Lawrence Durrell

  • Hallo,


    da ich dieses Jahr in die gleichnamige Stadt reise, habe ich mit Lawrence Durrells Romantetralogie


    Das Alexandria-Quartett begonnen,


    bestehend aus den Romanen Justine, Balthasar, Mountolive und Clea.


    Der Autor hat hier das Experiment unternommen, das zeitlich z.Teil gleiche Geschehen, z.T. davor und danach liegend durch die Perspektive verschiedener Personen so stark zu brechen, dass man das ganze Geschehen und den Sinn dahinter erst nach Lektüre aller vier Romane versteht. Dabei verfolgte er explizit sogar das hehre Ziel, einsteins Relativitätstheorie in Literatur zu verwandeln.
    Laut Kritik ist ihm das bei den ersten beiden Romanen gelungen, die anderen beiden werden als schwächer bewertet.


    Bin in "Justine" und weiß noch nicht, was ich von dem Ganzen halten soll.
    Es geht um sinnlich- rastlose, gleichzeitig lebensübersättigte Menschen, deren Lebenswege sich in der subtropisch-sinnenschweren Metropole Alexandria immer wieder kreuzen und gegenseitig beeinflussen.


    Bisher finde ich das Ganze sehr farbig und eindrücklich, gleichzeitig aber auch verquast und morbide. Übrigens spielt der erste Band absichtlich auf de Sade an: Die Titelheldin ist eine Freundin sexueller Ausschweifungen. Liebhaber eindeutiger erotischer Literatur werden aber hier trotzdem nicht bedient.


    Kennt jemand von euch das hier vorgestellte Werk oder vielleicht andere Bücher von Durrell?


    HG
    finsbury

  • Moin, Moin!


    da ich dieses Jahr in die gleichnamige Stadt reise, habe ich mit Lawrence Durrells Romantetralogie Das Alexandria-Quartett begonnen, bestehend aus den Romanen Justine, Balthasar, Mountolive und Clea. Kennt jemand von euch das hier vorgestellte Werk oder vielleicht andere Bücher von Durrell?


    Das Alexandria-Quartett gehört für mich zu den intensivsten Leseerfahrungen. Damit sei auch die Mühe, die du schon su spüren bekommst, eingeschlossen, die die Lektüre einem abfordert. Ich kann dich trotzdem ermutigen, durchzuhalten. Durrell hat noch zig andere Bücher geschrieben, z.B. eine Roman-Pentalogie, die ich hier mal erwähne, damit man sie bei späteren Gelegenheiten bei Bedarf hervorholen und die Info verwenden kann:


    --Durrell, Lawrence: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499129094/">Monsieur oder Der Fürst der Finsternis</a> (1)
    --Durrell, Lawrence: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499131307/">Sebastian oder Die Gewalt der Leidenschaft</a> (2)
    --Durrell, Lawrence: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499131293/">Constance oder Private Praktiken</a> (3)
    --Durrell, Lawrence: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499130610/">Livia oder Lebendig begraben</a> (4)
    --Durrell, Lawrence: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3499131315/">Fünfauge oder Was der Frauenmörder erzählt</a> (5)

  • Hallo Dostojevskij,


    danke für die schnelle Reaktion.
    Nein, ich werde sicher durchhalten. Auch wenn es lange dauert, was ich einmal anfange zu lesen, das bringe ich auch zu Ende.
    Und, wie du auch schreibst, es ist eine sehr intensive Atmosphäre, die einen in das Buch hineinzieht. Da kann man dann mal über quasiphilosophisches Geschwätz hinwegsehen.


    HG
    finsbury

  • Hallo zusammen,


    habe nun die "Justine" durch und nach einigen Durchhängern wieder Spaß am Stoff gefunden.
    Immer dann, wenn Durrell keinen wirren Weltanschauungsquark und Trivialpsychologie von sich gibt, ist er richtig gut: Die erzählten Passagen und besonders die Schilderungen haben eine wunderschöne Sprachmagie.
    Besonders die letzten dreißig Seiten der "Justine", in denen eine schicksalhafte Entenjagd auf dem Alexandria im Süden begrenzenden Mareotissee beschrieben wird, sind unvergesslich. Man wird in die Stimmung hineingezogen.
    Nun beginne ich den zweiten Band, "Balthazar", in dem die gleichen Ereignisse nochmal aus einem anderen Blickwinkel beschrieben worden sein sollen.


    HG
    finsbury

  • Hallo zusammen,


    nun habe ich auch den dritten Band "Mountolive" des Alexandria-Quartetts gelesen. Obwohl er in der literarischen Wertung (zumindest lt. Kindler) deutlich schlechter wegkommt als die beiden ersten Bände, da er angeblich traditionell und nicht multiperspektivisch wie die anderen Bände erzählt sei - was ich überhaupt nicht bestätigen kann - ist er mir deutlich leichter gefallen.
    Hier gibt es nämlich wesentlich weniger Geschwafel über Frauen, Kunst und Männlichkeit als in den ersten beiden Bänden, dafür erfährt man Interessantes über die damalige historische Lage und die Machtinteressen im nahen Osten kurz vor Ausbruch des 2.Weltkriegs.
    Vorletzte Woche war ich in Alexandria. Die heutige Stadt hat weder etwas mit dem antiken Alexandria noch mit dem mondänen Alexandria der Reichen zur Zeit des "Quartetts" zu tun, sondern ist ein chaotischer, stark verfallener Neun-Millionen-Moloch und trotzdem oder gerade deshalb faszinierend. Überall prallen die Gegensätze hart aufeinander, alles wuselt durcheinander, der Verkehr ist genauso entsetzlich und lebensverkürzend wie in Kairo, alles befindet sich im Bau oder Abriss oder beidem gleichzeitig und dennoch es klappt irgendwie!


    Der letzte Band "Clea" beginnt wieder schrecklich zäh mit diesen oben genannten Ergüssen, weshalb ich auch erstmal was Netteres dazwischen geschoben habe.


    Bin immer noch hin und hergerissen, ob ich das Werk wegen zu viel Geschwafels nicht mag oder wegen seiner wunderbaren Schilderungen der Stadt und des Landes doch schätze! Warum nicht beides?!


    HG


    finsbury

  • Moin, Moin!


    Der letzte Band "Clea" beginnt wieder schrecklich zäh mit diesen oben genannten Ergüssen, weshalb ich auch erstmal was Netteres dazwischen geschoben habe. Bin immer noch hin und hergerissen, ob ich das Werk wegen zu viel Geschwafels nicht mag oder wegen seiner wunderbaren Schilderungen der Stadt und des Landes doch schätze! Warum nicht beides?!


    Komisch, ich habe - "Ergüsse" impliziert ja "Redundanz - nichts an diesen vier Büchern als Geschwafel empfunden. So verschieden kann eben Lektüre sein und wirken...

  • Hallo Dostojevskij,


    Zitat von "dostojevskij"

    Komisch, ich habe - "Ergüsse" impliziert ja "Redundanz - nichts an diesen vier Büchern als Geschwafel empfunden. So verschieden kann eben Lektüre sein und wirken...


    in der Tat. Ich empfinde viele der Ausführungen über Justines magische Wirkung und die Äußerungen über Literatur, Leben und eben die Liebe als extrem sentenziös. Ich habe den Eindruck, dass es dem Autor häufig weniger um den Inhalt als um den Effekt geht, besonders wenn er aus dem "Werk" von Pursewarden zitiert. Da werden Nietzsche und anderes miteinander vermengt: Hauptsache, es klingt wichtig. Aber es sind nur Behautpungen: Such mal nach Begründungen; Da wirst du wenig finden und eventuell soger in einem trüben, zumindest elitär-kolonialem Gedankengut fischen.


    Dennoch: Wenn ich die Beschreibung der Karnevalsfeier in "Balthazar", den Aufenthalt Mountolives auf dem Landgut, die Todesfeier für Narouz im dritten Band lese, das ist selten eindrücklich und große Literatur.


    HG


    finsbury