Den "Ardinghello" (1787) habe ich im Juli nach 150 Seiten abgebrochen, im August aber wieder aufgenommen und zu Ende gelesen.
Es hat sich nicht gelohnt.
Die interessanteste Stelle ("Bacchanal") kam plötzlich und völlig unvermutet, es ist eine sehr pornographische Stelle, worin hübsche Italienerinnen und Italiener sich im Laufe eines Tanzes gänzlich entkleiden und sich in den verschämtesten Posierungen zeigen. Sehr sehr sonderbar! Ich musste etwas stutzen. Ich dachte, gewiss lesen die meisten Leute diese Stelle mehr als nur einmal.. ich hab's auch dreimal gelesen. Es ist einfach kurios.
Aber meiner Meinung nach miserabel sind die Kunstbeschreibungen! Das Buch wimmelt fast nur von diesen Beschreibungen! Zum Beispiel:
"Der Kopf der Madonna ist einer der schönsten welschen weiblichen Köpfe. Wie klar die Stirn [...] wie schön die großen Augenlider, vollen jugendlichen Wangen mit Schamröte überzogen, wie jungfräulich, wie süß der völlige Mund, das zarte Kinn" etc. etc.
Er findet nur abstrakte Adjektive!
Schwache Metapher, z. B.:
"der blaue unermeßliche Äther schwebt darüber [über der Landschaft] wie eine Henne über ihren Küchlein"
Begabung zeigt Heinse nur bei wollüstigen Szenen. Ein pornographisches Talent!
Trotzdem reizt es mich, seine "Hildegard von Hohental" (Roman über die italienische Oper) und seine "Anastasia" (Roman über das Schachspiel) zu lesen. Kennt sie jemand von euch? Was könnt ihr darüber sagen?
Gruß