Hartmann von Aue: Erec

  • Hallo zusammen!


    Nun habe ich auch das erste von Hartmanns grossen Artus-Epen nach Chrétien de Troyes gelesen: Erec. Erec, ein Ritter der Tafelrunde (von denen es nach Hartmanns Aussage 140 gibt!) wird ja später dem Iwein als warnendes Beispiel vorgehalten. Erec nämlich, der die schönste Frau in Artus' Reich (+ zweier Nachbarreiche!) geheiratet hat, "verliegt" sich mit ihr. Sprich: Die beiden finden kaum noch aus dem Bett und pflegen tagein, tagaus der Liebe, statt dass er seinen Herrscherpflichten nachkäme. Als er aber merkt, dass ihn dies zum Gespött seiner Leute macht, greift er zu einer Radikalkur. Er zieht auf "aventiure" aus und seine Frau muss mitkommen und ihm Knechtesdienste leisten. Schliesslich besiegt er den roten Ritter Mabonagrin, und kann mit seiner Frau nach Hause zurückkehren.


    Dieser Text ist uns wohl fremder als Iwein. Während Iweins Thematik - die des frisch Verheirateten, der trotz Gattin, trotz neuer Pflichten das alte sorglose Junggesellenleben weiterführen will und sorglos von einer Kneipe in die andere, von einer Schlägerei zur nächsten zieht - uns so dargestellt wird, dass wir dies auch heute noch nachvollziehen können, ist es hier ein bisschen komplizierter.


    Erecs Problematik - theoretisch genauso nachvollziehbar als die eines frischvermählten über alle Ohren verliebten Paares, das sich um Verwandte, Bekannte, Freunde und gar den Job den Teufel schert - wird für den heutigen Leser allzu oberflächlich behandelt. Was nun daran besser sein soll, dass das Paar nicht zusammen im Bett bleibt, sondern auf der Strasse umherzieht, wo er Schlägerei um Schlägerei anzettelt (pardon: eine "aventiure" nach der andern besteht), auch schon mal für tot liegenbleibt, kann nur verstehen, wer das höfische Ideal eines Herrschers und Ritters kennt. Vom heutigen Standpunkt her würden wir Erec nicht die Fahrt auf "aventiure" empfehlen, sondern, dass er sich mal auf seinen Hosenboden und seinen Thron hinsetzen und regieren, Recht sprechen und verwalten sollte.


    Fazit: Dem heutigen Leser würde ich Iwein unbedingt empfehlen; Erec ist für die, die ans Mittelalter gewohnt sind, lesenswert - steht aber auf jeden Fall hinter Iwein zurück.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo sandhofer,


    ich habe mein Buch immer noch nicht gelesen, es liegt noch auf dem SUB.


    Den Erec gibt es auch bald als Taschenbuch aus dem Klassikerverlag.


    Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Also ich lese den Eric endlich, liegt ja seit nunmehr 7 Jahren auf meinem SUB, aber vielleicht hätte ich mit dem Iwein anfangen sollen (den finde ich aber zur Zeit nicht, ein Teil des SUB ist noch verstaut). Mich erwarten lesend also noch die wildesten aventiure... Vielleicht den Iwein gleich hinterherlesen? Aber da ist noch die "Restlektüre" des Nibelungenliedes und des Willehalm zu "bewältigen"... Fest steht, ich lese mich mal wieder an den alten Mittelaltergeschichten fest. Dazu die Lyrik des frühen Mittelalters... Ich fange schon an von Burgen, Drachen, Zwergen usw. zu träumen... :breitgrins:

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10