Hallo zusammen!
Griegs Peer-Gynt-Suite kenne ich ja schon seit langen; nun habe ich endlich auch mal diese Leselücke gestopft und Ibsens Drama gelesen. Ich gestehe, ich war sehr überrascht. Ibsens Text ist, obwohl bereits 1867 verfasst, sehr modern - ja fast postmodern. Peer Gynt, der weltfremde Träumer, reist zu den Trollen, wird Prophet in der arabischen Wüste und Kaiser in einem Irrenhaus in Kairo - nur um zu erkennen, dass sein Kaiserreich zu Hause bei Solveig gewesen wäre. Goethes Faust IIwird, abgewandelt, zitiert und in gewisser Hinsicht erinnert Peer Gynt an Faust. Doch, wenn Faust der Intellektuelle ist, der sucht, so ist Peer Gynt wohl eher der Dichter, der Fantast, der sucht. Und während Faust genau weiss, was er sucht, hat Peer Gynt nicht einmal eine Ahnung davon, dass er sucht. In vielem ist mir beim Lesen dann auch eher Goethes Märchen in den Sinn gekommen als der Faust. Die Verse müssen im Original sehr beeindruckend sein; ich habe die Übersetzung von Morgenstern & Co. gelesen. Aber auch so ein Text, den ich als fasznierend und zeitlos empfunden habe.
Grüsse
sandhofer