Der postmoderne Roman

  • Hallo zusammen!


    Ich bin mir nicht sicher, ob das nun ein Steckenpferd der Iris Radisch ist, oder eine Tendenz der aktuellen Literaturkritik:


    Zusehends fühle ich mich mit dem Begriff des "postmodernen" Romans konfrontiert. Gemeint sind Romane, die von Anspielungen, Zitaten etc. aus andern Werken nur so wimmeln:


    - Klaus Hoffer: Bei den Bieresch
    - Marisha Pessl: Physik des Unglücks
    - Umberto Eco: passim


    Ist natürlich schön, so was. Da kann der/die Kritiker/in seine/ihre Belesenheit demonstrieren. Und der Literaturwissenschafter Anmerkungen produzieren.


    Ich frage mich trotz allem: Wieso heisst dieses Phänomen "postmodern"? Wenn schon, müsste das doch "prämodern" heissen, oder? Sterne, Rabelais, Montaigne, Robert Burton, Jean Paul, Joyce, Arno Schmidt ... was haben die anderes gemacht?


    Grüsse


    sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • Sterne, Rabelais, Montaigne, Robert Burton, Jean Paul, Joyce, Arno Schmidt ... was haben die anderes gemacht?


    Grüsse


    sandhofer


    Hallo Sandhofer,
    gute Frage. Wobei ich nur bei den obigen Schriftsteller das Gefühl habe, dass ich mit nur EINEM Buch von denen, mein ganzes Leben verbringen und immer wieder neu entdecken könnte. (Nur der Name Robert Burton sagt mir so rein garnichts. Ein Grund im Internet zu forschen).


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()


  • Ich frage mich trotz allem: Wieso heisst dieses Phänomen "postmodern"? Wenn schon, müsste das doch "prämodern" heissen, oder? Sterne, Rabelais, Montaigne, Robert Burton, Jean Paul, Joyce, Arno Schmidt ... was haben die anderes gemacht?


    Das ist ganz witzig, weil ich gerade "A Cock and Bull Story" angeschaut habe (http://bonaventura.musagetes.de/?p=213), der teilweise eine Verfilmung von Sternes "Tristram Shandy" ist, und darin behauptet der Hauptdarsteller, Sternes Buch sei der erste postmoderne Roman und also seiner Zeit weit voraus. Was wohl auch nicht mehr als eine Überschätzung der Moderne ist, die ja in Wahrheit – naja, lassen wir die Wahrheit in Frieden.


    Ansonsten würde ich das Gerede von der Postmoderne nicht allzu ernst nehmen, denn die »großen Zeiten« der postmodernen Theoretiker sind ja schon wieder vorbei. Als postmoderne Werke werden in der Regel Sachen verkauft, die für ihre Mischung von Manierismus und Eklektizismus (für Epigonen eine oft charakteristische Mischung) eine ästhetische Kategorie benötigen, die keinen negativen Beiklang hat. Also nennen sie sich postmodern.


    Gruß, Bonaventura

  • Ansonsten würde ich das Gerede von der Postmoderne nicht allzu ernst nehmen, denn die »großen Zeiten« der postmodernen Theoretiker sind ja schon wieder vorbei.


    Dann könnte man also sagen, dass der Begriff nunmehr den Bodensatz erreicht hätte? (Nämlich die Literaturkritik.) :breitgrins:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo!



    Zusehends fühle ich mich mit dem Begriff des "postmodernen" Romans konfrontiert. Gemeint sind Romane, die von Anspielungen, Zitaten etc. aus andern Werken nur so wimmeln:


    Der Höhepunkt war doch im Gefolge von "Name der Rose", ich habe nicht den Eindruck dass jetzt mehr davon die Rede ist als Anfang der Neunziger. Meine Meinung zur Postmoderne ist ja bekannt, allerdings unterscheide ich hier zwischen Literatur und Philosophie.


    CK

  • Der Höhepunkt war doch im Gefolge von "Name der Rose", ich habe nicht den Eindruck dass jetzt mehr davon die Rede ist als Anfang der Neunziger.


    Ich gebe zu, dass ich zu jenem Zeitpunkt anderweitig war, und dies gar nicht mitgekriegt habe. Ich bin viel später dann mal über diesen Begriff in Zusammenhang mit Eco gestossen; zu einem Zeitpunkt übrigens, da mein ursprünglicher Mitte-80er-Enthusiasmus für Eco den Romancier sich schon längst verflüchtigt hatte. Nun aber hatte ich das Gefühl, dass man mir - zusätzlich zu, ausser und jenseits von Eco - Begriff wie Werke nachzuwerfen beginne. Und zwar als etwas durchaus bemerkens- und lobenswertes, vor dem das Publikum gefälligst offenen Mundes innezuhalten habe. (Oder vielleicht habe ich in letzter Zeit ein bisschen zu viel Radisch gesehen? :zwinker: )


    Meine Meinung zur Postmoderne ist ja bekannt, allerdings unterscheide ich hier zwischen Literatur und Philosophie.


    Du darfst dich gern wiederholen :zwinker: :smile:

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