Hallo zusammen!
Wenn ich ganz präzise sein wollte, und mich an die 70-Jahre-Frist halten, die es braucht, um gemeinfrei zu werden (was wir hier in die Definition von "Klassiker" genommen haben), müsste ich noch bis Ende Jahr warten, bevor ich den Thread hier eröffnen dürfte. Ich tu's trotzdem mal - sonst darf ich ihn im Dezember wieder verschieben ...
Ich lese aktuell die 4-bändige Ausgabe von Glausers kleineren Werken - [kaufen='3857913843'][/kaufen] -, die alle Werke von Glauser enthält ausser der Lyrik, den Briefen und den grossen Romanen. Die Werke sind zeitlich geordnet. Band 1, den ich jetzt beendet habe, enthält demnach Glausers Frühestes. Seine Juvenilia, die er noch als Gymnasiast in Genf und auf Französisch schrieb, sind, was Juvenilia halt so sind: Vorlaute Kritiken an heute unbekannten Lokalgrössen. Eine Ausnahme bildet ein nicht schlecht gelungenes Portrait von Thomas Mann. Eine erste kurze Erzählung nimmt dann schon eines der Standard-Themen Glausers in jener Zeit (1913-1921, wo Glauser in die Fremdenlegion eintritt) auf: Der Konflikt des Kindes mit seinem Vater. Mit seinem Eintreffen in Zürich beginnt Glauser dann auf Deutsch zu schreiben, und - mit Ausnahme der Briefe an den Vater, die in der französischen Vatersprache gehalten sind - wird Glauser nun beim Deutschen bleiben. Seine frühen deutschsprachigen Erzählungen zeigen bereits ein grosses Talent, auch wenn noch kein eigener Ton zu merken ist, sondern eine starke Anlehnung an den Expressionismus.
Der eigene Ton tritt erst in den nach der Legionärszeit verfassten Texten auf. Zunächst bleibt vieles autobiografisch: Vignetten aus der Legionärszeit, aus der Zeit, wo Glauser als Sommelier in Paris arbeitete etc.
Ich bin gespannt auf die restlichen Bände.
Grüsse
sandhofer