Hallo zusammen!
Ich habe mir bekanntlich für die Leserunde zu Hauffs Märchen-Almanachen, die dann vorläufig nicht zustandegekommen ist, eine alte Ausgabe der Werke Hauffs gekauft: Meyers Klassiker in 150 Bänden (solche Reihen gab's früher auch schon!), die dreibändige Erstauflage. Ca. 100 Jahre alt. Interessanterweise ist in dieser Ausgabe nur der erste Märchenalmanach enthalten. (Erst die zweite, vierbändige Auflage hat m.W. die übrigen Märchen im vierten Band neu hinzugefügt. - Das weiss man aber auch erst im Nachhinein ... )
Interessant deswegen, finde ich, weil hier eine Änderung in der Rezeption bzw. Kanonisierung von Werken stattgefunden hat. Statt der Märchen, die man heute allenfalls noch kennt und liest: Hauffs historischer Roman Lichtenstein, Gedichte und drei Novellen (Die Bettlerin vom Pont des Arts, Jud Süß, Das Bild des Kaisers).
Über den Lichtenstein kann ich noch nichts sagen; da habe ich erst begonnen. Die Novellen hingegen ... na ja. Unmotivierte, bzw. psychologisch fast unmögliche Zusammenhänge in der Bettlerin, rhapsodisches Erzählen ohne Austragen der inneren Konflikte der Hauptfigur (die immer durch Ereignisse von aussen bzw. Handlungen anderer davor bewahrt wird, wirklich eine Entscheidung treffen zu müssen) im Jud Süß, am besten gelungen und sogar mit so etwas wie einem "Falken" ausgestattet, wenn auch etwas allzu süss überzuckert: das Bildnis.
Interessant, wie die Einschätzungen im Laufe nur eines Jahrhunderts geändert haben ...
Grüsse
Sandhofer