• Ich habe mittlerweile einen Eingang in sloterdijksche Denkgebäude gefunden und mich darin mal umgesehen und einiges für mich gefunden. Da lagen einige Reden herum, die ich mir gleich eingestekt habe, las, wieder las und in eine Spärenkugel bin ich eingestiegen und habe völlig neue Welten kennengelernt. Ich wollte nicht mehr hinaus, es waren so schöne Bilder, teils für mich ganz neue Innenwelten. Dabei hat alles im sloterdijschen Denkgebäude einen bildnerisch-literarischen Anstrich. Sloterdijk ist kultureller Innenarchitekt und Sphärendesigner. Aber Tapeten und Möbel sind nun einmal Geschmackssache. Wer aber nicht neugierig auf sloterdijksche Innenwelten ist, wird nie eine Tür, ein Fenster, ja nicht einmal eine Schornsteinöffnung finden. Wer es aber ist, der gelangt auch durch Wände. Diese sind dann übrigens so dünn wie Blasenhäute. FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Da ich nun schon mal meinen Schnabel aufgemacht habe, möchte ich meine unprofessionelle Meinung zum hier stattfindenden Sloterdijk- und Schopenhauerbashing auch noch schnell unter die Leute bringen, ehe ich mich wieder nur auf's Lesen beschränke.


    Sloterdijk (von dem ich nur die "Kritik der zynischen Vernunft" und sein neues "Zeit und Zorn" kenne) gehört (und beansprucht vielleicht auch gar nicht) sicher nicht zu den großen Erkenntniswendern der philosophischen Geschichte unserer Kultur, kein Plato, Plotin, Kant, was weiß ich. Ich finde ihn allerdings ausgesprochen lesenswert und anregend für Perspektivewechsel, sozusagen der kulturellen Selbstreflexion und Relativierung dienlich.
    Was an dem Satz über die arabischen Jungmänner rassistisch sein soll, das begreife ich übrigens nicht. Die genannten Millionen dieser Altersgruppe und ihr Geschlechts sind ja per se noch völlig wertfrei. Die Auswirkungen dieser Struktur und ihre potentiellen Risiken dagegen für einen arroganten, materiell überlegenen, aber überalterten Westen finde ich nur zu plausibel - man lese Gibbons Fall of the Roman Empire - wieso dürfte man darüber nicht spekulieren.
    Und das Quartett schätze ich auch, vor allem wegen Safransky. Das letzte etwas schwächer, fand ich, zum Thema Manieren mit Raddatz und Asserate (wunderbar sein Buch"Manieren")


    Und Schopenhauer wird überschätzt? Taugt im Prinzip nur als Schriftsteller? Wie denn dieses?
    Die Grenzen der Erkenntnis (im Gefolge Kants) so klar herausgearbeitet zu haben, das Ding an sich zu präzisieren (versuchen) und das alles in einer Klarheit, daß sogar ein "Flachkopf"(Schopenhauers Begriff) wie ich mitkommt - wenn das nicht bahnbrechend ist, dann weiß ich's nicht.
    Sich an der selbstverständlich vorhandenen Gebundenheit in seiner Zeit, seiner rasenden Polemik gegen Lehrstuhlinhaber (sehr lustig teilweise, finde ich), seinem Frauenbild und dergleichen aufzuhängen, das hieße doch eine Symphonie wegen ein paar falschen Tönen nicht hören zu wollen - ein Verlust für den Verweigerer.
    Daß es auch ein paar logische Brüche gibt - so z.B. dann letztlich das Nichts doch mit Eigenschaften, von hinten durch die Brust in's Auge, auszustatten - ja mei, ich kann davon, wegen des überwiegenden Gewinns, absehen. Ich fand noch nirgends größere Klarheit (bin aber natürlich jederzeit bereit zu konzedieren, daß dies an meinen engen Grenzen liegen mag). "Die vierfache Wurzel...", "Die Welt als Wille und..." unüberbietbar. Amen :smile:

  • Nachdem ich den ganzen Thread überflogen habe, weiß ich nur eines beizutragen:



    Gruß, Marius

  • Danke gantenbeinin!


    Es freut mich, dass du das Wort für Sloterdijk und Schopenhauer ergreifst, denn beide sind unbedingt lesenswert und immer noch aktuell. Schopenhauer auch heute noch und Sloterdijk gerade heute. Es gibt bei beiden viele Denkanstöße und Aussagen, über die ich viel nachdenken kann, ich sehe beide Philosophen aber auch weniger als akademische Philosophen, als Kunst-, Kultur- und Lebensphilosophen. Schopenhauer hat sich seinen Platz in der Philosophiegeschichte unbestreitbar für ewig erobert. Ob das Sloterdijk gelingen wird, darüber bin ich mir noch nicht so sicher, aber ich vermute es zumindest für das europäische Denken. Sloterdijks Philosophie greift aber nicht nur gesellschaftliche Themen auf, sondern besonders auch kulturgeschichtliche und -ästhetische Themen. Das verwundert natürlich für einen Rektor an einer Hochschule für Kunst und Gestaltung nicht. Es gibt vieles, das Sloterdijk aus einem etwas ungewöhnlichen Standpunkt an- und weiterdenkt. Das macht für mich auch den Reiz sloterdijkscher Werke aus. Ich kann mir vorstellen, dass echt philosophische Denker(innen), besonders wissenschaftliche Philosoph(inn)en Sloterdijk nicht recht ernst nehmen; Politiker(innen), Soziolog(inn)en, Architekt(inn)en, Designer(innen), bildende Künstler(innen) usw. werden aber sicherlich fündig und der Lektüre nicht enttäscht. Meine Sloterdijklektüre lahmt zur Zeit wegen der starken Ausrichtung auf bildende Künste etwas, ich stecke in den hinteren Seiten des ersten Teiles der Spären, aber ich habe unbedingt vor, die Spärentrilogie zu durchlesen!


    Noch einen schönen Sonntag und Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

    Einmal editiert, zuletzt von Friedrich-Arthur ()

  • Hallo Feinde und Freunde von Peter Sloterdijk!


    Heute, am 26. Juni 2007, feiert Peter Sloterdijk seinen sechzigsten Geburtstag. Ich schließe mich den Geburtstagsgrüßen der FAZ von Lorenz Jäger unter dem Titel Peter Sloterdijk - Warum er so schöne Bücher schreibt an.


    Herzlichen Glückwunsch und Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10