Bürger, Voß, Stolberg: Priapische Oden

  • Ich war auf der Suche nach schönen beruhigenden Idyllen von Johann Heinrich Voß - und fand auf zeno.org "Priapische Oden" von Voß/Bürger/F. L. Stolberg:


    z.B. "An Priap": http://www.zeno.org/Literatur/…/Priapische+Oden/An+Priap



    Da tun sich Abgründe auf! Ich hätte nie gedacht, dass Voß so etwas hätte schreiben können. Ich bin wohl auch etwas entsetzt. Soll Voß dadurch all meinen Respekt verlieren? Nein, - aber ich habe ihn nun von einer anderen Seite kennengelernt. Davon hätte ich mir nichts träumen lassen.


    Ich kann nur den Kopf schütteln -



    Lieben Gruß

  • Hallo Knabe,


    Zitat von "Knabe"


    Da tun sich Abgründe auf! Ich hätte nie gedacht, dass Voß so etwas hätte schreiben können.


    na ja, wenn's vom ätherischen Hölderlin gewesen wäre, hätte es mich auch erstaunt, aber dem bodenständigen Voß würde ich so etwas schon zutrauen. ;-) Seine Gedichte zeigen doch, daß er kein Kind von Traurigkeit war, und er hat auch manches derbe Wort in seinen Dichtungen verwendet. Ob aber das zitierte Gedicht (offenbar eine Nachdichtung eines französischen Gedichts, wie Stoerte geschrieben hat) wirklich von Voß ist, weiß ich nicht. Eine kritische Voß-Ausgabe, wo man das nachschauen könnte, gibt es wohl nicht, oder?


    Zitat von "Knabe"


    Davon hätte ich mir nichts träumen lassen.


    Glücklicherweise sind uns einige alte Liederhandschriften mit obszönen Liedern erhalten geblieben, weshalb wir eine ungefähre Vorstellung davon haben, was Studenten und andere leichtfertige Leute :breitgrins: damals gesungen und gehört haben. Das Gedicht von G. A. Bürger aus dem hier diskutierten Dichter-Wettstreit ist in einer sehr ähnlichen Variante in der sog. Liederhandschrift des Fräuleins von Crailsheim enthalten. Diese Handschrift, die freilich nicht nur obszöne, sondern auch harmlose Lieder enthält, ist wahrscheinlich um 1750 entstanden; niedergeschrieben wurde sie von einem Freiherrn von Crailshaim, einem fränkischen Adligen, der keine Bedenken hatte, die Handschrift im Jahre 1774 seiner damals erst dreizehnjährigen Tochter zu schenken, was bei späteren Herausgebern einiges Erstaunen ausgelöst hat.


    Ich bin mir ziemlich sicher, daß die meisten Dichter dieser Zeit derartige Lieder mit sexueller Thematik kannten, und zumindest in jungen Jahren wird wohl auch der ein oder andere Dichter auf den Gedanken gekommen sein, seine dichterische Potenz in diesem sprachlichen Tabubereich zu demonstrieren. ;-) Auch Goethe hat ja so aparte Wörter wie "Schnuck-Fötzgen" zu Papier gebracht.


    Schöne Grüße,
    Wolf