Henry James «The Wings of the Dove»

  • Hallo zusammen!


    So, endlich habe ich meinen beruflichen Lese-Marathon (für den Moment) beendigt und komme wieder zu was anderem!


    Ich habe in der Zwischenzeit zwei weitere Kapitel in James' The Wings of the Dove gelesen. Dabei bin ich auf folgende Personenbeschreibung gestossen (ganz zu Beginn des 1. Kapitels des 2. Buches):


    [size=9px]Merton Densher, who passed the best hours of each night at the office of his newspaper, had at times, during the day, to make up for it, a sense, or at least an appearance, of leisure, in accordance with which he was not infrequently to be met in different parts of the town at moments when men of business are hidden from the public eye. More than once during the present winter's end he had deviated toward three o'clock, or toward four, into Kensington Gardens, where he might for a while, on each occasion, have been observed to demean himself as a person with nothing to do. He made his way indeed, for the most part, with a certain directness over to the north side; but once that ground was reached his behaviour was noticeably wanting in point. He moved, seemingly at random, from alley to alley; he stopped for no reason and remained idly agaze; he sat down in a chair and then changed to a bench; after which he walked about again, only again to repeat both the vagueness and the vivacity. Distinctly he was a man either with nothing at all to do or with ever so much to think about; and it was not to be denied that the impression he might often thus easily make had the effect of causing the burden of proof in certain directions to rest on him. It was a little the fault of his aspect, his personal marks, which made it almost impossible to name his profession.


    He was a longish, leanish, fairish young Englishman, not unamenable, on certain sides, to classification--as for instance by being a gentleman, by being rather specifically one of the educated, one of the generally sound and generally civil; yet, though to that degree neither extraordinary nor abnormal, he would have failed to play straight into an observer's hands. He was young for the House of Commons, he was loose for the Army. He was refined, as might have been said, for the City and, quite apart from the cut of his cloth, sceptical, it might have been felt, for the Church. On the other hand he was credulous for diplomacy, or perhaps even for science, while he was perhaps at the same time too much in his mere senses for poetry and yet too little in them for art. You would have got fairly near him by making out in his eyes the potential recognition of ideas; but you would have quite fallen away again on the question of the ideas themselves. The difficulty with Densher was that he looked vague without looking weak--idle without looking empty. It was the accident, possibly, of his long legs, which were apt to stretch themselves; of his straight hair and his well-shaped head, never, the latter, neatly smooth, and apt into the bargain, at the time of quite other calls upon it, to throw itself suddenly back and, supported behind by his uplifted arms and interlocked hands, place him for unconscionable periods in communion with the ceiling, the tree-tops, the sky. He was in short visibly absent-minded, irregularly clever, liable to drop what was near and to take up what was far; he was more a prompt critic than a prompt follower of custom. He (49) suggested above all, however, that wondrous state of youth in which the elements, the metals more or less precious, are so in fusion and fermentation that the question of the final stamp, the pressure that fixes the value, must wait for comparative coolness. And it was a mark of his interesting mixture that if he was irritable it was by a law of considerable subtlety--a law that in intercourse with him it might be of profit, though not easy, to master. One of the effects of it was that he had for you surprises of tolerance as well as of temper. <a href="http://www2.newpaltz.edu/~hathaway/wings1.html#Book 2 Chapter 1">Quelle</a>[/size]


    I love it, I simply love it!


    By the way: H. G. Well brauchte für James' Stil den Vergleich a hippopotamus in pursuit of a pea :smile: ; sein Bruder William, der ja auch kein Dummkopf war, beklagte sich of having to read innumerable sentences twice over to see what the dickens they could possibly mean. Aber ich gebe zu, ich liebe so was!


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo sandhofer !


    Wow, liest sich nicht schlecht !! Vor allem der erste Absatz gefällt mir ausnehmend gut. Er hat ja geradezu über eine vorgegebene Belanglosigkeit den Charakter beschrieben. Dabei fällt mir natürlich gleich Virginia Woolf ein, die hat sich da ja wohl einiges abgeguckt.


    Ja, da freue ich mich schon auf das "Portrait".


    Danke, dass Du den text mit uns geteilt hast :winken:


    Gruß von Steffi

  • Hallo zusammen!


    Eine weitere - vielleicht noch bessere - Personenbeschreibung bzw. -einführung bietet das erste Kapitel des dritten Buches. Aber da müsste ich das ganze Kapitel kopieren, um einen richtigen Eindruck geben zu können.


    Am besten (wie immer): selber lesen!


    Und Achtung: Wer schon bei Th. Mann (z. B. im Zauberberg) das Gefühl hatte, die Sätze seien zu lang und Teile der Erzählung, weil ohne 'Action', überflüssig, sollte von James vorläufig die Finger lassen!


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo zusammen!


    Ich habe nun The Wings of the Dove fertig gelesen. Ich reihe dieses Buch für mich unter die ganz grossen Romane ein, zusammen mit dem Mann ohne Eigenschaften, A la Recherche du temps perdu, der Anna Karenina, Schuld und Sühne, dem Nachsommer ...


    Sein Bruder hat James offenbar zu diesem Roman geschrieben, er (Henry) weigere sich in diesem Buch eindeutig und mit Erfolg, eine Geschichte zu erzählen. Tatsächlich erfahren wir alles nur aus den Reflexionen der Hauptpersonen, v.a. Denshers. Er denkt ständig darüber nach, was geschehen ist, was gerade geschieht und v.a., was sein Gegenüber gerade denken könnte. James ist womöglich ein noch grösserer Meister des Dialogs als Fontane.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo sandhofer !


    Zitat

    Er denkt ständig darüber nach, was geschehen ist, was gerade geschieht und v.a., was sein Gegenüber gerade denken könnte.


    Das klingt für mich tatsächlich sehr spannend. War es anstrengend, den Faden nicht zu verlieren ? Nachdem Du so begeistert bist, nehme ich an, dass James es schafft, ebenso wie Thomas Mann, die Verbindungen nie zu verlieren. Ich bin ja eher ein unaufmerksamer Leser und muss mich bei weniger virtuosen Schriftstellern manchmal richtig am Riemen reissen.


    Nachdem das "Portrait" ja noch auf meinem SUB liegt, werde ich heute damit anfangen - quasi als Einstieg zu The Wings of the Dove, den ich ja nun unbedingt auch lesen muss. :zwinker:


    Gruß von Steffi

  • Hallo zusammen!
    Hallo Steffi!


    Zitat von "Steffi"

    Das klingt für mich tatsächlich sehr spannend.


    Ist es, wenn man diese Art zu schreiben mag.


    Zitat von "Steffi"

    War es anstrengend, den Faden nicht zu verlieren ?


    Ja und nein. Es ist v.a. anstrengend, in James' Satzkonstrukten den Überblick zu behalten. Die Story wird in der zweiten Hälfte dann praktisch nur noch aus der Sicht Denshers erzählt, was es m.M. erleichtert, den Faden zu behalten. Vorausgesetzt, man bzw. frau kann sich in die männliche Unzulänglichkeit, die Frauen zu verstehen, einfühlen. Was mir ja problemlos gelingt. :breitgrins:


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo zusammen,
    hallo sandhofer !


    Zitat

    man bzw. frau kann sich in die männliche Unzulänglichkeit, die Frauen zu verstehen, einfühlen.


    Frau saugt das Wissen um diese männliche Unzulänglichkeit quasi schon mit der Muttermilch ein :breitgrins: , das wäre dann lediglich noch eine der vielen weiteren Bestätigungen ... :breitgrins:


    Wie angekündigt habe ich gestern noch mit "The Portrait of a Lady" angefangen. Die Eingangszene, er beschreibt ironisch-genüßlich eine "tea-time" in England und vermischt köstlich amerikanischen und englischen Snobismus (James war ja Amerikaner), hat es mir schon sehr angetan, mir gefällt sein Stil auch sehr gut.


    Sandhofer, hattest Du nicht mal gesagt, Du könntest mit Virginia Woolf nichts anfangen ? Also, sie schreibt ganz in diesem Stil - zumindest was jetzt die ersten paar Seiten dieses Romans betrifft.


    Gruß von Steffi

  • Hallo zusammen!
    Hallo Steffi!


    Zitat von "Steffi"

    [...] vermischt köstlich amerikanischen und englischen Snobismus (James war ja Amerikaner), hat es mir schon sehr angetan, mir gefällt sein Stil auch sehr gut.


    Hältst Du uns auf dem Laufenden? Übrigens liess sich James in Grossbritannien einbürgern.


    Zitat von "Steffi"

    Sandhofer, hattest Du nicht mal gesagt, Du könntest mit Virginia Woolf nichts anfangen ? Also, sie schreibt ganz in diesem Stil - zumindest was jetzt die ersten paar Seiten dieses Romans betrifft.


    Habe ich das? Sie reizt mich nicht - obwohl sie nach dieser Deiner Aussage ein paar Zentimeter in meiner Aufmerksamkeit gestiegen ist :zwinker: ...


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo zusammen,


    morgen kommt die Verfilmung:


    25.12.2004
    ZDF // 0.55 Uhr // Die Flügel der Taube // Drama, GB/USA 1997, mit
    Helena Bonham Carter u.a.


    Grüße von
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)