Hallo zusammen!
Text Nr. 2 meines aktuellen Mini-Projekts "Spirituelle Literatur im ausgehenden Mittelalter".
Teresa von Ávila (m.W. die spanische Nationalheilige) war eine jener starken, inspirierten Frauen, die von Zeit zu Zeit die katholische Kirche ein bisschen aufzumischen verstanden.
Ihre Energie zeigt sich auch in diesem Büchlein. Obwohl sie - wohl aus Vorsicht - von sich selber oft in der dritten Person erzählt, wenn es darum geht, mystische Erfahrungen konkret zu schildern, obwohl sie offenbar von ihrer Krankheit immer wieder am Schreiben gehindert wird, gelingt es ihr doch, einen kohärenten Text über die mystischen Erfahrungen ihrer Seele zu gestalten.
Es ist keine überhebliche, besserwisserische Ordensobere, die schreibt, sondern eine Frau, die sich ihres Wertes gegenüber den Menschen und der Kirche ebenso bewusst ist wie ihres Unwertes gegenüber Gott bzw. ihren Idealen. Lebendig geschrieben - man hat beinahe das Gefühl, man höre ihr persönlich zu - vermag sie den Leser trotz der abstrakten Materie wirklich zu fesseln.
Spirituelles vom Feinsten, aber auch ein Leseerlebnis vom Feinsten. :zwinker:
Grüsse
Sandhofer