Hallo,
aus Anlass meiner aktuellen Lektüre hole ich nochmal meinen alten Thread aus der Versenkung und zitiere mich auch noch selbst .
dass alles miteinander zusammenhängt, ist mir wohl auch klar. Dennoch können wir wohl heute nicht mehr von einer so unmittelbaren Wechselwirkung zwischen Kultur und Verwaltung wie damals ausgehen.
Das ist jetzt natürlich wieder nur eine These, aber es scheint doch wahrscheinlich, dass sich Legislative, Exekutive, Judikative und Kulturschaffende viel stärker persönlich untereinander kannten und austauschten, schon allein wegen der viel größeren Überschaubarkeit des
Staats- und Kulturwesens. Ich denke, bei allem Respekt und Leidenschaft für Kunstwerke jeder Art ist die Einflussnahme derselben auf die "Polis" heute doch im Einzelfall in der Regel nicht so hoch einzuschätzen.
Momentan lese ich eine Anthologie altgriechischer Lyrik (auf Deutsch) und stelle wieder fest, was ich vor Jahren hier postete. In der Antike war es z.B. wohl üblich, dass man die jungen Männer vor einer Schlacht per Lyrik auf ihre vaterländischen Pflichten aufmerksam machte und zwar, im Gegensatz zu den leider auch heute noch üblichen Schlachtgesängen durch eine sauber aufgeführte, wenn auch für den Friedliebenden von falschen Prämissen ausgehende Argumentation (Tyrtaios aus Sparta, 7. Jh. v.C.).
Ja, sogar der allseits bekannte Wegbereiter der athenischen Demokratie, Solon, ebenfalls 7. Jh., hat einen Teil seiner politischen Lehren in lyrischer Form hinterlassen. Und das sind nicht einfach Lehrtexte in gebundener Sprache, sondern Reflexionen des lyrischen Ichs über sein politisches Handeln.
finsbury