Dmitrij Mamin-Sibirjak


  • Veröffentlicht 1883.


    Nach langem Aufenthalt in St. Petersburg kehrt Sergej Alexandrowitsch Priwalow in seine Heimatstadt Usel (fiktiv, nehme ich an) im Ural zurück.
    Von den im Titel erwähnten Millionen erfahren wir bald, dass sie im Wesentlichen auf dem Papier existieren, sowie in den Köpfen der "gehobenen" Useler Gesellschaft.
    Die den Neuankömmling, ohne seine Zustimmung allerdings, umgehend auf den Heiratsmarkt bringen will.
    So gesehen ist das ein Tanz ums Goldene Kalb, nur ohne Kalb.


    Priwalow, Idealist und Pragmatiker in einem, beschäftigt sich lieber mit dem Aufbau einer Getreidemühle, als in den Prozess und die Intrige um die ihm zustehenden Schatrow-Werke einzugreifen. Es geht um Gold- und Erzschürferei, Industriebarone, Ural und Sibirien im beginnenden Industriezeitalter. Und um die Veränderungen, die dies für die Ureinwohner des Gebietes mit sich bringt. Landnahme, Hungersnot, Ausbeutung. Die Leibeigenschaft ist aufgehoben, stattdessen müssen sich die landlosen Bauern in den den neu entstehenden Fabriken und Bergwerken verdingen.


    Priwalow möchte die Schuld abtragen, die er auf sich lasten fühlt, weil seine Vorfahren Land und Bewohner skrupellos ausgebeutet haben.


    So sind denn die in diesem Roman geschilderten Salons nicht jene des Adels oder Großbürgertums, wie wir es aus vielen Romanen des 19. Jahrhunderts kennen. In Usel regiert eine Kaste von Emporkömmlingen. Nicht, dass es weniger verlogen zuginge ...


    Wie es in einem Roman dieser Länge sein sollte, gibt es nicht die eine Hauptperson. Priwalow kommt einen guten Teil der Handlung über hauptsächlich in den Köpfen anderer vor. Und wird dadurch facettenreicher.


    Überhaupt ist es ja schön, zu erfahren, was die Mitmenschen so über einen denken :zwinker:


    Der Klappenzettel meiner Ausgabe gibt an, Mamin-Sibirjak habe den Ural und Sibirien als Schauplatz in die russische Literatur eingeführt.
    Wenn ich an dem Roman überhaupt was auszusetzen habe, dann, dass beide eher am Rande vorkommen. Von Ausflügen in die Schatrow-Werke und Priwalows Mühle mal abgesehen.


    Ansonsten wird ge- und entliebt, gemauschelt, intrigiert, prozessiert, wie es in Gesellschaftsromanen eben so ist.
    Und das ist sehr gekonnt geschrieben, mit Giftigkeit, wenn erforderlich.
    Ob Mamin nun Realist, Naturalist, oder sonstwas war, ist mir nicht so wichtig; ich kann mit derlei nicht so viel anfangen.
    Satire konnte er offenkundig.


    Dmitrij Mamin,1852-1912.
    Wikipedia gibt als Geburtsort

    Zitat


    Nizhny Tagil, near Yekaterinburg in the Urals


    an.
    Aber im Nachwort meiner Ausgabe (durch Übersetzer Bruno Goetz) steht:

    Zitat


    Mamins Geburtsort war die vom weithin bekannten Multimillionär Demidow gegründete industrielle Siedlung Wissimo-Schaitansk im Permschen Gouvernement.


    Und hier (auch hier, lesenswert!) findet sich

    Zitat


    Visim, Gebiet Ekaterinburg (Swerdlowsk) … Der Geburtsort von Dmitri Mamin ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein einmal gemachter Fehler über Generationen von Wissenschaftlern hinweg vererbt. Irgendjemand hatte "in Erdkunde nicht gut aufgepasst und am Fluss Kama im Gouvernement (heute "Oblast") Perm das Dorf Visim gefunden; dass Perm nicht in Sibirien liegt, ist ihm nicht aufgefallen, und auch nicht, dass es dort im Dorf Visim kein Hüttenwerk namens Visimo Šajtansk (gesprochen Wissimo-Schajtansk) gibt.
    Der in fast allen Nachschlagewerken angegeben Geburtsort "Wissimo-Schajtansk", Oblast (Gebiet) Perm ist also falsch; Mamin wurde im Dorf Visim am Westhang des südlichen Ural, etwa 100 km nordnordwestlich von Ekaterinburg im gleichnamigen Gouvernement (respektive Oblast Swerdlowsk) geboren. In diesem Dorf hatte der Industriemagnat Demidow ein Hüttenwerk mit Siedlung errichtet, das den Namen Visimo Šajtansk erhielt.


    Noch Fragen? :zwinker:
    Der Zuname "Sibirjak" bedeutet, klar, "Der Sibirer".


    Über den Ankauf des Romans "Korn" denke ich dann mal nach; mit welchem Ergebnis, ist ja abzusehen.


    Lesenswert!


    Gruß, Leibgeber

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)