weiß, gibt es gerade von "Light in August" eine neue Übersetzung. Die hab' ich zwar nicht, kann mich aber an eine Besprechung von Raddatz erinnern, in der er sich unter anderem darüber aufregt, dass wieder nicht berücksichtigt wurde, dass light auch ein Ausdruck für schwanger ist.
    Ihn ihm Original zu lesen, ist natürlich ein großes Unterfangen. Ist seine Sprache sowieso prächtig, kommen noch die Südstaaten- und Negro- Slang-Passagen dazu.
    http://www.usask.ca/english/faulkner/main/index.html
    8. April 1928 ist ganz typisch


    Hier ein anderes Beispiel dazu, wie schwer Übersetzen sein kann.
    Wie überträgt man Herrn Permaneder am besten ins Italienische ;-)
    http://www.axnet.it/forum/la-f…162699200b603b60a3df7&

    Moin.
    Also ich kann als Einstieg z.B. "Sartoris" empfehlen. Das ist ein frühes Werk, indem der Bewusstseinsstrom noch nicht fließt. Trotzdem zeigt sich Faulkner hier schon ganz - wie Sartre mal schrieb. Vorgeführt wird hier die ehemalige Südstaatenaristokratie in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg - das Setting ist geradezu klassisch. Faszinierend immer wieder, dass es ihm gelingt, die verschiedensten Milieus zu beschreiben, ob nun - wie hier - Pflanzeroberschicht oder White trash oder Stadtmenschen oder Schwarze. Ob es in Sartoris nun eine Identifaktionsmöglichkeit gibt, vermag ich gar nicht zu sagen - der junge Bayard bestimmt nicht, es sei denn, man ist selbst ein verzweifelter, traumatisierter, junger Mann, der zu Brutalität neigt. Vielleicht ja Horace Benbow - der wird aber so geschildert, dass man ihn nicht unbedingt gern hat.
    Außerdem natürlich die Kurzgeschichten: neulich fand ich in einer Wochenzeitung zufällig "Eine Rose für Miss Emily" abgedruckt, las es dann gleich noch mal und war sofort angefixt, mich ihm wieder ganz zuzuwenden. Die Geschichte ist natürlich krass! Aber, wer's mag ;-) In der Richtung noch weiter findet man "Rotes Laub" - das ist kein typischer Faulkner, aber einfach unglaublich. Typischer Faulkner wären dann eher der schon erwähnte "Wash" oder "Dürrer September".
    Bei den großen, bekannten Werken würde ich raten, bei "Schall und Wahn" (dem Klassiker zum stream-of-consciousness) mit dem zweiten Kapitel, also 02. Juni 1910 zu beginnen - das ist am verständlichsten und da gibt es auch eine Identifikationsmöglichkeit: Quentin ist einer der sympathischsten seines Figurenkreises.
    Also, ich bin Fan und hingerissen - es gibt keinen zweiten neben Faulkner.
    @Konni: Ganz großartig finde ich ja auch "Griff in den Staub" - hier zeigt er, wie zwei Kinder und eine alte Jungfrau die einzigen sind, die in dieser entsetzlichen Südstaaten-Kleinstadt-Lynchatmosphäre zu den notwendigen Handlungen fähig sind - aus der Perspektive des Kindes (!) - so ist das dann sogar spannend, da des Gesamte so einen Tom-Sawyer-Touch bekommt...


    Freundlich grüßend
    Jan