Wolfgang Mattheuer als Zeitzeuge

  • Mattheuer hat mit seinen Bildern Atmosphäre und Stimmungen in der untergegangenen DDR festgehalten.


    Nicht dass ich der DDR irgendeine Träne nachweinen würde. Aber ich habe in ihr
    gelebt . Sie ist ein Teil meiner Biographie. Wenn ich zurück denke, versuche ich vor allem, mich in die Lebensstimmung von damas zu versetzen. Und die ist in Mattheuers Bildern enthalten.


    H.-P.Haack, Leipzig

    "Trau deinen Augen" (Otto Dix)

    Einmal editiert, zuletzt von H.-P.Haack ()

  • Zitat

    Mattheuer hat mit seinen Bildern Atmosphäre und Stimmungen in der untergegangenen DDR festgehalten.


    Dem stimme ich unbedingt zu. Mattheuers Bilder sind Zeitdokumente, aber auch eigenständige Kunstwerke, dabei von besonderer Farbkraft. Allein darum sollte man sie einmal für sich entdecken. Ich empfinde den Untergang der DDR ähnlich, versuche mir auch - je älter ich werde, um so stärker - die Zeit in Erinnerungen wachzuhalten. Dabei entdecke ich viele Künstler(innen) und Schriftsteller(innen) neu oder mit ganz anderen Augen, frei von ideologischem Ballast, der oft unnötig schwer und zu unrecht an den Werken hing (Überinterpretation nenne ich mir das). Es gibt viele handwerklich, künstlerisch und auch thematisch hochstehendes Werk der DDR-Kunst und -Literatur zu entdecken. Interessant sind für mich vor allem diejenigen, die sowohl in der DDR, als auch im wiedervereinigten Deutschland schaffen und schufen. Erstaunlich, wie verschieden da die Zeitenwende verarbeitet wurde und immer noch wird. Neuerdings auch verstärkt im Film. Plötzlich werden DDR-Kritiker zu DDR-Nostalgikern, werden linientreue Kunst-Genossen zu marktkapitalistisch agierenden Gesamtkünstlern, werden von vorher hauptsächlich sozialistisch-realistischen bekannten Künstler(innen) auch kritische und unerwartete Werke bekannt usw. Es sind ungemein knisternde und aufregende Erfahrungen, die ich dabei mache. Ich kann nur empfehlen, sich der DDR-Kunst einmal neugierig und vorbehaltlos zu nähern!


    Den Untergang der DDR empfinde ich darüber hinaus als ein Verlust vieler Möglichkeiten. Die verschenkte Utopie, die die DDR einmal war ebenso, wie der Unwille "Westdeutschlands", sich der guten Denk- und Erfahrungsansätze zu bedienen, die brach in den neuen Ländern herumlagen. Auch hier giebt es für die Suchenden vieles zu entdecken!


    Schönes Wochenende,


    FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10